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Konjunkturdaten

Welthandel: Erholung im 4.Quartal? Eher nicht

Markus Fugmann

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am

Wird sich der Welthandel und damit die Weltwirtschaft im 4.Quartal erholen? Bislang waren die Finanzmärkte davon ausgegangen, dass die Weltwirtschaft nach einer Delle dann im 4.Quartal wieder an Fahrt gewinnen wird. Heute hat die Welthandelsorganisation WTO neue Zahlen zum Welthandel präsentiert, das sogenannte „Goods Trade Barometer“. Dieses Barometer zeigt zwar einen leichten Anstieg (96,6) im Vergleich zu den letzten Zahlen aus dem August diesen Jahres (95,7), bleibt aber unter dem Trendwachstum, das bei 100 liegt.

Folgende Grafik zeigt die abnehmende Wachstums-Dynamik im Welthandel – im 3.Quartal lag der Zuwachs im Vergleich zum Vorjahresquartal nur noch bei 0,2% (im selben Zeitraum des Vorjahres waren es noch +3,5%):

Stabilisierungen sind erkennbar in den Bereichen Exportaufträge (97.5), Autoprodukte (99.8) und container shipping (100.8) – während Internationaler Flugzeugtransport (93.0), Elektrokomponenten (88.2) und Roh-Materialien (91.4) weiter nach unten tendieren:

Der Welthandel und seine Sektoren

Elektronikkomponenten sind derzeit im Welthandel im freien Fall

(Alle Grafiken: WTO)

Die schwache Zahl bei den Elektronikkomponenten ist besonders interessant, denn zu dieser Kategorie gehören auch Halbleiter, also faktisch Chips für Desktop-Computer, Smartphones etc. Sieht man sich an, wie in diesem Jahr diese Halbleiter-Werte an den Börsen bewertet werden (mit einem Anstieg von über 50% seit Jahresbeginn), so kommt der begründete Verdacht auf, dass die Märkte gelegentlich an der Realität vorbei Bepreisungen vornehmen:

 

So oder so: die besonders stark betroffenenen Sektoren dürften vor allem von den Zöllen belastet worden sein, wie die WTO vermutet („possibly reflecting recent tariff hikes affecting the sector“). Die Organisation hatte erst im September ihre Wachstumsprognosen für den Welthandel im Jahr 2019 deutlich gesenkt: im April ging man noch von +2,6% im Vergleich zum Vorjahr aus, im September dann nur noch von +1,2%. Der Grund aus Sicht der WTO: abnehmendes Wachstum der Wirtschaft, mehr und mehr Zölle, Brexit-Unsicherheit und – man höre und staune – die dovishe Wende der Notenbanken („substantial deceleration to slowing economic growth, increased tariffs, Brexit-related uncertainty, and the shifting monetary policy stance in developed economies“).

Insgesamt also sieht man in einigen Bereichen eine Stablisierung oder gar Verbesserung (vor allem im Container-Bereich), aber auch das vierte Quartal dürfte keine substantiellen Verbesserungen bringen, wie die WTO formuliert:

„The latest barometer reading suggests that goods trade will likely remain below trend in the third quarter and into the fourth quarter“.

Aber vielleicht geschehen ja doch noch Wunder – an den Aktienmärkten jedenfalls scheint man an das Wunder nach wie vor und unabhängig von jeder Evidenz zu glauben. Besonders drastisch sichtbar vor allem sichtbar im SOX (Philadelphia Semiconductor Index), der auf einem Allzeithoch handelt, während das faktische Handelsvolumen in diesem Bereich weiter im freien Fall ist..

Der Welthandel wird auch im vierten Quartal unter seinem Trend bleiben

 

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Konjunkturdaten

Aktuell: Aufträge langlebiger US-Wirtschaftsgüter schwächer

Markus Fugmann

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Die US-Aufträge langlebiger Wirtschaftsgüter (Durable Goods Orders; August) sind mit +0,4% schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war +1,5%; Vormonat war +11,4%, nun jedoch auf +11,7% nach oben revidiert).

In der weniger volatilen und daher mehr beachteten Kernrate (ohne Transport und Verteidigung) liegen die Aufträge bei +0,4% (Prognose war +1,2%; Vormonat war +2,6%, nun auf +,% nach en revidiert).

Ohne Verteidigung liegen die Aufträge bei +1,8% (Vormonat war +2,5%)

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Europa

Exporte: Die Stimmung ist prächtig! Alles eitel Sonnenschein?

Claudio Kummerfeld

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Viele deutsche Exporte laufen über den Hamburger Hafen

Die deutschen Exporte sind ein Hort der Glückseligkeit, zumindest wenn man nach den aktuellen Exporterwartungen der deutschen Industrie geht. Heute ganz frisch für den Monat September veröffentlichte Umfragedaten vom ifo-Institut (2.300 befragte Unternehmen) zeigen, dass der Index der Exporterwartungen aktuell bei einem Wert von +10,4 liegt, nach +5,5 im August. Im absoluten Tief der Coronakrise im April war es ein Wert von -49,6. Der Chart, der bis 2014 zurückreicht, zeigt den Verlauf der Erwartungen an die Exporte sehr gut. Das Tal ist in V-Form durchschritten, und die Erwartungen steigen weiter an. Die Stimmung ist so gut wie seit Oktober 2018 nicht mehr. Der Aufschwung der Industrieproduktion in vielen wichtigen Abnehmerländern kommt der deutschen Exportwirtschaft dabei zu Gute, so das ifo-Institut.

Diese prima Stimmung bei den Erwartungen an die Exporte ist schon erstaunlich, so möchten wir anmerken, bei den aktuellen Massenentlassungen bei den Auto-Zulieferern (hier eine kleine Übersicht). Und auch die großen Autohersteller selbst bauen weiter ab, siehe aktuell MAN und Daimler. Hier weitere aktuelle Detailaussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

In der Chemischen Industrie erwarten deutlich mehr Unternehmen im vierten Quartal, dass ihre Exporte zunehmen. Gleiches gilt für die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen. Auch die Automobilbranche rechnet mit Umsatzzuwächsen beim Auslandsgeschäft. Der Maschinenbau hingegen erwartet vorerst keine größeren Sprünge, dort zeigen sich die Unternehmen eher zurückhaltend. Mit deutlichen Einbußen beim Export rechnen die Hersteller von Bekleidung, Lederwaren und Schuhen.

Chart zeigt Erwartungen an die deutschen Exporte

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Konjunkturdaten

Aktuell: Verkäufe neuer US-Häuser extrem stark

Redaktion

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Von

Die Verkäufe neuer US-Häuser (New Homes Sales; August) sind mit +4,8% auf eine Jahresrate von 1.011 Millionen deutlich besser ausgefallen als erwartet (Prognose war -0,1% auf eine Jahresrate von 895.000; Vormonat war +13,9% auf eine Jahresrate von 901.000, nun jedoch auf +14,7% auf eine Jahresrate von 965.000 nach oben revidiert).

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