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Was macht die Fed heute? Über „idiotische Gründe“..

FMW-Redaktion

Jeff Gundlach, der in den USA als der Bond-König schlechthin und gleichzeitig als Meisterdenker der Wall Street gilt, hat kürzlich in einer bemerkenswerten Rede die Fed-Mitglieder und speziell Janet Yellen harsch kritisiert: sie hätten aus „idiotischen Gründen“ die Zinsen angehoben und wollten damit weiter machen. Sollten sie keinen Rückzieher machen und ihre Rhetorik zurück nehmen, so Gundlach, würden die Märkte weiter crashen („they have got to dial this rhetoric back or the markets are going to humiliate them.“).

Die Grundfrage für die heutige Fed-Sitzung lautet daher: werden sie ihre Rhetorik zumindest etwas zurück nehmen? Die Märkte sagen: ja, sie werden. Aber die Wahrscheinlichkeit ist gar nicht gering, dass die Märkte sich täuschen. Denn die Fed hat im letzten Jahr eine bittere Erfahrung gemacht: als China crashte im Juli/August verschob sie die eigentlich geplante erste Anhebung der Zinsen. Damals unter Hinweis auf die Entwicklung an den Finanzmärkten. Schon bei ihrer nächsten Sitzung – die Märkte hatten sich inzwischen beruhigt – war dieser Verweis auf die Unruhe an den Märkte verschwunden. Und die Fed dürfte daraus die Lehre ziehen, dass es für sie ein Problem ist, wenn sie sich von der Entwicklung der Märkte zu sehr treiben läßt. Zumal die Turbulenzen an den Märkten seit Jahresbeginn zwar heftig waren, aber nicht ganz das crashartige Ausmaß etwa des Black Monday vom 24.August 2015 erreichten. Die Fed wird sich also sagen: die Stürme an den Märkten gehen vorüber, daher sollten wir bei unserer Haltung bleiben.

Und das wäre dann ein Musterbeispiel, wie aus Erfahrung Fehler resultieren. Denn wenn die Fed bei ihre verbal geäußerten Absicht bleibt, die Zinsen vier Mal in 2016 und dann im Folgejahr ebenso oft anzuheben, wird es für die Märkte richtig ungemütlich. Denn die Folge wäre Dollar-Stärke auf breiter Front, die derzeit nicht vorhanden ist, weil der Markt eben glaubt, dass die Fed zurückrudern wird. Und wenn der Dollar deutlich stärker wird, kommen die Währungen der Schwellenländer erneut stark unter Druck, und, was noch gefährlicher ist, der Yuan. Peking müsste dann massiv gegensteuern, und damit immer mehr der ohnehin geschrumpften Währungsreserven verbraten, um den Yuan zu stützen. Und ein starker Dollar bringt auch den Ölpreis unter Druck. Und mit dem Ölpreis auch den Junk-Bond-Markt – es wäre also eine Kettenreaktion von Kollateralschäden, die dann eintreten würden.

Man darf einen Fehler nicht machen – nämlich die Klugheit der Fed-Mitglieder zu überschätzen. Daher ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Fed heute hawkish bleiben wird und damit die Märkte massiv enttäuscht. Denn Jeff Gundlach hat Recht: die Fed hat wirklich aus „idiotischen Gründen“ die Zinsen angehoben – idiotisch deshalb, weil sie den gefakten (seasonal adjustments!) US-Arbeitsmarktdaten glaubt, die den den wahren Zustand der US-Wirtschaft mehr verschleiern als alles andere..



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