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Konjunkturdaten

Weltwirtschaft 2019 synchron im Abschwung

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Das Jahr 2019 wird voraussichtlich das schwächste Wachstum der Weltwirtschaft seit einer Dekade verzeichnen.

Mehrere Faktoren belasten die Weltwirtschaft

Der Internationale Währungsfonds (IWF) stellt in seinem jüngsten Ausblick für die Weltwirtschaft 2019 fest, dass sich die Welt in einem synchronisierten Abschwung befindet.

Der IWF senkt seine Erwartungen für das Weltwirtschaftswachstum für 2019 weiter auf aktuell 3 Prozent ab. Das entspricht dem langsamsten Wachstumstempo seit der globalen Finanzkrise 2009.

Die anhaltende und zum Teil sogar zunehmende Unsicherheit diverser Handelskonflikte (z. B. USA gegen China, Japan gegen Südkorea, USA gegen Europa, USA gegen Argentinien und Brasilien, USA gegen Indien, Indien gegen China etc.) belastet die Investitionsfreudigkeit und den Welthandel.

Die Kombination aus unzureichender technologischer Innovation, sinkender Produktivität, alternder Bevölkerung, geopolitischen Auseinandersetzungen und dem Anstieg der weltweiten Verschuldung hat die globale wirtschaftliche Expansion in diesem Jahr stark belastet.

Vor allem die durch wieder zunehmenden Protektionismus ausgelösten Handelsspannungen und deren Auswirkungen auf die Exporte und die Industrieproduktion bremsen die Weltwirtschaft erheblich.

Der jährliche Überblick der Welthandelsorganisation (WTO) über die globalen handelsbezogenen Entwicklungen vom 29. November 2019 zeigt, dass die Handelsbeschränkungen der WTO-Mitglieder weiterhin ein historisch hohes Niveau erreichen. Für den Zeitraum zwischen Mitte Oktober 2018 und Mitte Oktober 2019 werden die den Welthandel belastenden Maßnahmen, wie Sanktionen und Zölle, auf insgesamt 747 Mrd. US-Dollar geschätzt. Dies ist die höchste Negativbeeinflussung des Welthandels seit Oktober 2012 und entspricht einer Steigerung von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert (588 Mrd. USD).

Die in Genf ansässige Organisation teilte kürzlich mit, dass das weltweite Warenhandelsvolumen im Jahr 2019 voraussichtlich nur um 1,2 Prozent zunehmen wird und damit wesentlich langsamer als das noch im April prognostizierte Wachstum von 2,6 Prozent.

Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht in ihrem jüngsten Economic Outlook die anhaltenden Handelsspannungen als den „Hauptfaktor, der die Weltwirtschaft belastet“.

Die OECD warnt, dass die Spirale aus Zöllen und Gegenzöllen das verarbeitende Gewerbe nachhaltig schädigt, da globale Wertschöpfungsketten unterbrochen und erhebliche Unsicherheiten für Investitionen geschaffen werden.

Alle Regionen der Welt sind betroffen

Für die entwickelten Volkswirtschaften geht der IWF nun von einer Wachstumsverlangsamung auf 1,7 Prozent im Jahr 2019 aus, während die Schwellen- und Entwicklungsländer in diesem Jahr ein Wachstum von 3,9 Prozent verzeichnen werden. „Ein bemerkenswertes Merkmal des schleppenden Wachstums im Jahr 2019 ist die starke und geografisch breite Abschwächung des verarbeitenden Gewerbes und des Welthandels“, sagte die in Washington ansässige Institution.

Das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im dritten Quartal auf Jahresbasis um 2,1 Prozent. Dies war eine deutliche Abschwächung gegenüber den 3,1 Prozent im ersten Quartal, wobei der Anstieg der

Verbraucherausgaben rund 70 Prozent der US-Wirtschaftstätigkeit ausmacht. Die Wachstumsrate des US-Konsums hat sich mit 2,9 Prozent deutlich gegenüber dem Wachstumstempo von 4,6 Prozent im zweiten Quartal dieses Jahres verlangsamt.

Das statistische Amt der Europäischen Union, Eurostat, schätzt, dass das Wachstum der Eurozone im dritten Quartal gegenüber den vorangegangenen drei Monaten nur magere 0,2 Prozent beträgt, genauso wie im zweiten Quartal und niedriger als im ersten Quartal 2019.

Darüber hinaus hat die Europäische Kommission angekündigt, dass das BIP des Euroraums 2019 im Gesamtjahr voraussichtlich um 1,1 Prozent zunehmen wird, also nochmals 0,1 Prozent weniger als bei der letzten Prognose im September.

Japans BIP wuchs von Juli bis September auf Jahresbasis um 1,8 Prozent. Dies war das schwächste Wachstum in diesem Jahr, da die Umsatzsteuererhöhung und die schwächere Auslandsnachfrage die Wirtschaft in Japan belasten.

