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Wendungen in den Wirtschaftsprognosen – wieder wurden die Prognostiker auf dem falschen Fuß erwischt – ein bisschen Wirtschaftspsychologie

„Gewinnwarnungen deutscher Unternehmen erreichen Höchststand“, lautete gestern eine Überschrift im Wirtschaftsteil der „Welt“. Über die Psychologie der Märkte..

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„Gewinnwarnungen deutscher Unternehmen erreichen Höchststand“, lautete gestern eine Überschrift im Wirtschaftsteil der „Welt“. In dem Bericht war von 144 Gewinnrevisionen im Qualitätssegment der deutschen Börse die Rede, 100 allein davon im Zeitraum zwischen Juli und Dezember. Erhoben wurden die Daten von der Prüfungsgesellschaft EY, die den Zeitraum zwischen 2011 und 2018 untersucht hat – es ist ein deutlicher Rekord für diese Periode.

Die stärksten Korrekturen gab es im Dax, die von 4 (2017) auf 18 gesprungen sind. Blickt man auf den Jahresbeginn 2018 zurück, so konnte sich kein Ökonom vorstellen, dass die Konjunktur bereits im Jahresverlauf so stark abkühlt. Das Jahr 2007 lässt grüßen.

Was sagt uns das? Die besten Indikatoren und Informationen liefern nur ein ungefähres Bild, weil der Mensch in seinen Entscheidungen eine Entwicklung rasch umdrehen kann – wie Prof. Robert Shiller einmal formulierte: „Es sind nur 20 % der Kursbewegungen fundamental erklärbar. Der Rest ist Psyche.“

Ein weiterer Nobelpreisträger, Daniel Kahnemann, hatte einst in seinem bekannten Buch festgestellt, dass Analysten und Politikwissenschaftler in einem „zero-validity environment“ operieren, in dem Informationen nur eine sehr begrenzte Aussagekraft besitzen, weil menschliche Entscheidungen eben diese ad absurdum führen können. Auf die USA bezogen: Die ausgefeilteste Prognose verliert rasch ihre Gültigkeit, sollten die Konsumenten in einen Käuferstreik treten.

Beispiel: 2016 sagte die meisten, dass Hillary Clinton die Wahlen gewinnt und wenn Trump gewinnt, kollabieren die Börsen. Gibt es einen besseren Beweis?

Oder die Entscheidung über den Austritts Großbritanniens aus der EU.

Was können wir daraus lernen?

Bei allzu konformen Prognosen ist stets Skepsis angesagt. Keiner hat die Glaskugel und es empfiehlt sich der Spruch des alten John Maynard Keynes:

„When the facts change, I change my mind!“

Warum werden dann noch Prognosen erstellt, obwohl diese nachweislich eine unterirdische Trefferquote haben? Weil der Mensch eben einen Anker, eine Orientierung braucht im Gewirr täglicher und sich widersprechender Informationen. Prognostiker orientieren sich oft am Mainstream, um sich im Falle einer Fehlprognose im Kreise der Kollegen verstecken zu können.

Dennoch bleiben Ausblicke und Prognosen trotz aller Schwächen weiterhin gefragt.

 

Foto: Deutsche Börse AG

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    tm

    19. Februar 2019 11:34 at 11:34

    Sehr guter Artikel und endlich wird dieses schöne Keynes-Zitat mal gebracht.

    „Beispiel: 2016 sagte die meisten, dass Hillary Clinton die Wahlen gewinnt“ Ja, die meisten schon, allerdings haben auch fast alle Prognosen ein sehr kmappes Ergebnis erwartet und Nate Silver etwa hat die Siegchancen von Trump mit immerhin 30% angegeben. So überraschend wie nun getan wird – beim Brexit ähnlich – war das Eregbnis nicht. Hinzu kommt noch, dass die Erwartung, dass Clinton mehr Stimmen holt, durchaus zutreffen war.

    https://www.nytimes.com/interactive/2016/us/elections/polls.html

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    Hesterberg

    19. Februar 2019 13:04 at 13:04

    Sehr guter Beitrag! An solche Phänomene sollte man sich immer wieder einmal erinnern.

