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Wenn die Sparer nicht das machen, was die EZB will

Wir haben schon mehrmals geschrieben über die theoretischen Wunschträume der Ökonomen und Notenbanker bei der EZB, denen die harte Realität gegenübersteht. Die EZB will mit ihren…

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FMW-Redaktion

Wir haben schon mehrmals geschrieben über die theoretischen Wunschträume der Ökonomen und Notenbanker bei der EZB, denen die harte Realität gegenübersteht. Die EZB will mit ihren Maßnahmen die Inflation anheizen. Und trotz all ihrer Beteuerungen passiert nichts. Die Kreditvergabe an Unternehmen steigt nicht. Die Inflation klebt fest wie Kaugummi. Erst gestern wurden die Erzeugerpreise für Deutschland mit einem Minus von 1,6% auf Jahresbasis gemeldet – sogar die Preise ohne Energie waren rückläufig.

Die Industrie soll basierend auf Geldschwemme und Negativzinsen mit viel billigem Geld mehr wirtschaftliche Aktivität, und somit steigende Preise verursachen. Und der (blöde? nervige?) Konsument in der Eurozone, der ja auch gleichzeitig Sparer ist? Der soll bei stetig sinkenden und inzwischen nicht mehr vorhandenen Zinsen verdammt noch mal aufhören zu sparen, und endlich mehr Fernseher, Autos, Bier und Kinotickets kaufen. Aber der blöde Sparer denkt gar nicht daran.

Folgt man der Logik von Ökonomen, die Tag ein Tag aus vor Aktenbergen und Zahlenstudien verbringen, müsste bei sinkenden Zinsen die Bereitschaft der Einkommensbezieher eigentlich sinken Geld bei Seite zu legen. Irgendwie ist das ja auch logisch: Weniger Zinsen, gar keine Zinsen, warum also noch sparen? Demnach müsste die sogenannte Sparquote, also der Teil des Lohns, der gespart wird, in den letzten Jahren parallel zu den fallenden Zinsen auch gefallen sein. Pustekuchen. Wir haben uns das mal näher angeschaut. Hier zunähst der Verlauf des EZB-Leitzins seit der Finanzkrise 2008.

ezb-leitzins

Und hier die Sparquote der Eurozone (obere Linie). Exakt vor dem Ausbruch der Finanzkrise lag sei bei 13%. Aus Angst über die Unsicherheit durch die Finanzkrise stieg sie dann sprunghaft an auf 15%, was volkswirtschaftlich gesehen ein Riesensprung ist. Aber wie man in den Folgejahren bis heute sieht: Seitdem dümpelt die Sparquote de facto waagerecht immer an der 13%-Marke herum, zuletzt bei 12,8%.

sparquote-eurozone
Grafik: Eurostat

In Deutschland lag die Sparquote Ende 2015 bei 9,7%, 2014 bei 9,4 und 2013 bei 9%. Also: Trotz ständig sinkender und jetzt nicht mehr vorhandener Zinsen sparen die Deutschen nachweislich mehr, wenn man den Daten vom Statistischen Bundesamt glauben will. Die tatsächliche Denkweise der „normalen Menschen“ lautet nämlich: Keine Zinsen – also muss ich jetzt noch mehr Geld zurücklegen, um die Zinslücke mit höheren Sparanteilen aus dem laufenden Gehalt auszugleichen, damit ich im Alter das gewünschte Ansparziel erreiche.

sparquote
Grafik: Statistisches Bundesamt

Der Ökonom, Notenbanker oder Volkswirtschaftler verharrt aber weiterhin in seinen makroökonomischen Denkmustern. Senken wir die Zinsen, werden Geldanlagen weniger attraktiv, und damit muss ja automatisch der Konsum steigen. Und was auf den ersten Blick ein Widerspruch ist: Neben der Sparquote steigt auch das tatsächlich konsumierte Volumen im Einzelhandel konstant an. Nur eines steigt einfach nicht an: Die Preise Herr Draghi, die Preise!

