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Wenn Le Pen gewinnt, wird Frankreich ökonomisch das neue Argentinien!

Was passiert, wenn Marine Le Pen Präsidentin wird und mit ihrem Wirtschaftsprogramm ernst macht? Hier der wahrscheinliche Ablauf des dann folgenden Crashs..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Wir hatten kürzlich über das Wirtschaftsprogramm des Front National in Frankreich berichtet (siehe dazu den Artikel „Was Le Pen bei einem Sieg machen will: Geld drucken!“). Zentrale Punkte sind die Abschaffung des Euro und die Wiedereinführung des Franc („Neuer französischer Franc“), der Euro würde ersetzt durch Einführung eines Währungskorbs (wie damals der ECU war). Und die auf Euro lautenden Schulden Frankreichs sollen dann im Verhältnis 1:1 in Francs umgebucht werden.


Marine Le Pen
Foto: Foto-AG Gymnasium Melle, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45585285

Derzeit liegen diese Schulden unseres Nachbarlandes bei zwei Billionen Euro, wobei ca. 1,7 Billionen nach französischem Recht emittiert wurden, mithin könnte die neue Regierung also bei diesen 1,7 Billionen etwas an der Schraube drehen – sprich sie könnte diese Schulden gewissermaßen entwerten. Ziel einer Le Pen-Regierung wäre es, den Übergang „geordnet“ zu vollziehen.

Aber die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Übergang „geordnet“ funktionieren würde, tendiert gegen Null. Erstens würde der neue französische Franc stark abwerten – aber wohl ebenso der Euro, weil dann die Zukunft der Gemeinschaftswährung mehr als in Frage gestellt wäre, wenn das wirtschaftlich zweitstärkste Mitglie der Eurozone den Währungsraum verläßt. Mithin würde also der Franc und der Euro gemeinsam kollabieren, vermutlich wäre eine panische Kapitalflucht internationaler Investoren die Folge.

Dazu kommt: ist Frankreich raus aus dem Euro, gibt es keine Unterstützung mehr durch die EZB. Dadurch würden die Risikoprämien für französische Staatsanleihen nach oben schießen (die derzeit durch das QE der EZB und deren implizite Garantie künstlich niedrig sind), die französische Zentralbank, die unter einer Regierung des Front National ihre Unabhängigkeit verlieren würde, müsste mit starken Zinsanhebungen (und möglicherweise Kapitalverkehrskontrollen wie in Griechenland) auf die Kapitalflucht reagieren. Und das wiederum würde die Kreditbedingungen für Firmen und Privatpersonen in Frankreich deutlich verschärfen – womit Firmen und Privatpersonen verstärkt in die Insolvenz rutschen würden. Bereits jetzt sitzt der französische Banken-Sektor auf faulen Krediten im Volumen von 160 Milliarden Euro.

Franktreichs Pensions-und Sozialversicherungssystem stünde darüber hinaus ebenfalls vor dem Kollaps, da die Gelder meist in französischen Anleihen angelegt sind (mehr als 40% der französischen Schulden werden von Frankreichs Institutionen und Bürgern gehalten). Verlieren diese Anleihen massiv an Wert, würden diese Gelder gewissermaßen pulverisiert. Das gesamte französische Finanzsystem, das ca. dreimal so groß ist wie das BIP des Landes, könnte so kollabieren. Und in einem solchen Umfeld kann man sich vorstellen, dass Banken nicht gerade freudig Kredite vergeben würden – sollten sie die Turbulenzen überhaupt überleben.

Der Front National hat bereits angekündigt, im Falle eines Wahlsieges massiv Geld zu drucken – so würde dann eine Le Pen-geführte Regierung versuchen, die Erosion zu stoppen. Das Gelddrucken aber wiederum führt zu massiver Inflation und würde die Glaubwürdigkeit des „neuen Franc“ untergraben. Das Land käme dann in eine Abwärtsspirale, wie sie Argentinien mit seiner Hyperinflation erlebt hat.

