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Wendungen in den Wirtschaftsprognosen – wieder wurden die Prognostiker auf dem falschen Fuß erwischt – ein bisschen Wirtschaftspsychologie

„Gewinnwarnungen deutscher Unternehmen erreichen Höchststand“, lautete gestern eine Überschrift im Wirtschaftsteil der „Welt“. Über die Psychologie der Märkte..

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

„Gewinnwarnungen deutscher Unternehmen erreichen Höchststand“, lautete gestern eine Überschrift im Wirtschaftsteil der „Welt“. In dem Bericht war von 144 Gewinnrevisionen im Qualitätssegment der deutschen Börse die Rede, 100 allein davon im Zeitraum zwischen Juli und Dezember. Erhoben wurden die Daten von der Prüfungsgesellschaft EY, die den Zeitraum zwischen 2011 und 2018 untersucht hat – es ist ein deutlicher Rekord für diese Periode.

Die stärksten Korrekturen gab es im Dax, die von 4 (2017) auf 18 gesprungen sind. Blickt man auf den Jahresbeginn 2018 zurück, so konnte sich kein Ökonom vorstellen, dass die Konjunktur bereits im Jahresverlauf so stark abkühlt. Das Jahr 2007 lässt grüßen.

Was sagt uns das? Die besten Indikatoren und Informationen liefern nur ein ungefähres Bild, weil der Mensch in seinen Entscheidungen eine Entwicklung rasch umdrehen kann – wie Prof. Robert Shiller einmal formulierte: „Es sind nur 20 % der Kursbewegungen fundamental erklärbar. Der Rest ist Psyche.“

Ein weiterer Nobelpreisträger, Daniel Kahnemann, hatte einst in seinem bekannten Buch festgestellt, dass Analysten und Politikwissenschaftler in einem „zero-validity environment“ operieren, in dem Informationen nur eine sehr begrenzte Aussagekraft besitzen, weil menschliche Entscheidungen eben diese ad absurdum führen können. Auf die USA bezogen: Die ausgefeilteste Prognose verliert rasch ihre Gültigkeit, sollten die Konsumenten in einen Käuferstreik treten.

Beispiel: 2016 sagte die meisten, dass Hillary Clinton die Wahlen gewinnt und wenn Trump gewinnt, kollabieren die Börsen. Gibt es einen besseren Beweis?

Oder die Entscheidung über den Austritts Großbritanniens aus der EU.

Was können wir daraus lernen?

Bei allzu konformen Prognosen ist stets Skepsis angesagt. Keiner hat die Glaskugel und es empfiehlt sich der Spruch des alten John Maynard Keynes:

„When the facts change, I change my mind!“

Warum werden dann noch Prognosen erstellt, obwohl diese nachweislich eine unterirdische Trefferquote haben? Weil der Mensch eben einen Anker, eine Orientierung braucht im Gewirr täglicher und sich widersprechender Informationen. Prognostiker orientieren sich oft am Mainstream, um sich im Falle einer Fehlprognose im Kreise der Kollegen verstecken zu können.

Dennoch bleiben Ausblicke und Prognosen trotz aller Schwächen weiterhin gefragt.

 

Foto: Deutsche Börse AG

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    tm

    19. Februar 2019 11:34 at 11:34

    Sehr guter Artikel und endlich wird dieses schöne Keynes-Zitat mal gebracht.

    „Beispiel: 2016 sagte die meisten, dass Hillary Clinton die Wahlen gewinnt“ Ja, die meisten schon, allerdings haben auch fast alle Prognosen ein sehr kmappes Ergebnis erwartet und Nate Silver etwa hat die Siegchancen von Trump mit immerhin 30% angegeben. So überraschend wie nun getan wird – beim Brexit ähnlich – war das Eregbnis nicht. Hinzu kommt noch, dass die Erwartung, dass Clinton mehr Stimmen holt, durchaus zutreffen war.

    https://www.nytimes.com/interactive/2016/us/elections/polls.html

  2. Avatar

    Hesterberg

    19. Februar 2019 13:04 at 13:04

    Sehr guter Beitrag! An solche Phänomene sollte man sich immer wieder einmal erinnern.