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Gixxer

    21. September 2016 16:16 at 16:16

    Irgendwie braucht man sich ja auch nicht wundern. Es heißt ja immer von allen Seiten, wie wichtig es ist, fürs Alter zu sparen. Man wird ja geradezu genötigt, mehr zu sparen, Stichwort Rentenlücke.

  2. Avatar

    Seppl

    21. September 2016 16:19 at 16:19

    Da die EZB partout keinen venezolanischen Finanzexperten einstellen möchte, aus dem Land das locker eine Inflationsrate von 1000% schafft, versuche ich es mal mit einem anderen Vorschlag. Wie wäre es mit einer „Mario Draghi Steuer“. Sie wird erhoben wie die Mehrwertsteuer und beträgt 2% des Kaufpreises. Schwupps hätten wirs geschafft mit den steigenden Preisen, über Nacht sozusagen und ganz ohne Negativzinsen, Bargeldabschaffung und dem Aufkaufen sämtlicher Anleihen (und demnächst vielleicht auch noch Aktien). Na Mario?

  3. Avatar

    LookOut

    21. September 2016 16:35 at 16:35

    Die Wirkung von Negativ-Zinsen sagt den „normalen Menschen“ ja das etwas schlecht läuft bzw. das System aufgrund von Problemen nicht mehr normal laufen kann.
    Würde mich nicht wundern wenn sogar noch ein Gegenteiliger Effekt eintritt und sich die Sparquote erhöht.

    Das Menschen auch Sicherheit mögen und Rücklagen bilden liegt in der Natur der meisten Menschen.

  4. Avatar

    m.d

    21. September 2016 16:36 at 16:36

    Also meine eigene Statistik sieht ganz anders aus.
    mein Vater hat Ende 80 iger Anfang 90 iger 3000 Mark verdient ( sprich 1500 euro )
    Und Strom, Wasser, Benzinpreisen, Kino, Lebensmittel u.v mehr hat ein viertel von dem gekostet was ich heute für bezahle.
    Strom Eindrittel
    Wasser u. Kanalkosten Eindrittel
    Bezinkosten die Hälfte
    Kino und Lebenmittel ca. die Hälfte
    oder auf der Kirmes Autoscooter Chips früher eine Mark ( 0,50 Cent ) jetzt 1,50 Euro
    das sind immerhin 200 % teurer.
    Unsere Nachbarn in Frankreich sind zu uns rüber arbeiten gekommen weil die gleichen Berufe dort die hälfte ja sogar Eindrittel von dem verdient haben wie Unseiner.
    Ich würde sagen unsere Leasing- bzw. Personalvermittler welche dank SPD (die Politik der Agenda), wie Pilze aus dem Boden schossen haben Armut geschaffen und somit erkläre ich mir dir Konsumarmut heutzutage.
    Und es hat natürlich die Menschen getroffen die im Grunde genommen für den höchsten Konsum sorgen.

  5. Avatar

    Bademeister

    21. September 2016 16:39 at 16:39

    ……..soll ja auch Leute geben die Geld haben/sparen und trotzdem im jetzigen Niedrigzinsumfeld Kredite aufnehmen….quasi als Rueckversicherung fuer ihr Gespartes….damit es nicht ganz so weh tut wenn unser Euro irgendwann….ueber Nacht….nix mehr wert sein sollte.

  6. Avatar

    m.d

    21. September 2016 16:44 at 16:44

    ergänzen möchte ich folgendes. Diese menschen sind somit vor die Wahl gestellt die paar Kröten wo übrig bleiben entweder zu konsumieren oder durch die Angst vor Rentnerarmut für die Rente zu besparen.

  7. Avatar

    Selber Denker

    21. September 2016 23:07 at 23:07

    Wieder einmal zeigt sich, dass (auch) Volkswirtschaftliche Theorie vollkommen an der Realität vorbeigehen und eingentlich nur dazu dienen den feinen und aus Geldern der Allgemeinheit vollkommen überbezahlten Damen und Herren Professoren nur dazu dienen sich wichtig zu machen.
    Wer einmal sehen will was verordnete langanhaltende Niedrigst- und Negativzinsen in der Praxis bewirken der schaue doch einfach mal nach Japan.
    Die haben das da schon seit mindesten 20 Jahren!
    Und was ist zu beobachten?
    Anstatt eine Inflation zu erzeugen wurde dort durch Niedrigst-, Null- und Negativzinsen eine Deflation erzeugt!
    Die Leute konsumieren keinesfalls mehr.
    Im Gegenteil! Die Denke ist ganz einfach: Warum soll ich heute etwas Konsumieren wenn ich es morgen noch billiger bekomme?
    Die Menschen sagen sich da lege ich mein Geld doch lieber zur Seite und warte bis die Preise Morgen weiter gefallen sind.
    Hierzulande wird sich ähnliches Verbraucherverhalten beobachten lassen wenn es so weiterht. Ins Bild passt dass die Erzeugerpreise schon fallen.
    Das gilt aber natürlich nur, wenn der Konsum hierzulande nicht durch auserordendliche Faktoren künstlich in die Höhe getrieben wird.
    Diesbezüglich passt die Millionenfache Einschleusung von Flüchtlingen welche ja alle versorgt werden müssen…..

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Marcel Fratzscher im Interview: Marktversagen, Börse, Staatshilfen, Globalisierung uvm

Redaktion

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Marcel Fratzscher als Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wurde von der FAZ schon mal als Claqueur der SPD bezeichnet. Wer den Begriff nicht kennt: Ein Claqueur ist jemand, der auf Kommando Beifall klatscht. Und so hat Herr Fratzscher den Ruf, vor allem bei wirtschaftspolitischen Meinungen und Inhalten der SPD jede Menge Lob zu verteilen und die Thesen auch mit seinen fachkundigen Aussagen zu untermauern. Man munkelt in Berlin und Frankfurt schon seit geraumer Zeit, dass der gute Herr Fratzscher eine Karriere als Notenbanker oder in einem Ministerium anstrebt. Aber sind das nur Gerüchte? In den politischen Zeitgeist würde er sicher gut passen.

Marcel Fratzscher wurde schon von vielen anderen Kommentatoren sehr kritisch beäugt, aber auch von unserer Redaktion. Zum Beispiel sagte er im September, dass er keine Zombieunternehmen in Deutschland entdecken könne. Nur um wenige Tage später vom Problem der Zombieunternehmen zu reden. Generell ist er dem Lager der „Experten“ zugehörig, die der Meinung sind, dass man mit genug neuen Schulden so ziemlich alles regeln kann. Gibt es nur genug Nachfrage, lösen sich alle Probleme von selbst? Und die zusätzlichen Staatsschulden, die sind ja sowieso kein Problem bei den Nullzinsen? So einfach kann die Welt sein.

Aktuell hat Marcel Fratzscher dem auf YouTube bestens bekannten Interview-Format „Jung und Naiv“ ein 145 Minuten langes Interview gegeben. Die Leitlinie kommt relativ weit am Anfang des Interviews. Der Markt hat versagt. Also, wohin soll es seiner Meinung nach gehen? Mehr Regulierung, mehr Planwirtschaft? Thilo Jung spricht mit Marcel Fratzscher über Themen wie die Aktienmärkte und ob sie sich von der Realwirtschaft abgekoppelt haben, über die Coronakrise, Staatshilfen, die Klimakatastrophe, Autoindustrie, Konsumverzicht, Globalisierung, die Ungleichheit von Vermögen, Steuern uvm.

Wir können Ihnen an dieser Stelle nicht knallhart empfehlen 145 Minuten Marcel Fratzscher am Stück anzuschauen. Diese Entscheidung müssen Sie schon selbst treffen. Aber auch bei „Experten“, die wir kritischer sehen wie einen Herrn Fratzscher, gilt das selbe wie bei Hans-Werner Sinn, Markus Krall oder Clemens Fuest. Auch wenn man als Zuhörer die Meinung des Interviewten nicht teilt, so erweitert das Zuhören doch den Horizont.

