Folgen Sie uns

Allgemein

Wer bezahlt uns euer Defizit, liebe Brexit-Briten?

Wer trägt das Defizit der Briten? Mit einem Wort: überwiegend die EU! Und das wird nicht mehr lange gut gehen, wenn das Pfund weiter kollabiert..

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Von Markus Fugmann

Zugegeben: eine solche Schlagzeile könnte Deutschlands größter Tageszeitung mit den vier großen Buchstaben entstammen. Aber jetzt, wo „wir“ nicht mehr Papst und leider auch nicht Europameister sind, erscheint eine Hommage an die so intellektuell erfrischende Springer-Publikation natürlich angebracht..

Aber kommen wir zu „something completely different“, also zu den Briten. Gerüchteweise handelt es sich bei ihnen auch um humanide Wesen, was allerdings noch nicht vollständig bewiesen ist. Jedenfalls hat der gemeine Brite offenkundig Lust, unsere EU-Produkte zu konsumieren, und verschiebt deren Bezahlung mittels eines saftigen Handelsbilanzdefizits in die ferne, vielleicht nie stattfindende Zukunft!

Heute veröffentlichte Zahlen zur britischen Handelsbilanz zeigen, dass das Defizit im Mai im Vergleich zum April um 600 Millionen angestiegen ist auf nun 2,3 Milliarden Pfund. Dabei sind die Exporte so stark gefallen wie seit zehn Monaten nicht mehr (-4,4% zum Vormonat), die Importe sanken erstmals in diesem Jahr. Interessant dabei ist, dass der Export von Gütern um satte 8,2% zum Vormonat gefallen ist, während ein Anstieg von 0,7% der exportierten Dienstleistungen zu verzeichnen ist. Und damit verstärkt sich ein ohnehin mächtiger Trend: die Briten exportieren deutlich mehr Dienstleistungen als sie importieren, und exportieren noch wesentlich weniger Güter, als sie importieren:

Uk Trade Balance 1
Dienstleistungen orange, Güter blau, die rote Linie zeigt das Gesamtdefizit der Handelsbilanz (zum Vergrößern bitte anklicken)

Und wer trägt das Defizit der Briten? Mit einem Wort: überwiegend die EU! So stieg das Defizit der Briten gegenüber der EU auf Monatsbasis von 6,9 Milliarden Pfund im April auf 7,3 Milliarden Pfund im Mai, bei Nicht-EU-Ländern von 2,5 Milliarden auf 2,6 Milliarden Pfund. Anders ausgedrückt: die EU trägt fast die dreifache Last des britischen Defizits wie die „Rest-Welt“. Man kann also von einer gewissen Abhängigkeit von der EU sprechen, weil die EU zusehen muß, wie sie mittelfristig mit diesen Defiziten umgehen kann.

Um ein solches Defizit zu refinazieren, muß Großbritannien wiederum also Gelder aus dem Ausland anziehen – und genau das könnte jetzt zum Problem werden! So zeigt schon die Panik bei britischen Immobilienfonds, dass vor allem Ausländer ihre Engagements zurück fahren wollen, erstens weil die Lage unsicher ist, zweitens weil sie fürchten, dass das Pfund weiter abwertet und sie damit noch mehr Geld verlieren.

Und die Befürchtung, dass das Pfund weiter verliert, ist mehr als berechtigt: durch das schwache Pfund werden importierte Güter teurer für die Briten, also wird ihr Preis steigen. Das steigert naturgemäß die Inflation – und normalerweise müßte dann die Bank of England die Zinsen anheben, um die Inflation im Zaum zu halten. Sie macht aber tendentiell eher das Gegenteil, weil sie die Wirtschaft stimulieren will angesichts des Brexit-Schocks, senkt also eher die Zinsen als sie anzuheben (wie von Bank of England-Chef Carney schon angekündigt!). Ergo: das Pfund wertet weiter ab. Und Europa wird nicht ewig zusehen können, wie die lieben Briten uns ihr Defizit am Sankt Nimmerleinstag zurück zahlen!

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    leser

    8. Juli 2016 12:23 at 12:23

    Dann hätte die EU den Handel mit den USA längst einstellen müssen, http://de.statista.com/statistik/daten/studie/242564/umfrage/laender-mit-dem-groessten-handelsbilanzdefizit/

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      8. Juli 2016 12:25 at 12:25

      @Leser, aber in die USA fließt weiterhin massig Kapital, derzeit mehr denn je, wie man an der Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe sieht. Das wird im Falle Großbritanniens absehbar nicht der Fall sein, daher kann die USA so weitermachen, UK perspektivisch aber eben nicht..

  2. Avatar

    rinzai

    8. Juli 2016 12:26 at 12:26

    Wieso nicht? Dass macht doch die USA auch schon seit gefühlter Ewigkeit. Die EU fährt sich selber so oder so an die Wand, da gibt es nur zwei Möglichkeiten für die Mitfahrenden, vorher in voller Fahrt aussteigen mit dem Risiko, sich das Genick zu brechen – James Bond mässig -, oder mit Herrn Draghi und Frau Merkel am Steuer sitzen bleiben bis zum Schluss. Die erste Option hat da wenigstens noch den kleinen Reiz der Selbstbestimmung.

  3. Avatar

    gerd

    8. Juli 2016 13:51 at 13:51

    Da weiß ich auch nicht, was ihr denn nun gerne hättet. Beklagt zum einen das hohe Außenhandelsdefizit und bejammert gleichzeitig, dass der Pfundkurs abgestürzt ist.

    Ein hohes außenwirtschaftliches Ungleichgewicht ist auch immer ein Zeichen, dass mit den Währungsrelationen irgendwas nicht stimmt. Und der Regelkreismechanismus der Währung wird jetzt eben dafür Sorge tragen, dass das Außenhandelsdefizit schwindet.

    Die Briten genießen jetzt mindestens zwei Jahre lang sowohl die Vorzüge einer niedrigen Währung als auch die Mitgliedschaft in der EU.

  4. Avatar

    gerd

    8. Juli 2016 14:13 at 14:13

    Nachtrag:
    Herr Fugmann antwortet@leser:
    „…aber in die USA fließt weiterhin massig Kapital, derzeit mehr denn je, wie man an der Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe sieht. Das wird im Falle Großbritanniens absehbar nicht der Fall sein..“

    Herr Fugmann, war das Argument ein Eigentor?
    Schauen Sie doch mal auf die Renditen, egal ob 2Jahre 5Jahre oder die der 10jährigen Staatsanleihen in GB und USA.
    Die britischen liegen weit niedriger.
    Z.B. die 10jährigen. GB 0,78%, USA 1,39%

    Und seit dem Brexit-Votum sind die enorm weiter gesunken. Selbst noch nach den Herabstufungen der Ratingagenturen.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      8. Juli 2016 14:20 at 14:20

      @Gerd, so ziemlich alle Staatsanleihen wichtiger europäischer Länder zeigen dieses Phänomen, das liegt auch und vor allem am QE der EZB und im Falle von UK am QE der Bank of England. In den USA betreibt die Fed hingegen kein QE mehr. Die Kapitalströme jedenfalls fließen derzeit verstärkt in die USA..

  5. Avatar

    Bernd Clauß

    9. Juli 2016 09:44 at 09:44

    Solange alle Rechnungen der ausgetauschten Waren und Dienstleitungen bezahlt wurden schuldet niemand irgendjemand etwas. Das Handelsdefizit gegenüber der EU sagt doch nur etwas darüber aus, dass die Briten mehr aus der EU eingekauft und auch bezahlt haben als umgekehrt. Vereinfacht ausgedrückt: Entweder leben so von Ihren Ersparnissen oder holen sich das Geld woanders her. @Herr Fugmann: Den Amerikaner billigen sie Kapitalfluß zu, den Briten aber nicht. Wieso?

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Inflation, Bitcoin, Aktien: Beck gegen Marc Friedrich

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Kommt bald die Inflation – und was wird mit Aktien oder Bitcoin passieren? Bedeutet Inflation gleichzeitig, dass Bitcoin und Aktien und auch Rohstoffe steigen werden?

Bitcoin, Aktien und Inflation – was wird passieren?

Derzeit gehen fast alle davon aus, dass die Inflation anziehen wird: mit dem Impfstoff werde sich das Corona-Problem erledigen, woraufhin die Nachfrae anziehen werde, was dann wiederum Inflation mit sich bringe (der Reflations-Trade). Diese Inflation zeigt sich bereits bei den Asset-Preisen vor allem bei Immobilien, mit gewissen Abstrichen auch bei Aktien (vor allem aus dem US-Tech-Sektor). Sind Aktien inzwischen zu teuer?

Der Potzfolioverwalter Andreas Beck bringt die Dinge in einem Interview mit Marc Friedrich in Relation: er hält Immobilien für zu teuer (aufgrund des demografischen Wandels – der ab dem Jahr 2025 kippen wird), bei Aktien sei das „Glas halbvoll“ – während er Bitcoin für eine „Thema-Verfehlung“ hält („Bitcoin ist ein Anrecht für nichts auf niemanden“) und dabei auf eine russische Firma verweist, die dafür ein Muster gegeben hat (was für den Bitcoin-Gläubigen Marc Friedrich schwer zu ertragen ist!). Andreas Beck gegen Marc Friedrich – wer hier die besseren Argumente hat, könne Sie entscheiden. So sagt Andreas Beck zu Bitcoin: „Was nichts ist, kann nicht knapp sein“ – und demaskiert damit das Argument der Bitcoin-Jünger!

 

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Inflation, Aktien und Bitcoin - Marc Friedrich gegen Andreas Beck

 

weiterlesen

Allgemein

Rundfunkbeitrag mit Bargeld bezahlen? EU-Urteil liegt vor – mit erstaunlicher Begründung

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Mehrere Scheine Euro Bargeld

Darf der deutsche Michel darauf bestehen, dass er seinen Rundfunkbeitrag mit Bargeld bezahlt, und nicht per Banküberweisung oder Lastschrift? Deswegen war der Wirtschaftsexperte und Journalist Norbert Häring durch alle Instanzen gegangen, und landete vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Seine Klage basierte auf dem Bundesbankgesetz, welches Bargeld als uneingeschränktes gesetzliches Zahlungsmittel ansieht – womit impliziert werden könnte, dass alle öffentlichen Einrichtungen gezwungen sind Zahlungen in bar zu akzeptieren.

Panische Angst vor Zahlung mit Bargeld?

Aber es ist klar. Die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten wehren sich mit allen Mitteln gegen die Bargeldzahlung. Man stelle sich vor hunderttausende unzufriedene Gebührenzahler würden von diesem Recht Gebrauch machen, und bei den Anstalten vor Ort mit 1 Cent Münzen zahlen, aus Protest. Der Verwaltungsaufwand wäre gigantisch. Und jetzt wird es spannend. Der Europäische Gerichtshof hat heute sein Urteil gefällt (hier im Wortlaut nachzulesen). Gleich die Headline zeigt die erstaunliche Argumentation der Richter. Sie argumentieren nämlich nicht mit Inhalten, sondern begründen ihr Urteil damit, ob die Auswirkungen für die betroffenen Einrichtungen (ARD und ZDF) verwaltungstechnisch umsetzbar sind. Zitat EuGH:

Ein Mitgliedstaat des Euro-Währungsgebiets kann seine Verwaltung zur Annahme von Barzahlungen verpflichten, aber er kann diese Zahlungsmöglichkeit auch aus Gründen des öffentlichen Interesses beschränken. Eine solche Beschränkung kann insbesondere gerechtfertigt sein, wenn die Barzahlung aufgrund der sehr großen Zahl der Zahlungspflichtigen zu unangemessenen Kosten für die Verwaltung führen kann.

Also: Das EU-Gericht verweist die letztliche Entscheidung zurück an den Bundesgerichtshof. Aber der erhält von den EU-Richtern de facto eine Vorlage für eine Entscheidung gegen die Zahlung mit Bargeld. Nämlich in dem man sagt: Bei potenziell hunderttausenden oder Millionen Barzahlern des Rundfunkbeitrags werden die Verwaltungskosten derart hoch sein, dass dies zu ernsthaften Problemen für die Rundfunkanstalten führt. Daher wäre es angemessen für Deutschland ein Barzahlungsverbot auszusprechen. So darf man den zweiten Satz aus der Headline-Aussage des Urteils interpretieren. Und man darf vermuten, dass die deutschen Richter diesen Hinweis auch genau so aufnehmen und in ihr Urteil einfließen lassen werden. Also wird es (vermutlich) keine wirklich inhaltliche Begründung für die bevorstehende Ablehnung der Bargeldzahlung in Deutschland geben, sondern nur eine verwaltungstechnische. Das ist ziemlich armselig, so möchte ich es ausdrücken!

