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Anleihen

Was so abläuft: Target2-Salden, Euro, Yen-Stärke, neues Allzeittief bei 2-jährigen deutscher Staatsanleihen

Während der Dax heute erstmals seit knapp zwei Jahren über die 12.000er-Marke gestiegen ist, gibt es ein paar Auffälligkeiten! Hier sind sie..

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Wir erleben derzeit Euro-Schwäche – die Gemeinschaftswährung auf dem tiefsten Stand seit sechs Wochen zum US-Dollar. Das liegt vorwiegend an den von den Märkten als gestiegen eingepreisten Wahrscheinlichkeit eines Sieges Le Pens bei der Stichwahl am 07.Mai:

Auffallend: Gold steht zum Euro so hoch wie seit der Wahl Donald Trumps Anfang November nicht mehr:

(Gold-Euro)

Unterdessen steigen die Target2-Salden der Bundesbank auf ein neues Allzeithoch: Bräche die Eurozone auseinander, wird die Rechnung für Deutschland immer teurer. Entgegen landläufigen Annahmen der Vodoo-Ökonomie können die Zentralbanken oder die EZB diese Forderungen nicht einfach nullen, weil den Target2-Salden reale Zahlungen zugrunde liegen:

Und heute fällt die Rendite für die 2-jährige deutsche Staatsanleihe, die im Schatz-Future gehandelt wird, auf ein neues Allzeittief:

Dafür gibt es zwei Gründe: erstens die EZB, die nach einer kleinen, ganz ganz winzigen Änderung ihrer Regeln nun auch im Rahmen ihres QE Anleihen kaufen kann, die unter dem Einlagesatz von -0,4% liegen. Der zweite Grund: angesichts der Unsicherheit über die Wahlen in Frankreich flüchten institutionelle Investoren in die vermeintliche Sicherheit deutscher Staatsanleihen, gerade wenn es Kurzläufer sind (weil man damit das Kapital flexibler hält)!

Auffallend ist derzeit vor allem auch die derzeitige Yen-Stärke – normalerweise gilt der Yen als sicherer Hafen, steigen die Aktienmärkte, steigt meist Dollar-Yen. Dabei war Dollar-Yen lange eng mit dem Kursverlauf des S&P500 verbunden (vor allem seit dem Wahlsieg Trumps) – aber trotz der derzeitigen Dollar-Stärke zeigt sich hier ein zunehmendes Auseinanderdriften:


(Dollar-Yen orange, S&P500 schwarz)

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Marko

    22. Februar 2017 16:16 at 16:16

    Diese Anlayse ist leider falsch, Markus.

    Der EUR ist so stark, weil Deutschland „dahintersteht“. Eigentlich viiel zu stark. Der EUR : das ist die Deutsche Mark 2.0

    „Bräche die Eurozone auseinander, wird die Rechnung für Deutschland immer teurer. Entgegen landläufigen Annahmen der Vodoo-Ökonomie können die Zentralbanken oder die EZB diese Forderungen nicht einfach nullen, weil den Target2-Salden reale Zahlungen zugrunde liegen“

    Leider nicht ganz richtig, die Rechnung bezahlt gnadenlos EUROPA.
    Ein Auseinanderbrechen der EUR-Zone würde folgendes bedeuten : Noch viel mehr Macht Deutschlands, die EU-Förderprogramme : „Auf Wiedersehen“.

    Dann stüden die anderen (ehemaligen EUR-Staaten) auf weiter Flur ,und zwar alleine, ohne die „Mama EZB“.

    Eine „Schattenwährung“, namens DM/EUR gäbe es und da könnten die Sudländer an ihrer „eigene Währung“ soviele Nullen dranhängen wie sie wollen.

    Die Hauptwährung Europas ist und das was ist : der EUR.

    Ein Auseinanderbrechen des EURs ist nicht möglich, es sei denn : Deutschland sagt „Ja“.

    Aber : dies ist unrealistisch.

    Vg

    Marko

    • Avatar

      Petkov

      22. Februar 2017 17:31 at 17:31

      Marko, ich sehe schon, es ist Zeit für den nächsten Nachhilfeunterricht in der Funktionsweise der Welt da draußen. Gern geschehen!