Unter den Schwellen- und Entwicklungsländern wuchs Indien von Juli bis September um 4,5 Prozent, das langsamste Wachstumstempo seit sechs Jahren (siehe auch mein Artikel: Indien gerät in den globalen Abwärtsstrudel).

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung prognostizierte für 2019 ein Wachstum der russischen Wirtschaft von lediglich 1,1 Prozent. Die südafrikanische Wirtschaft schrumpfte im dritten Quartal um 0,6 Prozent. Sehr wahrscheinlich wird das Land am Kap wegen der akuten Probleme bei der landesweiten Stromversorgung sogar in die Rezession abrutschen.

Nach Angaben der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika und die Karibik dürfte das Wachstum der Region in diesem Jahr nur 0,1 Prozent betragen und damit de facto stagnieren.

Notenbanken steuern massiv dagegen

Um den wirtschaftlichen Gegenwind zu dämpfen, der das globale Wachstum bremst, haben zahlreiche Zentralbanken, darunter die US-Notenbank (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB), die Leitzinsen erneut gesenkt und Gelddruckprogramme wieder eingeführt (QE-Programme).

Doch selbst diese unkonventionellen Maßnahmen, zu denen auch Negativzinsen gehören, reichen nicht aus, um den Dynamikverlust der Weltwirtschaft umzukehren.

Dennoch hat die starke Lockerung der Geldpolitik sowohl in den fortgeschrittenen als auch in den aufstrebenden Volkswirtschaften dazu beigetragen, kurzfristig einen ernsthaften wirtschaftlichen Abschwung abzuwenden.

Auch Herausforderungen wie steigende Schulden, Vermögensblasen und eine erhöhte Verwundbarkeit des Finanzsystems bereiten dem IWF Sorgen.

Vitor Gaspar, Direktor der Finanzabteilung des IWF, riet den politischen Entscheidungsträgern, eine umsichtige Finanzpolitik zu betreiben. Er sagte, dass die Zinssätze in vielen fortgeschrittenen Volkswirtschaften negativ seien und das Potenzial für „weitere Senkungen der Leitzinssätze begrenzt ist“.

Fazi: Neuer Realismus und die Weltwirtschaft

Es wird immer deutlicher, dass es nicht mehr an der Erkenntnis mangelt, welche Faktoren die Weltwirtschaft belasten. Der bisherige überbordende Optimismus ist einem neuen Realismus gewichen. Das ist eine gute Nachricht, denn nur, wenn man die Probleme korrekt adressiert, kann man auch adäquate Gegenmaßnahmen durchführen.

Um die Weltwirtschaft trotz überbordender Schulden zu stabilisieren und eine Krise in den kommenden Jahren zu vermeiden, empfehlen die supranationalen Organisationen, die sich mit der Materie befassen, mittlerweile unisono den Abbau von Handelshemmnissen sowie fiskal- und geldpolitische Stimuli.

Der Ruf nach Strukturreformen ist zwar standardmäßig immer noch mit dabei, die Hoffnungen darauf wurden aber scheinbar schon aufgegeben. Ökonomische Stimuli aus der Notenpresse sind dagegen leicht und schnell umsetzbar und werden daher zum Mittel der ersten Wahl – und wahrscheinlich auch zum Mittel der letzten Wahl.

Das Jahr 2019 ist für die Weltwirtschaft das Jahr mit dem geringsten Wachstum seit der Finanzkrise

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Adam Zipfel

    16. Dezember 2019 19:16 at 19:16

    Das Jahr 2019 wird voraussichtlich das schwächste Wachstum der Weltwirtschaft seit einer Dekade verzeichnen. Alle Regionen der Welt sind betroffen.

    Da passt es doch ganz gut, dass das Jahr 2019 voraussichtlich ein sensationell gutes Börsenjahr wie lange nicht feiern wird. Die Reichen und Mächtigen dieser Welt feiern zynisch weiter, während der Planet ökonomisch und ökologisch vor die Hunde geht.

  2. Avatar

    Prognosti

    17. Dezember 2019 06:29 at 06:29

    Was nicht passt, dass normalerweise die Börsen die schlechtere Wirtschaf einpreisen, was aber durch Hoffnung auf ewiges Gratisgeld unterdrückt wird.Irgendwann wird sich die Realität durchsetzen , u.man wird merken ,dass die künstlich hohen Aktienkurse für die oberen 10% die Wirtschaft nicht retten,während die tiefen Zinsen dem Grossteil der Bevölkerung erheblich schaden.Sogar Jamie Dimon sagt, dass jetzt Negativzinsen mehr schaden als nützen.Übrigens die Chinesen wollen bewusst ein langsameres Wachstum.
    Sie haben nach der letzten Krise mit einer Riesenverschuldung die von den lieben Amis verursachte Krise
    gemildert, indem sie einen grossen Beitrag zum Weltwirtschaftswachstum beitrugen.Darum ganz klar ,die Wirtschaft wird schwächer werden.