Das alles ist kein theoretisches Horrorszenario, sondern der wahrscheinliche Ablauf, wenn Le Pen als Präsidentin mit ihrem Wirtschaftsprogramm ernst machen würde. Wenn Frankreich den Euro verläßt, implodiert die Eurozone, implodieren sehr wahrscheinlich in der Folge aber auch deutsche Banken. Das sollten auch jene berücksichtigen, die aus teilweise sehr nachvollziehbaren Gründen für die Abschaffung der Eurozone sind und einen Austritt Frankreichs aus der Eurozone begrüßen..

19 Kommentare

19 Comments

  1. Avatar

    Walter

    22. Februar 2017 11:52 at 11:52

    Genauso muss das alles ablaufen! Je früher desto besser (billiger)

    • Avatar

      ubsb55

      22. Februar 2017 12:03 at 12:03

      Lieber Walter. Das wird der normale Michel aber erst erfahren, wenn die Großen ihr Schäfchen bereits im trockenen haben. Die haben dann ihr Körbchen schon wieder aufgestellt, um das Panikkapital in Form von Aktien wieder billig einzusammeln, wie immer halt.

  2. Avatar

    Wolfgang Koch

    22. Februar 2017 12:07 at 12:07

    Gratuliere posthum Raute!Ich muss Abbitte leisten.Ich hatte,als Starbatty/Henkel u.a.-Fan,dem €uro,eh eine Fehlgeburt,kein langes Leben, zugestanden.Dass er solange überlebt,hätte ich nicht erwartet.Nun aber ist die Zeit deiner Prophezeiung gekommen!Stirbt der €uro,dann stirbt Europa!Es ist keine plötzliche Lungenembolie oder ein Herzinfarkt sondern ein Amputationstod par Excellence.Ein Zuckerkranker,welchem Stück um Stück(Brexit,Nexit,Frexit,usw.) weggenommen werden muss,obwohl er ständig mehr Draghiinsulin bekommt,ist halt zum Sterben verurteilt!Es gibt halt Naturgesetze ausserhalb des alten Testaments,wonach man nicht ein paar Jahrhunderte alt werden kann.

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    frank.trg

    22. Februar 2017 12:22 at 12:22

    Wenn LePen einen harten Rechtskurs fährt wird sie ggfls. alle Kriminellen und Illigalen ausweisen und dadurch den Sozialstaat enorm entlasten.

    • Avatar

      joah

      22. Februar 2017 15:35 at 15:35

      Wenn Mme. LePen wirklich einen Rechtskurs führe, dann habe ich ganz andere Bedenken (!).

  4. Avatar

    Gerd

    22. Februar 2017 12:24 at 12:24

    „Das alles ist kein theoretisches Horrorszenario, sondern der wahrscheinliche Ablauf, wenn Le Pen als Präsidentin mit ihrem Wirtschaftsprogramm ernst machen würde“

    W e n n sie denn ernst machen würde, d a n n wäre es kein theoretisches Horrorszenario. Aber so bleibt es einfach mal zunächst das, was es ist. Ein theoretisches Horrorszenario. Und vor allem deshalb, weil sie schon mal überhaupt nur dann „ernst machen“ k ö n n t e ,
    w e n n sie die Wahl – die Stichwahl- gewinnen w ü r d e

    So sehr ich ihr den Sieg wünsche, muss ich leider davon ausgehen, dass die Mehrheit der Franzosen am Ende meinem Wunsch keinerlei Beachtung schenken werden.

    Deshalb ist es für mich dreimal wahrscheinlicher, dass irgendwann noch mal eines von den zahlreichen Abschlussmustern bei Lossles ein abschließendes Oberabschlussmuster finden wird. Und es deshalb zu einem Crash kommt, der den DAX auf die in Rede stehenden 10000 zurückbringt.

    • Avatar

      columbo

      22. Februar 2017 13:27 at 13:27

      @Gerd, wie immer sprachlich korrekt, jemand der noch Konjunktiv und Indikativ unterscheiden kann, eineWohltat.
      Im übrigen ist das mit den Dax-10.000 eine ambivalente Sache.
      Schafft es Le Pen, werde ich meine ersehnten 10.000 wiedersehen und endlich einsteigen können, dafür kommen andere Unannehmlichkeiten auf mich zu, besonders als Bewohner der Südschiene.
      Schafft sie es nicht, sehen wir vielleicht Riße’s 18.000, aber da bin ich nicht dabei, da ich schon bei 12.000 nicht mehr einsteige.
      Trotzdem, ich ziehe die zweite Variante vor.