      Wo soll ich anfangen? Vielleicht, dass die EU-Förderprogamme nichts mit der €-Zone zu tun haben. Uups, Vorsicht, springen Sie schnell zur Seite, Ihr Argumentationstürmchen bricht gerade zusammen, Splittergefahr.

      Sie sind übrigens krankhaft von der zunehmend schwindenen Wirtschaftskraft Deutschlands überzeugt, nennen aber gleichzeitig das deutsche Volk das kriegerischste, aggressivste usw. der Welt. Wir Ausländer dagegen streiten dies aus Überzeugung ab. Noch ein Beweis für Ihren tiefgreifenden Nazikomplex. Aber nur Mut, das kriegen wir schon repariert.

      Viele Grüße

  2. Avatar

    N. Ritter

    22. Februar 2017 17:28 at 17:28

    Zu dem Mega-Aufreger „Target-Saldo“ hat ja gerade vor ein paar Tagen der VWL-Professor Herr Lucke im „Focus“ reichlich Dünnes verbreitet. Abgesehen von der Tatsache, dass er das Zustandekommen absolut unzutreffend „erklärt“ hat, phantasierte er davon, dass Deutschland beim Ausstieg aus dem Euro mit einer Überweisung von über 750 Mrd von der EZB rechnen könne. Das zeigt zweierlei:
    1. hat er nicht begriffen, dass eine Überweisung EZB-BuBa den Saldo nicht beseitigen kann, sondern im Gegenteil erhöhen würde.
    2. ist er nicht in der Lage eine Notenbankbilanz zu lesen, sonst wäre ihm aufgefallen, dass den BuBa-Forderungen an das ESZB auf der Aktivseite auch Verbindlichkeiten an das ESZB auf der Passivseite gegenüberstehen – übrigens auch in dreistelliger Milliardenhöhe. Hat er sicher nur „vergessen“, gegenzurechnen.

    Die „Mainstream“-Ökonomen können bis heute nicht erklären, wozu eine EUR-Notenbank, die selbst fähig ist, Zentralbankgeld zu schöpfen eigentlich einen „Kredit“ einer anderen EUR-Notenbank (die diesen auch selbst schöpfen würde) brauchen soll, oder warum der Saldo überhaupt ein Kredit sein soll und nicht z.Bsp. ein Nostroguthaben der einen Notenbank bei der anderen (Das wäre sogar plausibler, da die Geldschöpfung bei der NZB stattgefunden hat, die eine Verbindlichkeit ausweist).
    Insofern scheint mir der Vodoo-Glaube recht gleichmäßig unter unseren Experten verteilt.

    • Avatar

      Petkov

      22. Februar 2017 17:58 at 17:58

      Buah, dass der Lucke so was von sich gegeben hat, ist echt enttäuschend. Den Artikel kannte ich nicht. Ihre restlichen Ausführungen sind vollkommen korrekt. Hat der Lucke zumindest festgestellt, dass sich Deutschland die 750 „peanuts“ hinter die Ohren schmieren kann, um den Finanzexperten Thomas Müller zu zitieren?

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      gerd

      22. Februar 2017 18:17 at 18:17

      Da Sie (mir) das mit den Target2-Salden vor mehreren Wochen auch schon gut erklärt hatten, frage ich noch mal nach. Ich hatte es nämlich nicht soo gut verstanden, dass ich in der Lage wäre, es eigenständig weiter auseinanderzubröseln oder es jemand anderen verständlich zu machen.

      Zunächst die Frage, von der ich annehme, dass sie die mit NEIN beantworten werden. Aber ggf. hätten sich dann die Folgefragen erübrigt:
      Glauben Sie, dass der deutsche Target2-Überschuss-Saldo lediglich eine theoretische Verrechnungsgröße darstellt – ohne dass Deutschland da letztlich irgendeinen Anspruch raus ableiten kann?

      Was glauben Sie würde dem deutschen Steuersäckle (als letztes Glied in der Kette) per Saldo zugeführt werden können/müssen/dürfen, wenn per Vertrag – ohne Streit, ohne Verweigerungshaltung u.dgl.- per 1.März 2017 das Eurosystem aufgelöst würde, jedes Land wieder eine eigene Währung haben würde und der Target2-Saldo o r d n u n g s g e m ä ß zwischen den beteiligten Ländern verrechnet würde? Ordnungsgemäß verrechnet würde unterstellt, die in der „Schuld“ stehenden anderen Länder/Notenbanken wären solvent genug, ihren Obliegenheiten nachzukommen.
      Ganz grob nur, dass wir uns ungefähr ein Vergleichsbild machen können in Bezug auf die immer wieder genannten 780Mrd.
      Zusatzfrage: Wieviel vom deutschen Anspruch wäre wohl unter Umständen, vielleicht oder auch doch aus heutiger Sicht per 01.03.2017 uneinbringlich?

      • Avatar

        N. Ritter

        22. Februar 2017 23:41 at 23:41

        Hallo Gerd,

        1. Grundsätzlich gehe ich tatsächlich davon aus, dass sich die Salden schmerzfrei beseitigen ließen (also ohne sie über die Gewinn-und Verlustrechnung und anschließender „Rekapitalisierung der Notenbank“ dem Steuerzahler an den Hals zu hängen – egal ob jetzt dem italienischen/griechischen oder dem deutschen. Es sind tatsächlich Verrechnungsposten, die dadurch notwendig werden, dass jede NZB der Eurozone EUR schöpfen kann und diese dann frei innerhalb der Union kursieren können – die NZBen aber getrennt bilanzieren. Wenn z.B. die Banca d’Italia EUR schöpft und diese werden dann nach Deutschland überwiesen, dann hat die BdI eine Kreditforderung an ihre Banken in der Bilanz und die BuBa die zugehörige Verbindlichkeit gegenüber ihren Banken aus Giroguthaben. Dafür brauchen beide einen Gegenposten. Das hat aber nichts mit einem „Kredit“ der BuBa an die BdI zu tun. Die beiden NZB müssen sich weder gegenseitig, noch bei der EZB refinanzieren, sie sind selbst Produzent von Zentralbankgeld und „Zentralbankgeld 2. Instanz“ gibt es nicht.

        2. Auf dem Blog „Makroskop“ gab es in letzter Zeit zwei (frei zugängliche) Artikel, die sich damit auseinander gesetzt haben, der zweite davon hat auch verschiedene Lösungsmöglichkeiten entwickelt. Allerdings blieben bei den angesprochenen Varianten entweder Abschreibungsverluste bei der EZB bzw. den NZB mit positiven Saldo hängen, oder es wurde mit Staatsanleihen des ausscheidenden Defizitlandes „bezahlt“, was letztlich bedeutet, dass der Steuerzahler dort in die Bütt muss.
        Ich denke aber, das müsste nicht sein. Der grundsätzliche Denkfehler besteht darin, zu glauben, die Notenbank müsste sich genauso verhalten, wie ein normaler Bürger oder eine Geschäftsbank und „Geld“ wäre ein extern existierende Größe, die man sich halt erst irgendwo beschaffen muss, um Zahlungen zu leisten. Das trifft aber auf die Notenbank nicht zu. Alle ihre Bilanzpositionen sind letzten Endes selbstgeschaffen und können auch intern wieder „vernichtet“ werden, ohne irgendwen außerhalb der Notenbanksphäre damit behelligen zu müssen.
        Stellen Sie sich einfach mal vor, die BuBa schriebe den Saldo bilanzwirksam ab und sagt dann zum Bund als Eigentümer: „Füll mir mal mein Eigenkapital wieder auf!“ Wo soll das neue Kapital denn herkommen, wenn nicht letzten Endes aus der Geldschöpfung selbst? Das ist eine Schlange, die sich in den Schwanz beißt.
        Praktisch fürchte ich allerdings, dass es im Fall der Fälle zur schmutzigen Lösung kommen wird – das würde ein neuer „Erblastentilgungsfond“, entweder bei den Defizit- oder bei den Überschussländern.

        • Avatar

          gerd

          23. Februar 2017 11:23 at 11:23

          Vielen Dank, N. Ritter.
          Ich glaube, dass ich in einiger Zeit noch mal drauf zurückkommen möchte, so ich darf.
          Ich grübel da soviel drüber nach, das wird dauern bis ich mir halbwegs ansatzweise schlüssig bin, wie das letztlich einzuschätzen ist.

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Anleihen

Deutsche Neuverschuldung in Corona-Zeiten: Kein Problem, es ist sogar ein Profitgeschäft!

Claudio Kummerfeld

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am

Brandenburger Tor in Berlin

Der deutsche Staat nimmt wegen der Coronakrise und den explodierenden Rettungskosten viele neue Schulden auf. Erste frohe Kunde: Die Neuverschuldung stellt finanztechnisch schon mal gar kein Problem dar. Man sehe die folgende Grafik aus dem Hause Finanzagentur Deutschland GmbH, dem Institut, dass als Vehikel des Bundesfinanzministeriums Anleihen am Kapitalmarkt verkauft.

Neuverschuldung läuft ohne Probleme ab

Heute wurden für den deutschen Staat sieben Jahre laufende Bundesanleihen ausgegeben im Volumen von 4 Milliarden Euro. Die Nachfrage der institutionellen Investoren lag bei 7,26 Milliarden Euro. So war es auch bei den vorigen Emissionen, wie die Übersichtstafel gut zeigt. Die Nachfrage in den letzten Monaten reichte jedes Mal weit über das Angebotsvolumen hinaus, und erreichte manchmal fast das doppelte Volumen. Verkauft wurden heute übrigens nicht 4, sondern nur 3,28 Milliarden Euro Volumen. So läuft das jedes Mal. Ein Teil der Emission wird nicht tatsächlich verkauft, sondern wandert in die sogenannte „Marktpflegequote“, um den Börsenmarkt für diese Anleihe in den nächsten sieben Jahren liquide halten zu können.

Also, Deutschland kommt am Kapitalmarkt spielend leicht an frisches Geld. Und die Emissionsrendite zeigt: Der Bundesfinanzminister verdient mit dem Aufnehmen neuer Schulden jedes Mal sogar Geld. Die heutige Rendite liegt bei minus 0,62 Prozent. Bei den vorigen Emissionen waren es -0,60, -0,62, -0,62, -0,47 Prozent usw. Diese Negativrendite bei der deutschen Neuverschuldung kommt zustande, weil die Anleihen mit einem Kurs über dem Nennwert der Anleihen von 100,00 Prozent verkauft werden (Anleihekurse notieren in Prozentpunkten). Heute zum Beispiel lag der Verkaufspreis bei 104,52 Prozent.

Deutsche Staat macht Gewinn – und warum machen die Anleger freiwillig Verlust?

In sieben Jahren, wenn der deutsche Staat die Anleihe an deren Inhaber zurückzahlt, überweist er aber nur den vereinbarten Nennwert von glatt 100,00 Prozent zurück. Zinsen gab es für die Anleger auch keine mit 0,00 Prozent Zinskupon. Tja, der Staat erhält jetzt 104,52, und zahlt in sieben Jahren nur 100,00 zurück. So macht man Geld. Und wie so oft kann man sich fragen: Warum machen die Anleger das, wieso verschenken die Geld, wieso machen sie wissentlich und freiwillig Verlust?

Nun, da wäre natürlich das Argument, dass bei einer vermuteten weiter sinkenden Rendite die Kurse der Anleihen natürlich automatisch weiter steigen. Dann könnten die Investoren nach der Emission am freien Anleihemarkt höher verkaufen, und einen Gewinn einstreichen. Oder man weiß nur zu gut, dass die EZB immer mehr Anleihen aufkauft, und dass man auch dorthin (mit anständigem Gewinn?) weiterverkaufen kann. Denn die EZB, die will ja unbedingt aufkaufen. Und wer unbedingt kaufen will, zahlt am freien Markt höhere Preise als in der Erstauktion des Bundes?

Und dann wären da noch langfristig denkende, große institutionelle Investoren, die überlegen, wo sie ihre gigantischen Geldmengen unterbringen sollen. Will man nicht alles in Aktien packen, oder darf man es gar nicht, muss man sich nach „sicheren“ Anlagen umschauen. Banken reichen gerade bei größeren Kontoguthaben inzwischen eigentlich immer den Negativzins der EZB an die Kunden weiter. Also würden große Pensionskassen, Fonds, Versicherungen etc mit sehr großen Geldsummen wohl 0,5 Prozent Strafzins bei ihrer Hausbank zahlen. Also dann lieber das Geld in Anleihen investieren? Aber halt. Bei dieser deutschen Staatsanleihe liegt die Rendite ja sogar bei -0,62 Prozent. Also steht man nochmal 0,12 Prozentpunkte schlechter da als auf dem Bankkonto. Hier könnte nur noch das Argument ziehen, dass man deutsche Staatsanleihen (im großen Bild betrachtet) als deutlich besseren Parkplatz für große Geldsummen erachtet, als eine einzelne Bank, die immer pleite gehen kann.

Grafik zeigt Neuverschuldung Deutschlands mit 7 Jahren Laufzeit

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Allgemein

Wirtschaft in Italien stürzt ab – warum das den Markt nicht interessiert

Claudio Kummerfeld

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am

Italien-Flagge in Rom

Die Wirtschaftsleistung in Italien ist im zweiten Quartal im Vergleich zum 1. Quartal um 12,8 Prozent abgestürzt, wie offizielle Daten zeigen, die heute veröffentlicht wurden. Vorläufige Daten von minus 12,4 Prozent wurden damit nach unten revidiert. Im Jahresvergleich zum zweiten Quartal 2019 ist es ein Absturz von 17,7 Prozent. Dies ist laut Trading Economics der stärkste Einbruch der Wirtschaftsleistung in Italien seit den 60er-Jahren. Im folgenden Chart sehen wir die prozentuale Veränderung der Wirtschaftsleistung in Italien seit den 90er-Jahren. Man erkennt, dass der Absturz in der Finanzkrise 2008 mit -3 Prozent im Vergleich zu heute verschwindend klein war.


source: tradingeconomics.com

Und was macht der Kapitalmarkt? Die Rendite für Staatsanleihen ist hier immer das beste Barometer. Eigentlich gäbe es da noch die Währung eines Landes. Aber da Italien den Euro hat, kann man hier keinen Gradmesser für Italien mehr erkennen. Wenn ein Investor in Anleihen eines Landes investieren möchte, bei denen die Rückzahlungswahrscheinlichkeit der Anleihen wegen wirtschaftlichen Schwierigkeiten gefährdet ist, dann erwartet dieser Anleger einen Risikoaufschlag – nämlich für sein Risiko, dass er sein Geld nicht wieder sieht. Daher sind Länder mit großen wirtschaftlichen Problemen automatisch bereit deutlich höhere Renditen für ihre verkauften Staatsanleihen zu bezahlen, um ausländisches Kapital anzulocken.

Warum die Renditen für Italien nicht steigen

Italien stand schon vor der Coronakrise sehr schlecht da. Hohe Schulden erstickten das Land, und eine Wirtschaft die sich nie von der Finanzkrise 2008 erholt hatte. Und dann kam die Coronakrise. Die wirtschaftliche Lage verschärft sich daher dramatisch. Der obige Chart zeigt dies eindrucksvoll. Und was macht die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen? Sie notiert aktuell mit 1,11 Prozent genau da, wo sie am letzten Freitag lag, vor der Veröffentlichung der heutigen BIP-Daten. Der folgende Chart zeigt den Rendite-Verlauf für Italien in den letzten zwölf Monaten. Man sieht, dass die Rendite kurz vor der Coronakrise genau ebenfalls da war, wo sie jetzt notiert. Zwar lag sie im März kurzzeitig bei 2,39 Prozent. Aber mit den umfangreichen Rettungsmaßnahmen von Staaten und EZB wurde schnell klar, dass alles „gerettet“ wird, und die Rendite sank schnell wieder in den Keller.

Also: Die Wirtschaftsleistung in Italien ist brutal abgestürzt. Die Risikoprämie für Anleger, die italienische Schulden kaufen wollen, hat sich per Saldo aber nicht erhöht. Was sagt uns das? Dem Markt ist klar, dass wohl kaum ein echtes Ausfallrisiko für Italien besteht. Denn das Land ist im Euro und als drittgrößte Volkswirtschaft im Euro-Raum schlicht und einfach „Too big to fail“. Die EZB hat schon jahrelang in gigantischem Ausmaß italienische Staatsanleihen aufgekauft und zuletzt neue gigantische Kaufprogramme aufgelegt, und würde wohl (das darf man vermuten) noch viel, viel mehr kaufen. Hauptsache Italien bleibt im Spiel.

Rendite für zehnjährige Staatsanleihen aus Italien

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Allgemein

Staatsbankrott: Was passiert da eigentlich? Argentinien zeigt es!

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Wenn ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, ist das eine Katastrophe für seine Bürger, die Unternehmen im Land und natürlich auch für die Gläubiger, die auf einen Großteil ihres Geldes verzichten müssen. Doch wie genau ist der Ablauf eines Staatsbankrotts? Da Argentinien gerade wieder zahlungsunfähig ist (schon im Februar forderte der IWF einen Schuldenschnitt) und sich in Verhandlungen mit seinen Gläubigern befindet, können wir an diesem Beispiel lernen, wie der Vorgang abläuft!

Die Insolvenz eines Staates ist ein häufiges Ereignis. In den vergangenen 200 Jahren kam es statistisch gesehen zu mehr als einem Staatsbankrott pro Jahr weltweit. Seit der Abschaffung der Golddeckung und der weitgehend unregulierten Schöpfung ungedeckten Fiatgeldes nahm die Frequenz der Staatsbankrotte sogar deutlich zu. So gab es zwischen 1980 und 2010 pro Jahr durchschnittlich drei insolvente Staaten auf der Erde.

Es gibt kein gesetzlich geregeltes Insolvenzverfahren für den Staatsbankrott

Umso interessanter ist es, dass es zwar gesetzliche Regelungen für den Fall eines Staatsbankrottes gibt, die aber im Falle zum Beispiel der Bundesrepublik Deutschland eine Insolvenz, genauer gesagt ein Insolvenzverfahren, explizit NICHT vorsehen. Doch Papier ist geduldig. Wenn Deutschland seine Schulden nicht mehr bedienen kann, ist das Land insolvent – Gesetz hin oder her.keine gesetzlichen Regelungen für den Fall eines Staatsbankrotts gibt. Zwar mag es dann kein Insolvenzverfahren wie bei Unternehmen oder Privatpersonen geben. Doch eine Art von Insolvenzverfahren findet dennoch statt: die Verhandlung mit den Gläubigern. Zwar kann ein Staat die Zahlungen an seine Gläubiger einstellen. Doch bis es keine Einigung mit diesen gab, wird das Land auch keine neuen Kredite bekommen. Zumindest keine Auslandskredite. Kredite in der heimischen Währung könnte sich ein Staat theoretisch über die Zentralbank selbst geben, wie es zum Beispiel in den USA und der Eurozone schon seit geraumer Zeit nur wenig versteckt stattfindet.

Kann ein Staat keine Devisen mehr beschaffen, leidet darunter die heimische Bevölkerung und die Unternehmen. Importe sind dann nur noch in dem Umfang möglich, in dem Devisen mittels Exporten erwirtschaftet werden. Um einen Ausgleich zwischen Importen und Exporten herzustellen, muss die Währung gegenüber den ausländischen Währungen abwerten. Die dann in der Regel herrschende Devisenknappheit zwingt die Menschen dazu, ihre Ersparnisse in der heimischen Währung zu halten, die im Falle eines Staatsbankrotts jedoch zu hoher Inflation neigt. Die Währungsabwertung heizt die Inflation zusätzlich an, da Importwaren teurer werden. Haben die Menschen und Unternehmen Zahlungsverpflichtungen in Fremdwährung, sind zahlreiche Privat- und Unternehmensinsolvenzen zu erwarten. Selbst wenn die Schuldner in der Lage wären, Devisen zu beschaffen, wären die Kredite durch die Währungsabwertung deutlich teurer als zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme.