  3. Pingback: CORONA – ökologisches Wirtschaftswunder – blogmaria.de

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Der gigantische Ansturm auf Immobilienkredite in den USA

Claudio Kummerfeld

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Enormer Ansturm auf Immobilienkredite - Häuser in den USA

Der gigantische Ansturm auf Immobilienkredite in den USA läuft weiter. Mehrmals in den letzten Monaten haben wir schon darüber berichtet. Eigentlich ist es ein Paradox. Die Coronakrise hat eine hohe Arbeitslosigkeit verursacht, und dazu noch viel Unsicherheit bei den Menschen, die noch einen Job haben. Aber es gibt mehrere Gründe, die am US-Immobilienmarkt für diesen Boom sorgen.

Wie heute veröffentlichte Daten der Mortgage Bankers Association (MBA) zeigen, ist das gesamte Antragsvolumen für Immobilienkredite in den USA im Wochenvergleich um 6,8 Prozent gestiegen. Die Anträge um ein Haus zu kaufen stiegen im Wochenvergleich um 3 Prozent, aber im Vergleich zum Vorjahr liegen sie gigantische 25 Prozent höher. Und das bei dieser üblen Rezession!

Zwei Gründe sind dafür zu finden. Einmal sind es, wie die MBA schon mehrmals gesagt hat, die immer weiter sinkenden Zinsen für Immobilienkredite in den USA. Und wie die „National Association of Realtors“ anmerkt, suchen Hauskäufer derzeit größere und technisch modernere Häuser für Homeoffice und Home Schooling. Trotz knappem Angebot ist die Nachfrage vor allem nach höherpreisigen Objekten groß.

Die Hausverkäufe in den USA klettern auf Niveaus wie im Jahr 2006, in den absoluten Boomzeiten vor der Finanzkrise 2008. Was man nicht unterschätzen sollte: In vielen Großstädten in den USA findet derzeit eine Flucht statt, nämlich von der Stadt raus aufs Land. Jeder der es sich halbwegs leisten kann (vereinfacht ausgedrückt), packt die Koffer und zieht ins Sommerhaus im Grünen, oder kauft sich ein Haus weit draußen in einer Kleinstadt. Denn nicht nur das Coronavirus, sondern auch die Black Lives Matter-Proteste und der vielerorts stattfindende Rückbau der Polizei (siehe New York) sorgen für eine Fluchtbewegung raus aus den Städten in den USA. Wer bisher in einem Apartment-Tower in New York gewohnt hat, sucht jetzt ein Häuschen im Grünen.

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Konjunkturdaten

Aktuell: Öl-Lagerbestände -1,6 Mio Barrels (jetzt 494,4 Mio)

Claudio Kummerfeld

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Die wöchentlich vermeldeten Öl-Lagerbestände in den USA (Rohöl) wurden soeben mit 494,4 Mio Barrels veröffentlicht. Dies ist im Vergleich zur Vorwoche ein Minus von 1,6 Mio Barrels, wobei die Erwartungen zur Vorwoche bei -2,3 lagen.

Die Benzinbestände wurden im Vergleich zur Vorwoche mit -4 Millionen Barrels veröffentlicht. Die Erwartungen gegenüber der Vorwoche bei -0,6.

Die Dienstag Abend um 22:35 Uhr veröffentlichten API-Lagerbestände wurden mit +0,69 Mio Barrels beim Rohöl gemeldet (-4 erwartet).

Der Ölpreis (WTI) reagiert in den ersten Augenblicken nach Verkündung mit +7 Cents auf glatt 40,00 Dollar.


source: tradingeconomics.com

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Konjunkturdaten

Aktuell: US-Einkaufsmanagerindizes: „Risiken auf der Unterseite“

Redaktion

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Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für die USA (Markit PMI; September) veröffentlicht:

Verarbeitendes Gewerbe: 53,5 (Prognose war 53,1; Vormonat war 53,1)

Dienstleistung: 54,4 (Prognose war 54,7; Vormonat war 55,0)

Gesamtindex: 54,6 (Vormonat war 53,1)

Dazu schreibt Markit, das die Daten erhebt:

 

“US businesses reported a solid end to the third quarter, with demand growing at a steepening rate to fuel a further recovery of output and employment. “The survey data therefore add to signs that the economy will have enjoyed a solid rebound in the third quarter after the second quarter slump. “The question now turns to whether the economy’s strong performance can be sustained into the fourth quarter. Covid-19 infection rates remain a major concern and social distancing measures continue to act as a dampener on the overall pace of expansion, notably in consumer-facing services. Uncertainty regarding the presidential election has also intensified, cooling business optimism about the year ahead. Risks therefore seem tilted to the downside for the coming months, as businesses await clarity with respect to both the path of the pandemic and the election.”

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