Folgen Sie uns

Allgemein

Wenn der Staat „Business“ macht – zwei desaströse schwarze Löcher in Berlin und Rom

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Business

Der Staat kann Business einfach nicht, das ist eine altbekannte Weisheit. Das Gute bei staatlichen Projekten ist: Hat man erst mal eine richtig große Geldsumme in ein Projekt gesteckt, kann man der Öffentlichkeit relativ gut verklickern, dass man immer weiter, weiter, weiter, und weiter frische Steuergelder nach-verfeuern muss – denn sonst wären ja die ursprünglichen Hilfsgelder alle weg. Also, man rettet das tote Projekt mit immer neuem Steuergeld – ähnlich wie in der Griechenland-Krise, wo de facto auch jeder Beobachter weiß, dass Athen die 86 Milliarden Euro Schulden „nicht so schnell“ an seine EU-Partner zurückzahlen wird. Auch hier wird man diese Schulden (wenn überhaupt) nur zurückzahlen können, in dem man frische Schulden am Kapitalmarkt aufnimmt. Linke Tasche Rechte Tasche. Der Staat kann es einfach nicht – Betätigungsfelder wie Wasserwerke oder Krankenhäuser, wo es um die Kernelemente der menschlichen Grundversorgung geht, sollten nicht aus einem rein finanziellen Blickwinkel betrachtet werden – aber abgesehen von solchen Bereichen sollte der Staat nicht die Gelder der Bürger verpulfern, nur um die vermeintliche Staatsraison (wir haben eine eigene große Airline etc) hochhalten zu können.

Italien

Es kam exakt so wie es kommen musste. Die Alitalia, Italiens Pendant zu Lufthansa oder Air France, gehört quasi zu Italiens Staatsraison. Der Laden muss am Laufen gehalten werden. Und eine Brutal-Sanierung kommt aufgrund der starken Gewerkschaften auch nicht in Frage. De facto ist keine Konkurrenz-Airline so blöd diesen Dauer-Patienten ohne Sanierungsmöglichkeit zu übernehmen. Daher muss der italienische Steuerzahler die Verlustlücke schon seit geraumer Zeit schließen. Ein desaströses Beispiel von Staatswirtschaft. Laut aktuellen Berichten aus Italien pumpt die Regierung in Rom einen erneuten Überbrückungskredit in Höhe von 400 Millionen Euro in die Alitalia. Eine bisherige Lösung aus teils privaten und staatlichen Investoren (Delta aus den USA wäre fast mit an Bord gewesen) für die Alitalia funktionierte bislang nicht.

Die Lufthansa will sanieren (Jobs abbauen), aber das ist ja nicht erwünscht. Also muss weiter Steuergeld gepumpt werden. Bisher waren es schon 900 Millionen Euro seit der Insolvenz vor 2 1/2 Jahren. Die Bude macht strukturell jährlich dreistellige Millionenverluste, und diese nun frische Finanzhilfe soll Alitalia den Flugbetrieb bis Mai 2020 garantieren. Damit bis dahin hoffentlich ein Käufer gefunden ist. Aber diesen Spruch hört man nun seit 2 1/2 Jahren. Nur ein ganz klein wenig kurze staatliche Hilfe – man will die Steuerzahler ja nicht überstrapazieren? Und jetzt? Man sieht, es geht immer so weiter.

Deutschland

Für unsere Bundeshauptstadt lautet die Staatsraison „Wir wollen endlich einen tollen modernen Hauptstadtflughafen haben, egal was es kostet. Denn schließlich sind wir ja Hauptstadt“. Und wer es bezahlt, ist gerade den Berlinern grundsätzlich eh nicht so wichtig? Wann sollte der Flughafen an den Start gehen? Man weiß es schon gar nicht mehr. Gefühlt haben die Römer vor 2000 Jahren schneller Aquädukte aus den Bergen nach Rom gebaut, ohne moderne Hilfsmittel. Laut jüngsten Berechnungen wird der BER insgesamt 7,1 Milliarden Euro kosten. Die Stadt Berlin zahlt davon lediglich Kosten in Höhe von 1,08 Milliarden Euro. Raten Sie mal, wer den Großteil der Kosten zahlen darf… zusätzliche 2,3 Milliarden Euro soll ein weiterer Ausbau des BER auf eine Kapazität von 48 Millionen Passagieren bis zum Jahr 2030 kosten. Halleluja. Vorher besser nochmal eine Messe lesen lassen, möchten wir da empfehlen!

