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Wells Fargo-Skandal: DAMIT HABE ICH NICHTS ZU TUN. Aber Sie sind doch der Chef der Bank? JA…

Nein, das hier ist nicht die Muppet-Show, nicht die Benny Hill-Show, und auch nicht die Fortsetzung von Stromberg, das ist nur der Bankenausschuss im US-Senat. Gestern war Wells Fargo-Chef John Stumpf vorgeladen und durfte Senatoren und Presse…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Nein, das hier ist nicht die Muppet-Show, nicht die Benny Hill-Show, und auch nicht die Fortsetzung von Stromberg, das ist nur der Bankenausschuss im US-Senat. Gestern war Wells Fargo-Chef John Stumpf vorgeladen und durfte Senatoren und Presse erklären, wie ohne sein Wissen 5.300 Bankmitarbeiter für bestehende Kunden 2 Millionen Konten und Kreditkartenkarten eröffnen konnten um hohe Vertriebsziele erfüllen zu können. Bei seinen Ausführungen wurde Stumpf noch nicht mal rot, und musste auch nicht ein Mal lachen. Nicht schlecht.

Von mehreren Senatoren wurde er nacheinander befragt. Mehrfach wurde er gefragt ob er (in Personalunion Vorstandsvorsitzender und Aufsichtsratsvorsitzender, in den USA möglich und üblich) sich denn darum kümmern werde, dass die ehemalige zuständige Leiterin des Privatkundengeschäfts Carrie Tolstedt sanktioniert werde. Hierbei geht es vor allem um das Rentenpaket von 125 Millionen Dollar, mit dem sich Tollstedt vor Kurzem natürlich als freien Stücken in den Ruhestand verabschiedet hatte. Es geht darum, ob Teile dieser enormen Abfindung von Wells Fargo zurückgehalten oder zurückgefordert werden. Die Antwort von Stumpf:

Damit habe ich nichts zu tun. Darum kümmert sich der „Gehalts-Ausschuss“ innerhalb des Aufsichtsrats, dem ich nicht angehöre. Senator-Frage: Aber Sie sind doch der Chef der Bank, richtig? Antwort: Ja!
Auf mehrmalige Nachfragen zum selben Thema konnte er immer wieder nur sagen, dass er diesem Ausschuss nicht reinrede, er keinen Einblick habe, was dort besprochen wird usw. Aber ja, er glaube dieser Ausschuss werde die Rentenabfindung von Frau Tollstedt möglicherweise prüfen. Er selbst sei kein Experte für Gehälter, das sei wie gesagt alles Sache dieses Ausschusses. Er sei zwar Chef im Aufsichtsrat und im Vorstand, aber er respektiere die Unabhängigkeit dieses Ausschusses (Lachnummer).

Frage: Sie sagen die letzten Tage immer Sie sind als Chef verantwortlich. Sind Sie wirklich verantwortlich? Antwort: Ja
Frage: Aber sind Sie zurückgetreten? Antwort: Nein
Haben Sie selbst Teile ihrer Gehälter zurückgezahlt? Nein
Haben Sie aufgrund dieses Skandals hochrangige Führungskräfte entlassen? Nein

Frage: Wann haben Sie die Vorfälle an die Börsenaufsicht gemeldet? (wohl gemerkt: das sind extrem wichtige Pflichtmitteilungen)
Antwort: Weiß ich jetzt nicht genau, kann ich mich nicht dran erinnern, da muss ich intern nachfragen lassen.

Immer wieder betonte Stumpf, dass die 5.300 entlassenen Mitarbeiter von Wells Fargo mit ihren „fehlerhaften Verkaufspraktiken“ gegen die ethischen Grundsätze der Bank verstoßen hätten, und deswegen entlassen wurden. Das Wort Betrug vermied er tunlichst.
Frage: Was anderes ist das hier als Betrug?
Antwort: Ich bin kein Anwalt, ich kann das alles nicht genau definieren!
Senator: Ich bin auch kein Anwalt, und ich wie die meisten anderen Amerikaner, die auch keine Anwälte sind, können diese Machenschaften eindeutig als Betrug identifizieren.

Nach mehrmaliger Nachfrage bestätigte Stumpf, dass er seit 2013 von diesem „Fehlverahlten“ seiner Mitarbeiter gewusst habe. Aufsichtsrat und Behörden seien dann auch informiert worden (wann genau, ist wie gesagt unklar).

Stumpf zählte diverse Maßnahmen auf, die Wells Fargo in den letzten Jahren nach und nach ergriffen habe um Fehlverhalten abzustellen. Aber all das habe leider nicht geholfen. Daher schaffe man jetzt jegliche Vertriebsziele komplett ab. Unsere Anmerkung: Es ist doch ein ziemliches Armutszeugnis für eine Bank, wenn kriminelles Verhalten von tausenden Mitarbeitern auch nach mehreren Jahren nur ganz abgestellt werden kann durch das völlige Abschaffen von Vertriebszielen!

Frage: Viele der entlassenen Mitarbeiter waren Geringverdiener mit 16 oder 17 Dollar pro Stunde und vielen Arbeitsstunden – die in Rente geschickte Privatkundenchefin Carrie Tollstedt wurde aber mit mehr als 120 Mio Dollar abgefunden. Will er als Aufsichsrats- und Vorstandschef eine „Empfehlung“ an sein Board aussprechen, dass man einen guten Teil der Abfindung von Frau Tollstedt zurückfordert?
Antwort: Die Gehälter der entlassenen Mitarbeiter hätten im Schnitt bei von 35-60.000 Dollar pro Jahr gelegen. Wie schon gesagt, sei der Gehaltsausschuss im Aufsichtsrat unabhängig, darauf hat er keinen Einfluss (was für ein Witz). Er selbst will keine Empfehlung an seinen „Gehaltsausschuss“ geben, was zu tun ist.

Laut Stumpf sei Carrie Tolstedt aus einer Vielzahl von Gründen freiwillig in den Ruhestand gegangen.

Frage: Wenn tausende Bankmitarbeiter auf die ganzen USA verteilt mit den selben Methoden betrügen, ist es schwer zu glauben, dass das ein Zufall ist?
Antwort: Das weiß ich nicht. Man habe aber auch Bankmanager und deren Vorgesetzte gefeuert. Aber die überwiegende Anzahl der Bankmitarbeiter habe ja nicht an diesem Fehlverhalten teilgenommen.

Frage: Stellen Sie sich vor Sie sind ein kleiner Filialmitarbeiter, verdienen knapp 30.000 Dollar im Jahr, müssen damit eine Familie ernähren, haben brutale Vertriebsvorgaben, müssen sich gegenüber Vorgesetzten beim Nicht-Erreichen rechtfertigen, und erhalten bei Nicht-Erreichen danach noch höhere Vorgaben. Vergessen Sie höhere Bezüge oder Bonus-Anreize, es geht um den Erhalt ihres Jobs. Das soll eine tolle Atmosphäre gewesen sein um im besten Interesse der Kunden zu handeln?
Antwort: Wir haben ja schon vorher die Vertriebsziele reduziert… (häääh? Was für eine Antwort…)

Frage: Haben Sie oder ein anderer Vorstand durch diese Enthüllungen irgendwelche finanziellen Nachteile zu befürchten?
Ja ja, möglicherweise. Er sprach dann aber nur von mittel-hohen Führungskräften.

Und so ging es immer weiter. Die Hauptthese von Johm Stumpf: Vorstand und Aufsichtsrat haben natürlich nichts von all dem gewusst, und seien total entsetzt, wie diese 5.300 entlassenen Mitarbeiter die ethischen Regeln der Bank missachten konnten. Hier zwei Video-Auszüge von gestern.

https://youtube.com/watch?v=K8HfGAx8coE%3Frel%3D0

Hillary Clinton hat sich im bester Wahlkampfmanier gestern mit einem offenen Brief an die Wells Fargo-Kunden gewandt. Hier weist sie darauf hin, dass sie die US-Verbraucherschutzbehörde, die unter anderem diesen Skandal aufgedeckt und letztlich auch sanktioniert hat, in Zukunft weiter stärken will. Und sie will dafür sorgen, dass Banken zukünftig Boni von Managern zurückholen müssen, wenn Betrug oder Fehlverhalten nachgewiesen wird. Und sie betont auch, dass Donald Trump und Lobbyisten der Wall Street alles dafür tun diese Verbraucherschutzbehörde abzuschaffen. Also der klassische Kampf „Gut gegen Böse“? Dabei hat doch noch nie ein Präsidentschaftskandidat in den USA so viel Geld von Wall Street-Banken erhalten wie Hillary Clinton!?! Hier auszugsweise aus ihrem Brief:

„First, we need to defend the Consumer Financial Protection Bureau. The unfair and abusive practices at Wells Fargo remind us that we need tough watchdogs looking out for customers. The CFPB worked with local authorities and enforced the law – assessing its highest penalty ever, and bringing the bank’s illegal activity into the national spotlight.

Donald Trump, the Republican Party, and Wall Street lobbyists are desperate to dismantle this effective agency, which is dedicated solely to protecting consumers from unfair and deceptive practices. I won’t let them put the CFPB under their thumb. I’ll protect the CFPB and make sure it can continue its essential work on behalf of the American people.

Second, we need real consequences when firms on Wall Street break the law. This past week, we learned that one of the Wells Fargo executives that oversaw the division that ripped off its customers left the bank – not with a pink slip, but with a $125 million payout. It’s hard to imagine that top executives were unaware of a problem that involved thousands of the firm’s employees. After all, they imposed sales targets and compensation incentives in ways that led to this behavior. And it’s frustrating that a bank can simply pay a fine and keep doing business as usual – with massive compensation for the executives responsible. That compensation should be clawed back.“

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    m.d

    21. September 2016 12:08 at 12:08

    mit 120 mio usd hätte man die entlassenen 5300 Mitarbeiter jeweils mit ca. 22.500 usd abfinden können. Das wäre fair gewesen. Stattdessen bekommt eine einzelne Person 120 Mio usd.

  2. Avatar

    Harry Pasiak

    21. September 2016 13:12 at 13:12

    Ich habe mir die Theateraufführung von Chief Executive Officer und Chairman John Stumpf auch angesehen. Er ist aalglatt und die Benennung seines Handelns als Gutless Leadership durch Senator E. Warren ist noch schmeichelhaft.

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Immobilien: Der Boom läuft immer weiter – aktuelle Daten

Claudio Kummerfeld

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Innenansicht eines Einfamilienhauses

Es ist wirklich erstaunlich. Auch wir bei FMW hatten zu Ausbruch der Coronakrise und im brutalen wirtschaftlichen Absturz im Frühjahr erwartet, dass auch der Markt für Immobilien beeinträchtigt sein wird. Schließlich haben derzeit ja zahlreiche Menschen massive Existenzängste, leben dank Kurzarbeitergeld auf Kante, oder haben als Selbständige ihre Existenz gleich ganz verloren. Da müssten die Preise für Immobilien doch eigentlich einbrechen? Die Nachfrageseite für Häuser und Eigentumswohnungen müsste so schwach sein, dass man spürbare Rückgänge bei den Preisen sehen müsste?

Nichts da. Offenbar bringt die große Gelddruck-Orgie der Notenbanken und die Alternativlosigkeit zu Aktien und Immobilien immer noch genug Anleger und Kaufwillige dazu, die Preise für Immobilien immer weiter klettern zu lassen. Und die Rettungsmaßnahmen der Bundesregierung sind wohl derart umfangreich, dass genug Menschen in prekären Situationen (Arbeiter in der Autoindustrie etc) noch nicht ihre Häuser verlieren, welche auf dem Markt folglich auch nicht für ein Überangebot an Häusern und Eigentumswohnungen sorgen können.

Preise für Immobilien weiter am Steigen

Aktuelle Zahlen der Anbieter F+B sowie Dr. Klein zeigen weiter steigende Preise für Immobilien. Der F+B-Wohn-Index Deutschland als Durchschnitt der Preis- und Mietentwicklung von Wohnimmobilien für alle Gemeinden in Deutschland stieg im 3. Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5,6 Prozent. Wie gesagt, diese Steigerung von +5,6 Prozent kommt zustande, weil ich auch Mieten enthalten sind. Und die sind dank Corona doch tatsächlich leicht rückläufig mit -0,9 Prozent im Quartalsvergleich (und noch +0,1 Prozent im Jahresvergleich).

Mieten bremsen nur den Gesamtschnitt aus Immobilienpreisen + Mieten

Im Bundesdurchschnitt gehören damit exorbitante Mietensteigerungen laut F+B endgültig der Vergangenheit an. Auch die Betrachtung der Top 50-Standorte in Deutschland mit dem höchsten Mietenniveau lege eine ähnliche Interpretation für diesen Trend nahe. So seien im Vergleich zum Vorquartal in 28 der 50 teuersten Städte Deutschlands die Mieten bei der Neuvermietung gesunken (im Vergleich der Quartale Q2/2020 zu Q1/2020 betraf dies 18 Städte). Im Vergleich zum Vorjahresquartal 2019 gab es reale Mietpreisrückgänge in 10 der teuersten 50 Städte. Nach Beobachtungen von F+B hätten die Corona-bedingten wirtschaftlichen Verwerfungen als Nachwirkungen des ersten Lockdowns vom Frühjahr 2020 zu noch stärkeren Rückgängen bei den Mieten geführt, wenn es die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen nicht gegeben hätte. Wir möchten ergänzen: Hunderttausende Wohnungen in Berlin sind vom dortigen Mietendeckel betroffen, was die Mietpreisentwicklung bundesweit ebenfalls beeinflusst. F+B bespricht dieses Thema in seiner Veröffentlichung ebenfalls.

Nachfrageschub

Im Vergleich zum dritten Quartal 2019 liegen die Preissteigerungen bei Eigentumswohnungen laut F+B mit 5,5 Prozent weiterhin deutlich hinter den Ein- und Zweifamilienhäusern mit 8,6 Prozent. Eigenheime dominieren damit endgültig die Gesamtperformance des Wohn-Index von F+B. Man sei der Auffassung, dass die Corona-Pandemie hier einen zusätzlichen und offenbar auch nachhaltigen Nachfrageschub – bei gleichzeitig beschränktem Angebot – erzeugt hat, so F+B. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2004 die Preisentwicklung verschiedener Arten von Immobilien seit dem Jahr 2004. Eigentumswohnungen liegen langfristig klar in Führung.

Entwicklung der Preise für Immobilien seit dem Jahr 2004

Preise in Nordrhein-Westfalen steigen weiter

Der Anbieter Dr. Klein berichtete erst vor wenigen Tagen, dass das Volumen pro Immobilienkredit neue Rekordhochs erreicht hat (hier die Details). Heute berichtet Dr. Klein über die neuesten Preisentwicklungen für Immobilien in Nordrhein-Westfahen. Der bis 2015 zurückreichende Chart zeigt auch jetzt keinen Abknick bei der Preisentwicklung. Im mondänen Düsseldorf dürfe es gerne ein bisschen mehr sein – auch bei den eigenen vier Wänden: Der Trend gehe hin zu mehr Exklusivität und Geräumigkeit. Köln und Dortmund vermelden indessen neue Rekorde bei den Immobilienpreisen. Die Details finden Sie beim Klick an dieser Stelle.

Preise für Immobilien in Nordrhein-Westfalen

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BioNTech, Pfizer und Moderna, erfüllen sich die Impfstoff-Erwartungen?

Wolfgang Müller

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am

Erfüllen sich die hohen Erwartungen an die Impfstoffe von BioNTech und Pfizer sowie Moderna? Die Börsen sind im Jahresendspurt: Immer wieder werden derzeit die aktuellen Wirtschaftsdaten als Indikatoren herangezogen, verbunden mit dem großen Optimismus vieler Investoren, die nach Korrektur schreien. Aber dies ist neben dem monetären Faktor nicht der entscheidende Treiber für Börsenkurse. Es zählt die mittelfristige Aussicht, auch wenn man in einer Rezession oder in einem Lockdown etwas anderes verspürt. Was die Märkte antizipieren, sind die Fortschritte in der Impfstoffentwicklung und deren Anwendung. Dies kann man auch aus einem Interview schlussfolgern, welches eine Reporterin der Welt am Sonntag aktuell mit dem Chef von Moderna, Stéphane Bancel, geführt hat.

BioNTech & Co: Die große Wende bis zum Sommer 2021

Bei aller Skepsis über die Geschwindigkeit und Validität der Entwicklung eines Impfstoffes ist es nicht zu übersehen: Die Nachrichten über den Fortgang des Kampfes gegen Covid-19 überschlagen sich, Unternehmen für Unternehmen berichtet von den Ergebnissen aus der klinischen Studie-3 und der baldigen Beantragung für eine Zulassung des eigenen Vakzins. Es ist daher sicher interessant, was der langjährige Chef eines der Unternehmen an vorderster Front dazu zu sagen hat, auch unter Berücksichtigung der subjektiven Darstellung des eigenen Unternehmens. Hier die Kernaussagen des CEOs von Moderna:

Der Chef von Moderna fühlt sich von der Erstmeldung von BioNTech und Pfizer nicht überfahren. Man bräuchte mindestens vier oder fünf Unternehmen, um die Welt mit 7,6 Milliarden Menschen impfen zu können.

Bemerkung: Fraglich, ob es zur Impfung von so vielen Menschen durch westliche Impfstofffirmen kommt. China impft sich selbst (1 Mio. Chinesen wurden schon geimpft), ebenso Russland. In Indien sind 750 Millionen Menschen unter 25 Jahre alt, ein ähnliches Verhältnis dürfte auch für den Milliardenkontinent Afrika gelten. Und wie viele Menschen werden sich einer Impfung verweigern?

Zur Frage, warum BioNTech/Pfizer schneller waren: Pfizer sei100-mal größer als Moderna, man habe vorher noch nie eine Studie mit 30.000 Menschen durchgeführt. Zudem wurde das Vakzin gemeinsam mit der US-Gesundheitsbehörde NIH entwickelt und mit staatlichen Stellen dauere es etwas länger, sich untereinander abzustimmen.

Der US-Staat hat Moderna mit einer Milliarde Dollar unterstützt, aber man brauche das Geld, um im kommenden Jahr eine Milliarde Impfstoffdosen herzustellen. Für die Beschaffung von Grundmaterialien.
Zum Impfstoffpreis: Man werde zwischen 25 und 37 Dollar aufrufen, je nachdem, wie viel die Regierungen bei Moderna bestellen. Damit liege man im Bereich wie bei einer Grippeimpfung, die zwischen 10 und 50 Dollar kostet. Das sei ein fairer Preis, wenn man bedenkt, wie hoch die Kosten für das Gesundheitssystem sind, wenn ein Mensch schwer an Covid-19 erkrankt. Die teuerste Impfung der Welt sei derzeit Pfizers Impfstoff Prevnar gegen Pneumokokken mit 300 Dollar je Dosis.
Zur Dauer der Impfung: Das hänge davon ab, wie viele Impfstoffe das Rennen machen. Wenn es beim Impfstoff von BioNTech und Moderna bliebe, würde es bis zum nächsten Sommer dauern, bis allein die Menschen in Europa und den USA geimpft sind. Für den Rest der Welt würde es vermutlich bis Ende 2022 dauern.
Bemerkung: Reichlich optimistisch, so viele Menschen (mehr als eine halbe Milliarde, auch wenn sich viele verweigern) innerhalb von sechs Monaten zu impfen.

Zur Hektik bei der Notzulassung: Bancel betrachtet jede Morgen die Zahlen der John-Hopkins-Universität. Es gebe täglich weltweit 11.000 Coronaopfer und dies dürfte sich im nächsten Monat noch steigern. Die Impfung habe bereits bewiesen, dass sie wirke und sicher sei. mRNA werde innerhalb von 48 Stunden nach der Impfung im Körper abgebaut, das Lipid als Trägerstoff ebenfalls. Danach sei man geschützt vor Covid und den teilweise schlimmen Langzeitfolgen. Deshalb sei seine Entscheidung klar.

Beim Vergleich mit Biontech-Chef Ugur Sahin: Bancel bezeichnet sich selbst als nicht besonders guten Verkäufer. Was er aber könne sei komplizierte Wissenschaft einfach zu erklären. Zum Beispiel warum mRNA die größte medizinische Revolution seit der Erfindung von kleinen Molekülen wie Aspirin sei.
Zum Stand der Genforschung: Man lebe im Zeitalter der Sequenzierung. Es würde nur fünf Dollar und ein paar Stunden Zeit kosten, bis man das Genom eines Virus entschlüsselt habe, dank mRNA habe man jetzt die Möglichkeit, sehr schnell wirksame Medikamente zu machen. Dies katapultiere die analoge Medizin in das Zeitalter der Digitalisierung. Dieser Erfolg sei aber nicht über Nacht gekommen, wie viele Leute denken. BioNTech und Moderna arbeiten daran seit zehn Jahren.
Bei der ultimativen Frage nach dem eigenen Impfzeitpunkt sagt Bancel: Er könne es gar nicht abwarten, hätte das gern schon vor Monaten getan, denn er wolle sein altes Leben zurück.

Fazit

Egal, wie man die Aussagen eines Unternehmensvorstands zum eigenen Produkt bewertet. Es ist schon erstaunlich, wie konkret die Informationen zu dem Jahrhundertprojekt Impfstoffentwicklung gegen Covid-19 bereits gediehen sind. Sollte es tatsächlich keine gravierenden Nebenwirkungen des Impfstoffes geben, so könnte man tatsächlich von einer Normalisierung der Verhältnisse im Hinblick auf die Pandemie bereits im Jahre 2021 rechnen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre es ein neuer Meilenstein in der Entwicklung des medizinischen Fortschritts der Menschheit. Noch ist Vieles im Konjunktiv.

Erfüllen die Impfstoffe von BioNTech oder Moderna die hohen Erwartungen?

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Warum für Deutschland im Winter eine technische Rezession ansteht

Claudio Kummerfeld

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Leere Restaurants im zweiten Lockdown befeuern die Rezession

Die Industrie liefert wieder, und China als Abnehmer deutscher Waren hilft kräftig mit bei der Erholung der Konjunktur. Aber es ist klar. Die Dienstleistungen vermasseln derzeit der deutschen Wirtschaft die tiefgreifende Erholung. Die Rezession steht bevor oder startet wohl gerade wieder, und das Bruttoinlandsprodukt könnte schrumpfen. Und das nicht nur, weil die Dienstleistungen wie Gastronomie wegen dem aktuellen „kleinen“ Corona-Lockdown zu großen Teilen gar nicht stattfinden. Nein, da ist noch ein Faktor, der auf den ersten Blick übersehen werden kann.

Bevorstehende Rezession befeuert durch höhere Mehrwertsteuer

Eine aktuell womöglich schon gestartete technische Rezession für diesen Winter dürfte ab Anfang Januar verschärft werden. Denn ab 1. Januar wird die seit Juli 2020 geltende Mehrwertsteuersenkung wieder rückgängig gemacht. Dann dürften die Verbraucherpreise wieder steigen. Wer schon lange Zeit vor hatte einen neuen Fernseher, Küche, Auto oder sonstige hochpreisige Einrichtungsgegenstände anzuschaffen, hat dies wohl schon in den letzten Monaten getan, und dabei nette Mehrwertsteuerbeträge gespart. Umso kräftige dürfte der Konsumrückgang ab Januar ausfallen. Oder darf man mutmaßen, dass die Politik in Berlin dem noch schnell entgegenwirkt, und die Mehrwertsteuer bis zum Sommer 2021 auf reduziertem Niveau belässt? Die Kurzarbeiter-Regelung hat man ja schließlich auch gerade erst bis Ende 2021 verlängert.

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, bringt es in einer aktuellen Kurzanalyse auf den Punkt. Warum er sich gerade jetzt äußert? Heute um 10 Uhr wurde mit dem ifo-Index das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer veröffentlicht (hier die Details). Er fiel von 92,5 auf 90,7 Punkte. Die Zahlen waren zwar leicht besser als gedacht, aber eben doch schlechter als im Vormonat. Wie der Chart (geht bis 2016 zurück) zeigt, geht es aktuell wieder leicht bergab mit dem Geschäftsklima in Deutschland.


source: tradingeconomics.com

Experte spricht von bevorstehender technischen Rezession

Deutschland droht eine technische Rezession, das Winterhalbjahr wird hart. Das kann durch die robuste Entwicklung in der Industrie kaum verhindert werden. Erst die wärmeren Temperaturen im Frühling und die Impfungen werden die Wirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen lassen, so Jörg Krämer. Ein Monat Lockdown koste fast ein Prozent Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt. Krämer erwartet eine technische Rezession im Winterhalbjahr, auch wenn sich das verarbeitende Gewerbe super halte. Im folgenden Chart der Commerzbank sehen wir, wie die Industrie in gelb weiter ansteigt, während die Dienstleistungen wieder abschmieren.

Chart zeigt Tendenz der Rezession dank schwachen Dienstleistungen

Laut Jörg Krämer ist ein Abwärtstrend bei den Corona-Neuinfektionen noch nicht erkennbar. Die Bundesländer dürften den Lockdown nach seiner Meinung bis mindestens Weihnachten verlängern und die Kontaktbeschränkungen verschärfen. Sehe man von möglichen Lockerungen rund um Weihnachten ab, dürfte der Lockdown mindestens bis Ende Dezember gelten. Weil die kalte Jahreszeit die Infektionen begünstigt, erwarte man, dass Restaurants, Kneipen, Hotels, Fitness-Center etc auch während des ersten Quartals überwiegend geschlossen bleiben.

Basierend auf dem Anteil der betroffenen Branchen an der gesamten Wertschöpfung drücke ein Monat Lockdown das quartalsweise Bruttoinlandsprodukt wie gesagt um fast 1 Prozent. Entsprechend dürfte laut Jörg Krämer das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 2 Prozent schwächer ausfallen als ohne Lockdown – es werde vermutlich schrumpfen. Das dürfte die robuste Entwicklung in der Industrie nicht verhindern. Auch im ersten Quartal, das ohnehin durch die Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar belastet wird, sei kaum mit einem Plus zu rechnen. Deutschland drohe eine technische Rezession. Die Wirtschaft gehe durch ein hartes Winterhalbjahr, bevor die wärmeren Temperaturen und die Impfungen die Wirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen lassen.

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