  3. Avatar

    Faktist

    19. Februar 2019 14:56 at 14:56

    Wann merkt der Markt, dass die Welt von der Globalisierung abwendet (seit Trump)!? Jeder nur noch für sich selbst sein will. Hier aktuelle „noch eine“ Nachricht:
    Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier verlangt, dass Deutschland und Frankreich ihre Kräfte besser bündeln um eine gemeinsame Industriestrategie voranzutreiben. Eine Schlüsseltechnologie sei der gemeinsame Aufbau einer Batteriezellen-Produktion. In den nächsten Wochen soll über die Bildung eines Konsortiums entschieden werden.

    Alles in allem will man nicht mehr abhängig sein und alles selber für sich selbst bauen und nutzen. Klar Trump ist Oberschlaumeier und möchte zusätzlich noch dass die ganze Welt bei Ihm einkauft, er aber von niemand anderem was kauft… lol naja aber im Endeffekt sollte der Markt die Zukunft handeln und die sieht nun mal nach Rückgang aus, wenn jeder nur für sich sein will.

  4. Avatar

    Katja Wohmann

    19. Februar 2019 15:13 at 15:13

    Jeder auf dieser Welt geht automatisch davon aus, dass die Geldruckmaschine der Notenbanken immer weiter laufen, auch wenn es heute schon klar ist, dass irgend eine Generation dies sehr sehr teuer bezahlen wird. Aber solange wir diese verantwortungslosen Leute an der Druckerpresse lassen, solange spielen Schulden eben keine Rolle.

    • Avatar

      tm

      19. Februar 2019 15:21 at 15:21

      Wie hoch war denn das Geldmengenwachstum in der Eurozone/Deutschland in den letzten Jahren und wie hoch, sagen wir, in den 1980er Jahren?

      Und wie meinen Sie dieses „sehr sehr teuer bezahlen“, also was msus ich mri darunter konkret vorstellen?

      • Avatar

        Michael

        19. Februar 2019 16:21 at 16:21

        In den letzten 10 Jahren sieht es auf alle Fälle so aus:
        Das Geldmengenwachstum M3 in der Eurozone stieg im 5-Jahreszeitraum 2009 bis 2013 insgesamt um 4,8%, im 5-Jahreszeitraum 2014 bis 2018 um insgesamt 25,8%

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          tm

          19. Februar 2019 16:31 at 16:31

          Ich nehme mal an, Sie haben sich hier nur etwas unglücklich ausgedrückt: Die Geldmenge (und nicht das Geldmengenwachstum) stieg zwischen 2009 und 2013 bei 4,8% und danach um 25,8% – selbst die zweite Zahl entspricht dabei allerdings lediglich 4,7% Wachstum pro Jahr. Im Dezember 2018 waren es 4,0% J/J.

          Zwischen 1970 und 1999 lag das Geldmengenwachstum in Deutschland bei 7,9% p.a., die Bundesbank hat ihre Geldmengenziele regelmäßig verfehlt.

          Oder kurz gesagt: Die Geldmenge ist in den 1970er, 80er und 90er Jahren deutlich schnelelr gewachsen als seit 2008.

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            leftutti

            19. Februar 2019 17:02 at 17:02

            Von Juli 1922 bis Oktober 1923 waren es sogar 1,3 Billionen %

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            tm

            19. Februar 2019 17:08 at 17:08

            Was Sie nicht sagen. T(r)oll.

          • Avatar

            leftutti

            19. Februar 2019 17:22 at 17:22

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            tm

            19. Februar 2019 17:38 at 17:38

            Doch, doch, ich glaube Ihnen.

            Aber wir halten mal fest:
            1. Wir haben heute eine Geldflut bei einem Geldmengenwachstum, was halb so hoch ist wie zu Bundesbankzeiten.
            2. Sie schreiben einen Kommentar völlig unabhängig vom Thema mit der ausschließlichen Absichr der Provokation.

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Aktienmärkte: Abkühlung gefällig nach dem Novemberwunder?

Der Börsenmonat November wird in die Statistik eingehen, als Ausnahmemonat für die Aktienmärkte, wie es ihn in Jahrzehnten nicht gegeben hat!

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Wenn es noch ein paar Tage so weitergeht, wird der Börsenmonat November in die Statistik eingehen, als Ausnahmemonat für die Aktienmärkte, wie es ihn in Jahrzehnten nicht gegeben hat. Doch gemach, zieht man die zwei vorherigen Monate mit in die Betrachtung, sieht es schon erheblich unspektakulärer aus. Dennoch lagen die Indizes am gestrigen Börsenschluss wieder deutlich im Plus und die Frage wird täglich aufs Neue gestellt: Wann kommt die Abkühlung?

Aktienmärkte: Die aktuelle Novemberbilanz

Vier Handelstage vor dem Monatsultimo – in den USA wegen Thanksgiving nur zweieinhalb – bahnt sich eine extrem gute Monatsbilanz der Aktienmärkte an. Am Ende des gestrigen Tages lagen sowohl Dow Jones, als auch S&P 500 mit 10 Prozent auf Monatssicht im Plus. Besonders spektakulär das Durchbrechen der 30.000-Punkte-Marke beim altwürdigen Index. Hatte nicht Präsident Trump davon gesprochen, dass die Aktienmärkte dramatisch einbrechen würden, falls er nicht wiedergewählt werden sollte? Ich hatte schon am 5.11. in einem Artikel („Aktienmärkte und Wahlausgang: Warum fallen die Märkte nicht?“) mit historischen Daten belegt, warum die Rolle des Präsidenten für die Aktienmärkte überschätzt werde, es geht um andere Kriterien. Erstaunlicherweise liegt der Dax mit 11,5 Prozent seit der US-Wahl plus noch vor den US-Indizes, sicher auch wegen der Branchenrotation hin zu Value und weil der deutsche Leitindex einfach stets volatiler daherkommt.

Damit hätte der Monat bereits die durchschnittliche Jahresperformance der großen Indizes, über mehrere Jahrzehnte gerechnet, übertroffen. Und dies in einer Phase, in der viele Staaten gerade wieder in eine Rezession abrutschen. Aber das ist wiederum sehr häufig an der Börse, auch wenn Beobachter wieder viele unheimliche Kräfte für das Spiel verantwortlich machen. Wenn ein Wirtschaftsabschwung auf ein Ende zugeht, kommen oft die größten Zuwächse, wenn er dokumentiert wird, die Gewinnmitnahmen. Oder, „wenn die Nacht am dunkelsten ist, ist die Dämmerung am nächsten.“

Die aktuelle Konjunkturlage

Am gestrigen Tag wurde das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts für das dritte Quartal in Deutschland veröffentlicht, es fiel mit plus 8,5 Prozent besser aus, als die vorherige Schätzung. Was aber kurstechnisch keine Rolle spielt, denn „fürs Gehabte gibts nichts“ so ein bekannter Börsenspruch aus der Vergangenheit. Aber vermutlich auch nicht für den Ifo-Index, der bereits zum zweiten Mal in Folge gefallen ist und die ständig weiter nach unten geschraubten Wachstumszahlen für Q4 des laufenden und Q1 des kommenden Jahres. Eine „Double-Dip-Recession“ steht in vielen Industriestaaten an, dennoch dürfte sich der Kursschaden (temporär) sehr in Grenzen halten, denn es gibt gewaltige Gegenkräfte. Doch dazu später mehr.

Die Branchenrotation

Auch wenn es bisher nicht zum Abverkauf der dominanten Hightech-Titel gekommen ist, wie ETFs auf „Information Technology“ beweisen, so ist doch eine gewaltige Rotation hin zu Value, zu Industrietiteln und vor allem zu Nebenwerten erkennbar (Russel 2000). Die Techwerte laufen seitwärts, die Zurückgebliebenen haussieren.

So im SPDR Industrial erkennbar, einem ETF auf amerikanische Industriewerte, genau wie in einem Sammelindex für die Luftfahrtindustrie, in einem Bankenindex, bei Versicherungen, bei Reise- und Freizeitindizes, im Energiesektor und bei Grundstoffwerten. Am stärksten lief die Rally bisher im Nebenwerte-Segment, dessen Index sich schon über 25 Prozent von seinem Aufwärtstrend nach oben abgesetzt hat.