Marcel Fratzscher
DIW-Chef Marcel Fratzscher. Foto: SPÖ Presse und Kommunikation – ExpertInnen Austausch anlässlich der Kurt Rothschild Preisverleihung, 27.09.2017 CC BY-SA 2.0

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Unser Wohlstand kommt übers Meer – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Welt ist so vernetzt wie nie zuvor. Auch wenn es in vielen Ländern protektionistische Tendenzen gibt, hat die weltweite Vernetzung ein Ausmaß erreicht, das in der Menschheitsgeschichte einmalig ist. Die Welt ist zusammengerückt. Viele Produkte, die Sie täglich nutzen, werden komplett oder in Teilen rund um den Globus verschifft, bevor Sie sie in Händen halten.

Die globalen Wertschöpfungsketten wären undenkbar ohne den regen Seehandel, der die Welt verbindet. Tausende Containerschiffe fahren von Kontinent zu Kontinent und bringen uns Waren vom anderen Ende der Welt.

Ich schreibe hier vorrangig über Zukunftstechnologien, die unsere Welt tiefgreifend verändern werden. Doch nichts hat unseren Wohlstand so sehr befeuert, wie der weitgehend freie Welthandel.

Deutschland ist Exportweltmeister

Unser Land ist erfolgreich, weil wir so stark in den Welthandel eingebunden sind. Maschinen und Autos aus Deutschland genießen international einen guten Ruf. Von den Erträgen aus dem Exportgeschäft kaufen wir beispielsweise Elektronik, chemische Erzeugnisse und Bekleidung. Das meiste davon wird übers Meer transportiert.

Die Lebensadern unserer Wirtschaft liegen im Wasser

Wenn Sie schon einmal in Hamburg am Hafen standen, haben Sie einen Eindruck, welche Mengen an Gütern täglich über den Seeweg nach Europa kommen. Rund 90% aller weltweit gehandelten Waren werden übers Meer befördert.

Unternehmen wie Hapag-Lloyd, Costamare oder Euronav betreiben riesige Flotten, um Waren rund um die Welt zu verschiffen. Sind die Aktien deshalb einen Blick wert? Das Geschäft ist lukrativ, aber hart umkämpft. Triton ist da schon eher interessant, denn das Unternehmen vermietet die…..

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Hotels und Restaurants: Wachstum ja, aber noch keine V-Erholung

Claudio Kummerfeld

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Restaurant-Tische mit Gläsern

Der Umsatz bei Hotels und Restaurants ist im August gegenüber Juli um 5,5 Prozent gestiegen. Aber im Vergleich zu August 2019 liegt er immer noch mit 22,2 Prozent im Minus. Die Grafik, die bis zum Jahr 2013 zurückreicht, zeigt es: Eine V-förmige Erholung ist noch nicht abgeschlossen. Der Indexwert der Umsätze von Hotels und Restaurants lag vor dem Start der Coronakrise im Februar bei 105,5 Indexpunkten, und im August waren es 80,9 Punkte. Da ist noch einiges an Lücke vorhanden. Innerhalb der Gastronomie lag der reale Umsatz der Caterer im August 2020 sogar um 32,9 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Gut, diese heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten sind aus August. Inzwischen haben wir Oktober, und die V-förmige Erholung könnte bis jetzt schon fast geschafft sein. Könnte, nicht muss. Aber selbst wenn…. ein halbes Jahr lang gigantische Verdienstausfälle machen einer Branche zu schaffen, die darauf angewiesen ist konstant Umsatz zu machen. Viele Betreiber und Hotels und Restaurants überleben vielleicht aktuell, aber nur dank staatlicher Kredite. Man hat also nach der Krise deutlich mehr Schulden als vorher, dazu kommen oft noch vermutlich Mietschulden, weil der Vermieter monatelang die Restaurantmiete stundete, die nun nachgezahlt werden muss. Hat man die Krise auf den ersten Blick überlebt, und hat wieder „normale“ Umsätze, so türmen sich die Schulden auf. Zeitlich verzögert könnten also viele Insolvenzen folgen, auch wenn sich die Umsätze der Branche wieder normalisieren.

Chart zeigt Umsätze bei Hotels und Restaurants

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