Im Jahr 2004 wurden die Gesamtkosten (!) für den BER mit nur 1,98 Milliarden Euro beziffert. Und wie oft wurde nachgelegt, wie viele „Unternehmensberater“ haben sich die Taschen seitdem vollgemacht usw. Es geht immer so weiter. Ach ja… jetzt, ganz aktuell, hat der Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup bestätigt, dass es für die jetzige Fertigstellung (angeblich bis Oktober 2020) noch mal zu Mehrkosten komme. Angeblich sollen es nochmal 300 Millionen Euro sein. Zum Beispiel benötige man nochmal 200 zusätzliche Mitarbeiter um den BER sicher betreiben zu können. Wie bitte? Das fällt ihm erst jetzt ein? Hatte man in den bisherigen Planungen vielleicht die Fluglotsen, Vorfeldmitarbeiter oder die Security in den Terminals vergessen, vielleicht auch die Feuerwehr? Es wirkt wie in riesiger Selbstbedienungsladen auf Kosten der Bundes-Steuerzahler. Wird sich (wie in anderen Ländern) jemals ein Staatsanwalt den ganzen Vorgang anschauen, um nach Fällen von Untreue, Korruption etc zu suchen? Nein, doch nicht in Deutschland. Hier geht alles mit rechten Dingen zu.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    sabine

    3. Dezember 2019 13:03 at 13:03

    Schon unter den Germanen und später Karl dem Großen waren die Deutschen obrigkeitshörig. Das hat sich auch heute nicht geändert. Darum wird es, qualitätsmedial sowieso, bei uns durchgewunken. Höchstens macht die Bild mal eine Schlagzeile, alle regen sich auf und gut ist. Zurück zur Arbeit.
    Wie diese 320 Millionen Überweisung nach der Insolvenz der Lehman Bank – Swap-Zahlung Montag vormittag.
    @FAZ: Die vereinbarte Gegenzahlung von 500 Millionen Dollar bleibt aus, denn Lehman hat in der Nacht zuvor Insolvenz angemeldet. In der KfW hat dies niemand bemerkt – und das, obwohl die amerikanische Investmentbank seit Wochen um ihre Existenz kämpft und die Medien in dieser Nacht Alarmmeldungen senden. Grundregeln scheinen unbekannt: Jeder Devisenhändler lernt schon zu Beginn seiner Ausbildung, dass der Tausch von Währungen insbesondere über Zeitzonen hochsensibel ist, weil erst die eine Seite überweist und dann die andere. … Um 07.47 Uhr deutscher Zeit stellt Lehman Brothers Insolvenzantrag. … Nach einigem hin und her zwischen KFW und der deutschen Bundesbank wird um 8.55 Uhr überwiesen…
    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/320-millionen-fuer-lehman-die-beruehmteste-ueberweisung-11040466-p3.html
    Das ist Staat!

    • Avatar

      Claudia

      3. Dezember 2019 13:11 at 13:11

      @sabine, schon wieder eine Quellenangabe auf die verpönten linksgrünen und politisch gesteuerten Qualitätsmedien? Wie können Sie diesen Mist nur lesen? ;)

      • Avatar

        Andreas

        3. Dezember 2019 14:55 at 14:55

        Claudia, bist du ein heimlicher Fan von Sabina? Scheint mir fast so, wilderst ja wie eine verrückte hinter jedem Kommentar von Sabine rum.

        • Avatar

          Claudia

          3. Dezember 2019 16:35 at 16:35

          @Andreas, ich versuche nur verzweifelt, ein einziges Mal eine Antwort zu erhalten, warum sie nun GEZ-Fernsehen guckt, obwohl sie sich als radikale Verweigerin darstellt. Und warum sie dauernd gegen die „manipulierten“ Mainstreammedien aka Qualitätsmedien wettert, diese aber anscheinend gerne und regelmäßig liest und auch zitiert, wenns ins Weltbild passt. Ich will sie nur verstehen. Und es ist höchstens jeder dritte Kommentar.