      • Avatar

        Gerd

        22. Februar 2017 14:10 at 14:10

        Wie Sie ja auch schon mal bemerkten, sie müssen nicht unbedingt dabei sein. Selbst wenn es im Nachhinein betrachtet ganz nett gewesen wäre. Aber Sie machen eben in der Zeit was ganz anderes.

        Und mal ehrlich, selbst wenn der DAX auf 12000 ginge, wer von den optimistisch eingestellten Bullen, würde so lange durchhalten wollen?
        Oder auch wenn Sie oder viele andere nicht bei 10000 ausgestiegen wären, dann aber doch bei 10500 oder spätestens 11000.
        Das sieht immer so wahnsinnig großartig aus, was ein Index zurücklegt, aber ich glaube, nur hartgesottene Profis schaffen es, die Gewinne so lange mitlaufen zu lassen.

        • Avatar

          Gerd

          22. Februar 2017 14:28 at 14:28

          Erstaunlich, was meine Fingerchen manchmal so tippen:
          oben sollte es heißen…selbst wenn der DAX auf 18000 (achtzehn, nicht zwölf) ginge

          • Avatar

            columbo

            22. Februar 2017 15:03 at 15:03

            @Gerd
            Das stimmt, selbst wenn ich vor einem Jahr bei 9.500 gekauft hätte,
            wäre ich als Nichtprofi und Bär eh längst ausgestiegen. Brexit, Trumpwahl, Italienreferendum, das hätte ich nicht gepackt.
            Die Seitenlinie bringt zwar kein Geld, aber lernen kann man dort immer etwas.

          • Avatar

            Walter

            22. Februar 2017 15:07 at 15:07

            Sollte hoffentlich Le Pen das Rennen machen,dann gibts neue Goldzähne,ala Mike Tyson…
            @Gerd,
            wir werden steinreich werden,denn den final countdown liefert dann die Btw im Sept.17

  5. Avatar

    asyoulike

    22. Februar 2017 12:25 at 12:25

    Moin, moin,
    M.E. wird es so kommen. Das Problem sehe ich im nahenden Ende des Papiergeldsystems. Fiktives Geld ohne Gegenwert, bunte Scheine, ausufernde Schulden etc. . Es ist ein Cocktail aus vielem. Für Frankreich liegen die Probleme m.E. hauptsächlich in verpaßten Strukturanpassungen. Auch Frau Le Pen wird keine Chance haben. Dumm nur, dass Länder wie Frankreich und andere westliche Staaten in einer Dominokette miteinander verknüpft sind. Fällt der erste Stein, dann besteht die Gefahr, dass weitere Steine (Länder) folgen. Aber anderseits wird die Wallstreet (das Kapital) alles versuchen, die einzelnen „Baustellen“ zu befrieden. Sollte diese Vorgehensweise auch nicht greifen, dann droht uns allen ein Riesenungemach, dann gibt es Krieg. Er führt i.d.R. zur Vollbeschäftigung, ist innovativ und bei der „Gelegenheit“ wird eine neue Nachkriegsordnung eingeführt. Zentrum wird die Wallstreet sein. Wer hätte das nun gedacht?

  6. Avatar

    olli8+

    22. Februar 2017 12:26 at 12:26

    Wie friedlich lebten die europäischen Staaten nebeneinander, als witr uns noch Wirtschaftsunion nannten. Die Währungsunion hat uns entzweit und wird dies bis zum bitteren Ende weiter tun. Je länger der Euro lebt, dest teurer werden seine Beerdigungskosten. Wenn du einem Freund Geld leihst, hast du ihn verloren.
    Entweder Frankreich oder Deutschland müssen den ersten Schritt tun, um die Katastrophe noch zu verhindern.

    • Avatar

      Wolfgang Koch

      23. Februar 2017 09:53 at 09:53

      Grüss Gott Olli 8+aus Unterfranken.Ich beobachte ständig die FMW-Seiten und schreibe auch so einiges.Selten jedoch,stimmte ich mit einem anderen so überein,wie mit Ihnen.Der €uro wird der Untergang des ansonsten hervorragenden,allen anderen Systemen weit überlegenen Europas sein.Passenderweise trage ich zur Zeit eine „Make America great again Basecap“!Warum wohl?Weil ich dieses verlogene,gesetzesbrecherische €uropa satt habe.Ich will MEIN Europa von früher zurück.Geht eigentlich ganz einfach(wie Sie auch bemerkten).Schafft diesen verfuckten Oiro ab,dann ist Europa „alternativlos“Denn dann haben alle Angst.Die Schlitzaugen & Uncle Sam!

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    leser

    22. Februar 2017 12:33 at 12:33

    Das verhält sich ähnlich wie bei Trump. Le Pen wäre nur der Katalysator, aber nicht die Ursache.

  8. Avatar

    Dreistein

    22. Februar 2017 12:37 at 12:37

    Der Front National hat bereits angekündigt, im Falle eines Wahlsieges massiv Geld zu drucken.
    Was ist daran anders als das was jetzt Draghi macht?
    Die EU ist doch schon am implodieren, Draghi gibt dem Kapital eben noch mehr Zeit, Le Pen macht es kurz.
    Die Frage die sich stellt ist doch was tut mehr weh die immer größere Fallhöhe Draghis oder die verkürzte Höhe Le Pen? Schmerzen gibt es auf jeden Fall!

  9. Avatar

    micromegas

    22. Februar 2017 12:40 at 12:40

    Hilfe, lePen will das selbe machen wie die EZB-das ist Blasphemie!

    Na und? Kurze Zeit später wird Frankreich in den Genuss von einer vieleicht 30-50% geringer wertigen Währung im Verhältnis zu dem dann „noch“ Euro(aber eigentlich zu der neuen DM) kommen. Wenn man dann noch per Volksastimmung die Fantasiestaatsschulden, welche eigentlich das Vermögen einiger wenige sind, nicht zurück bezahlt oder nur in den neuen Franc, gibt es nur wenige die daran zu leiden hätten.

    Die Leute, die Angst eigentlich Angst haben, sind die hier https://www.youtube.com/watch?v=koKU6sD3kLQ vor dem hier https://www.youtube.com/watch?v=-sUEc1-25oQ und seinen für manch Herrschsüchtigen schrecklichen Ende.

    • Avatar

      Wolfgang Koch

      23. Februar 2017 10:27 at 10:27

      Aufgemerkt!(Erwin Pelzig)PSA übernimmt Opel.Diesmal ist noch der IWF in Form von GM dabei.Demnächst werden die Franzosen China kopieren.Sie werden ,mit dem in Kürze kollabierendem Oiro,alles kaufen,was nicht bei 3 auf den Bäumen ist!Madmoiselle Alternativlos bekommt davon nichts mit,garantiert!Sie busselt weiter mit Francois und hält Raute.Süss,aber hochgefährlich für unser Land.Soweit ich zurückdenken kann,hat immer Deutschland Frankreich angegriffen.Dieses Mal,scheint es andersrum zu laufen!Und nie ging es gut aus,für die gemeinen Franzosen/Deutschen!Existenzfrage:Wie kann ich zu dem überlegenem Streber eine gleichwertige Beziehung aufbauen?Geht das überhaupt?Ich denke nein!Ich darf nur nicht in der gleichen Währung bewertet werden.Der“ Streber“hat immer 1,nur meistens im Sport oder bei den Mädels nicht.Für mich gilt:Scheitert der Oiro.dann überlebt Europa!

  10. Avatar

    Toni

    22. Februar 2017 14:29 at 14:29

    Ich habe auch nie begriffen als bei der Griechenland-Krise Italien u.Frankreich u.s.w. als Teile des Rettungsschirmes benannt wurden, hat jemand schon Todkranke als Sanitäter oder als Feuerwehrmann gesehen?

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Aktienmärkte: Warum einige aktive Fonds 2020 den Markt schlagen

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Die Aktienmärkte sind Schauplatz eines Kampfes, der von Jahr zu Jahr härter wird: Der Wettstreit zwischen den aktiven Fonds und den preisgünstigen, passiven Indexfonds (ETFs). In diesem Jahr haben einige der aktiv gemanagten Investmentfonds die Nase vorn. Ein Grund dafür ist die auch die ungewöhnliche Konzentration der Anleger allgemein auf marktschwere Titel.

Aktienmärkte: Das Dauerduell aktiv gegen passiv

Was hatte sich der in diesem Jahr verstorbene Gründer des passiven Investierens, John Bogle, anfangs für Feinde gemacht, zumeist wurde er milde belächelt! Mitte der Siebziger war Mittelmaß als Ziel eines Investments absolut verpönt, alle wollten noch die Aktienmärkte schlagen.

Doch Bogle hatte seine Mitarbeiter beauftragt, alle im S&P 500 enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung zu kaufen und damit den bekannten Börsenindex einfach nachzubilden.

Damit schuf Bogle den ersten Indexfonds (Vanguard 500), mit einem aus heutiger Sicht mickrigen Volumen von 11,3 Millionen Dollar.

Doch von Jahr zu Jahr steigt die Anlagesumme in die passiven Anlagevehikel, vor gut zehn Jahren wurde die Billionen-Grenze überschritten, mittlerweile ist die von BlackRock, Vanguard, State Street dominierte Branche bei weit über sechs Billionen Dollar angelangt.

Natürlich lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass es kaum einem aktiven Anlagevehikel jenseits der 10-Jahresfrist gelingt, den Index und damit auch den entsprechenden Exchange Traded Fund zu schlagen. Am allerwenigsten den Leitindex der Aktienmärkte, den S&P 500 als Benchmark – insgesamt liegt die Underperformance bei über 90 Prozent in den großen Märkten.

Ich habe es vor kurzem in einem Artikel dargelegt, welche Folgen es hat, wenn man in einem Jahrzehnt auch nur die zehn besten Handelstage der Aktienmärkte versäumt.

2020 und die extreme Outperformance von Growth

Blicken wir nun auf den heimischen Markt, wo die Entwicklung natürlich einmal mehr den amerikanischen Vorbildern folgt. Hier gibt auch BlackRock den Ton an mit seinen iShares, gefolgt von Lyxor und den XTrackers von DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Gefolgt von UBS, Amundi, Invesco und Deka Investments und damit sind auch die deutschen Sparkassen im Geschäft.

Wie eine Auswertung des Fondsverbands BVI zeigt, haben in den Privatanleger-Depots es einige der alten Namen aus der aktiven Branche geschafft, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Produkte der DWS, der Deka oder der Allianz Group und aus dem Kreise derer, die schon über ein Jahrzehnt am Markt sind. Und dies gilt auch schon für ein paar Jahre, obwohl für diese Produkte die teuren Konditionen mit dem Ausgabeaufschlag und der jährlichen Jahresgebühr von deutlich über ein Prozent p.a. gelten. Wie ist diese Performance zu erklären?

Es waren zum Teil die internen Vorschriften, die den aktiven Fondsmanagern geholfen haben – und nicht die besondere Aktienauswahl.

Man hatte innerhalb der Aktienmärkte auf Aktien gesetzt, die eine hohe Marktkapitalisierung aufwiesen, so genannte Blue Chips – und was lief in den letzten Jahren besonders gut?

Klar, der Tech-Bereich mit Titeln wie Amazon, Apple oder Microsoft, Aktien, die in den Fonds zum Teil noch stärker gewichtet waren, als zum Beispiel im S&P 500 oder im MSCI World. Aber bereits seit Anfang September ist so etwas wie eine Branchenrotation feststellbar, verstärkt durch das Ergebnis des Wahlausgangs in den USA sowie den letzten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung.

Anders ausgedrückt: Was passiert, wenn die Big Player wieder auf ein „normales“ Wachstumstempo zurückfallen, um nur eine milde Kursentwicklung zu prognostizieren?

Fazit

Aus den letzen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig es in Zukunft bleiben wird, mit spezieller Aktien-Einzelauswahl die Aktienmärkte zu schlagen. Wird es zu einer bleibenden Branchenrotation von Growth zu Value kommen, oder hält sich das Wachstum der Big Seven, oder auch der FAANG-Aktien noch eine Weile?

Man braucht sich nur den explosiven Anstieg einiger Corona-Aktienopfer seit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer zu betrachten. Wie stark wird es noch zu großen Umschichtungen in den großen Depots, insbesondere zum Jahreswechsel kommen? Der 9. November könnte bedeutsamer gewesen sein, als bisher angenommen. Der Anstieg des Nasdaq 100 von seinem Tief vom 6. März 2009 bis zu seinem Hoch am 2. September 2020 mit sagenhaften 1154 Prozent sollte irgendwann korrigiert werden, Kurse (speziell von Indizes) wachsen nie in den Himmel. Der Dax brachte es in diesem Zeitraum auf bescheidene 354 Prozent.

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Beschlossen: Dax mit 40 Aktien und neue Qualitätskriterien – hier die Details

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Der Wirecard-Skandal hat die deutsche Börsenlandschaft erschüttert. Ein Dax-Wert geht pleite und löst sich sang und klanglos als Luftnummer in Rauch auf. Die Vorstände sind in Haft oder auf der Flucht. Was für ein Debakel für die Deutsche Börse. Die Aufnahme- und Qualitätskriterien für die Indizes wie dem Dax waren wohl mangelhaft. Nach der Konsultation von Marktteilnehmern hat die Deutsche Börse jetzt Änderungen beschlossen. Hier alle Details, im Wortlaut von der Deutschen Börse:

Ab September 2021 wird der Leitindex DAX um zehn Werte auf insgesamt 40 Werte erweitert. Damit wird er die größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland noch umfassender abbilden. Im Gegenzug verkleinert sich der MDAX-Index auf 50 statt bisher 60 Werte.

Ab Dezember 2020 müssen alle künftigen DAX-Kandidaten vor Aufnahme ein positives EBITDA in den zwei letzten Finanzberichten aufweisen.

Ab März 2021 wird es Bestandteil der Indexmethodologie, dass zukünftig alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes testierte Geschäftsberichte und vierteljährlich Quartalsmitteilungen veröffentlichen müssen. Nach einer 30-tägigen Warnfrist führt ein Verstoß gegen diese Anforderungen unmittelbar zum Indexausschluss.

Infolge dessen entfällt für alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes die Pflicht zur Notierung im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Die Notierung im Regulierten Markt ist künftig ausreichend. Diese neue Regel wird eingeführt, um dem Indexanbieter zu ermöglichen, im Falle einer Regelverletzung unabhängig und schneller reagieren zu können.

Zusätzlich müssen ab März 2021 alle Neuzugänge zur DAX-Familie den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex hinsichtlich eines Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat entsprechen. Für bestehende Mitglieder gilt eine Übergangsfrist, um Kontinuität in der DAX-Familie zu bewahren; sie müssen die Vorgabe ab September 2022 erfüllen.

Ab 2021 gibt es bei den DAX-Indizes zweimal im Jahr eine planmäßige Hauptüberprüfung (März und September). Zurzeit gibt es eine derartige Überprüfung nur im September.

Um die Regeln zu vereinfachen, ohne jedoch auf Investierbarkeit zu verzichten, werden ab der Überprüfung im September 2021 Indexmitglieder nur noch nach Marktkapitalisierung bestimmt. Der Börsenumsatz wird bei der Rangliste nicht mehr berücksichtigt; stattdessen müssen Indexmitglieder eine Mindestliquidität aufweisen.

Nicht übernommen wird der Vorschlag zum Ausschluss von Unternehmen mit Beteiligung an kontroversen Waffen. Stephan Flägel: „Wir haben ein sehr heterogenes Meinungsbild zu den Themen Nachhaltigkeit und ESG außerhalb der Vorschläge, die wir zur Governance gemacht haben, bekommen. Es wird von vielen Seiten die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob diese Kriterien bei der Auswahl der DAX-Mitglieder eine Rolle spielen sollten. Deshalb werden wir den Austausch mit den Marktteilnehmern fortführen. Nachhaltiges Investieren ist und bleibt einer der wichtigsten Trends an den Finanzmärkten und wird das Investitionsverhalten in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Das Thema ESG hat für Qontigo sehr hohe Priorität. Im März haben wir bereits den DAX 50 ESG Index gestartet und wir verfügen seit Längerem über eine breite Palette an ESG-Indizes, die wir auch künftig weiter ausbauen werden.“

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