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    Faktist

    19. Februar 2019 14:56 at 14:56

    Wann merkt der Markt, dass die Welt von der Globalisierung abwendet (seit Trump)!? Jeder nur noch für sich selbst sein will. Hier aktuelle „noch eine“ Nachricht:
    Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier verlangt, dass Deutschland und Frankreich ihre Kräfte besser bündeln um eine gemeinsame Industriestrategie voranzutreiben. Eine Schlüsseltechnologie sei der gemeinsame Aufbau einer Batteriezellen-Produktion. In den nächsten Wochen soll über die Bildung eines Konsortiums entschieden werden.

    Alles in allem will man nicht mehr abhängig sein und alles selber für sich selbst bauen und nutzen. Klar Trump ist Oberschlaumeier und möchte zusätzlich noch dass die ganze Welt bei Ihm einkauft, er aber von niemand anderem was kauft… lol naja aber im Endeffekt sollte der Markt die Zukunft handeln und die sieht nun mal nach Rückgang aus, wenn jeder nur für sich sein will.

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    Katja Wohmann

    19. Februar 2019 15:13 at 15:13

    Jeder auf dieser Welt geht automatisch davon aus, dass die Geldruckmaschine der Notenbanken immer weiter laufen, auch wenn es heute schon klar ist, dass irgend eine Generation dies sehr sehr teuer bezahlen wird. Aber solange wir diese verantwortungslosen Leute an der Druckerpresse lassen, solange spielen Schulden eben keine Rolle.

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      tm

      19. Februar 2019 15:21 at 15:21

      Wie hoch war denn das Geldmengenwachstum in der Eurozone/Deutschland in den letzten Jahren und wie hoch, sagen wir, in den 1980er Jahren?

      Und wie meinen Sie dieses „sehr sehr teuer bezahlen“, also was msus ich mri darunter konkret vorstellen?

      • Avatar

        Michael

        19. Februar 2019 16:21 at 16:21

        In den letzten 10 Jahren sieht es auf alle Fälle so aus:
        Das Geldmengenwachstum M3 in der Eurozone stieg im 5-Jahreszeitraum 2009 bis 2013 insgesamt um 4,8%, im 5-Jahreszeitraum 2014 bis 2018 um insgesamt 25,8%

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          tm

          19. Februar 2019 16:31 at 16:31

          Ich nehme mal an, Sie haben sich hier nur etwas unglücklich ausgedrückt: Die Geldmenge (und nicht das Geldmengenwachstum) stieg zwischen 2009 und 2013 bei 4,8% und danach um 25,8% – selbst die zweite Zahl entspricht dabei allerdings lediglich 4,7% Wachstum pro Jahr. Im Dezember 2018 waren es 4,0% J/J.

          Zwischen 1970 und 1999 lag das Geldmengenwachstum in Deutschland bei 7,9% p.a., die Bundesbank hat ihre Geldmengenziele regelmäßig verfehlt.

          Oder kurz gesagt: Die Geldmenge ist in den 1970er, 80er und 90er Jahren deutlich schnelelr gewachsen als seit 2008.

          • Avatar

            leftutti

            19. Februar 2019 17:02 at 17:02

            Von Juli 1922 bis Oktober 1923 waren es sogar 1,3 Billionen %

          • Avatar

            tm

            19. Februar 2019 17:08 at 17:08

            Was Sie nicht sagen. T(r)oll.

          • Avatar

            leftutti

            19. Februar 2019 17:22 at 17:22

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            tm

            19. Februar 2019 17:38 at 17:38

            Doch, doch, ich glaube Ihnen.

            Aber wir halten mal fest:
            1. Wir haben heute eine Geldflut bei einem Geldmengenwachstum, was halb so hoch ist wie zu Bundesbankzeiten.
            2. Sie schreiben einen Kommentar völlig unabhängig vom Thema mit der ausschließlichen Absichr der Provokation.

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Markus Koch zur Lage an der Wall Street – und Impfstoff-Optimismus

Markus Fugmann

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Markus Koch weilt bekanntlich derzeit in Deutschland, berichtet aber dennoch über das Wichtigste an der Wall Street. Fast schon peinlich für Deutschland, wie schwer Koch mit dem schlechten Internet hierzulande kämpfen muß – heute ist er am Tegernsee.

Der Wall Street-Reporter spricht heute über Nike, die den Dow Jones nach oben ziehen nach den gestrigen sehr starken Ergebnissen, dazu über den gestrigen Battery Day von Tesla, der doch eher enttäuschte.

Und: Markus Koch glaubt mit Goldman Sachs an den Wunder-Impfstoff, der das Coronavirus-Problem schlagarig beseitigen könne schon gegen Ende des Jahres. Das ist eher Wunder-Glaube – aber der Glaube versetzt bekanntlich Berge. Und führt zu Portfolio-Umschichtungen in jene Branchen, die von der Coronakrise so stark betroffen sind – Stichwort Rotation.

Markus Koch zur Lage an der Wall Street

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Rüdiger Born: Gold und Nasdaq im Fokus

Rüdiger Born

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Gold und Nasdaq schaue ich mir im folgenden Video genauer an. Wie ist die aktuelle Lage, und welche Tradingchancen gibt es? Wollen Sie meine täglichen Analysen im „Trade des Tages“ erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

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Aktienmärkte: Die Wiedergeburt der Zykliker und die Risiken

Die neue Welle des Coronavirus hat Folgen für die Aktienmärkte: zuletzt hatten sich zyklische Aktien erholt – aber diese Erholung steht nun auf dem Spiel

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Das letzte Halbjahr der Aktienmärkte war die Periode für Hightech, für die so genannten FANG-Aktien, wie man sie ursprünglich abkürzte. Die großen Profiteure der Pandemie, die ihr Geschäft durch das Social Distancing inmitten einer Rezession sogar ausweiten konnten. Doch still und heimlich waren auch zyklische Aktien gestiegen, denen die Aktienmärkte beim Wiederanspringen der Wirtschaft Potenzial zuerkannte. Jetzt werden mehr und mehr Zweifel laut darüber, ob die Märkte nicht zu viel eingepreist haben, die Wirtschaftserholung stockt, den Zyklikern droht etwas Ungemach.

Aktienmärkte: Der Nasdaq 100 überstrahlte alle

Anfang September wurde sie gestartet, die erwartete Korrektur des Nasdaq 100, nach fast 78 Prozent plus binnen sechs Monaten und den darin enthaltenen Einzelwerten Apple, Alphabet, Amazon, Facebook und Microsoft. Diese repräsentieren bereits fast die Hälfte der Marktkapitalisierung im Nasdaq 100 – und selbst im riesigen S&P 500 etwa ein Viertel der Bewertung. Trotz eines Rückschlags von 14 Prozent in der Spitze sieht das Ganze noch nicht nach einer richtigen Korrektur aus. Aber gleichzeitig haben sich still und leise die zurückgebliebenen Zykliker zurückgemeldet, deren KGV im S&P 500 mit 20 deutlich niedriger liegt als jenes der Techwerte.

Hierzu ergab die letzte Umfrage der Bank of America unter den großen Fondsmanagern, dass die Profis bei Versicherern, Fondsgesellschaften und Pensionskassen so viele zyklische Werte eingesammelt hätten, wie seit dem Januar 2018 nicht mehr. Und gerade diese Branche korrigierte am Montag beim Abverkauf der Aktienmärkte stärker als die Highflyer im Nasdaq 100.

Die Zykliker im Dax

Gerne wird mit dem Finger auf den deutschen Leitindex gedeutet, der über Jahre hinweg dem großen Bruder in den USA, dem S&P 500, hinterherläuft. Aber war dies auch in den letzten Monaten so? Konnte der Dax im letzten Halbjahr von seinem Tief von 8255 Punkten Ende März nicht auch 60 Prozent zulegen? Verursacher dieser Performance waren nicht nur die spärlich im Index vertretenen Techwerte wie SAP oder Infineon, sondern auch die alten Industriewerte. Allen voran Daimler, die fast 100 Prozent zulegen konnten, wie auch Volkswagen und BMW, die stärker als der DAX gestiegen waren. Oder auch HeidelCement oder der Chemiekonzern Covestro. Alles in die Aktienmärkte eingepreiste Hoffnungen auf eine weitere Erholung der Wirtschaft.

Jetzt wackeln die konjunkturabhängigen Titel

Die aktuelle Entwicklung bringt die zyklischen Werte in neue Bedrängnis. Corona und seine steigenden Zahlen sind Themen nicht nur für die Aktienmärkte, sondern vor allem auch für alle dafür zuständigen Politiker in Europa. In Spanien und Großbritannien glaubt man schon, dass die Sache außer Kontrolle geraten sei. Aber auch Deutschland wird davon stark betroffen, zu erkennen an der Lufthansa, die immer mehr ums Überleben kämpft – oder den Reisekonzern TUI, der sein Programm weiter zusammenstreicht. Und wieder einmal die Bankenwerte. Diese haben korrigiert und kommen auch nicht wieder hoch – altes Thema: ohne Zinsen keine Erträge. Ohne Bankentitel aber gibt es keine vollständige Erholung der Indizes.

Die neueste Konjunkturprognose des Münchner Ifo-Instituts brachte positive aber auch negative Botschaften.

Für dieses Jahr schätzt das Institut für das deutsche Bruttoinlandsprodukt ein Minus von 5,2 Prozent und damit deutlich niedriger als bei der letzten Schätzung von minus 6,7 Prozent. Sollte dies so eintreten, käme es im Coronajahr 2020 nicht zur schärfsten Rezession seit Kriegsende, denn in der Finanzkrise 2009 hatte das Minus 5,7 Prozent betragen.

Aber das Ifo-Institut prognostiziert für 2021 ein geringeres Wachstum aus dem Tal heraus, von 5,1 Prozent (OECD 5 Prozent). Sehr zum Leidwesen der Zykliker und des Dax. Ist das der Grund dafür, warum der deutsche Leitindex seit dem 8. Juni über drei Monate in einer Seitwärtsphase beharrt und jeder Ausbruch nach oben verhindert wurde? Daher muss ich noch mal auf den Ifo-Index am Donnerstag zurückkommen, der um 10:00 Uhr bekanntgegeben wird. Dessen neuester Stand wird einen kleinen Einblick geben auf die Aussichten für die (alte) deutsche Industrie, inklusive der zyklischen Werte.

Fazit

Der erste Teil der V-förmigen Erholung der Wirtschaft ist geschafft, jetzt kommt der asymmetrische Teil, sprich die in die Länge gezogene Erholung, gespickt mit einigen Rückschlägen. Corona in der kalten Jahreszeit und die US-Wahlen sind Unsicherheitsfaktoren, trotz der Versprechen der Notenbanken alles zur Unterstützung der Wirtschaft (und der Aktienmärkte) zu tun. Dies und das Modeakronym TINA ziehen ein Sicherheitsnetz unter die Aktienmärkte, können aber nicht verhindern, dass es zu weiteren Bereinigungsphasen kommen wird. Wenn die Einschränkungen durch Covid-19 weiter einen dunklen Schatten auf Wirtschaftssektoren wie Luftfahrt, Freizeit und Tourismus, Gastronomie und Hotellerie werfen – dafür ist ihr Gewicht an der Wertschöpfung eines Landes einfach zu hoch. Gleichzeitig dämpft dies das Wachstum der Zykliker, um zum Eingangsthema zurückzukehren..

Die neue Welle des Coronavirus und die Folgen für die Aktienmärkte

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