Anleihen

Weltweiter Ausverkauf bei Anleihen setzt sich fort

Der Ausverkauf bei Anleihen setzt sich weltweit fort, damit steigen die Renditen. Das kann ein Problem für uns alle werden.

Skyline von Tokyo
Skyline von Tokyo. Foto: Kiyoshi Ota/Bloomberg

Die Unsicherheit am Anleihemarkt setzt sich fort. Es ist nicht nur ein Phänomen, dass Länder wie Frankreich und Großbritannien aktuell immense Probleme bei Politik und Staatshaushalt haben. Auch in den USA und Japan ist Druck zu spüren! Globale Anleihen stehen erneut unter Verkaufsdruck (steigende Renditen und damit höhere Zinsen für Verbraucher und Unternehmen), da die Unsicherheit hinsichtlich Inflation, Schuldenverkäufen und Haushaltsdisziplin die Stimmung gegenüber den bisher als sicher geltenden Anlagen trübt, so Bloomberg News. Weiter wird berichtet: Die Renditen japanischer 20-jähriger Anleihen stiegen heute auf den höchsten Stand seit 1999, während die Renditen australischer 10-jähriger Anleihen auf das zuletzt im Juli erreichte Niveau kletterten. Auch die Renditen von US-Staatsanleihen stiegen, wobei sich die Renditen der 30-jährigen Benchmark-Anleihen der vielbeachteten 5-Prozent-Marke annäherten.

Renditen für Anleihen weltweit mit Auftrieb

Die Verluste in Asien folgten auf einen Anstieg der Renditen 30-jähriger britischer Anleihen am Dienstag auf den höchsten Stand seit 1998. Insgesamt spiegelt der Ausverkauf die Besorgnis der Händler über hohe Staatsausgaben und mögliche inflationäre Auswirkungen weltweit wider. Eine Flut von Unternehmensverkäufen am Dienstag und anhaltende Sorgen um die Unabhängigkeit der Federal Reserve verstärken den Druck zusätzlich. „Defizit- und Schuldenprobleme lassen sich nicht einfach oder schnell lösen“, sagte Andrew Ticehurst, Stratege bei Nomura Holdings Inc. in Sydney. „Steilere Kurven sind die neue Normalität.“

Lang laufende Anleihen performen im September grundsätzlich eher schlecht

Ein Bloomberg-Index für globale Anleiherenditen fiel am Dienstag um 0,4 % und verzeichnete damit den größten Tagesverlust seit dem 6. Juni. Die Rückgänge scheinen zwar begrenzt zu sein, unterstreichen jedoch die anhaltende Nervosität in Bezug auf den Besitz von Anleihen mit längerer Laufzeit. Der Ausverkauf langlaufender Staatsanleihen steigert auch die Nachfrage nach sogenannten Steepener-Trades – einer beliebten Strategie, die Gewinne erzielt, wenn sich die Spanne zwischen den Renditen lang- und kurzfristiger Anleihen vergrößert.

In den letzten Wochen gab es bereits Beispiele dafür, dass mit dieser Strategie Geld verdient werden konnte. Die Zinskurve Neuseelands versteifte sich im August, nachdem die Zentralbank einer weithin erwarteten Zinssenkung eine überraschend zurückhaltende Erklärung folgen ließ. Auch die Bank Indonesia senkte im letzten Monat unerwartet die Zinsen. Da der Druck auf die Fed wächst, die Zinsen zu senken, kaufen Händler in der Regel kurzfristigere Anleihen, die am empfindlichsten auf Änderungen der Geldpolitik reagieren.

Andrew Canobi von Franklin Templeton gehört zu denen, die davon ausgehen, dass zweijährige Staatsanleihen ihre zehnjährigen Pendants übertreffen werden. „Die Inflation wird unter großem Widerstand wieder in Richtung Zielwert gedrückt, der fiskalische Druck ist erheblich, die Arbeitsmärkte sind nach wie vor weitgehend stabil, und die Zentralbanken senken inmitten dieser Situation die Zinsen“, sagte Canobi, ein Geldmanager in Melbourne. „Wir neigen eher dazu, die Positionen aufzustocken als zu reduzieren.“

Kommentar

FMW: Haben Anleger Befürchtungen über eine höhere Inflation, wollen sie als Ausgleich für ihre Anlagen in Anleihen höhere Renditen sehen. Ebenso wollen Anleger bei mehr Chaos in Staatsfinanzen und in der Politik höhere Risikoprämien sehen, wenn sie in bestimmte Staatsanleihen investieren sollen. Auf einmal ist dies ein großes Thema am Anleihemarkt. Das Problem für so ziemlich alle Menschen außerhalb des Anleihemarktes: Die höheren Anleiherenditen pushen womöglich zügig die tatsächlichen Kreditzinsen für Verbraucher, Häuslebauer und Unternehmen nach oben. Damit werden diese Vorgänge bei Anleihen auch ein Thema für ganze Volkswirtschaften.

FMW/Bloomberg



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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4 Kommentare

  1. Und was wird für den Erlös der Anleihen gekauft?

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    6 Prozent gab’s in 2000 in England für ne Dreißigjährige…6 Prozent Kupon bei einem Ausgabepreis von 102,56..Pfund… je 100 Pfund Nennwert der Anleihe…

    Und in 90…Im Oktober 90 um genau zu sein …da gab’s 9 Prozent Kupon bei einem Ausgabepreis von 106,75..

    Und Anfang der Achtziger lag der Kupon nochmals höher….bei über 11 Prozent ! Über 11 Prozent…heute unvorstellbar!

    Wir sind nur verwöhnt durch die letzten Jahre der Niedrigzinspolitik…speziell die Jahre vom Herbst 08 bis Ende 2021 waren ganz schlimm..da wollte keine Notenbank die Zinsen erhöhen..
    Folglich explodierte die Börse…!
    Gucken Sie sich die Indexstände von damals an…und heute..!
    Jetzt geht’s halt anders rum…!
    Plötzlich gibt es wieder Zinsen…! TINA is out of order!

  3. Ich habe das erwartet und deshalb nur noch in Anleihenfonds mit kurzen Laufzeiten angelegt. Ich finde das auch sehr positiv, weil es die Politik dazu zwingt sich den Problemen zuzuwenden. Wir Wähler haben ja leider keinen Einfluss auf die Politik. Kurzfristig stehen die Politiker in Frankreich vor der Wahl zu sparen oder eben nicht. Bisher wollten sie nicht, vielleicht ändert sich das nun. Bei uns in Deutschland steht diese Entscheidung wohl erst im Herbst an. Auch Trump muss sich bald entscheiden, ob vielleicht seine Big Beautiful Bill ein Fehler war.

  4. Ich bin in einige Anleihen investiert. Eine hat sowieso 6 % und die Staatsanleoje hat 3.25. Beim Kauf 3.9 und jetzt wäre es 4.1. Wieso sollte ich mit Verlust verkaufen und auf 4.5 hoffen? Da kaufe ich doch eher nach.
    Oder ist es so, dass einige so gute Einstiegskurse hatten, dass es sich auszahlt?
    Wie hoch werden die zinsen schon steigen? Bei der verschuldung geht nicht mehr viel.
    Oder sehe ich hier etwas falsch? Man darf gerne antworten. Das ist ein sehr interessantes Thema für mich.

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