Folgen Sie uns

Allgemein

Welthandel in Bewegung: Argentinien, Afrika, China, EU, USA

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Durch Donald Trumps Aktionen ist der Welthandel in Bewegung gekommen. Aber genau so wanken derzeit diverse Schwellenländer, weil die US-Notenbank die Zinsen immer weiter anhebt. Das sorgt für einen mächtigen Kapitalsog Richtung USA, welcher die Schwellenländer mehr als nur schwächeln lässt. Aber auch ohne die Faktoren Trump und Fed kommt einiges in Bewegung im Welthandel. Hier drei Beispiele, was sich aktuell tut.

China und Afrika

Schauen wir uns mal an, was China gestern auf einem Kongress mit afrikanischen Staaten verkündet hat. So will China wie in den letzten drei Jahren auch in den nächsten drei Jahren erneut 60 Milliarden Dollar nach Afrika pumpen, über Investitionen, Hilfen und Kredite. Auch sollen teilweise Schulden erlassen werden. Und dies, so Präsident Xi, ohne Bedingungen. Na ja… wer es glaubt… China wird kein Geld verschenken.

Und die Investitionen in Afrika tätigt man auch nicht als reiner Nächstenliebe. Genau wie Amerikaner und Europäer zielen die Chinesen im Ausland auf Rohstoffe uns Abstatzmärkte. Aber im Gegensatz zum Westen, der noch schläft, vereinnahmen sich die Chinesen Afrika in großen Schritten. Über Handelsabkommen, Kredite, Investitionen uvm werden Abhängigkeiten geschaffen. Wer zuerst da ist, bekommt den Zugang zum Markt – so einfach kann man wohl Chinas Strategie in Sachen Afrika beschreiben.

Laut Xi sollen chinesische Unternehmen zunehmend in Afrika in Sektoren investieren wie Energie, Telekommunikation, Infrastruktur und Transport. Auch sollten Chinas Unternehmen in Afrika produzieren – ferner will man zukünftig auch Lebensmittel nach Afrika exportieren, und Bauern vor Ort bei der Optimierung ihrer Ernten helfen. Afrikanischen Unternehmen solle es erleichtert werden in China Kredite aufzunehmen. All das schafft Abhängigkeiten. Wie gesagt: USA und EU wären da kaum besser mit ihren wirtschaftlichen Interessen – nur ist China eben zuerst am Drücker.

EU will USA beruhigen

Offenbar will man in Brüssel alles tun um weitere US-Zölle gegen europäische Produkte (vor allem Autos) zu verhindern. So will die EU-Kommission mehr Importe von US-Rindfleich zulassen, und dafür Import-Kontingente anderer Länder senken. So steht es in einer aktuellen Veröffentlichung der EU-Kommission. So eine Nachricht kann Donald Trump natürlich wunderbar bei seinen Landwirten im Mittelwesten präsentieren. Unter seinem Druck gibt die EU nach.

Und in der Tat, das ist es ja auch. Trump macht Druck, Juncker weicht zurück – wenn auch in kleinen Schritten. Zunächst einmal geht es um eine Bitte der EU-Kommission an die Mitgliedsstaaten, dass man diese Importquoten zu Gunsten der USA verschiebt. Seit neun Jahren dürfen maximal 45.000 Tonnen Rind in die EU importiert werden – aber auch nur, wenn es beispielsweise keine Wachstumshormone enthält, wie sie in den USA in der Regel verwendet werden.

Die Kommission schreibt sogar offiziell, dass die EU mit diesem Angebot Richtung USA Spannungen im aktuellen Handelsstreit abbauen wolle. Was für ein Zeichen ist das, wenn man ohne Not freiwillig weitere Zugeständnisse anbietet? Es ist ein Zeichen der Schwäche! Hat Angela Merkel Druck bei Juncker gemacht vor lauter Angst vor Auto-Importzöllen der USA? Verlieren bei so einer Verschiebung der Rindfleisch-Importquoten werden demnach andere ausländische Exporteure, die weniger Richtung EU verschiffen dürfen.

Argentinien

Argentinien ist arg angeschlagen. Die neue IWF-Hilfe über 50 Milliarden Dollar beginnt gerade erst. Und die Regierung muss und will kräftig einsparen, und muss auch die Einnahmeseite hochfahren. Nur wie macht man das? Präsident Macri hatte diverse Beschränkungen und Steuern der Vorgänger-Regierung abgeschafft, und damit eine Zeit lang das Vertrauen der Märkte ein ein frei zugängliches Argentinien zurück gewonnen.

Aber nun weiß Macri nicht mehr weiter. Er führt eine Steuer auf argentinische Exportwaren wieder ein. Alle Güter, die ins Ausland verkauft werden, sollen mit 10% Steuer versehen werden. Das soll 6,5 Milliarden Dollar pro Jahr in die Staatskasse spülen. Diese Steuer sei laut Macri ein Beitrag der Exporteure zur Überwindung der derzeitigen Krise im Land. Er sagte auch, dass diese Steuer sehr schlecht sei – aber es gebe aktuell nun mal einen Notstand im Land.

Das Standard-Muster der IWF-Kredite scheint sich zu wiederholen. Die Regierung des „Partner-Landes“ muss ihre Ausgaben stark kürzen, Steuern erhöhen uvm, um die Vorgaben des IWF zu erfüllen. Nur dann fließen auch die Kredite des IWF, und nur so kann das Land wohl auch die Kredite zurückzahlen. Den Preis zahlen Bevölkerung und Wirtschaft, und Länder wie Argentinien drohen damit erneut jahrelang in einer Art Depression zu verfallen, weil die Nachfrager keine Kaufkraft haben, woraus ein Wirtschaftswachstum entstehen könnte. Den selben Fehler machte die Eurogruppe in den letzten Jahren mit Griechenland – das hatte Ex-Eurogruppen-Chef Dijsselbloem gerade erst eingestanden.

Welthandel - Containerschiffe
Welthandel: Containerschiffe in der Bucht von San Francisco.

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Kritisch on fire

    4. September 2018 09:57 at 09:57

    Vielleicht ein wenig sarkastisch!
    Die EU sollte CHINA auf Händen tragen, denn mit deren Politik der Unterstützung am afrikanischen Kontinent könnte dieser so furchtbare Flüchtlingsstrom nach Europa eingedämmt werden.
    So, jetzt aber meine subjektive Meinung!
    Meiner Meinung nach macht das China nicht uneigennützig aber ist zumindest so schlau, dass man sich als Helfende Hand in den Köpfen der Afrikaner festsetzt, was in Zukunft, nach wirtschaftlichem Aufschwung am schwarzen Kontinent wohl keine Nachteile für die chinesische Wirtschaft nach sich ziehen wird. Und in der EU?
    Meine Überzeugung dazu lautet: Fördert EU-Unternehmen für die Gründung von Betrieben oder Joint Ventures in Afrika. Bildet Afrikaner in diesen Unternehmen aus. Schafft so weit wie möglich Rechtssicherheit in diesen Ländern auf Basis bilateraler Verträge, etc, etc. Aber, bitte, bitte hört endlich auf mit der Gießkanne Gelder unkontrolliert zu verteilen um das eigene Gewissen zu beruhigen und den EU-Bürgern etwas zu „verkaufen“ was nichts wert ist.

    • Avatar

      tm

      4. September 2018 10:34 at 10:34

      „mit deren Politik der Unterstützung am afrikanischen Kontinent könnte dieser so furchtbare Flüchtlingsstrom nach Europa eingedämmt werden“

      Leider nicht. Steigender Wohlstand führt zunächst nicht zu weniger, sondern zu mehr Migration. Es sind nicht die Bauern in Subsistenzwirtschaft, die noch nie eine Schule besucht haben, die sich auf den Weg nach Europa machen. Migration erfordert zumindest ein gewisses Niveau an Bildung, Flexibilität und Vermögen.

      Gibt es zahlreiche Artikel zu. Hier schon von 2015:
      http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/einwanderung-aus-afrika-mit-dem-wohlstand-kommen-die-fluechtlinge-13856864.html

      • Avatar

        Kritisch on fire

        4. September 2018 11:00 at 11:00

        @tm!
        Bei aller Wertschätzung ihrer Meinung. Die aktuelle Flüchtlingssituation zeigt doch eindeutig, dass die Ärmsten der Armen und vornehmlich junge, ungebildete Männer übers Mittelmeer kommen. Wenn man den FAZ Kommentar liest schreibt man dort ziemlich genau das was ich meine. Es kann durchaus sein, dass nach Erreichen einer gewissen Stabilität gebildetere Menschen nach Europa kommen. Mit diesen könnte ja auch die Wirtschaft in Europa wesentlich mehr anfangen. Fest steht aber, dass nur gezielte, strukturierte Hilfe vor Ort die Lösung sein kann und nicht, wie von den populistischen, nationalen Strömungen geforderte Abschottung und Grenzschließung das Problem lösen wird.

        • Avatar

          Wolfgang M.

          4. September 2018 11:21 at 11:21

          @Kritisch on fire. Glauben Sie wirklich, dass die Ärmsten der Armen nach Europa kommen? Diese armen Menschen, von denen es weltweit immer noch hunderte Millionen gibt, müssen mit 2 $ pro Tag auskommen. Wie soll da eine Flucht möglich sein, wenn Schleuser 1000 $ pro Flüchtling für die verbrecherische Überfahrt verlangen? Allein die Zahlen der Schleusereinnahmen von der Türkei nach Griechenland 2015/16 schockieren, angesichts der Dimensionen dieses Menschenhandels. Es kommen in unserem Sinne arme Menschen, aber die Ärmsten der Armen sterben an Hunger und Krankheiten.
          Gruß

        • Avatar

          tm

          4. September 2018 11:30 at 11:30

          Vieleicht reden wir hier aneinander vorbei, weil wir ein unterschiedliches Verständnis davon haben, wer die „Ärmsten der Armen“ sind und was ich mit „gewisser Bildung“ meine. Die Reise bis ans Mittelmeer und die Überfahrt kosten viel Geld. Das können sich die allerärmsten Menschen gar nicht leisten. Die Menschen sind natürlich für unsere Begriffe dennoch arm, aber nicht hungernd/unterernährt. Und die sind nicht so gebildet, wie es für unseren Arbeitsmarkt hilfreich wäre, aber mehr als der afrtikanische Bauer, der täglich ums Überleben kämpft.

          https://www.ifw-kiel.de/de/publikationen/das-ifw-in-den-medien/2017/november/mit-steigendem-einkommen-nimmt-die-migration-zu/

          https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft/studie-zu-fluchtursachen-mehr-wohlstand-fuehrt-nicht-zu-weniger-migration-31109204
          “ Dieser Frage ist das Washingtoner Center for Global Development (CGD) in einer aktuellen Studie nachgegangen – mit bemerkenswerten Ergebnissen. Danach führen wachsender Wohlstand, bessere Bildung und geringere Kindersterblichkeit keineswegs automatisch zu einem Rückgang der Wanderungsbewegungen. Im Gegenteil bringt ein höherer Lebensstandard in armen Ländern zunächst einmal steigende Auswanderungszahlen mit sich. Demnach trüge die „Bekämpfung von Fluchtursachen“ faktisch zu mehr Migration bei anstatt sie zu begrenzen.“

          • Avatar

            Kritisch on fire

            4. September 2018 18:59 at 18:59

            „Je weniger Kinder vor ihrem fünften Geburtstag in einem Land sterben, desto mehr Menschen wandern aus“. Auszug aus BERLINER ZEITUNG!
            Einen zynischeren Satz im Zusammenhang mit Bekämpfung von Immigration habe ich überhaupt noch niemals gelesen!
            Wenn man so in der westlichen Welt denkt und nach den sog. „Studien“ verfährt liegt der Schluss nahe, dass:
            Keine Hilfe für den Ausbau der Wirtschaft und die Ausbildung.
            Keine Unterstützung zur Verbesserung der Gesundheitsvorsorge.
            Keine Aufklärung und Unterstützung zum Thema Verhütung.
            Etc. etc.
            Also, Grenzen mit Unterstützung des Militärs dicht machen und weiterhin die Bodenschätze des schwarzen Kontinents ohne Rücksicht auf deren Bevölkerung und Natur ausbeuten. Die sollen doch schauen wo sie bleiben und haben eben einfach Pech gehabt, dass sie auf diesem Kontinent georen wurden!
            Ich sage damit nicht, dass es eine einfache Aufgabe ist, halte es aber für unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit alles dafür zu tun, dass dieser Wahnsinn endlich aufhört.

