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Wenn der Handelsdeal USA-China kommt, ist das dann auch uneingeschränkt gut für die EU und Deutschland? Trumps Obsession um das Handelsdefizit

Warum sollte Donald Trump mit seinen Zollforderungen Europa verschonen?

Hatte er denn nicht erst mit Mexiko und Kanada Erfolg gehabt und wie es aussieht, wird auch China im Sinne der USA etwas einlenken. Deshalb ist zu erwarten, dass er spätestens Anfang Mai in Richtung Europa aggressiver wird und ganz speziell gegenüber Deutschland mit seinen verhassten Automobilen.

 

Europa derzeit in ungünstiger Lage

Klar müsste nach zehn Jahren Aufschwung eine Schrumpfung der Wirtschaft erfolgen, um unvermeidbare Fehlentwicklungen zu korrigieren. Das will man aber derzeit partout nicht zulassen und die Staaten bekommen massiv Unterstützung durch ihre Notenbanken.

Aus den unterschiedlichsten Gründen. China darf keine starke Schwächung der Wirtschaft zulassen, um keine Arbeitslosigkeit bei den Millionen Wanderarbeitern im Lande zu riskieren, mit entsprechenden sozialen Folgen. Europas Notenbank hat sich den Zusammenhalt der Eurozone zum Ziel gesetzt und unternimmt alles, um ein Ausscheren Italiens zu verhindern. In den USA braucht Donald Trump eine starke Wirtschaft und einen starken Aktienmarkt, um wiedergewählt zu werden. Und um das Wohlwollen seiner Stammwählerschaft zu behalten, denen er im Wahlkampf einiges versprochen hat – und daraus entstand u.a. auch der größte Unsicherheitsfaktor für die Weltwirtschaft, der Handelskrieg mit China.

Unter diesem leidet der globale Handel und damit auch besonders die Exportnation Deutschland. Trotzdem ist es fraglich, ob man sich in Europa eine mögliche Einigung zwischen Washington und Peking herbeisehnen oder fürchten soll. Auf der einen Seite wäre mit einem Deal die Gefahr eines Handelskriegs vorerst gebannt und die globale Wirtschaft würde insgesamt profitieren. Auf der anderen Seite wäre klar, dass nach einer Einigung mit China wieder die Europäische Union in den Fokus des US-Präsidenten rücken würde. Er hatte schon mehrfach über die unfaire Euro-Zone lamentiert und angekündigt, dass sich das bald ändern werde.

Trump sind besonders deutsche Automobile in den USA ein Dorn im Auge, ein Anliegen mit obsessiver Ausprägung.

Zölle auf deutsche Autoexporte in die USA beträfen nur einen kleinen Teil unseres BIP, aber viel verheerender wäre die psychologische Wirkung.

Europa hat derzeit seinen Ärger mit den ständigen Fristverlängerungen des Brexit, mit den Aktionen der populistischen Regierung in Italien gegen die EU-Defizit-Abmachungen und mit der Unsicherheit der kommenden Europawahl.

Keine guten Voraussetzungen für eine Auseinandersetzung mit einem „dealsüchtigen“ US-Präsidenten.

 

Aktuelle Gefahren für den Aufschwung

Die steigenden Aktienkurse zeigen vor allem eines. Man glaubt an eine Fortsetzung des Wirtschaftsaufschwungs im Herbst und in das Jahr 2020 hinein, aufgrund „dovisher“ Notenbanken und der Alternativlosigkeit der Aktienanlage. Eben, weil man an ein Einlenken der USA in Sachen Handelsstreitigkeiten glaubt, immer dann, wenn der US-Aktienmarkt anfängt richtig zu korrigieren. Eine Eskalation vertrüge die Weltwirtschaft nicht, deshalb auch die ständigen Warnungen von Madame Christine Lagarde.

Das ist zugleich die Hoffnung der Europäer, dass der US-Präsident mehr und mehr Rücksicht auf sein großes Ziel legt.

Aber wenn noch nicht?

 

President Donald J. Trump and President Xi Jinping at G20, July 8, 2017



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1 Kommentar

  1. Es würde mir nicht einleuchten, warum Trump zugunsten eines Deals mit China einlenken und sich stattdessen anschließend mit seinem Bündnispartner Europa anlegen sollte. China gefährdet die Vormachtstellung der USA, nicht Europa. Die Chinesen würden sich ins Fäustchen lachen.

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