  2. Avatar

    Kritisch on fire

    3. Dezember 2019 15:09 at 15:09

    Im Grunde genommen sind doch Staats-u staatsnahe Betriebe und staatliche Projekte vorwiegend deshalb in staatlicher oder halbstaatlicher Hand um Posten für seine eigenen Partei-od. sonstige Freunde(rl) sicherzustellen – idealerweise geht das auch in Absprache mit dem politischen Koalitionspartner und nennt sich Proporz. Nachdem durch die adverse Selektion in der Politik (siehe Ausführungen von Dr. Krall) immer mehr und mehr wenig geistige Größen in der Politik ankommen werden die Staatsbeteiligungen an Unternehmen eher zu als abnehmen, was man durchaus als gwisse Sovietisierung bezeichnen darf. Brüssel ist ohnehin schon überflutet von den ganz großen „Blitzgneisern“. Also, wohin mit der ständig wachsenden Heerschar an Unfähigen? Ganz genau – ab in die staatsnahen Betrieb und Projekte. So sollte man sich nicht über BER und unzähliger anderer solcher Steuergeldvernichtungsprojekte wundern sondern handeln – an der Wahlurne! Was jedoch, siehe FPÖ in Österreich, auch ein Schuss ins Knie sein könnte. Kaum an den Hebeln der Macht sind diese Emporkömmlinge noch unverschämter als die sorg. Altparteien. Für meine Kinder und Enkelkinder sehe ich daher wohl oder übel nur einen Neustart nach einer grandiosen Bruchlandung des jetzigen Systems.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

BioNTech, Pfizer und Moderna, erfüllen sich die Impfstoff-Erwartungen?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Erfüllen sich die hohen Erwartungen an die Impfstoffe von BioNTech und Pfizer sowie Moderna? Die Börsen sind im Jahresendspurt: Immer wieder werden derzeit die aktuellen Wirtschaftsdaten als Indikatoren herangezogen, verbunden mit dem großen Optimismus vieler Investoren, die nach Korrektur schreien. Aber dies ist neben dem monetären Faktor nicht der entscheidende Treiber für Börsenkurse. Es zählt die mittelfristige Aussicht, auch wenn man in einer Rezession oder in einem Lockdown etwas anderes verspürt. Was die Märkte antizipieren, sind die Fortschritte in der Impfstoffentwicklung und deren Anwendung. Dies kann man auch aus einem Interview schlussfolgern, welches eine Reporterin der Welt am Sonntag aktuell mit dem Chef von Moderna, Stéphane Bancel, geführt hat.

BioNTech & Co: Die große Wende bis zum Sommer 2021

Bei aller Skepsis über die Geschwindigkeit und Validität der Entwicklung eines Impfstoffes ist es nicht zu übersehen: Die Nachrichten über den Fortgang des Kampfes gegen Covid-19 überschlagen sich, Unternehmen für Unternehmen berichtet von den Ergebnissen aus der klinischen Studie-3 und der baldigen Beantragung für eine Zulassung des eigenen Vakzins. Es ist daher sicher interessant, was der langjährige Chef eines der Unternehmen an vorderster Front dazu zu sagen hat, auch unter Berücksichtigung der subjektiven Darstellung des eigenen Unternehmens. Hier die Kernaussagen des CEOs von Moderna:

Der Chef von Moderna fühlt sich von der Erstmeldung von BioNTech und Pfizer nicht überfahren. Man bräuchte mindestens vier oder fünf Unternehmen, um die Welt mit 7,6 Milliarden Menschen impfen zu können.

Bemerkung: Fraglich, ob es zur Impfung von so vielen Menschen durch westliche Impfstofffirmen kommt. China impft sich selbst (1 Mio. Chinesen wurden schon geimpft), ebenso Russland. In Indien sind 750 Millionen Menschen unter 25 Jahre alt, ein ähnliches Verhältnis dürfte auch für den Milliardenkontinent Afrika gelten. Und wie viele Menschen werden sich einer Impfung verweigern?

Zur Frage, warum BioNTech/Pfizer schneller waren: Pfizer sei100-mal größer als Moderna, man habe vorher noch nie eine Studie mit 30.000 Menschen durchgeführt. Zudem wurde das Vakzin gemeinsam mit der US-Gesundheitsbehörde NIH entwickelt und mit staatlichen Stellen dauere es etwas länger, sich untereinander abzustimmen.

