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Weltweit wichtigster Hedgefondsmanager: „Globale Konjunktur fast im Idealzustand“ – wann kommt der Crash?

Ray Dalio ist nicht irgendwer. In Deutschland der breiten Masse nicht bekannt, ist er doch der Gründer des größten Hedgefonds der Welt Bridgewater mit gut 100 Milliarden Dollar Einlagen. Die letzten Wochen und Monate haben wir...

FMW-Redaktion

Ray Dalio ist nicht irgendwer. In Deutschland der breiten Masse nicht bekannt, ist er doch der Gründer des größten Hedgefonds der Welt Bridgewater mit gut 100 Milliarden Dollar Einlagen. Die letzten Wochen und Monate haben wir schon mehrfach von namhaften Ökonomen und Börsianern berichtet, die so eine Hausse, wie wir sie aktuell erleben, extrem kritisch sehen. Besonders wird immer wieder erwähnt, dass wir mit acht Jahren nun schon die längste Aufwärtsphase in der Geschichte hinlegen – so auch gerade letzte Woche die Aussage vom hoch angesehenen David Stockman.

Nun kommt noch Ray Dalio dazu. Er postet nicht über Twitter, sondern das Karrierenetzwerk LinkedIn. Dort sagt er aktuell, dass die globale Wirtschaft derzeit fast im Idealzustand sei („now at or near its best“). Und es gäbe derzeit keine großen ökonomischen Risiken am Horizont für die nächsten 1-2 Jahre. Was heißt das für den vorausschauenden Investor, der keine Lust hat bei der Reise nach Jerusalem keinen Stuhl mehr abzubekommen? Er/sie muss sich die Frage stellen, wann die Musik denn aufhört zu spielen. Denn bei so einem schon ewig lange dauernden Aufwärtstrend und so überhitzten Preisen bei Aktien und Immobilien ist es anzunehmen, dass man schon weit weit fortgeschritten ist im Trend.

Aber wie lange der anhält, das will und kann auch Dalio nicht sagen. Es ist nun mal das bittere trockene Brot des „Mahners“, dass er den Zeitpunkt des Zusammenbruchs nicht exakt vorhersagen kann. Auch schreibt er, dass der Crash, wenn er denn komme, wohl deutlich größere soziale und politische Konflikte produzieren werde, als sie aktuell schon bestehen. Aktuell zeigten sich die globalen Märkte noch stabil, vor allem dank der Notenbanken mit ihrem billigen Geld. Auch erwähnte er die Hoffnungen auf neue Anschluss-Stimulierungen für die US-Konjunktur durch Donald Trump.

Auch gäbe es durch gute Unternehmensdaten in den USA optimistische Ausblicke. Viele Trader und Beobachter sehen die extrem geringe Volatilität (CBOE-Index auf 23 Jahres-Tief) als mögliches Zeichen, dass der Bullenmarkt durch einen plötzlichen starken Absturz zu Ende gehen könnte. Aber Dalio scheint anderer Meinung zu sein. Er sieht das Problem wohl eher tiefliegender. Insgesamt würde die Volkswirtschaft immer stärker mit Schulden beladen wie auch mit Kosten und Zahlungsverpflichtungen für Pensionen und das Gesundheitswesen. Dies werde zu einem Engpass für die Volkswirtschaft führen. Statt einen großen dicken Schock an den Märkten zu erwarten, werde der Weg bergab Stück für Stück vorangehen, und er werde diejenigen treffen, denen es schon jetzt sehr schlecht geht (zukünftige Kürzungen bei Sozialausgaben?), so Dalio.

Vielleicht habe der Markt noch zwei gute Jahre. Tatsächlich könne aber niemand genau voraussagen, wann die Musik aufhöre zu spielen, so Dalio. Aber der Anleger solle auf das „Smart Money“ achten. Damit meint er man solle ein Auge darauf behalten, was die institutionellen Anleger (Hedgefonds, Fonds, Versicherungen etc) machen. Wann ziehen sie ihr Geld ab, wann schichten sie um? Ja in der Tat, das sollte man im Auge behalten. Oder auch sollte man darauf achten, wann in der B..D-Zeitung auf der Titelseite steht „Dax steigt immer weiter, alle rein in Aktien“. Spätestens das wäre für den Dax vielleicht ein großer Kontraindikator?


Der S&P 500 im Langfristchart seit 20 Jahren. Es geht nun acht Jahre am Stück nur aufwärts.



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9 Kommentare

  1. 1. David Stockman hat nachweislich die letzten Jahre falsch gelegen. Er ist glaube ich nur hier bei FMW so hoch angesehen, weil er die Meinung der wichtigsten Autoren hier deckt. Was meinte David 2012 nochmal ?
    „I wouldn’t touch the stock market with a 100-foot pole. It’s a dangerous place“
    siehe hier:
    http://www.businessinsider.com/david-stockman-youd-be-a-fool-to-hold-anything-but-cash-now-2012-3?IR=T

    Einer, der seit 5!! Jahren falsch liegt ist kein Contrarian, er hat einfach keine Ahnung und ist ein sturer Permabär.

    2. Ich rede mir seit Jahren den Mund fusselig, daß die Dauer eines Aufwärtstrendes eben KEINE Erhöhung der Wahrscheinlichkeit für dessen Ende bedingt.

    3. Wir haben immer noch eine historisch lächerlich kleine Investitionsquote bei den privaten Anlegern in DE. Die Stimmung ist keineswegs euphorisch. Das spricht immer noch nicht für ein langjähriges Top.

    1. Unabhängig von den anderen Argumenten glaube ich nicht das sich ein Käufer amerikanischer StandardWerte für die Investitionsquote von deutschen Privatanlegern interessiert und aufgrund der niedrigen Quote weiter kauft.

    2. Genau PK und bei den nicht vorhandenen Zinsen steigt der Druck im Kessel. Ich kann mich noch genau erinnern, wie mich viele Aktienmuffel gefragt haben(1999), ob sie die Telekom-Aktie kaufen sollen bei 50, 60, 70, Erst in der Endphase will man dabei sein, ist schon seltsam. Im Übrigen ein Kompliment an Sie. Sie offenbaren in Ihren Kommentaren einen klaren Blick für das Kursrelevante und lassen sich nicht von der täglichen Informationsflut (dem Börsenkrach) herummäandern. Danke für die Beiträge.

  2. @P.K Die Chance ist sehr gross dass der sogenannt sture Permabär in den nächsten 6 Monaten weniger Geld verliert als der grösste Bulle aller Zeiten ( GRÖBAZ ) Es gibt auch eine einfache Regel, die sagt ,dass eben das Pendel meistens zuweit ausschlägt u. dies auf beide Seiten. Wenn der Gröbaz meint ,dass Investoren die bis jetzt keine Aktien gekauft haben,dies wegen der niedrigen Quote jetzt tun sollten ist das auch wieder ein Anfängerfehler ( DEN LETZTEN BEISSEN DIE HUNDE ) Übrigens wenn einer seit 5 Jahre anscheinend falsch liegt, liegt das auch daran,dass diePoltik der Notenbanken alle Märkte verzerren was bekanntlich auch nicht ewig dauert,jeder erfahrene Anleger weiss das

    1. Hi Hobbyanleger,

      die US-Indizes sind seit 2012 um 100% gestiegen. Also wenn er seit 2012 wie er selbst schreibt keine Aktien angelangt hat, sind ihm Kursgewinne in dieser Größenordnung entgangen. Und da sind eventuelle shorts gegen der Trend ja nicht eingerechnet. Da muss schon viel schieflaufen, damit irgendein „dummer“ GRÖBAZ schlechter abschneidet als David Stockman bislang. Da hat seine 5 Jahre Fehlpositionierung bereits zu viel Schaden angerichtet.
      Die Ansicht, daß man nicht bis zum Ende eines solchen Trends investiert sein sollte ist natürlich richtig, aber mir kann immer noch keiner ein plausibles Argument nennen, warum das Ende ausgerechnet jetzt passieren sollte.

      Hobbyanleger schrieb:
      „Übrigens wenn einer seit 5 Jahre anscheinend falsch liegt, liegt das auch daran,dass diePoltik der Notenbanken alle Märkte verzerren was bekanntlich auch nicht ewig dauert“

      Soll das eine Rechtfertigung dafür sein, daß er den Markt nicht begriffen hat ?
      Erstens, sind die Notenbanken ein Teil des Marktes und wahrscheinlich der wichtigste überhaupt in den letzten Jahren.
      Wer das nicht in seine Anlageentscheidungen einbezieht und vor allem die Reaktion der anderen Marktteilnehmer, hat einfach gar nichts verstanden. Man kann sich über die Politik der Notenbanken berechtigterweise aufregen solange man will, aber man soll deren Machtfaktor bitte anerkennen und nicht dauernd den aufrechten „Fight The Fed“ Helden spielen. Man sollte sich nicht an der Börse positionieren um dem Markt sein Missfallen mitteilen zu müssen – geht immer in die Hose.
      Und kommen wir zu dem „nicht ewig dauert“ Argument.
      Nichts dauert ewig, aber man muss sich zu jedem Zeitpunkt die Frage stellen, ob es wahrscheinlicher ist, daß sich ein bestimmter Zustand jetzt ändert oder noch so bleibt. Was in 2 Jahren ist, interessiert mich überhaupt nicht.
      Also, ist es wahrscheinlich, daß die Notenbanken Ihre Politik in den nächsten 2 Jahren ändern ? Was könnte da der Auslöser sein ?
      Mir fällt nichts ein, was zum Vorteil der Regierungen oder Politiker wäre jetzt ernsthaft an der Zinsschraube drehen zu wollen.
      Wir werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit weiterhin eine negative Realverzinsung behalten. Und in diesem Umfeld bleibt alles ausser Bonds und Währungen nunmal attraktiv.

  3. @Wolfgang M. Gerade die Telekom Aktie ist doch das beste Beispiel ,dass Aktien nicht nur steigen können.
    ( Anstieg über 90 dann freier Fall unter 10 Euro ) Seltsam
    Sie bestätigenP.K dass seine Theorie falsch ist, u.dann machen Sie ihm ein Kompliment, wo ist da die Logik? ?

    1. Die Logik ist, dass man sich nicht zu früh in Boxhorn jagen lassen soll. Die Deutsche Telekom stieg damals bis auf 103,90€. Also noch Gelegenheit genug, um auch mit 50, 60 oder 70€ Kaufkurs Gewinne zu machen, wenngleich der rechtzeitige Ausstieg psychologisch eine ganz schwierige Sache ist. Aber es kommt in periodischen Abständen zu außergewöhnlichen Kursanstiegen in jedem Markt (Öl, Gold, Immobilien). Und da fällt mir immer der Spruch von Sir Isaac Newton ein, der zugab:“ Ich kann zwar die Bahn der Gestirne auf Zentimeter und Sekunden berechnen, aber nicht, wohin eine verrückte Menge einen Börsenkurs treiben kann!“ Dies um 1700 und wirklich verrückt ist die Menge eigentlich noch gar nicht. (Aktien-KGV versus Anleihen-KGV). Gruß

  4. Die Notenbanken stellen die Weichen, wenn es weiter Spielgeld gibt dann kann das noch ein Weilchen so weitergehen

    1. Genauso ist es.Druckerpressen müssen laufen für den (Finanzmarkt-) Endsieg!Mir,Angehöriger der Spezies „Gnade der späten Geburt“,graut davor.Werden wir die nächste Stunde Null ähnlich souverän meistern,wie unsere Eltern & Grosseltern?

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