Trotz hoher Bewertungen und warnender Stimmen wagen sich viele Investoren weiterhin tief in die Aktienmärkte – und schalten den Risiko-Modus nicht nur ein, sondern gleich auf Turbo. Während einige Experten bereits über eine mögliche Blase bei Tech- und KI-Werten sprechen, bleiben die großen globalen Player überzeugt: Aktien bleiben alternativlos. Getrieben von KI-Euphorie, robustem Wachstum und lockerer Geldpolitik setzt die Branche auf eine Rally, die bis weit ins Jahr 2026 reichen soll.
Aktien: Börsenprofis im Risiko-Modus
In einer Marktphase, in der viele Investoren historisch hohe Gewinne realisieren würden, setzen globale Asset Manager weiterhin klar auf Aktien, so ein Bericht von Bloomberg. Nach drei aufeinanderfolgenden Jahren zweistelliger Renditen in globalen Indizes sehen sie keinen Anlass, aus den Aktienmärkten auszusteigen. Stattdessen überwiegt ein ausgeprägtes „Risk-on“-Sentiment, das von robustem Wachstum, geldpolitischer Unterstützung und dem anhaltenden Fortschritt der KI getrieben wird – und zwar trotz vereinzelter Warnungen vor einer möglichen Blase.
„Unsere Erwartung soliden Wachstums sowie lockerer monetärer und fiskalpolitischer Bedingungen unterstützt eine Risk-on-Neigung in unseren Multi-Asset-Portfolios. Wir bleiben übergewichtet in Aktien und Anleihen“, erklärte Sylvia Sheng, globale Multi-Asset-Strateign bei JPMorgan Asset Management. Ähnlich optimistisch äußert sich David Bianco, CIO Americas bei DWS: „Wir spielen die starken Trends und bleiben bis Ende nächsten Jahres bullisch. Derzeit sind wir keine Contrarians.“
Auch Lombard Odiers CIO für EMEA, Nannette Hechler-Fayd’herbe, sieht wenig Grund zur Vorsicht: „Starten Sie das Jahr mit ausreichender, sogar überhöhter Aktien-Exponierung, vor allem in Schwellenländern. Wir erwarten keine Rezession im Jahr 2026.“
Diese Einschätzungen beruhen auf Interviews von Bloomberg News mit 39 Investmentmanagern weltweit – darunter BlackRock, Allianz Global Investors, Goldman Sachs und Franklin Templeton. Über drei Viertel der Befragten positionieren ihre Portfolios klar für ein anhaltendes Risiko-Umfeld bis 2026.

Keine Angst vor der Technologie-Blase
Ein zentrales Thema unter den Investoren bleibt die KI, die in den vergangenen Jahren Billionen an Börsenwert geschaffen hat und dennoch nach Ansicht vieler erst am Anfang ihrer Entwicklung steht. Trotz warnender Stimmen sehen die meisten Marktteilnehmer keine gefährliche Blase im Technologiesektor.
„Man kann nicht von einer Blase sprechen, wenn Tech-Unternehmen massive Gewinnüberraschungen abliefern. Die Gewinne dieses Sektors übertreffen jede andere Gruppe an den Aktienmärkten“, sagt Anwiti Bahuguna, Co-CIO bei Northern Trust Asset Management. Rund 85 % der Manager halten die Bewertungen der „Magnificent Seven“ sowie weiterer KI-Schwergewichte für gerechtfertigt – getragen von starken Fundamentaldaten und dem Beginn eines neuen Zyklus.

Entsprechend erwarten die meisten Börsenprofis, dass die USA die treibende Kraft der globalen Rally an den Aktienmärkten bleiben. „Der amerikanische Exzeptionalismus ist noch lange nicht tot … Die USA werden ein Schlüsselakteur sein, wenn sich künstliche Intelligenz weiter weltweit verbreitet“, betont Jose Rasco, CIO HSBC Americas.
Doch auch abseits der USA erkennen Investmentprofis zunehmende Chancen. Helen Jewell, CIO für internationale fundamentale Aktien bei BlackRock, verweist auf attraktivere Bewertungen in anderen Regionen: „Die USA beherbergen wachstumsstarke Unternehmen, aber das ist bereits in den Bewertungen reflektiert. Außerhalb der USA gibt es wahrscheinlich interessantere Gelegenheiten.“
Internationale und sektorale Gewinner in Sicht
Die Gewinnerwartungen steigen angesichts weltweit wachsender staatlicher Ausgaben. Besonders Asien und Teile Europas rücken stärker in den Fokus. Andrew Heiskell, Equity-Stratege bei Wellington Management, beobachtet: „Wir sehen eine deutliche Verbreiterung der Gewinnmomentum sowohl über Regionen als auch Marktgrößen hinweg, darunter Japan, Taiwan und Südkorea.“
Für 2026 zählt Indien zu den aussichtsreichsten Märkten. „Wir sehen echtes Potenzial, dass Indien 2026 zu einer Korea-ähnlichen Re-Rating-Story wird“, so Alexandra Wilson-Elizondo von Goldman Sachs. Auch strukturelle Verbesserungen – beispielsweise Governance-Reformen in Japan oder zunehmende Kapitaldisziplin in Europa – erhöhen die Attraktivität internationaler Aktien.
Neben der globalen Expansion stehen vor allem Sektoren im Fokus, die indirekt von der KI profitieren. Dazu zählen insbesondere Energieunternehmen, die den steigenden Strombedarf der Technologie bedienen, sowie kleinere börsennotierte Firmen.
Stephen Dover von Franklin Templeton erklärt: „Die Ertragsaussichten für Small Caps, Industrieunternehmen und Finanzwerte haben sich aufgehellt.“ Mit fallenden Zinsen sinken ihre Finanzierungskosten, was die Profitabilität erhöht. Das bestätigt auch Francisco Simón von Santander AM, der für US-Small-Caps ein Gewinnwachstum von über 20 % erwartet – ein Trend, den der Russell 2000 mit neuen Rekorden bereits widerspiegelt.
Ein überraschender Favorit im zyklisch bullischen Umfeld ist der Gesundheitssektor. „Gesundheitsnahe Branchen können an den US-Aktienmärkten positiv überraschen. Die Bewertungen sind attraktiv und haben erheblichen Aufholbedarf“, meint Jim Caron von Morgan Stanley IM.
Inflation, Politik und geopolitische Risiken
Trotz des breiten Optimismus bleibt eine zentrale Sorge bestehen: die Rückkehr der Inflation. „Ein Szenario, in dem die US-Inflation 2026 wieder anzieht, wäre ein doppelter Schlag für Multi-Asset-Fonds“, warnt Amelie Derambure von Amundi. Steigende Preise könnten die US-Notenbank Fed zu abrupten Kurswechseln zwingen – mit negativen Folgen für Anleihen und Aktien.
Zusätzlich sorgen geopolitische Spannungen und politische Unsicherheiten für Unruhe. Besonders die unberechenbare Handelspolitik von Präsident Donald Trump könnte – etwa über höhere Zölle – Inflation und Risikoanlagen belasten. Energiepreise bleiben ein neuralgischer Punkt: „Jede geopolitische Lage, die den Ölpreis beeinflusst, wird die Finanzmärkte bewegen“, sagt Scott Wren von Wells Fargo.
Für europäische Autohersteller hingegen sehen viele Manager kaum Hoffnung. Der Konkurrenzdruck aus China und strukturelle Herausforderungen bei der Elektrifizierung gelten als schwer überwindbar. „Ich glaube keine Minute an eine Erholung in diesem Sektor“, so Isabelle de Gavoty von Allianz GI.
Zum Abschluss äußern manche Manager jedoch eine metaperspektivische Sorge: Das nahezu einheitliche Risiko-On-Sentiment könnte selbst ein Warnsignal sein. „Alle scheinen im Risk-on-Modus – und das beunruhigt mich, weil die Konzentration der Positionen die Toleranz für negative Überraschungen verringert“, warnt Derambure.
FMW/Bloomberg
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Wenn man sich das Gewinnwachstum der meisten US-Firmen anschaut, sind Aktien die richtige Wahl. Tesla ist vielleicht hoffnungslos überbewertet, aber es gibt einige Tech Aktien, da ist das KGV noch in Ordnung und es ist sowieso komplett überholt, dass man sich nur das KGV anschaut. Das war etwas aus dem letzten Jahrhundert.