Der US-Staat hat Moderna mit einer Milliarde Dollar unterstützt, aber man brauche das Geld, um im kommenden Jahr eine Milliarde Impfstoffdosen herzustellen. Für die Beschaffung von Grundmaterialien.
Zum Impfstoffpreis: Man werde zwischen 25 und 37 Dollar aufrufen, je nachdem, wie viel die Regierungen bei Moderna bestellen. Damit liege man im Bereich wie bei einer Grippeimpfung, die zwischen 10 und 50 Dollar kostet. Das sei ein fairer Preis, wenn man bedenkt, wie hoch die Kosten für das Gesundheitssystem sind, wenn ein Mensch schwer an Covid-19 erkrankt. Die teuerste Impfung der Welt sei derzeit Pfizers Impfstoff Prevnar gegen Pneumokokken mit 300 Dollar je Dosis.
Zur Dauer der Impfung: Das hänge davon ab, wie viele Impfstoffe das Rennen machen. Wenn es beim Impfstoff von BioNTech und Moderna bliebe, würde es bis zum nächsten Sommer dauern, bis allein die Menschen in Europa und den USA geimpft sind. Für den Rest der Welt würde es vermutlich bis Ende 2022 dauern.
Bemerkung: Reichlich optimistisch, so viele Menschen (mehr als eine halbe Milliarde, auch wenn sich viele verweigern) innerhalb von sechs Monaten zu impfen.

Zur Hektik bei der Notzulassung: Bancel betrachtet jede Morgen die Zahlen der John-Hopkins-Universität. Es gebe täglich weltweit 11.000 Coronaopfer und dies dürfte sich im nächsten Monat noch steigern. Die Impfung habe bereits bewiesen, dass sie wirke und sicher sei. mRNA werde innerhalb von 48 Stunden nach der Impfung im Körper abgebaut, das Lipid als Trägerstoff ebenfalls. Danach sei man geschützt vor Covid und den teilweise schlimmen Langzeitfolgen. Deshalb sei seine Entscheidung klar.

Beim Vergleich mit Biontech-Chef Ugur Sahin: Bancel bezeichnet sich selbst als nicht besonders guten Verkäufer. Was er aber könne sei komplizierte Wissenschaft einfach zu erklären. Zum Beispiel warum mRNA die größte medizinische Revolution seit der Erfindung von kleinen Molekülen wie Aspirin sei.
Zum Stand der Genforschung: Man lebe im Zeitalter der Sequenzierung. Es würde nur fünf Dollar und ein paar Stunden Zeit kosten, bis man das Genom eines Virus entschlüsselt habe, dank mRNA habe man jetzt die Möglichkeit, sehr schnell wirksame Medikamente zu machen. Dies katapultiere die analoge Medizin in das Zeitalter der Digitalisierung. Dieser Erfolg sei aber nicht über Nacht gekommen, wie viele Leute denken. BioNTech und Moderna arbeiten daran seit zehn Jahren.
Bei der ultimativen Frage nach dem eigenen Impfzeitpunkt sagt Bancel: Er könne es gar nicht abwarten, hätte das gern schon vor Monaten getan, denn er wolle sein altes Leben zurück.

Fazit

Egal, wie man die Aussagen eines Unternehmensvorstands zum eigenen Produkt bewertet. Es ist schon erstaunlich, wie konkret die Informationen zu dem Jahrhundertprojekt Impfstoffentwicklung gegen Covid-19 bereits gediehen sind. Sollte es tatsächlich keine gravierenden Nebenwirkungen des Impfstoffes geben, so könnte man tatsächlich von einer Normalisierung der Verhältnisse im Hinblick auf die Pandemie bereits im Jahre 2021 rechnen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre es ein neuer Meilenstein in der Entwicklung des medizinischen Fortschritts der Menschheit. Noch ist Vieles im Konjunktiv.

Erfüllen die Impfstoffe von BioNTech oder Moderna die hohen Erwartungen?

weiterlesen

Allgemein

Warum für Deutschland im Winter eine technische Rezession ansteht

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Leere Restaurants im zweiten Lockdown befeuern die Rezession

Die Industrie liefert wieder, und China als Abnehmer deutscher Waren hilft kräftig mit bei der Erholung der Konjunktur. Aber es ist klar. Die Dienstleistungen vermasseln derzeit der deutschen Wirtschaft die tiefgreifende Erholung. Die Rezession steht bevor oder startet wohl gerade wieder, und das Bruttoinlandsprodukt könnte schrumpfen. Und das nicht nur, weil die Dienstleistungen wie Gastronomie wegen dem aktuellen „kleinen“ Corona-Lockdown zu großen Teilen gar nicht stattfinden. Nein, da ist noch ein Faktor, der auf den ersten Blick übersehen werden kann.

Bevorstehende Rezession befeuert durch höhere Mehrwertsteuer

Eine aktuell womöglich schon gestartete technische Rezession für diesen Winter dürfte ab Anfang Januar verschärft werden. Denn ab 1. Januar wird die seit Juli 2020 geltende Mehrwertsteuersenkung wieder rückgängig gemacht. Dann dürften die Verbraucherpreise wieder steigen. Wer schon lange Zeit vor hatte einen neuen Fernseher, Küche, Auto oder sonstige hochpreisige Einrichtungsgegenstände anzuschaffen, hat dies wohl schon in den letzten Monaten getan, und dabei nette Mehrwertsteuerbeträge gespart. Umso kräftige dürfte der Konsumrückgang ab Januar ausfallen. Oder darf man mutmaßen, dass die Politik in Berlin dem noch schnell entgegenwirkt, und die Mehrwertsteuer bis zum Sommer 2021 auf reduziertem Niveau belässt? Die Kurzarbeiter-Regelung hat man ja schließlich auch gerade erst bis Ende 2021 verlängert.

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, bringt es in einer aktuellen Kurzanalyse auf den Punkt. Warum er sich gerade jetzt äußert? Heute um 10 Uhr wurde mit dem ifo-Index das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer veröffentlicht (hier die Details). Er fiel von 92,5 auf 90,7 Punkte. Die Zahlen waren zwar leicht besser als gedacht, aber eben doch schlechter als im Vormonat. Wie der Chart (geht bis 2016 zurück) zeigt, geht es aktuell wieder leicht bergab mit dem Geschäftsklima in Deutschland.


source: tradingeconomics.com

Experte spricht von bevorstehender technischen Rezession

Deutschland droht eine technische Rezession, das Winterhalbjahr wird hart. Das kann durch die robuste Entwicklung in der Industrie kaum verhindert werden. Erst die wärmeren Temperaturen im Frühling und die Impfungen werden die Wirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen lassen, so Jörg Krämer. Ein Monat Lockdown koste fast ein Prozent Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt. Krämer erwartet eine technische Rezession im Winterhalbjahr, auch wenn sich das verarbeitende Gewerbe super halte. Im folgenden Chart der Commerzbank sehen wir, wie die Industrie in gelb weiter ansteigt, während die Dienstleistungen wieder abschmieren.

Chart zeigt Tendenz der Rezession dank schwachen Dienstleistungen

Laut Jörg Krämer ist ein Abwärtstrend bei den Corona-Neuinfektionen noch nicht erkennbar. Die Bundesländer dürften den Lockdown nach seiner Meinung bis mindestens Weihnachten verlängern und die Kontaktbeschränkungen verschärfen. Sehe man von möglichen Lockerungen rund um Weihnachten ab, dürfte der Lockdown mindestens bis Ende Dezember gelten. Weil die kalte Jahreszeit die Infektionen begünstigt, erwarte man, dass Restaurants, Kneipen, Hotels, Fitness-Center etc auch während des ersten Quartals überwiegend geschlossen bleiben.

Basierend auf dem Anteil der betroffenen Branchen an der gesamten Wertschöpfung drücke ein Monat Lockdown das quartalsweise Bruttoinlandsprodukt wie gesagt um fast 1 Prozent. Entsprechend dürfte laut Jörg Krämer das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 2 Prozent schwächer ausfallen als ohne Lockdown – es werde vermutlich schrumpfen. Das dürfte die robuste Entwicklung in der Industrie nicht verhindern. Auch im ersten Quartal, das ohnehin durch die Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar belastet wird, sei kaum mit einem Plus zu rechnen. Deutschland drohe eine technische Rezession. Die Wirtschaft gehe durch ein hartes Winterhalbjahr, bevor die wärmeren Temperaturen und die Impfungen die Wirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen lassen.

weiterlesen

Allgemein

Keine Kreditgebühr, keine Zinsmarge – so kräftig erhöhen die Banken ihre Kontogebühren

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Türme von Banken in Frankfurt

Zu den normalen Kontogebühren kommen wir gleich noch. Aber womit verdienen Banken sonst noch ihr Geld? Im Jahr 2014 wurden Bearbeitungsgebühren für Kredite an Privatkunden für unzulässig erklärt (siehe hier die Details). Aber das war ja noch nicht mal das Schlimmste aus Sicht der Banken. Die EZB betreibt seit der Finanzkrise 2008 eine Art Dauer-Rettungsprogramm für die Konjunktur in der Eurozone. Neben Anleihekäufen in Billionenhöhe wurden die Zinsen immer weiter gesenkt, und letztlich wurden sie de facto abgeschafft – ob sie jemals wieder nennenswert steigen können, ist eine Frage für Philosophen. Klicken Sie dazu bitte hier für unseren gestrigen Artikel zu den aktuellsten Aussagen der EZB.

Jenseits des Atlantiks machen vor allem die Großbanken nicht mit Kontogebühren viel Geld, sonderm mit dem Kapitalmarktgeschäft, weil Unternehmen dort oft börsennotiert sind, Anleihen ausgeben statt Kredite aufnehmen, Kapitalerhöhungen durchführen uvm. Die Einnahmemöglichkeiten für die dortigen Banken sind also vielfältiger als in Europa. Denn hier bleibt in der Regel nur die Möglichkeit, Erträge aus dem klassischen Zwei Säulen-Modell zu generieren. Nämlich entweder Zinserträge erwirtschaften aus Krediten, oder Kontogebühren zu generieren. Als da wären zum Beispiel Kontoführungsgebühren, Gebühren für die Geldautomatennutzung, Kartengebühren, Schließfachgebühren uvm.

Kontogebühren bei Banken müssen zwangsläufig immer weiter steigen

Tja, und wenn die EZB den Banken die mit Abstand wichtigere Einnahmequelle (die Zinsen) immer mehr abwürgt, müssen die Banken zwangsläufig die andere Säule immer weiter hochschrauben. Es geht gar nicht anders. Wir alle erleben es die letzten Jahre. Auf immer abstrusere Weise führen Banken neue Kontogebühren ein. Sie werden getarnt als jährliche Kartennutzungsgebühr, oder Gebühr für die Nutzung von Automaten, oder sogar die Gebühr für Überweisungen im Onlinebanking. Wie stark die Kontogebühren ansteigen, hat heute das Statistische Bundesamt höchst offiziell präsentiert.

Die Statistiker erwähnen als Vergleichsmaßstab die Verbraucherpreise, die im Oktober im Jahresvergleich sogar deflationär waren mit -0,2 Prozent. Die Kontogebühren der Banken (für das private Girokonto) stiegen aber von Oktober 2019 bis Oktober 2020 um satte 6,4 Prozent. Bereits im Jahr 2019 stiegen die Kontogebühren der Banken deutlich mit +4,7 Prozent im Vergleicht zu 2018, während die Verbraucherpreise um 1,4 Prozent stiegen. Von 2015 bis 2019 stiegen die Kontogebühren um satte 25 Prozent. Die Statistiker weisen aber auch darauf hin, dass sie von 2010 bis 2014 vor allem aufgrund weggefallener Bearbeitungsgebühren für Privatkredite um 27,9 Prozent gefallen waren. Aber seit 2015 kennen die Kontogebühren nur noch den Weg nach oben.

Langfristig sogar sinkende Gebühren? Für den normalen Kontonutzer eine täuschende Statistik

Die Statistiker sprechen es auch klar an. Eine Ursache für diese massiven Preissteigerungen bei Kontogebühren seien vermutlich fehlende Einnahmen der Banken aus Einlagen, Geldanlageprodukten und Darlehen. Konnte man das Privatkundengeschäft in der Vergangenheit mit diesen Einkünften quersubventionieren, so müssen die Kosten für Filialnetz, Infrastruktur und Personal nun auch über Kontoführungsgebühren finanziert werden, so die Statistiker. Und ja, der Weg ist klar. Die alltäglichen Kontogebühren (oder wie immer sie optisch dargestellt werden) dürften weiter ansteigen.

Interessant ist der folgende Chart. Er zeigt seit dem Jahr 2010 die Entwicklung der Verbraucherpreise in blau, und die Entwicklung der Kontogebühren bei Banken in rot. Durch das Zusammenspiel der beiden Effekte (erst abgeschaffte Kreditgebühren und später steigende Kontogebühren) relativiere sich der Preisanstieg für Bank- oder Sparkassengebühren über einen längeren Zeitraum, so die Statistiker. Gegenüber 2010 sind die Preise im Jahr 2019 um 8,2 % gefallen, so ihre Aussage. Wir meinen: Auf lange Sicht hat hier nur der Kunde profitiert, der die letzten Jahre auch einen Kredit abgeschlossen und die Kreditbearbeitungsgebühr gespart hat. Der normale Girokontoinhaber ohne Kredit, der zahlt die Zeche!

Chart zeigt Entwicklung der Kontogebühren von Banken seit dem Jahr 2010

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage