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Welt ohne Risiko und totale Euphorie: Risikoprämien für Junk-Bonds auf Allzeittief – Absturz wahrscheinlich..

Wenn man wissen will, wie es mit der Risikobereitschaft der Märkte aussieht, sollte man einen Blick auf den Markt für Junk-Bonds werfen, also auf Unternehmensleihen, die ein recht hohes Risiko aufweisen und von Ratingagenturen als nicht-investment grade benotet werden. Am Mittwoch fielen die Renditen für Europas Junk-Bonds auf ein neues Allzeittief - die Welt scheint ohne Risiko zu sein. Wohl ein Trugschluss!

FMW-Redaktion

Wenn man wissen will, wie es mit der Risikobereitschaft der Märkte aussieht, sollte man einen Blick auf den Markt für Junk-Bonds werfen, also auf Unternehmensleihen, die ein recht hohes Risiko aufweisen und von Ratingagenturen als nicht-investment grade benotet werden, weil die jene Anleihen emittierenden Unternehmen als eher nicht sehr bonitätsstark gelten. Wer solche High-Yiel-Anleihen oder Junk-Bonds kauft, erwartet normalerweise eine höhere Rendite, schlicht weil das Risiko deutlich höher ist als bei besser gerateten Anleihen.

Während Staatsanleihen, die überwiegend als sicher gelten (zumindest die Anleihen jener Länder mit guter Bonität), unter Druck kamen durch das vermeintliche Verschwinden aller Risiken an den Märkten (Frankreich-Wahl etc.), haussieren Junk-Bonds: die Kurse steigen, die Renditen (Risikoprämien) europäischer Junk-Bonds fielen am Mittwoch auf ein neues Allzeitief. Durchschnittlich liegt die Rendite für Europas Junk-Bonds nur noch bei mickrigen 2,58%.

Ähnlich die Situation in den USA – dort liegen die Renditen so tief wie seit Mitte 2014 nicht mehr. Wie massiv die Bewegung ist, zeigt der Vergleich zum Februar diesen Jahres, als die Durschnittsrendite bei US-Junk-Bonds bei 8,5% lag, bei Junk-Bonds aus dem Energiesektor (in den USA ca. 10% des gesamten Marktes) sogar knapp über 20%. Heute liegt die Rendite bei Junk-Bonds aus dem Energiesektor bei 6,5% (und das trotz der gefallenen Ölpreise!), bei den anderen US-Junk-Bonds bei durchschnittlich 5,5%.

Dass gerade europäische Junk-Bonds haussieren, ist der neuen Europa-Euphorie internationaler Investoren geschuldet: die Wahlen in Holland und Frankreich endeten mit einer Niederlage der Rechtspopulisten, die Konjunkturdaten der letzten Wochen und Monate aus Europa waren stark. Da die Konjunktur gut läuft, so die Logik, werden weniger Unternehmen pleite gehen, was europäische Junk-Bonds vermeintlich weniger riskant macht. Daher fordern Investoren in europäische Junk-Bonds derzeit satte 3% weniger Rendite als bei US-Jonk-Bonds.

Die verzweifelte Suche vieler Investoren nach Rendite in einem Nullzinsumfeld scheint dabei höher rentierliche Anleihen unwiderstehlich zu machen. Doch da gibt es ein Problem: das Zinstief scheint durchschritten, die Fed dürfte die Zinsen weiter anheben, die EZB scheint ihre ultralaxe Geldpolitik so langsam zurück fahren zu wollen. In einem Umfeld einer tendtiell rigider werdenen Geldpolitik der Notenbanken aber werden Hoch-Risiko-Anleihen tedentiell unattraktiver: das Extra-Risiko, das mit den Junk-Bonds verbunden ist, verlangt einen Risikoausgleich in Form höherer Renditen.

Noch aber herrscht in jeder Hinsicht Vertrauenseligkeit: die Welt scheint derzeit keine Risiken mehr aufzuweisen, die Aktieninidzes auf Allzeithochs, die Volatilität an eben diesen Aktienmärkten auf Allzeittiefs – und die Risikoprämien für Junk-Bonds ganz weit unten, in Europa auf Allzeittief. Kann doch eigentlich nichts schief gehen, oder?

Die Geschichte aber zeigt: unverhofft kommt oft. Wenn alle meinen, dass es keine Risiken mehr gäbe, ist das Risiko meist am größten. Die Märkte jedenfalls sind auf plötzlich eintretende Risiken derzeit so wenig vorbereite wie noch nie!


Risiko – nur ein Spiel..
Foto: Peter Niemayer



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1 Kommentar

  1. Und wie in jedem guten Spiel: die Anzahl der Verlierer wird wie immer überwiegen.

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