Was sagt uns das alles? Die Aktienmärkte blicken nicht auf die Aktualität, wie eigentlich immer, auch wenn dies viele, gebannt durch die tägliche Berichterstattung nicht wahr haben wollen, sondern deutlich in die Zukunft. Und da erwartet man die Rückkehr zur Normalität, die Coronazeit wird ausgepreist.

Die Notenbankpolitik

Hat nicht vor kurzem eine US-Großbank von einem Re-Balancing bei Mischfonds gesprochen, dergestalt, dass man die Aktien/Anleihe-Relation von 60/40 wiederherstellen müsse und damit bis zum Jahresende weltweit Aktien in Höhe von 300 Milliarden Dollar zu verkaufen wären? Aber was ist diese Summe gegen die Geldflut der Notenbanken (Fed, EZB, BoJ, BoE, SNB), um nur die Größten zu nennen, die demnächst aktiv werden? Soll nicht Janet Yellen neue US-Finanzministerin werden, die ehemalige Chefin von Jerome Powell? Der Fed-Chef wird sich eher mit der Professorin in Verbindung setzen, als mit Steven Mnuchin zu diskutieren, der in gut 30 Handelstagen sowieso nichts mehr zu sagen hat und wenn, könnte es die Neue umgehend wieder korrigieren.

Was nichts anderes heißt, als dass man in der schwierigen Phase des nochmaligen Anschwellens der Coronazahlen die Notenpresse in Gang hält, um zu unterstützen, wie es Jerome Powell erst kürzlich betont hat. In Kürze jährt sich der Kommunikationsgau von Powell zum zweiten Mal, als er 2018 die Aktienmärkte mit „hawkishen“ Bemerkungen bis fast ins Bärenterritorium gejagt hatte. Er wird gerade in der Phase der „transition“, des Übergangs, alles Marktschädliche unterlassen.

Die Impfhoffnung und die möglichen Konsequenzen

Auch wenn die Kursreaktionen nach jeder Impfstoffmeldung abnehmen, verbleibt das Vakzin gegen Covid-19 der fast alles bestimmende Faktor. Hunderte Impfzentren entstehen allein in Deutschland und wie viele werden es wohl weltweit werden, demnächst? Wird die Meldung für die Zulassung eines Impfstoffes und damit dem Beginn der Impfungswelle nicht noch einmal für einen Kurssprung sorgen? Wenn es Realität würde, dass man in 2 Minuten einen Menschen impfen könnte, so wie es in Deutschland berichtet wurde und das tausendfach in hunderten Impfzentren.

Würde dann die Zahl der Geimpften nicht schneller steigen, als es die Zahl bei den Infektionen in der Spitze getan haben – nur dann kontinuierlich? Ist es das, was die Märkte für das nächste Halbjahr einpreisen?

Fazit

Es kommt schon Vieles zusammen im Nebelmonat November. Ein Wahlkrimi, der anlegertechnisch in eine gewaltige Short Squeeze mündete und in eine Branchenrotation, die es nur ganz selten in dieser Ausprägung gab. Dann kamen noch die Impfstoffmeldungen, als Game Changer oben drauf, die das Ganze noch verstärkten. Als Turbo für viele ängstliche Investoren, die plötzlich Licht am Horizont sahen und eine Notwendigkeit für viele Investmentfonds, wenn man nicht endgültig gegen die passiven Vehikel ins Hintertreffen geraten will.

Am 9. November wurde durch die Märkte das Ende von Corona ausgerufen. Das Ergebnis ist eine Euphorie, die in normalen Situationen in einen gewaltigen Kurseinbruch münden würde. Wahrscheinlich aber nicht zum Ende des Coronajahrs 2020, in dem sich zwei Kräfte gegenseitig potenzieren: Die Hoffnung auf einen Anstieg der Wirtschaft zur Jahresmitte 2021, wenn „tote“ Branchen aufgrund der Impfauswirkungen zum Leben erweckt werden und eine Geldversorgung durch Notenbanken, die die Kapitalanleger „noch“ in eine Anlageklasse zwingt. Dennoch: Sollte es tatsächlich noch bis zum Monatsende mit den Kursen weiter nach oben gehen, der Monat November zum Jahrhundertrekord avancieren? Ich denke spätestens dann im Anschluss sollte die Schwerkraft mal kurz und kräftig zuschlagen. Ich bin nur auf den Anlass gespannt, wenn es wieder heißt „die Kurse machen die Nachrichten“  und die Aktienmärkte dann eine Zwischenkorrektur einlegen..

Die Aktienmärkte erleben im November eine Art Wunder

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Finanznews

Aktienmärkte: Alle sitzen im selben Boot! Videoausblick

Die Euphorie der Aktienmärkte scheint grenzenlos: Der Dow Jones mit dem besten Monat seit dem Jahr 1987. Aber alles sitzen im selben Boot!

Markus Fugmann

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Die Aktienmärkte auch gestern mit einem weiteren Anstieg – die Euphorie und die Rally scheinen kein Ende zu nehmen. Das Problem aber ist: alle sitzen auf der selben Seite des Bootes (vor allem in den Aktien, die zu den Corona-Verlierern gehört hatten) – und wenn plötzlich ein unerwartetes Hindernis auftaucht, dann bekommt das Boot Schlagseite und kentert. Nach dem morgigen Thanksgiving (Freitag ist halber Feiertag in den USA) werden Fonds und Pensionskassen ihre Aktien-Bestände reduzieren müssen – und das wird dann ein Gegegnwind für die Aktienmärkte. Der Dow Jones mit dem besten Monat seit dem Jahr 1987, der Russell 2000 mit dem besten Monat aller Zeiten – das Chance-Risiko-Verhältnis wird nun immer ungünstiger..

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Indizes

DAX daily: Ausbruch oder Fehlausbruch, das ist hier die Frage!

Stefan Jäger

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Der Dax beißt sich im gestrigen Handel erneut an der 13.300er Marke die Zähne aus, schließt aber direkt darunter bei 13.292 Punkten. Damit hat der deutsche Leitindex ein Plus von 165 Punkten (1,26 %) eingefahren. Angetrieben wurden die Märkte durch die Meldung, dass die ehemalige dovishe Fed-Chefin Janet Yellen neue Finanzministerin werden soll und weil Donald Trump die Amtsübergabe an Joe Biden eingeleitet hat. Zudem fiel das deutsche BIP besser als erwartet aus, auch der ifo-Index hat nicht so stark wie befürchtet nachgelassen. Die Anleger zeigen sich daher immer risikofreudiger. Wie zuvor liegt der Fokus auf den zyklischen Werten, aber auch bei den Technologie-Aktien wurde wieder vermehrt zugegriffen.

Die Indikatoren nähern sich allmählich Extremwerten bzw. haben diese schon erreicht. Zum Beispiel ist der Fear & Greed Index gestern auf einen Wert von 88 angestiegen, also in den Bereich „extreme Gier“. Während Dow Jones ein neues Allzeithoch erreicht hat, stieg gleichzeitig das Sentiment auf das höchste Niveau seit 15 Jahren an. Somit sehen wir derzeit einen unbegrenzten Optimismus, insbesondere an den US-Börsen. Mittlerweile wurden sogar fast alle Shorties aus dem S&P500 vertrieben, die Quote liegt folglich nur noch bei 1,6 %. Dennoch gibt es bisher keine Anzeichen für eine Korrektur, aber was nicht ist, kann ja noch werden.

News und fundamentale Daten

Seit gestern ist es also offiziell, die Deutsche Börse baut den Dax um. Ab September 2021 beinhaltet der Dax nicht mehr 30 Titel, sondern setzt sich aus 40 Titeln zusammen. Zudem wird auch die Anzahl im MDax gekappt, dieser besteht zukünftig aus 50 anstatt wie aktuell aus 60 Mitgliedern. Das ist folglich die größte Reform im deutschen Leitindex seit 30 Jahren. Wer die Aufsteiger sind, steht aber noch nicht fest, erst im September kommenden Jahres soll darüber entschieden werden. Ein weiteres neues Kriterium für die Aufnahme in den Dax ist, dass Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren einen Gewinn (EBITDA) erzielt haben müssen. Eine zusätzliche Änderung wurde aber nicht übernommen, demnach können Firmen mit Beteiligungen am Waffengeschäft weiterhin in den Dax aufsteigen.

Aufgrund des morgigen Feiertags (Thanksgiving) stehen heute zahlreiche Konjunkturdaten aus den USA auf der Agenda. Zuerst erscheinen um 14:30 Uhr zeitgleich eine Vielzahl an Daten. Zum einen die Auftragseingänge für langlebige Güter sowie die endgültigen Zahlen für das Bruttoinlandsprodukt. Für das dritte Quartal werden 33,2 % Wachstum erwartet. Außerdem sehen wir noch die Erstanträge und Folgeanträge auf Arbeitslosenhilfe. Danach veröffentlicht die Uni-Michigan um 16:00 Uhr die Konsumentenerwartung und das Verbrauchervertrauen. Nebenher erscheinen noch die Verkäufe neuer Häuser. Anschließend folgen um 16:30 Uhr die Rohöllagerbestände. Um 20:00 erscheint dann noch das FOMC-Sitzungsprotokoll. Die Masse an Daten könnte für Schwung an den US-Börsen sorgen und somit auch im Dax.

Gespannt kann man heute auch auf den Corona-Gipfel von Bund und Ländern schauen. Auf dem Gipfel soll entschieden werden, wie der Corona-Winterfahrplan für den Dezember aussieht. Es geht um die bekannten Themen wie die Ausweitung der Lockdown Maßnahmen, Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht an öffentlichen Plätzen sowie Auflagen für Schulen und Kindergärten.

Die wichtigen Marken für den Handelstag im Dax

In der Nacht konnte der Dax seine gestrige Rally fortsetzen, dabei hat er ein Nachthoch bei 13.373 erreicht. Anschließend fiel er aber wieder zurück in die Range. Vorausgesetzt die US-Indizes setzen ihren Aufwärtsdrang fort, könnte der Dax den Widerstand nachhaltig überwinden. Eine erste Hürde befindet sich bei 13.340, dort ist der Index nachbörslich gescheitert. Danach folgt das Nachthoch bei 13.373. Überwindet der Dax auch diesen Widerstand, dann ist der Weg frei zum September-Hoch bei 13.460. Das nächste Ziel befindet sich bei 13.600, dieses ergibt sich aus der Höhe der Seitwärtsrange (ca. 300 Punkte).

Bisher sehen wir nur einen Fehlausbruch über der 13.300. Sollte der Dax erneut beim Versuch scheitern aus der Range auszubrechen, dann dürfte es wieder abwärts gehen. An der 13.270 befindet sich eine erste Unterstützung, diese sollte der Dax als Sprungbrett für den Ausbruch nutzen. Ansonsten ergeben sich weitere Ziele auf der Unterseite. Der nächste Unterstützungsbereich befindet sich an der 13.200. Unterschreitet der Dax auch noch das gestrige Tagestief bei 13.192, dann könnte er über die 13.140 wieder zur Unterkante der Range laufen und die 13.050 testen.

Der Börsen Jäger

Haben Sie Interesse an konkreten Trading-Ideen, dann werfen Sie doch einen Blick auf unseren neuen Service „Der Börsen Jäger“. In dem kostenlosen Börsenbrief nehme ich Sie mit auf die Jagd und vermittle interessante Anregungen zu fundierten Handelsmöglichkeiten sowohl für die bekannten Indizes und Aktien, als auch für die Devisen- und Rohstoffmärkte.

Dax daily: Tagesausblick 25.11. - H1-Chart - Ausbruch oder Fehlausbruch?

Heutige Pivot Punkte (PP):

13.451 – Pivot Punkt R2

13.393 – Pivot Punkt R1

13.288 – Pivot Punkt

13.230 – Pivot Punk.t S1

13.125 – Pivot Punk.t S2

Dax Unterstützungen (US):

13.270 – M15-Chart

13.192 – Tagestief 24.11.

13.137 – Schlusskurs 20.11.

13.054 – Tagestief 20.11.

13.004/020 – Doppelboden (Tief 13.11. / 12.11.)

Dax Widerstände (WS):

13.300 – neuralgischer Punkt

13.336 – Nachbörsliches Hoch

13.373 – Nachthoch

13.460 – September-Hoch

13.600 – Ausbruchsziel Seitwärtsrange

Disclaimer

Die hier angewandte fundamentale und technische Analyse stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstige Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

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