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Anleihen

Was so abläuft: Target2-Salden, Euro, Yen-Stärke, neues Allzeittief bei 2-jährigen deutscher Staatsanleihen

Während der Dax heute erstmals seit knapp zwei Jahren über die 12.000er-Marke gestiegen ist, gibt es ein paar Auffälligkeiten! Hier sind sie..

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Wir erleben derzeit Euro-Schwäche – die Gemeinschaftswährung auf dem tiefsten Stand seit sechs Wochen zum US-Dollar. Das liegt vorwiegend an den von den Märkten als gestiegen eingepreisten Wahrscheinlichkeit eines Sieges Le Pens bei der Stichwahl am 07.Mai:

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Auffallend: Gold steht zum Euro so hoch wie seit der Wahl Donald Trumps Anfang November nicht mehr:

(Gold-Euro)

Unterdessen steigen die Target2-Salden der Bundesbank auf ein neues Allzeithoch: Bräche die Eurozone auseinander, wird die Rechnung für Deutschland immer teurer. Entgegen landläufigen Annahmen der Vodoo-Ökonomie können die Zentralbanken oder die EZB diese Forderungen nicht einfach nullen, weil den Target2-Salden reale Zahlungen zugrunde liegen:

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Und heute fällt die Rendite für die 2-jährige deutsche Staatsanleihe, die im Schatz-Future gehandelt wird, auf ein neues Allzeittief:

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Dafür gibt es zwei Gründe: erstens die EZB, die nach einer kleinen, ganz ganz winzigen Änderung ihrer Regeln nun auch im Rahmen ihres QE Anleihen kaufen kann, die unter dem Einlagesatz von -0,4% liegen. Der zweite Grund: angesichts der Unsicherheit über die Wahlen in Frankreich flüchten institutionelle Investoren in die vermeintliche Sicherheit deutscher Staatsanleihen, gerade wenn es Kurzläufer sind (weil man damit das Kapital flexibler hält)!

Auffallend ist derzeit vor allem auch die derzeitige Yen-Stärke – normalerweise gilt der Yen als sicherer Hafen, steigen die Aktienmärkte, steigt meist Dollar-Yen. Dabei war Dollar-Yen lange eng mit dem Kursverlauf des S&P500 verbunden (vor allem seit dem Wahlsieg Trumps) – aber trotz der derzeitigen Dollar-Stärke zeigt sich hier ein zunehmendes Auseinanderdriften:


(Dollar-Yen orange, S&P500 schwarz)

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Marko

    22. Februar 2017 16:16 at 16:16

    Diese Anlayse ist leider falsch, Markus.

    Der EUR ist so stark, weil Deutschland „dahintersteht“. Eigentlich viiel zu stark. Der EUR : das ist die Deutsche Mark 2.0

    „Bräche die Eurozone auseinander, wird die Rechnung für Deutschland immer teurer. Entgegen landläufigen Annahmen der Vodoo-Ökonomie können die Zentralbanken oder die EZB diese Forderungen nicht einfach nullen, weil den Target2-Salden reale Zahlungen zugrunde liegen“

    Leider nicht ganz richtig, die Rechnung bezahlt gnadenlos EUROPA.
    Ein Auseinanderbrechen der EUR-Zone würde folgendes bedeuten : Noch viel mehr Macht Deutschlands, die EU-Förderprogramme : „Auf Wiedersehen“.

    Dann stüden die anderen (ehemaligen EUR-Staaten) auf weiter Flur ,und zwar alleine, ohne die „Mama EZB“.

    Eine „Schattenwährung“, namens DM/EUR gäbe es und da könnten die Sudländer an ihrer „eigene Währung“ soviele Nullen dranhängen wie sie wollen.

    Die Hauptwährung Europas ist und das was ist : der EUR.

    Ein Auseinanderbrechen des EURs ist nicht möglich, es sei denn : Deutschland sagt „Ja“.

    Aber : dies ist unrealistisch.

    Vg

    Marko

    • Avatar

      Petkov

      22. Februar 2017 17:31 at 17:31

      Marko, ich sehe schon, es ist Zeit für den nächsten Nachhilfeunterricht in der Funktionsweise der Welt da draußen. Gern geschehen!

      Wo soll ich anfangen? Vielleicht, dass die EU-Förderprogamme nichts mit der €-Zone zu tun haben. Uups, Vorsicht, springen Sie schnell zur Seite, Ihr Argumentationstürmchen bricht gerade zusammen, Splittergefahr.

      Sie sind übrigens krankhaft von der zunehmend schwindenen Wirtschaftskraft Deutschlands überzeugt, nennen aber gleichzeitig das deutsche Volk das kriegerischste, aggressivste usw. der Welt. Wir Ausländer dagegen streiten dies aus Überzeugung ab. Noch ein Beweis für Ihren tiefgreifenden Nazikomplex. Aber nur Mut, das kriegen wir schon repariert.

      Viele Grüße

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    N. Ritter

    22. Februar 2017 17:28 at 17:28

    Zu dem Mega-Aufreger „Target-Saldo“ hat ja gerade vor ein paar Tagen der VWL-Professor Herr Lucke im „Focus“ reichlich Dünnes verbreitet. Abgesehen von der Tatsache, dass er das Zustandekommen absolut unzutreffend „erklärt“ hat, phantasierte er davon, dass Deutschland beim Ausstieg aus dem Euro mit einer Überweisung von über 750 Mrd von der EZB rechnen könne. Das zeigt zweierlei:
    1. hat er nicht begriffen, dass eine Überweisung EZB-BuBa den Saldo nicht beseitigen kann, sondern im Gegenteil erhöhen würde.
    2. ist er nicht in der Lage eine Notenbankbilanz zu lesen, sonst wäre ihm aufgefallen, dass den BuBa-Forderungen an das ESZB auf der Aktivseite auch Verbindlichkeiten an das ESZB auf der Passivseite gegenüberstehen – übrigens auch in dreistelliger Milliardenhöhe. Hat er sicher nur „vergessen“, gegenzurechnen.

    Die „Mainstream“-Ökonomen können bis heute nicht erklären, wozu eine EUR-Notenbank, die selbst fähig ist, Zentralbankgeld zu schöpfen eigentlich einen „Kredit“ einer anderen EUR-Notenbank (die diesen auch selbst schöpfen würde) brauchen soll, oder warum der Saldo überhaupt ein Kredit sein soll und nicht z.Bsp. ein Nostroguthaben der einen Notenbank bei der anderen (Das wäre sogar plausibler, da die Geldschöpfung bei der NZB stattgefunden hat, die eine Verbindlichkeit ausweist).
    Insofern scheint mir der Vodoo-Glaube recht gleichmäßig unter unseren Experten verteilt.

    • Avatar

      Petkov

      22. Februar 2017 17:58 at 17:58

      Buah, dass der Lucke so was von sich gegeben hat, ist echt enttäuschend. Den Artikel kannte ich nicht. Ihre restlichen Ausführungen sind vollkommen korrekt. Hat der Lucke zumindest festgestellt, dass sich Deutschland die 750 „peanuts“ hinter die Ohren schmieren kann, um den Finanzexperten Thomas Müller zu zitieren?

    • Avatar

      gerd

      22. Februar 2017 18:17 at 18:17

      Da Sie (mir) das mit den Target2-Salden vor mehreren Wochen auch schon gut erklärt hatten, frage ich noch mal nach. Ich hatte es nämlich nicht soo gut verstanden, dass ich in der Lage wäre, es eigenständig weiter auseinanderzubröseln oder es jemand anderen verständlich zu machen.

      Zunächst die Frage, von der ich annehme, dass sie die mit NEIN beantworten werden. Aber ggf. hätten sich dann die Folgefragen erübrigt:
      Glauben Sie, dass der deutsche Target2-Überschuss-Saldo lediglich eine theoretische Verrechnungsgröße darstellt – ohne dass Deutschland da letztlich irgendeinen Anspruch raus ableiten kann?

      Was glauben Sie würde dem deutschen Steuersäckle (als letztes Glied in der Kette) per Saldo zugeführt werden können/müssen/dürfen, wenn per Vertrag – ohne Streit, ohne Verweigerungshaltung u.dgl.- per 1.März 2017 das Eurosystem aufgelöst würde, jedes Land wieder eine eigene Währung haben würde und der Target2-Saldo o r d n u n g s g e m ä ß zwischen den beteiligten Ländern verrechnet würde? Ordnungsgemäß verrechnet würde unterstellt, die in der „Schuld“ stehenden anderen Länder/Notenbanken wären solvent genug, ihren Obliegenheiten nachzukommen.
      Ganz grob nur, dass wir uns ungefähr ein Vergleichsbild machen können in Bezug auf die immer wieder genannten 780Mrd.
      Zusatzfrage: Wieviel vom deutschen Anspruch wäre wohl unter Umständen, vielleicht oder auch doch aus heutiger Sicht per 01.03.2017 uneinbringlich?

      • Avatar

        N. Ritter

        22. Februar 2017 23:41 at 23:41

        Hallo Gerd,

        1. Grundsätzlich gehe ich tatsächlich davon aus, dass sich die Salden schmerzfrei beseitigen ließen (also ohne sie über die Gewinn-und Verlustrechnung und anschließender „Rekapitalisierung der Notenbank“ dem Steuerzahler an den Hals zu hängen – egal ob jetzt dem italienischen/griechischen oder dem deutschen. Es sind tatsächlich Verrechnungsposten, die dadurch notwendig werden, dass jede NZB der Eurozone EUR schöpfen kann und diese dann frei innerhalb der Union kursieren können – die NZBen aber getrennt bilanzieren. Wenn z.B. die Banca d’Italia EUR schöpft und diese werden dann nach Deutschland überwiesen, dann hat die BdI eine Kreditforderung an ihre Banken in der Bilanz und die BuBa die zugehörige Verbindlichkeit gegenüber ihren Banken aus Giroguthaben. Dafür brauchen beide einen Gegenposten. Das hat aber nichts mit einem „Kredit“ der BuBa an die BdI zu tun. Die beiden NZB müssen sich weder gegenseitig, noch bei der EZB refinanzieren, sie sind selbst Produzent von Zentralbankgeld und „Zentralbankgeld 2. Instanz“ gibt es nicht.

        2. Auf dem Blog „Makroskop“ gab es in letzter Zeit zwei (frei zugängliche) Artikel, die sich damit auseinander gesetzt haben, der zweite davon hat auch verschiedene Lösungsmöglichkeiten entwickelt. Allerdings blieben bei den angesprochenen Varianten entweder Abschreibungsverluste bei der EZB bzw. den NZB mit positiven Saldo hängen, oder es wurde mit Staatsanleihen des ausscheidenden Defizitlandes „bezahlt“, was letztlich bedeutet, dass der Steuerzahler dort in die Bütt muss.
        Ich denke aber, das müsste nicht sein. Der grundsätzliche Denkfehler besteht darin, zu glauben, die Notenbank müsste sich genauso verhalten, wie ein normaler Bürger oder eine Geschäftsbank und „Geld“ wäre ein extern existierende Größe, die man sich halt erst irgendwo beschaffen muss, um Zahlungen zu leisten. Das trifft aber auf die Notenbank nicht zu. Alle ihre Bilanzpositionen sind letzten Endes selbstgeschaffen und können auch intern wieder „vernichtet“ werden, ohne irgendwen außerhalb der Notenbanksphäre damit behelligen zu müssen.
        Stellen Sie sich einfach mal vor, die BuBa schriebe den Saldo bilanzwirksam ab und sagt dann zum Bund als Eigentümer: „Füll mir mal mein Eigenkapital wieder auf!“ Wo soll das neue Kapital denn herkommen, wenn nicht letzten Endes aus der Geldschöpfung selbst? Das ist eine Schlange, die sich in den Schwanz beißt.
        Praktisch fürchte ich allerdings, dass es im Fall der Fälle zur schmutzigen Lösung kommen wird – das würde ein neuer „Erblastentilgungsfond“, entweder bei den Defizit- oder bei den Überschussländern.

        • Avatar

          gerd

          23. Februar 2017 11:23 at 11:23

          Vielen Dank, N. Ritter.
          Ich glaube, dass ich in einiger Zeit noch mal drauf zurückkommen möchte, so ich darf.
          Ich grübel da soviel drüber nach, das wird dauern bis ich mir halbwegs ansatzweise schlüssig bin, wie das letztlich einzuschätzen ist.

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Anleihen

Aktienmärkte: Ist das das nächste große Ding? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

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Die Aktienmärkte der Wall Street heute allesamt mit neuen Allzeithochs, während der Dax weiter stagniert und sogar einen leichten Wochenverlust ausweist – und das trotz neuem Optimismus in Sachen Brexit. Aber der Fokus richtet sich nun immer mehr auf die US-Anleihemärkte mit steigenden Renditen, die Zinskurve versteilt sich weiter (gut für Finanz-Aktien, nicht so gut für Tech, daher der Nasdaq heute nur mit kleinen Gewinnen). Sollten die Renditen weiter steigen, werden US-Anleihen wieder zunehmend zur Konkurrenz für die Aktienmärkte. Dort aber herrscht nach wie vor eine „Rundum-sorglos-Stimmung“, vor allem die „Corona-Verlierer“ werden wieder gekauft (der Sektor Energie daher wider mit den größten Gewinnen)..

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Negativzinsen und Druckerpresse: Auswirkungen auf Menschen und Schrottunternehmen

Claudio Kummerfeld

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Negativzinsen helfen Schrottfirmen und schaden den Sparern

Die Druckerpressen von EZB, Federal Reserve und Co laufen auf Hochtouren. Und dank dem neuem US-Präsidenten Joe Biden (Vereidigung am 20. Januar) dürfte das Tempo an neu geschaffenem Geld und neuer Staatsverschuldung nochmal Fahrt aufnehmen. Auch die Eurozone steht dem mit der EZB in Nichts nach. Die Null- und Negativzinsen bleiben weiter dort wo sie sind, und das auf lange Zeit. Das haben die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks klar gemacht. Was passiert, wenn Negativzinsen und Druckerpresse auf Menschen und Schrottunternehmen treffen? Hier kurz und knapp zwei Beispiele.

Die Schrottunternehmen werden auch gerne als Zombieunternehmen bezeichnet. Dies sind Unternehmen, die zum Beispiel noch nicht mal genug Geld verdienen um ihre Zinslast auf Kredite bedienen zu können. Oder sie überleben nur noch dank Staatshilfen, aber nicht aus strukturell echten Einnahmen. Wer Schrott ist, muss am Kapitalmarkt für Schulden eine höhere Risikoprämie zahlen. Denn der potenzielle Käufer von Schrottanleihen will sich das höhere Risiko einer Nicht-Zurückzahlung der Anleihe natürlich honorieren lassen. Von daher notieren die Renditen von Junk Bonds (Anleihen begeben von Unternehmen mit zweifelhafter Bonität) immer deutlich höher als die von gut angesehenen Unternehmen.

Derzeit aber, wo die Notenbanken alles mit frisch gedrucktem Geld überschwemmen und wo die Negativzinsen alles runterdrücken, da profitieren auch die Zombieunternehmen von immer weiter fallenden Renditen für ihre Schulden. Wie der folgende zehn Jahre zurückreichende Chart zeigt, ist die durchschnittliche Rendite für Junk Bonds in den USA auf ein neues Rekordtief von 4,45 Prozent gesunken, mehr als zwei Prozentpunkte unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Zombies freuen sich also über immer geringere Kosten für ihre Schulden.

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Der Spar-Michel zahlt die Zeche

Man erinnere sich noch zurück, als hier und da die aller erste Sparkasse oder Volksbank Negativzinsen für Kontoguthaben einführte. Was gab das für einen Aufschrei. Heute ist das Alltag. Und die Lawine rollt immer weiter. Die ganz frische Veröffentlichung des Portals Biallo zeigt, dass auch die Direktbanken immer stärker auf den Zug aufspringen. 240 Banken insgesamt kassieren mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es 317 Geldhäuser. Beim sogenannten Verwahrentgelt gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5.000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. Elf Geldhäuser langen bereits ab dem ersten Euro zu. Die DKB folgt aktuell der ING und führt ab sofort einen Negativzins in Höhe von minus 0,5 Prozent ein – für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld- und Girokonto. Wie bei der ING sollen Bestandskunden erst mal nicht betroffen sein.

Damit dürfte die Negativzins-Welle, die derzeit auf Sparer zurollt, noch mal deutlich an Fahrt gewinnen. Denn laut jüngsten Recherchen von Biallo haben auch große Regionalbanken in Hamburg, München und Köln zuletzt einen Strafzins für private Einlagen eingeführt. Erst gar keine Negativzinsen, jetzt gibt es immer mehr, aber mit Freibeträgen. Da das Umfeld aus Null- und Negativzinsen noch jahrelang anhalten wird, und da die Banken margentechnisch unter immer größerem Druck stehen, darf man annehmen, dass diese Freibeträge in Zukunft stetig verringert werden, und dass auch immer öfter von Bestandskunden Negativzinsen kassiert werden, und nicht nur von Neukunden.

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Allgemein

EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

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am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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