Der Klageführer Norbert Häring hat dazu vor wenigen Minuten seinen eigenen Kommentar veröffentlicht (hier nachzulesen). Die Richtung der deutschen Richter dürfte klar sein. Reihenweise könnten Beitragszahler auf Barzahlung bestehen, also wäre der Verwaltungsaufwand für ARD und ZDF bei nur 17,50 Euro pro Beitragszahler nicht mehr verhältnismäßig. Man kann das endgültige Urteil der deutschen Richter schon Monate im Voraus am Horizont sehen, bevor es ausgesprochen wurde. Hier auszugsweise im Wortlaut aus dem heutigen EuGH-Urteil die wohl wichtigsten Aussagen:

In einem zweiten Schritt stellt der Gerichtshof fest, dass der Status der Euro-Banknoten und -Münzen als gesetzliches Zahlungsmittel zwar grundsätzlich eine Verpflichtung zur Annahme dieser Banknoten und Münzen impliziert, diese Verpflichtung aber von den Mitgliedstaaten grundsätzlich aus Gründen des öffentlichen Interesses eingeschränkt werden kann, vorausgesetzt, dass diese
Einschränkungen im Hinblick auf das verfolgte Ziel von öffentlichem Interesse verhältnismäßig sind, was u. a. bedeutet, dass andere rechtliche Mittel für die Begleichung von Geldschulden verfügbar sein müssen.

Insoweit weist der Gerichtshof darauf hin, dass es im öffentlichen Interesse liegt, dass die Begleichung von Geldschulden gegenüber öffentlichen Stellen dergestalt erfolgen kann, dass diesen keine unangemessenen Kosten entstehen, die sie daran hindern würden, ihre Leistungen kostengünstiger zu erbringen. Daher kann der Grund des öffentlichen Interesses, der sich aus der Notwendigkeit ergibt, die Erfüllung einer hoheitlich auferlegten Geldleistungspflicht zu gewährleisten, eine Beschränkung der Barzahlungen rechtfertigen, insbesondere, wenn die Zahl der Beitragspflichtigen, bei denen die Forderungen einzutreiben sind, sehr hoch ist.

Es ist jedoch Sache des Bundesverwaltungsgerichts, zu prüfen, ob eine solche Beschränkung im Hinblick auf das Ziel des tatsächlichen Einzugs des Rundfunkbeitrags verhältnismäßig ist, insbesondere in Anbetracht dessen, dass die anderen rechtlichen Zahlungsmittel möglicherweise nicht allen beitragspflichtigen Personen leicht zugänglich sind.

weiterlesen

Allgemein

Exporte koppeln sich ab vom Lockdown-Pessimismus

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Hamburger Hafen

Man hört es dieser Tage öfter, und es ist auch logisch nachvollziehbar. Der zweite deutlich längere Corona-Lockdown sorgt für eine Abwärts-Revision bei der Erwartung für die deutsche Wirtschaftsleistung (siehe hier neue Prognose von Seiten der Bundesregierung). Immer mehr Unternehmen und Kleinst-Unternehmer aus den Bereichen Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und Urlaub werden wohl den Bach runtergehen. Aber gleichzeitig läuft die deutsche Industrie sowie Exportwirtschaft auf Hochtouren. Die folgende Grafik zeigt seit dem Jahr 2014 die Erwartungen an die deutschen Exporte aufgrund von heute veröffentlichten Daten des ifo-Instituts.

Noch vor der Krise bei einem Wert von 0, liegen die Erwartungen für die deutschen Exporte aktuell bei +6 Punkten, nach +1,9 Punkten im Dezember. Das ist der beste Wert seit Oktober. Klarheit beim Brexit und der US-Präsidentschaft, eine robuste Industriekonjunktur
und der weltweite Impfstart führten laut ifo-Institut zu einem vorsichtigen Optimismus in der deutschen Exportwirtschaft. Deutliche Zuwächse beim Export würden die Hersteller von Computern und elektrischen Ausrüstungen erwarten. Auch die Unternehmen aus dem Bereich des Maschinenbaus und der Chemischen Industrie blicken zuversichtlich auf ihre künftigen Exporte. Bei den Herstellern von Nahrung und Getränken haben sich die Erwartungen deutlich erholt. Gegenwärtig gehen sie von einem konstanten Exportgeschäft aus. Schwierig bleibt laut ifo der Auslandsmarkt für die Bekleidungsindustrie. Auch die Möbelhersteller gehen von rückläufigen Auslandsumsätzen aus.

Grafik zeigt Erwartungen an deutsche Exporte seit dem Jahr 2014

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage