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Weltweit größter Öl-Ausrüster sieht Tiefpunkt am Ölmarkt erreicht – der Ölpreis fällt trotzdem

FMW-Redaktion

Der weltweit größte Öl-Ausrüster Schlumberger sagt in seinem aktuellen Quartalsbericht: Ja, endlich ist am Ölmarkt der Tiefpunkt erreicht. Im 2. Quartal hätten sich die Marktbedingungen zwar weiter verschlechtert. Aber jetzt sei man am Tiefpunkt eines Zyklus angekommen. Aber bevor es aufwärts geht, musste man bei Schlumberger im 2. Quartal nochmal schnell 8.000 Mitarbeiter entlassen. Sozusagen fit und schlank aufgestellt für die kommende Öl-Hausse?

Im ersten Halbjahr entließ man insgesamt 16.000 Mitarbeiter, womit man seit dem Boom-Höhepunkt am Ölmarkt auf einen Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen kommt. Man hatte mal im Höhepunkt 129.000, jetzt 100.000 – denn durch Firmenzukäufe kamen auch neue Mitarbeiter hinzu. Es ist aber kaum anzunehmen, dass bei höheren Ölpreisen genau so viele neue Mitarbeiter eingestellt werden, wie man vorher entlassen hat. Denn im Zuge von 2 Jahren niedrigem Ölpreis hat die ganze Industrie gigantische Anstrengungen unternommen um den Break Even bei der Ölförderung zu senken. Im Zuge dieser Maßnahmen reduzierte man alle Kosten soweit es irgendwie ging. Das bekamen natürlich vor allem die Ausrüster massiv zu spüren, an die der Kostendruck weitergereicht wurde.

Neben der weltweiten Nummer 1 Schlumberer hat vor Kurzem auch die Nummer 2 Halliburton verkündet, dass der Tiefpunkt am Ölmarkt erreicht sei. So stabil wie man denkt ist die Lage aber noch nicht. Ein Kurs von sicher über 50 Dollar existiert nicht. Im Gegenteil, seit 2 Monaten geht es tendenziell bergab, von über 50 auf jetzt fast 43 Dollar. Die Fracking-Firmen können nicht im Wochen-Takt mal Ölquellen öffnen und wieder runterfahren. Sie brauchen monatelang konstante Kurse über 50 Dollar, wo bei vielen der Break Even liegt.

Gut, ein aktuell fallender Ölpreis kann nicht direkt in Verbindung gebracht werden zu dieser generellen Aussage der beiden größten Öl-Ausrüster. Sie schauen langfristig auf den Ölmarkt und haben vermeintliche Trends im Blick. Der große Trend, nach dem sie sich richten sollten, ist das Verhältnis zwischen globalem Ölangebot und globaler Ölnachfrage. Bisher ist die Nachfrage-Explosion noch nicht so eingetreten wie von vielen prognostiziert, daher wohl auch die aktuelle Enttäuschung im Ölpreis. Der dürfte aktuell aber ebenso Opfer von Zocker-Positionen sein. Wie Daten der CFTC zeigen, haben gerade Hedgefonds und sonstige Zocker in den letzten Wochen nach und nach Longs geschlossen, und sind auf den Short-Zug umgeschwenkt. Das verstärkt den Sog nach unten – im Augenblick zumindest.

Ölpreis
Der WTI-Ölpreis seit Mitte Mai.



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