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Anleihen

Was so abläuft: Target2-Salden, Euro, Yen-Stärke, neues Allzeittief bei 2-jährigen deutscher Staatsanleihen

Während der Dax heute erstmals seit knapp zwei Jahren über die 12.000er-Marke gestiegen ist, gibt es ein paar Auffälligkeiten! Hier sind sie..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Wir erleben derzeit Euro-Schwäche – die Gemeinschaftswährung auf dem tiefsten Stand seit sechs Wochen zum US-Dollar. Das liegt vorwiegend an den von den Märkten als gestiegen eingepreisten Wahrscheinlichkeit eines Sieges Le Pens bei der Stichwahl am 07.Mai:

Auffallend: Gold steht zum Euro so hoch wie seit der Wahl Donald Trumps Anfang November nicht mehr:

(Gold-Euro)

Unterdessen steigen die Target2-Salden der Bundesbank auf ein neues Allzeithoch: Bräche die Eurozone auseinander, wird die Rechnung für Deutschland immer teurer. Entgegen landläufigen Annahmen der Vodoo-Ökonomie können die Zentralbanken oder die EZB diese Forderungen nicht einfach nullen, weil den Target2-Salden reale Zahlungen zugrunde liegen:

Und heute fällt die Rendite für die 2-jährige deutsche Staatsanleihe, die im Schatz-Future gehandelt wird, auf ein neues Allzeittief:

Dafür gibt es zwei Gründe: erstens die EZB, die nach einer kleinen, ganz ganz winzigen Änderung ihrer Regeln nun auch im Rahmen ihres QE Anleihen kaufen kann, die unter dem Einlagesatz von -0,4% liegen. Der zweite Grund: angesichts der Unsicherheit über die Wahlen in Frankreich flüchten institutionelle Investoren in die vermeintliche Sicherheit deutscher Staatsanleihen, gerade wenn es Kurzläufer sind (weil man damit das Kapital flexibler hält)!

Auffallend ist derzeit vor allem auch die derzeitige Yen-Stärke – normalerweise gilt der Yen als sicherer Hafen, steigen die Aktienmärkte, steigt meist Dollar-Yen. Dabei war Dollar-Yen lange eng mit dem Kursverlauf des S&P500 verbunden (vor allem seit dem Wahlsieg Trumps) – aber trotz der derzeitigen Dollar-Stärke zeigt sich hier ein zunehmendes Auseinanderdriften:


(Dollar-Yen orange, S&P500 schwarz)

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Marko

    22. Februar 2017 16:16 at 16:16

    Diese Anlayse ist leider falsch, Markus.

    Der EUR ist so stark, weil Deutschland „dahintersteht“. Eigentlich viiel zu stark. Der EUR : das ist die Deutsche Mark 2.0

    „Bräche die Eurozone auseinander, wird die Rechnung für Deutschland immer teurer. Entgegen landläufigen Annahmen der Vodoo-Ökonomie können die Zentralbanken oder die EZB diese Forderungen nicht einfach nullen, weil den Target2-Salden reale Zahlungen zugrunde liegen“

    Leider nicht ganz richtig, die Rechnung bezahlt gnadenlos EUROPA.
    Ein Auseinanderbrechen der EUR-Zone würde folgendes bedeuten : Noch viel mehr Macht Deutschlands, die EU-Förderprogramme : „Auf Wiedersehen“.

    Dann stüden die anderen (ehemaligen EUR-Staaten) auf weiter Flur ,und zwar alleine, ohne die „Mama EZB“.

    Eine „Schattenwährung“, namens DM/EUR gäbe es und da könnten die Sudländer an ihrer „eigene Währung“ soviele Nullen dranhängen wie sie wollen.

    Die Hauptwährung Europas ist und das was ist : der EUR.

    Ein Auseinanderbrechen des EURs ist nicht möglich, es sei denn : Deutschland sagt „Ja“.

    Aber : dies ist unrealistisch.

    Vg

    Marko

    • Avatar

      Petkov

      22. Februar 2017 17:31 at 17:31

      Marko, ich sehe schon, es ist Zeit für den nächsten Nachhilfeunterricht in der Funktionsweise der Welt da draußen. Gern geschehen!

      Wo soll ich anfangen? Vielleicht, dass die EU-Förderprogamme nichts mit der €-Zone zu tun haben. Uups, Vorsicht, springen Sie schnell zur Seite, Ihr Argumentationstürmchen bricht gerade zusammen, Splittergefahr.

      Sie sind übrigens krankhaft von der zunehmend schwindenen Wirtschaftskraft Deutschlands überzeugt, nennen aber gleichzeitig das deutsche Volk das kriegerischste, aggressivste usw. der Welt. Wir Ausländer dagegen streiten dies aus Überzeugung ab. Noch ein Beweis für Ihren tiefgreifenden Nazikomplex. Aber nur Mut, das kriegen wir schon repariert.

      Viele Grüße

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    N. Ritter

    22. Februar 2017 17:28 at 17:28

    Zu dem Mega-Aufreger „Target-Saldo“ hat ja gerade vor ein paar Tagen der VWL-Professor Herr Lucke im „Focus“ reichlich Dünnes verbreitet. Abgesehen von der Tatsache, dass er das Zustandekommen absolut unzutreffend „erklärt“ hat, phantasierte er davon, dass Deutschland beim Ausstieg aus dem Euro mit einer Überweisung von über 750 Mrd von der EZB rechnen könne. Das zeigt zweierlei:
    1. hat er nicht begriffen, dass eine Überweisung EZB-BuBa den Saldo nicht beseitigen kann, sondern im Gegenteil erhöhen würde.
    2. ist er nicht in der Lage eine Notenbankbilanz zu lesen, sonst wäre ihm aufgefallen, dass den BuBa-Forderungen an das ESZB auf der Aktivseite auch Verbindlichkeiten an das ESZB auf der Passivseite gegenüberstehen – übrigens auch in dreistelliger Milliardenhöhe. Hat er sicher nur „vergessen“, gegenzurechnen.

    Die „Mainstream“-Ökonomen können bis heute nicht erklären, wozu eine EUR-Notenbank, die selbst fähig ist, Zentralbankgeld zu schöpfen eigentlich einen „Kredit“ einer anderen EUR-Notenbank (die diesen auch selbst schöpfen würde) brauchen soll, oder warum der Saldo überhaupt ein Kredit sein soll und nicht z.Bsp. ein Nostroguthaben der einen Notenbank bei der anderen (Das wäre sogar plausibler, da die Geldschöpfung bei der NZB stattgefunden hat, die eine Verbindlichkeit ausweist).
    Insofern scheint mir der Vodoo-Glaube recht gleichmäßig unter unseren Experten verteilt.

    • Avatar

      Petkov

      22. Februar 2017 17:58 at 17:58

      Buah, dass der Lucke so was von sich gegeben hat, ist echt enttäuschend. Den Artikel kannte ich nicht. Ihre restlichen Ausführungen sind vollkommen korrekt. Hat der Lucke zumindest festgestellt, dass sich Deutschland die 750 „peanuts“ hinter die Ohren schmieren kann, um den Finanzexperten Thomas Müller zu zitieren?

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      gerd

      22. Februar 2017 18:17 at 18:17

      Da Sie (mir) das mit den Target2-Salden vor mehreren Wochen auch schon gut erklärt hatten, frage ich noch mal nach. Ich hatte es nämlich nicht soo gut verstanden, dass ich in der Lage wäre, es eigenständig weiter auseinanderzubröseln oder es jemand anderen verständlich zu machen.

      Zunächst die Frage, von der ich annehme, dass sie die mit NEIN beantworten werden. Aber ggf. hätten sich dann die Folgefragen erübrigt:
      Glauben Sie, dass der deutsche Target2-Überschuss-Saldo lediglich eine theoretische Verrechnungsgröße darstellt – ohne dass Deutschland da letztlich irgendeinen Anspruch raus ableiten kann?

      Was glauben Sie würde dem deutschen Steuersäckle (als letztes Glied in der Kette) per Saldo zugeführt werden können/müssen/dürfen, wenn per Vertrag – ohne Streit, ohne Verweigerungshaltung u.dgl.- per 1.März 2017 das Eurosystem aufgelöst würde, jedes Land wieder eine eigene Währung haben würde und der Target2-Saldo o r d n u n g s g e m ä ß zwischen den beteiligten Ländern verrechnet würde? Ordnungsgemäß verrechnet würde unterstellt, die in der „Schuld“ stehenden anderen Länder/Notenbanken wären solvent genug, ihren Obliegenheiten nachzukommen.
      Ganz grob nur, dass wir uns ungefähr ein Vergleichsbild machen können in Bezug auf die immer wieder genannten 780Mrd.
      Zusatzfrage: Wieviel vom deutschen Anspruch wäre wohl unter Umständen, vielleicht oder auch doch aus heutiger Sicht per 01.03.2017 uneinbringlich?

      • Avatar

        N. Ritter

        22. Februar 2017 23:41 at 23:41

        Hallo Gerd,

        1. Grundsätzlich gehe ich tatsächlich davon aus, dass sich die Salden schmerzfrei beseitigen ließen (also ohne sie über die Gewinn-und Verlustrechnung und anschließender „Rekapitalisierung der Notenbank“ dem Steuerzahler an den Hals zu hängen – egal ob jetzt dem italienischen/griechischen oder dem deutschen. Es sind tatsächlich Verrechnungsposten, die dadurch notwendig werden, dass jede NZB der Eurozone EUR schöpfen kann und diese dann frei innerhalb der Union kursieren können – die NZBen aber getrennt bilanzieren. Wenn z.B. die Banca d’Italia EUR schöpft und diese werden dann nach Deutschland überwiesen, dann hat die BdI eine Kreditforderung an ihre Banken in der Bilanz und die BuBa die zugehörige Verbindlichkeit gegenüber ihren Banken aus Giroguthaben. Dafür brauchen beide einen Gegenposten. Das hat aber nichts mit einem „Kredit“ der BuBa an die BdI zu tun. Die beiden NZB müssen sich weder gegenseitig, noch bei der EZB refinanzieren, sie sind selbst Produzent von Zentralbankgeld und „Zentralbankgeld 2. Instanz“ gibt es nicht.

        2. Auf dem Blog „Makroskop“ gab es in letzter Zeit zwei (frei zugängliche) Artikel, die sich damit auseinander gesetzt haben, der zweite davon hat auch verschiedene Lösungsmöglichkeiten entwickelt. Allerdings blieben bei den angesprochenen Varianten entweder Abschreibungsverluste bei der EZB bzw. den NZB mit positiven Saldo hängen, oder es wurde mit Staatsanleihen des ausscheidenden Defizitlandes „bezahlt“, was letztlich bedeutet, dass der Steuerzahler dort in die Bütt muss.
        Ich denke aber, das müsste nicht sein. Der grundsätzliche Denkfehler besteht darin, zu glauben, die Notenbank müsste sich genauso verhalten, wie ein normaler Bürger oder eine Geschäftsbank und „Geld“ wäre ein extern existierende Größe, die man sich halt erst irgendwo beschaffen muss, um Zahlungen zu leisten. Das trifft aber auf die Notenbank nicht zu. Alle ihre Bilanzpositionen sind letzten Endes selbstgeschaffen und können auch intern wieder „vernichtet“ werden, ohne irgendwen außerhalb der Notenbanksphäre damit behelligen zu müssen.
        Stellen Sie sich einfach mal vor, die BuBa schriebe den Saldo bilanzwirksam ab und sagt dann zum Bund als Eigentümer: „Füll mir mal mein Eigenkapital wieder auf!“ Wo soll das neue Kapital denn herkommen, wenn nicht letzten Endes aus der Geldschöpfung selbst? Das ist eine Schlange, die sich in den Schwanz beißt.
        Praktisch fürchte ich allerdings, dass es im Fall der Fälle zur schmutzigen Lösung kommen wird – das würde ein neuer „Erblastentilgungsfond“, entweder bei den Defizit- oder bei den Überschussländern.

        • Avatar

          gerd

          23. Februar 2017 11:23 at 11:23

          Vielen Dank, N. Ritter.
          Ich glaube, dass ich in einiger Zeit noch mal drauf zurückkommen möchte, so ich darf.
          Ich grübel da soviel drüber nach, das wird dauern bis ich mir halbwegs ansatzweise schlüssig bin, wie das letztlich einzuschätzen ist.

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Allgemein

Coronakrise: Größter Schuldenanstieg – aber Zinsen rutschen in Euroland

Wir erleben in der Eurozone gerade wegen der Coronakrise den größten Schuldenanstieg der Geschichte. Gleichzeitig sinken die Zinssätze. Die Vergemeinschaftung von Schulden hat begonnen

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Wir erleben in der Eurozone gerade wegen der Coronakrise den größten Schuldenanstieg in seiner Geschichte. Jegliche fiskalische Zurückhaltung weicht angesichts einer pandemischen Bedrohung der Volkswirtschaften. Gleichzeitig sinken die Zinssätze in den Mitgliedstaaten in atemberaubender Geschwindigkeit in Richtung der deutschen Bunds. Der letzte Auslöser war der große Wiederaufbaufonds, den die Gemeinschaft trotz des Widerstandes der sparsamen Fünf – Dänemark, Schweden, die Niederlande, Finnland und Österreich – beschlossen hat. Wittern die Märkte angesichts der Coronakrise eine Vergemeinschaftung der Schulden?

Coronakrise: Die Einführung des Euro und die Zinsen

Die Einführung der Gemeinschaftswährung am 1. Januar 1999 brachte für einige der elf Teilnehmerstaaten zunächst eine gewaltige Erleichterung bei der Bewältigung der Staatsschulden. Im Jahr 2000 musste man für italienische Langläufer kaum mehr bezahlen, als für die deutschen „Bunds: in etwa 5,5 Prozent. Etwa sechs Jahre zuvor lag der Zinssatz für die 10-Jährigen bei fast 14 Prozent. Waren da nicht noch die so genannten Maastricht-Verträge mit den Konvergenzkriterien für eine Aufnahme, die eine Höhe der Staatsverschuldung von max. 60 Prozent und eine Neuverschuldung von höchstens drei Prozent erlaubten? Doch wenn selbst das Vorbild Deutschland diese über mehrere Jahre nicht erfüllen konnte, wie dann Disziplin einfordern von den anderen Staaten?

Kurzum: Die Zinserleichterungen wurden erfreut mitgenommen, die Schuldenstände jedoch nicht zurückgeführt. In der Staatsschuldenkrise nach 2011 weiteten sich die Spreads aus, Griechenland stand am Rande des Bankrotts, bis man sich mit Umschuldungsprogrammen und Schuldenerlass zur Rettung Griechenlands und damit auch der Eurozone durchrang. Denn auch die Zinsaufschläge von Italien, Spanien, Portugal und teilweise auch die von Frankreich waren in die Höhe gesprungen.

Bis die Europäische Zentralbank, in Gestalt ihres Chefs, Mario Draghi in Aktion trat, der die mittlerweile mehrfach kopierten und psychologisch entscheidenden Worte sprach: „Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.” Die Folgen sind bekannt: Zinssenkungen auf null, massive Anleihekäufe bis zur erlaubten Obergrenze von 33 Prozent pro Staat und ein für nicht möglich gehaltener Verfall der Zinslandschaft, der in der Coronakrise gerade seinen Höhepunkt feiert.

Die Pandemie, PEPP und der Wiederaufbaufonds

Das Jahr 2020 wird nicht nur wegen des globalen Vormarschs eines Virus in die Geschichte eingehen als das Jahr der Coronakrise. In einer weltweiten Allianz einigten sich Staaten und Notenbanken zu bisher noch nie gesehenen und einmalig hohen Rettungsprogrammen. In Europa lautet der Name für das große Ankaufprogramm für Staatsanleihen und privater Schulden PEPP – Pandemic Emergency Purchase Programme – zunächst in Höhe von 750 Milliarden Euro, welches am 2. Juni nochmals um 600 Milliarden Euro aufgestockt wurde. Da es ausgerechnet die hoch verschuldeten südlichen Länder durch die Pandemie besonders hart getroffen hat – Italiens und Spaniens Bruttoinlandsprodukt sanken im zweiten Quartal um 13 beziehungsweise 18,5 Prozent – musste man noch einmal nachlegen, um einen Zinsanstieg für diese Länder zu verhindern. Der von Frankreich initiierte und hart umkämpfte Wiederaufbaufonds war der nächste Schritt, ein spezielles Konstrukt gemeinsamer Anleihen in Höhe von zunächst 750 Milliarden Euro.

Die Zinsen in der Eurozone – Limes gegen null

Der viel umkämpfte Wiederaufbaufonds hat eindeutig das Ziel gerade den Staaten zu helfen, die einerseits hoch verschuldet aber andererseits besonders schwer betroffen von der Coronakrise in Not geraten sind. Durch die Emission gemeinsamer Anleihen werden Schulden finanziert, die die EU aufnimmt und für die alle Mitglieder gemeinsam geradestehen. Zweifellos ist das der Einstieg in eine Vergemeinschaftung von Schulden im Euro-Raum. Investoren jubelten, speziell auch aus dem Ausland, weil man sich jetzt sicher ist, dass man die Eurozone unter allen Umständen beisammen halten will, auch wenn man früher beschlossenen Festlegungenzuwider handelt. Die Folge ist ein Absturz der Zinsen in Tiefen, die nichts mehr mit der Bepreisung von Risiko zu tun haben.

Es wurde in letzter Zeit schon öfters berichtet, wie tief die Zinsen für länger laufende Anleihen im Süden gefallen sind, zum Beispiel in Italien mit 0,78 Prozent für die 10-Jährigen – die also inzwischen genauso hoch stehen, wie die bisher sicherste Staatsanleihe der Welt, die 10-jährige US-Treasury. Aber es geht noch extremer: Für griechische Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten werden schon Minuszinsen bezahlt, in Italien akzeptieren Sparer schon vier Jahre Laufzeit mit Zinsen nahe null, in Spanien und Portugal muss man für eine positive Rendite schon Langläufer mit acht Jahren Laufzeit wählen. Dabei stellt sich die Frage: Ist ganz Europa durch die Notenbankpolitik in der Coronakrise auf dem Weg zu Nullzinsen, also zur Schuldenaufnahme zum Nulltarif? Wenn man sich eine Übersicht betrachtet, die die Zinsdifferenz auflistet, die europäische Staaten zu den abnorm niedrigen deutschen 10-jährigen Bund (circa minus 0,60 Prozent) zahlen müssen, so kann man nur zu dieser Schlussfolgerung gelangen.

Zinsaufschläge zu deutschen Langläufern, in Prozent:

Niederlande plus 0,11
Österreich plus 0,17
Belgien plus 0,25
Slowakei plus 0,26
Frankreich plus 0,29
Irland plus 0,37
Portugal plus 0,78
Spanien plus 0,80
Zypern plus 1,00
Italien plus 1,34
Griechenland plus 1,45

Nochmal, die Vergleichsbasis ist nicht null, sondern deutlich darunter.

Fazit

Die Politik der Notenbanken in der Coronakrise hat eine Situation geschaffen, in die wohl niemand jemals geraten wollte. „Point of no return?“ Staatsfinanzierung durch die Notenbanken?

Ist diese Entwicklung nicht auch der Einstieg in eine gemeinsame europäische Schuldenunion? Vermutlich ja, denn die Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, zugleich Ex-Finanzminsterin von Frankreich, hat gerade erst in einem Interview mit der Tageszeitung „Le Monde“ den Gedanken geäußert, man müsse über ein dauerhaftes konjunkturelles Stützungsinstrument nachdenken. Der Fonds in Höhe von 750 Milliarden Euro solle erhalten bleiben – damit er immer wieder verwendet werden kann, wenn außergewöhnliche Umstände eintreten. Wer soll eigentlich die auslaufenden und zu ersetzenden Anleihen von Italien und Griechenland kaufen, Staaten, die demnächst mit 200 beziehungsweise 160 Prozent zum BIP verschuldet sind, deren Staatsanleihen aber bereits fast keine Rendite mehr abwerfen?

Wie wird man dieses Programm wohl abkürzen?

 

Die Coronakrise lässt die Schulden explodieren, aber die Zinsen fallen

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Anleihen

Woher die aktuelle Euro-Stärke kommt – ein Analyst gibt Hinweise

Claudio Kummerfeld

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Das Euro-Symbol

Der Euro steigt seit genau zwei Tagen gegen den US-Dollar spürbar an von 1,1700 auf aktuell 1,1865. Dafür könnte es einen interessanten Grund geben. Man schaue auf den gestrigen Tag. Quasi unbemerkt von der breiten medialen Öffentlichkeit hat die EU ihre erste eigene Anleihetranche am freien Anleihemarkt platziert. Laut Berichten (siehe beispielsweise Bondguide) sei die Attraktivität dieses Angebots an EU-Anleihen schwer zu übersehen gewesen. Denn Moody’s habe die EU-Anleihen mit „Aaa“ bewertet. Und der Emissionspreis sei so festgesetzt worden, dass die Emission vom Markt gut aufgenommen wurde. Eine Nachfrage von 233 Milliarden Euro traf auf gerade mal 17 Milliarden Euro Angebot! Das zeigt, wie groß die Nachfrage der Institutionellen nach den Anleihen der EU war. Und wo soll da noch das Risiko sein, wenn Brüssel selbst die Anleihen ausgibt, und nicht ein Einzelstaat?

EU-Anleihen als Grund für aktuell steigenden Euro?

Eben dieser Drang in ein neues Anleihevehikel, nämlich eine zentrale Emission von EU-Anleihen, könnte bei den großen global agierenden Investoren (Fonds, Versicherungen, Pensionskassen etc) einen verstärkten Drang in den Euro verursachen. Der Deutsche Bank-Analyst George Saravelos hat ganz aktuell einige sehr interessante Aussagen zum Euro veröffentlicht mit der Headline „Someone likes Europe“, also übersetzt „Irgendwer mag Europa“. Über das große Auftragsbuch im Vorfeld der Emission sei ausführlich berichtet worden, aber weniger über die große Nachfrage seitens der Notenbanken, so seine Aussage. Nahezu 40 Prozent der gestrigen zehnjährigen Emission der EU wurden laut George Saravelos von den Notenbanken aufgenommen, was fast doppelt so viel sei wie die durchschnittliche Inanspruchnahme bei früheren europäischen Emissionen.

Warum das wichtig sei? Erstens seien Notenbanken in der Regel nicht abgesicherte Investoren, so dass eine starke Nachfrage von dieser Seite nach den neuen EU-Anleihen eine direkte Nachfrage für den Euro gegenüber dem US-Dollar bedeute, so George Saravelos. Zweitens sei die hohe Nachfrage von Notenbanken für diese neuen EU-Anleihen ein Vertrauensvotum für den Euro als Reservewährung, insbesondere in einer Zeit, in der die dominierende Rolle des Dollars in Frage gestellt werde.

Aber George Saravelos sagt auch, dass dieses aktuelle Ereignis nicht als alleiniger Grund für die aktuelle Euro-Stärke gesehen werden soll. Es solle auch in den Kontext größerer struktureller Verschiebungen gestellt werden. Es gehe um einen extrem starken negativen Policy-Mix für den US-Dollar. Die großes US-Haushaltsdefizite, eine sehr lockere Geldpolitik der Fed und sich verschlechternde Außenhandelskonten der USA. Schon vor den Wahlen in den USA verschlechtern sich diese Trends, so George Saravelos. Schauen wir an dieser Stelle mal auf den Chart. Er zeigt Euro gegen US-Dollar im Verlauf der letzten 30 Tage. Ist das neue „Aufnahmevehikel“ der EU (meine Wortkreation) für internationale Investorengelder aktuell ein zusätzlicher Impuls, der den Euro-Anstieg befeuert? Gut möglich.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro gegen US-Dollar

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Anleihen

Anleihen und Zinsen – eine weltweite Vernichtung der Anlegergelder

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Für viele Großanleger gibt es seit Jahrzehnten eigentlich nur zwei große Anlageklassen – Anleihen oder Aktien: Um das Anlagekapital langfristig zu vermehren, oder um regelmäßig Zinsen oder Dividenden einzunehmen, wie es zum Beispiel Pensionsfonds tun, um die Kunden im Alter zu versorgen. Und gerade dieser ehemals so sichere und zuverlässliche Renditebringer ist durch die Interventionen der Notenbanken geradezu marginalisiert worden. Dabei müssen viele Institutionelle wie Versicherungen sogar ihren Hauptanteil der Finanzanlagen in Anleihen positionieren. Dort geschieht derzeit weiterhin viel Absurdes mit weitreichenden Konsequenzen.

Anleihen: Lage an den Rentenmärkten wird immer skurriler

In Europa schütteln viele Ökonomen nur noch den Kopf über die Kapitalmarktzinsen, speziell im Bereich der Staatsanleihen.

Zinsen um die ein Prozent für Langläufer in hoch verschuldeten Ländern, wie Griechenland oder Italien, liegen auf Höhe mit den amerikanischen Pendants. Einem Land (USA), welches trotz der eminent hohen aktuellen Verschuldung in seiner 244-jährigen Geschichte noch nie einen Staatsbankrott erleben musste und welches noch einen absoluten Ausnahmestatus innehat, da der US-Dollar als Weltreservewährung einen Sonderbonus genießt.

Aber auch für die am längsten laufenden Anleihen der Staaten im Zentrum Europas – Österreich, Schweiz und Deutschland – müssen für die 30- oder 50-jährigen Staatsanleihen fast keine Zinsen mehr gezahlt werden.

Die ultimative Begründung für die derzeitige Ausnahmestellung der Aktienmärkte

Diese wird von einer Erhebung durch die US-Großbank JPMorgan geliefert:

Weltweit gibt es für 17 Billionen Dollar an Anleihen keine oder sogar Minuszinsen
Berücksichtigt man die jeweiligen Inflationsraten, so beträgt die Summe der Anleihen, die eine negative Realrendite abwerfen 32 Billionen Dollar, oder 76 Prozent aller Staatsanleihen von Industrieländern
Woher sollen die vielen Kapitalsammelstellen, die auf Einnahmen angewiesen sind, eine Rendite erwirtschaften?

Fazit

Die Zinslandschaft in großen Teilen der Welt ist fast schon als brutal zu bezeichnen – für die Halter der Papiere.

Man kann täglich hundert Indikatoren heranziehen, um die Überbewertung der Aktienmärkte zu begründen. Vom Shiller-KGV, dem Buffett-Indikator, historischen Vergleichen zur Bewertung von Aktien zur Gesamtwirtschaft und vieles mehr. Aber wir haben auch eine historisch einmalige Situation. Wenn allein die drei großen Notenbanken (Fed, EZB, BoJ) in ihren Bilanzen schon über 20 Billionen Dollar stehen haben, die zum großen Teil von Käufen von Anleihen herrühren, kann es das Regulativ Anleihemarkt zu Aktienmarkt in alter Form nicht mehr geben.

Anders ausgedrückt: Was juckt ein KGV der Aktienmärkte von 20 bis 30, wenn selbst die großen Anleihemärkte ein mindestens dreistelliges aufweisen?

Und noch sieht es nicht nach einer Wende aus – weder bei den Käufen von Anleihen, noch bei den Kapitalmarktzinsen. Die Kapitalsammelstellen stehen täglich vor dem Problem, einerseits neue Gelder anlegen zu müssen, andererseits ihren Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Dies ist für mich der Hauptgrund dafür, warum die Aktienmärkte einfach nicht größer korrigieren wollen. „There is no alternative!“ (TINA).

Zwar gab es den brutalen Einbruch wegen Corona im Februar/März, aber damals musste jeder Aktieninvestor mit dem Schlimmsten rechnen und seither hat die „Zerstörung“ der Zinsmärkte erst so richtig Fahrt aufgenommen. Wie könnte dieser Zustand sich zumindest etwas ändern? Schon öfters erwähnt: Ein substanzieller Anstieg der Inflation, der zu einem Anstieg der Kapitalmarktzinsen führt – nicht zu einem Anstieg der Leitzinsen.

Werden neue Schuldenprogramne 2021 bei einer Erholung der Wirtschaft dazu führen? Wenn es zumindest wieder etwas positive Realzinsen gibt? Wir werden es sehen, zunächst an den Zins-Charts.

Die absurde Entwicklung bei Anleihen - oder warum die Aktienmärkte so hoch stehen

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