Gläubiger müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, bekommen aber teils noch Geld zurück

Eine Einigung mit den Gläubigern und der daraufhin wieder mögliche Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten ist daher ein vordringliches Ziel der Regierung nach einem Staatsbankrott. Den meisten Gläubigern ist bewusst, dass eine vollständige Rückzahlung ihrer Forderungen unwahrscheinlich ist. In der Regel kauften die Gläubiger die Schuldtitel bereits mit deutlichen Preisabschlägen an der Börse und kassierten hohe Zinsen bis zum Zeitpunkt der Zahlungseinstellung. Eine Einigung, die in der Regel einen teilweisen Schuldenerlass, niedrigere Zinsen und gestreckte Zahlungsziele beinhaltet, wird daher relativ schnell gefunden. Interessant ist, dass die Insolvenzquoten bei Staatsbankrotten oft relativ hoch sind. Bei Unternehmens- und Privatinsolvenzen ist in der Regel für die Gläubiger ein Totalverlust anzunehmen. Bei Staatsbankrotten sind 30% oder auch fast 50% Rückzahlungsquoten möglich. Das Beispiel Argentinien zeigt jedoch, dass sich inzwischen auch einige Hedgefonds darauf spezialisierten, die Anleihen praktisch bankrotter Staaten zu Schnäppchenpreisen aufzukaufen und dann auf vollständige Tilgung des Nennwerts zu pochen.

Bis es zu einer Einigung mit den Gläubigern kommt, können diese auch den Besitz des säumigen Staates im Ausland beschlagnahmen lassen. So ließ ein US-Hedgefonds ein argentinisches Marineschiff beschlagnahmen, weil Argentinien sich weigerte, die vom Hedgefonds gehaltenen Anleihen zum vollen Nennwert zu tilgen.

Beispiel Argentinien: Bankrott seit Ende Januar

Argentinien erklärte am 29. Januar 2020, dass es plane, den Gläubigern ein Programm zur Schuldenrestrukturierung zu präsentieren. Mit anderen Worten: Argentinien könnte zwar seine Schulden noch bedienen, weigert sich aber, es zu tun. Am 19. Februar bestätigten Prüfer des Internationalen Währungsfonds, dass die Staatsschulden Argentiniens in der Tat nicht mehr tragbar seien. Am 21. April präsentierte Argentinien schließlich seinen Plan zur Restrukturierung von 69 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden und setzte den Gläubigern eine Frist bis zum 8. Mai, um diesen Plan zu akzeptieren.

Die dachten natürlich nicht daran, den Plan einfach durchzuwinken. In persönlichen Treffen und Videokonferenzen versuchte Argentinien, die größten Gläubiger zu überzeugen. Schließlich musste jedoch am 7. Mai verkündet werden, dass man für Gegenvorschläge der Gläubiger offen sei. Die Frist zur Annahme des Restrukturierungsangebots wird in den kommenden Wochen mehrfach verlängert. In der Zwischenzeit wurden auch die ersten Zinszahlungen fällig, die Argentinien nicht bezahlte. Das Land ist damit offiziell zahlungsunfähig und hat damit bereits den neunten Staatsbankrott seiner Geschichte erklärt.

Nach Wochen des Wartens präsentieren erste große Gläubiger ihre Vorschläge zur Restrukturierung der Schulden. Sie bieten einen Schuldenerlass von rund 45% an, was Argentinien zu wenig ist. Schließlich einigt sich Argentinien am 2. August doch noch auf einen Schuldenerlass von 45,2% mit dem Großteil seiner Gläubiger.

Im Endeffekt dauerte der Staatsbankrott also nur rund ein halbes Jahr. Für Argentinien wird es nach der Einigung noch nicht sofort so sein wie vor der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit. Investoren werden noch eine Weile merkliche Risikoaufschläge für neue Kredite verlangen. Und vermutlich wird es auch wieder den einen oder anderen Gläubiger geben, der auf vollständige Tilgung seiner Anleihen besteht. Der Wechselkurs des argentinischen Peso wird sich aller Voraussicht nach auch nicht erholen, solange Argentinien nicht das grundlegende Problem der negativen Zahlungsbilanz löst. Der teilweise Schuldenerlass gab dem Land nur eine Atempause.

Der Obelisco als Smybol für Argentinien - Staatsbankrott lähmt das Land
Der Obelisco in Buenos Aires. Foto: Gobierno de la Ciudad Autónoma de Buenos Aires CC BY 2.5 ar

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