          • Avatar

            tm

            5. September 2018 09:00 at 09:00

            Naja, wenn das die Tatsachen sind, kann das zynisch sein? Es gibt nun einmal einen Zusammenhang zwischen Kinderzahl und Migration.

            Der Schluß, den Sie daraus ziehen, der ist zynisch. Ich halte es sowohl moralisch wie auch ökonomisch geboten, in Afrika zu investieren. Afrika ist das neue Asien. Ändert aber nichts daran, dass dies die Migration zunächst verstärken wird.

  2. Avatar

    Denker

    4. September 2018 10:09 at 10:09

    Seit Ernst Wolf weiß man doch was dahintersteckt….
    Das Ponzischema muß sich weiterdrehn.

    Weltmacht IWF: Chronik eines Raubzugs | Ernst Wolff | ISBN: 9783828833296

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

So brutal ist der Umsatzeinbruch in der Reisebranche

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Malediven

Die Reisebranche (Reisebüros, Veranstalter und Reservierungsdienstleister) wurden ähnlich wie Airlines, Hotels und Gastronomie extrem hart von der Coronakrise getroffen. In diesem Winter dürfte der erneute und auch längere Lockdown für die Branche erneut ein kräftiger Nackenschlag sein. Aktuell liegen uns offizielle Statistikdaten vor zu Ende des dritten Quartals 2020, also bis zum Stichtag 30. September 2020.

Demnach lagen die Umsätze der Reisebranche von Januar bis September 2020 um 61 Prozent unter denen des Vorjahreszeitraums. Besonders groß war der Umsatzeinbruch im 2. Quartal, in das ein großer Teil des ersten coronabedingten Lockdowns fiel. Von April bis Juni 2020 setzte die Branche 91 Prozent weniger um als im Vorjahreszeitraum. Im 3. Quartal hat sich der Rückgang etwas abgeschwächt: Von Juli bis September 2020 setzten die Reiseanbieter noch 75 Prozent weniger um als von Juli bis September 2019. Im Chart sieht man seit 2015 die Umsätze der Reisebranche als Index. Im 4. Quartal 2019 lag er noch bei 132 Punkten. Ende Juni 2020 waren es nur noch 11,5 Punkte, und Ende September 31,3 Punkte. Man darf annehmen, dass der Wert zu Ende Dezember 2020 wegen des neuen Lockdowns erneut abgesackt ist?

Chart zeigt Verlauf der Umsätze der Reisebranche seit 2015

Hier weitere Details der Statistiker im Wortlaut:

Übernachtungen ausländischer Gäste gingen im Sommerhalbjahr 2020 um 68 % zurück

Wie stark sich die Corona-Krise auf den Tourismus auswirkt, zeigt auch die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus dem In- und Ausland im für den Wirtschaftsbereich besonders wichtigen Sommerhalbjahr. Von Mai bis Oktober 2020 gab es in den Beherbergungsbetrieben hierzulande insgesamt 209,6 Millionen Gästeübernachtungen; das waren 31 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Besonders bemerkbar machten sich die coronabedingten Reisebeschränkungen bei den Gästen aus dem Ausland. Hier ging die Zahl der Übernachtungen im Sommerhalbjahr 2020 um 68 % auf 17,2 Millionen zurück.

Weniger Übernachtungen in Hotels, mehr in Ferienwohnungen und auf Campingplätzen

Dabei waren die Beherbergungsbetriebe je nach Größe und Ausrichtung unterschiedlich stark vom Ausbleiben der Gäste betroffen. So mussten beispielsweise Hotels, Gasthöfe und Pensionen im Sommerhalbjahr 2020 einen Rückgang der Übernachtungen um 40 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum verkraften, weil dort inländische Gäste (-31 %) sowie ausländische (-72 %) fernblieben. Dagegen konnten die Anbieter von Ferienhäusern und -wohnungen ein leichtes Plus an Übernachtungen von 1 % verzeichnen, weil sie zwar weniger ausländische Gäste beherbergten (1,8 Millionen Übernachtungen, -41 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum), aber dafür mehr aus dem Inland (33,3 Millionen Übernachtungen, +5 %). Ein ähnliches Bild zeigen die Übernachtungszahlen der Campingplätze in Deutschland: Sie konnten von Mai bis Oktober 2020 das Fernbleiben ausländischer Gäste (rund 2,1 Millionen Übernachtungen, -50 %) durch ein Plus von inländischen Gästen kompensieren (31,0 Millionen Übernachtungen, +15 %) und verzeichneten so insgesamt einen Anstieg der Gästeübernachtungen um 6 %.

weiterlesen

Allgemein

US-Dollar: Sein Fall – und das Comeback der Emerging Markets

Auf den Fall des US-Dollar zu wetten, ist derzeit eine große Investmentidee. Die US-Währung sackt weiter ab. Wer profitiert von der Schwäche?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Auf den Fall des US-Dollar zu wetten, ist derzeit eine große Investmentidee, wie die letzte Umfrage der Bank of America im Fund Manager Survey gezeigt hat. Doch ist jederzeit eine Gegenbewegung möglich, weil Vorsicht geboten ist, wenn es eine Massenmeinung gibt und ein Renditeanstieg zunächst viele Käufer anlocken und dem Kurs Auftrieb geben könnte. Dennoch zeigen viele Indikatoren, dass es der US-Dollar auch in einer Ära Biden schwer haben könnte, Stärke zu bewahren. In den USA türmt sich ein Schuldengebilde auf, in Relationen, wie es diese noch nicht einmal zum Ende des Zweiten Weltkriegs gegeben hat. Damit stellt sich die Frage: Wer profitiert von einer anhaltenden Dollarschwäche?

Gesponserter Inhalt

Wollen Sie aktiv Devisen oder Rohstoffe handeln? bietet ein besonders hochwertiges Trading-Tool für Sie! Je enger die Spreads sind, also je geringer der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs, desto schneller kommen Sie bei einem positiven Trade in die Gewinnzone. Sichern Sie sich für bestimmte Märkte besonders günstige Sonderkonditionen für ihren aktiven Börsenhandel, . Eröffnen Sie hier ein Konto und starten Sie Ihr Trading. Viel Erfolg!

US-Dollar und US-Verschuldung

„The dollar is our currency and your problem!“ Dieser alte und ständig zitierte Spruch des US-Finanzministers Conolloy aus dem Jahr 1971 kann nicht mehr so flapsig dahergesagt werden, denn die USA machen Schulden, viele Schulden – und brauchen daher Abnehmer für ihre Anleihen. Der Kurs der zugrundeliegenden Währung spielt hierbei schon eine Rolle, denn was nutzt ein Zinsvorteil, wenn die Währung permanent abwertet.

Infolge der Pandemie haben die USA bereits fünf Rettungspakete aufgelegt, das letzte im Dezember in Höhe von 900 Milliarden US-Dollar und bereits unmittelbar will der neue US-Präsident noch einmal 1,9 Billionen drauflegen.

Das bedeutet, dass das US-Defizit nicht nur im Jahr 2020 bei 15,5 Prozent gelegen hat, sondern, dass man auch für 2021 mit 14 Prozent rechnet, eine Überziehung des Haushalts, den es in keinem anderen Industrieland geben sollte (Berechnungen Deutsche Bank).

Hierzu ein paar Defizite zum Vergleich:

  • Großbritannien 2020: -19,5 Prozent, 2021: -8,7 Prozent
  • Japan 2020: -14,4 Prozent, 2021: -11 Prozent
  • EU-Zone 2020: -9 Prozent, 2021 -6 Prozent
  • Italien 2020: -11,5 Prozent, 2021 – 8,4 Prozent
  • Deutschland 2020: -6,4 Prozent, 2021 -4,2 Prozent

Sollte dies so eintreten, würden sich die Schuldenstände im Vergleich zum Vor-Coronajahr wie folgt entwickeln:

  • USA von 108,7 auf 134 Prozent im Vergleich zum BIP
  • Großbritannien von 85,4 auf 111,5 Prozent
  • Japan von 238 auf 264 Prozent
  • EU-Zone von 90 auf 111 Prozent
  • Italien von 134,8 auf 158 Prozent
  • Deutschland von 59,5 auf 72,2 Prozent

Aus jetziger Sicht wohlgemerkt, aber die Pandemie ist noch nicht besiegt.

Was bedeutet diese fiskalpolitische Keule für die US-Wirtschaft? Natürlich Wachstum, schließlich gießt man Öl ins Feuer. Aber was macht das mit dem US-Dollar? Einige Ökonomen rechnen mit einem weiteren Verfall des Dollars, auch wenn bei einem Zinsanstieg Geld in den Dollar-Raum fließen sollte. Seit der Wahl in Georgia – also seit klar ist, dass die Demokraten die Mehrheit auch im Senat haben – hat der US-Dollar auch wieder etwas zugelegt. Das Konjunkturprogramm ist eher positiv für den Dollar zu sehen – bessere US-Wirtschaft = höhere Inflationserwartungen = höhere Zinsen und damit eine Stütze für den Greeenback, so die Rechnung.

Aber die Konjunktur wird auch weltweit besser, so dass Geld aus dem sicheren Hafen wiederum abfließen könnte – und damit aus den USA.

Das andere Argument: Die US-Staatschulden sind von 23,3 Billionen Dollar (2019) auf fast 28 Billionen (2020) gestiegen und sollen 2021 um weitere zwei Billionen Dollar steigen. Was für ein Bedarf an Anleihen, zumal noch auslaufende Bills ersetzt werden müssen.

Deshalb sehen Ökonomen wie Stephen Roach die Gefahr eines weiteren heftigen Verfalls beim US-Dollar in zweistelliger prozentualer Höhe. Ein höheres Budgetdefizit würde dazu führen, dass sich das Außenhandelsdefizite der USA weiter ausweitet.

Natürlich ist der US-Dollar noch die sehr dominante Weltleitwährung mit über 60 Prozent Anteil, es werden Rohstoffe zu über 80 Prozent in Dollar frakturiert, allein schon der über 10 Billionen Dollar pro Jahr schwere Ölmarkt. Aber eine weitere Abwertung dieser Leitwährung wäre ein Segen für die Länder, die starke Schulden in dieser Währung haben!

Das Comeback der Emerging Markets

Wenn man sich die Entwicklung an den Finanzmärkten seit der Finanzkrise betrachtet, so ist eines ohne Zweifel auffällig: Es ist bisher eine Dekade der großen Hightech-Werte und damit des technologielastigen Nasdaq. Sehr anschaulich an seiner Performance auch im Vergleich zu S&P 500 oder auch des MSCI World – seit dem Tief bei der Finanzkrise erkennbar:

  • Nasdaq plus 1020 Prozent
  • MSCI World plus 407 Prozent
  • MSCI Emerging Markets plus 293 Prozent

Die letztgenannte Anlageregion, die hier nicht mithalten konnte, obwohl Wachstum und das Alter der Bevölkerung eigentlich klar für sie sprächen, sind die 27 Länder, die in dem Index für Entwicklungsländer zusammengefasst sind. Viele diese Länder sind stark verschuldet, vor allem in US-Dollar, und dessen Abwärtsentwicklung ist eine starke Erleichterung für deren Haushalte (allerdings nicht für alle).

Wie stark die Emerging Markets auf die Abschwächung der Weltleitwährung und der immer stärker werdenden Verschuldung der USA reagiert haben, zeigen Vergleichcharts. Die Outperformance der Emerging Markets in Relation zum S&P 500, besonders deutlich der steile Anstieg nach dem Sieg der Demokraten und die Aussicht auf große Konjunkturprogramme.

Die Emerging Markets proftitieren von der Schwäche beim US-Dollar

Fazit

Wird das Comeback der Emerging Markets Bestand haben? Vermutlich schon, schließlich gibt es auch im Verhältnis der großen Indizes MSCI World und MSCI Emerging Markets Zyklen. Immer wieder gibt es einen Ausgleich in der Entwicklung, deshalb empfehlen Finanzmathematiker auch ein Anlageverhältnis von 70 zu 30, aufgrund von Vergleichen über die Jahrzehnte. Aktuell kommt mit der Schuldenproblematik, dem Verfall beim US-Dollar und Entwicklungen wie die Freihandelszone in Asien, RCEP – Regional Comprehensive Economic Partnership, ein riesiger Wirtschaftsraum mit aufstrebenden Nationen hinzu, was einer Umleitung von Anlagekapital förderlich wäre.

Fahnenstangen werden immer korrigiert, auch bei Länderindizes..

Ein starker US-Dollar ist für viele Länder ein Problem

weiterlesen

Allgemein

Autoindustrie: Das Problem ist der Standort Deutschland

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Autoindustrie in Deutschland im Wandel

Steht die deutsche Autoindustrie vor einem Niedergang wie der Standort Detroit, die ehemalige Hochburg der Autoproduktion in den USA? Die Deutsche Bank (DB) hat ein hochinteressantes Research-Dokument dazu veröffentlicht. Darin wird die Branche nicht wirklich schlecht geredet. Aber schaut man genauer hin, geht es vor allem um den Standort Deutschland, der problematisch sein soll. Die deutsche Autoindustrie selbst sei relativ gut aufgestellt, aber eben nicht der Standort Deutschland. Vorab wollen wir aus der Analyse einige Aussagen erwähnen, was denn positiv am Standort Deutschland zu bewerten ist.

Der Automobilstandort Deutschland verfüge über außergewöhnliche Vorteile. Zu nennen sei vor allem die enge technologische und räumliche Verzahnung von Herstellern, industriellen Zulieferern, Ausrüstern (z.B. Maschinenbau), Entwicklungsdienstleistern, Logistikunternehmen sowie von universitären und sonstigen Forschungseinrichtungen. Von dieser vertikal integrierten Wertschöpfungskette sowie dem über Jahrzehnte gewachsenen Know-how der Beschäftigten könne der Standort zehren. Auch der intensive brancheninterne Wettbewerb war und ist ein Motor für stetige Innovationskraft und Produktivitätsfortschritte. Fasst man aber alle in der Analyse der DB skizzierten Faktoren zusammen, dann falle es jedoch schwer, die Zukunftsaussichten für den Automobilstandort optimistisch zu sehen.

Negative Standortfaktoren für die Autoindustrie in Deutschland

Negativ zu erwähnen hat die DB-Studie so einiges. Und dabei geht es überhaupt nicht um den Absturz während der Coronakrise, sondern um strukturelle Faktoren. Zum Beispiel würden strenge CO2-Grenzwerte für neue Pkw in der EU dazu führen, dass die Hersteller mehr Elektroautos auf den Markt bringen müssten. Der resultierende Kostenanstieg verschärfe den Strukturwandel in der Branche. Kaum jemand erwarte, dass die Netto-Bilanz dieses Strukturwandels für die Wertschöpfung und Beschäftigung der Automoindustrie in Deutschland positiv ausfallen wird.

Auch die Unsicherheiten hinsichtlich der Klima- und Energiepolitik hätten dazu beigetragen, dass der Kapitalstock in energieintensiven Branchen wie der Metallerzeugung oder der Chemieindustrie in Deutschland seit vielen Jahren sinke. Diese Sektoren zählen auch zur automobilen Wertschöpfungskette. Durch die Investitionszurückhaltung würden laut der Studie Teile dieser Kette geschwächt. Höhere Kosten kämen auf die Autoindustrie auch durch die geplante Verschärfung der europäischen Abgasnormen zu (Euro 7). Im Volumensegment dürfte der Kostenaufschlag pro Fahrzeug besonders ins Gewicht fallen. Dies setze die Produktion von „Autos für den Durchschnittsbürger“ in Hochlohnländern wie Deutschland, aber auch in Frankreich oder Italien unter Druck.

Bei klassischen Standortfaktoren wie der Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften, Lohnhöhe oder der Flexibilität bei Arbeitszeiten habe sich Deutschlands Position laut der Studie der DB im internationalen Vergleich zuletzt eher verschlechtert. Auch die anhaltenden Handelskonflikte würden die Investitionsbereitschaft hemmen. Zudem ist die Pkw-Nachfrage im wichtigen westeuropäischen Absatzmarkt gesättigt. Schließlich bedeute die demografische Entwicklung eine Herausforderung, da sie zu einem sinkenden Erwerbspersonenpotenzial führe und die Nachfrage dämpft.

Angesichts der strukturellen Herausforderungen sei es fraglich, ob die früheren Produktionshöchststände am Standort Deutschland jemals wieder erreicht werden. Die DB befürchtet, dass es immer schwerer wird, eine konkurrenzfähige Produktion von Pkw im Volumensegment in Deutschland aufrechtzuerhalten. Der Anteil Deutschlands an der globalen, aber auch an der europäischen Autoproduktion könnte in den kommenden Jahren sinken. Ähnlich sei es der Autoindustrie im US-Bundesstaat Michigan (Detroit) ergangen, wo heute deutlich weniger Fahrzeuge gefertigt werden als zu Beginn des Jahrhunderts. Die deutsche Autoindustrie sei besser für die elektromobile Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet als der Automobilstandort Deutschland.

Autoindustrie wird sich anpassen – Standort mit Problem?

Wir wollen nur kurze und interessante Auszüge der DB-Studie zitieren. Zum Beispiel gehen wir nochmal auf den Detroit-Vergleich ein. Die DB sagt, dass dieser Vergleich vielleicht zunächst schockieren möge. Aber noch immer würden in Michigan viele Light Vehicles (LV) produziert. Allerdings waren es in den letzten Jahren etwa ein Drittel weniger Fahrzeuge als zu Beginn dieses Jahrhunderts. In der Folge ist der Anteil des Bundestaates an der gesamten LV-Produktion der USA von knapp 25 Prozent im Jahr 2000 auf deutlich weniger als 20 Prozent in den letzten Jahren gesunken. Profitiert hätten dagegen einige Südstaaten der USA, in denen auch deutsche Hersteller in neue Autofabriken investiert haben. Hohe Standortkosten in Michigan (z.B. Lohn- und Pensionskosten der angestammten Belegschaft) seien ein wesentlicher Grund für diese Verschiebung innerhalb der USA gewesen. Eine ähnliche Entwicklung sei für den Automobilstandort Deutschland nicht unwahrscheinlich. Auch in Deutschland könnten die Produktionszahlen der Branche dauerhaft unterhalb der früheren Niveaus verharren. Der Anteil Deutschlands nicht nur an der globalen, sondern auch an der europäischen Automobilproduktion drohe zu sinken.

Die DB-Studie geht an das gesamte Thema durchaus differenziert heran. Man schreibt die Branche nicht einfach pauschal ab. Unter dem Strich sei man davon überzeugt, dass die deutsche Autoindustrie besser für die „elektromobile“ Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet sei als der Automobilstandort Deutschland. Die Unternehmen könnten Standortentscheidungen frei treffen und sich im Laufe der Zeit anpassen, wenn sich die Rahmenbedingungen an einem Standort verschlechtern. Bei der Beurteilung der Zukunftsperspektiven des Standorts Deutschland würden aus heutiger Sicht jedoch die negativen Faktoren überwiegen. Bedauerlich dabei sei, dass ein Teil dieser Faktoren durch eine klimapolitische Regulierung begünstigt werde, die deutlich weniger effektiv als möglich und teurer als nötig sei.

Der Vorwurf an die deutsche Autoindustrie, technologische Trends zu verschlafen, werde auch beim Übergang zu E-Mobilität stetig wiederholt. Doch auch in diesem Fall sei er laut DB nicht pauschal zutreffend. Richtig sei, dass der Anteil deutscher Hersteller an den verkauften Elektroautos in vielen Märkten unter ihrem Marktanteil bei traditionellen Fahrzeugen liegt. Gleichwohl gleicht der Übergang vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität einem Langstreckenlauf und nicht einem Sprint. Kein Anbieter liege uneinholbar vorne. Zudem sei die Produktpipeline der deutschen Hersteller gut gefüllt. Die Deutschen seien eben lediglich später dran als manche Konkurrenten, aus Sicht der Autoren der Studie jedoch nicht zu spät.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage