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Anleihen

Wer die Weltwirtschaft erkannt hat, hat eine Leiche gefunden

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Von Michael Leist

Ich bin einmal gefragt worden, ob ich nicht wüsste, woher die ganzen Schulden auf der Welt herkämen. Es müsse doch Gläubiger geben, die für diese Schulden Geld hergegeben haben. Diese mächtigen Menschen müssten doch schon sehr gutgläubig sein, wenn sie den Staaten noch weiterhin Geld geben würden – obwohl es nahezu keinen Zins mehr dafür gäbe?

Damals habe ich dann versucht zu erklären, dass wir als Staatsbürger im Grunde bei uns selbst verschuldet sind, ohne es gewollt zu haben, und dass die Gelder für die Schulden zum überwiegenden Teil nicht hergegeben wurden, sondern dass sie erst durch die Banken mittels Buchungen von Giral/Buchgeld wiederrechtlich erschaffen werden mussten, damit es zu unserer heutigen Staatsschuld werden konnte. Und weil das auch Auswirkungen auf den Zins hat, würde es für die Banken abermals Sinn machen, den Staaten als Gläubiger der letzten Hand die liquiden Geldmittel ihrer Bürger – als unfreiwilligen Kredit umgewidmet – auszuhändigen. Denn damit schließt sich dann der transformatorische Geldkreislauf, der aus den Einlagen der Bürger eine durch den Staat reingewaschene Kreditschuld werden lässt. Und man hat zugleich ein Pfand das sich international trefflich versilbern lässt.

Michael Köhler beschreibt dies in seinem Buch „Das Geld und die Verfassung“ so:

“Geldvermögen, welches die Wirtschaftssubjekte als Sichteinlagen [auf Girokonten] verfügbar halten und gerade nicht ausleihen wollen, wird, von den Banken zu Kreditmitteln „umgewidmet“, zur wertminderten Konkurrenz auf dem Kapitalmarkt. […] Gibt nämlich die Bank den mit der Geldschöpfung verbundenen Kredit [Buchgeld] aus der Sichteinlage, so liegt bereits in dieser zweifachen Zuordnung ein Wertentzug. Das in den AGB die Einlageverwendung verschwiegen wird und ungeregelt bleibt, kommt mithin nicht von ungefähr. Denn die für die Einlage erworbene Forderung des Deponenten ist durch die zusätzliche Verwendung zur Krediterteilung nicht nur mit dem Risiko des Teildeckungs-bankings belastet, sondern im Ansatz schon wertgemindert. Am hypothetischen Beispiel einer Einlage von Goldmünzen wird dies deutlich, verliert doch die als Geldsubstitut per Überweisung zirkulierende Forderung [über die eingezahlten Goldmünzen] an Wert, soweit sie nicht mehr zu 100% durch Goldmünzen unterlegt ist. Das zeigt sich im Krisenfall eines Bankenruns. [… Zudem gilt]: Wer systemisch privilegiert über das neue Geld verfügt, realisiert bei vorläufig noch unangepasstem Güterpreisniveau einen Vermögensvorteil, dem ein Verlust anderer entspricht – und zwar ohne vermögensrechtlich haltbaren Grund. […] Die privilegierte „geldschöpferische“ Kreditausweitung infiziert schließlich alle anschließenden Kreditgeschäfte mit einem unredlichen Element, das dem Inflationspotential des neugeschaffenen Geldes geschuldet ist: jeder Darlehensnehmer [also auch der Staat] verspricht zwar implizit, Geldeinheiten „gleicher Güte“, also gleichen Tauschwertes zurückzugeben. Er kann und will diese Verpflichtung aber nicht einhalten, weil im systemischen Gesamtvorgang die Wertminderung der nominell zurückzuzahlenden Geldeinheiten angelegt ist.”

Dies sei so Köhler „eine Quelle der Bereicherung“ und führe zu „Vermögenswertverschiebung erheblichen Ausmaßes“. Zudem habe die private Produktion von Buch/Giralgeld ähnlich der Fälschung von Sachgeld keine Grundlage im geltenden Recht.
So genannte Schattenbanken gehen noch einen Schritt weiter. Hier wird ein und dasselbe Pfandgut (z.B. eine Staatsanleihe) für mehrere Kredite in mehreren Banken als Sicherheit verwendet. Bei diesen Ketten von Pfändungen (Collateral Chains) werden Schulden mit Schulden besichert und die Geldmenge erhöht sich also auf Basis eines mehrfach verliehenen „Wertpapieres“.  Aus 1 mach 2 mach 3 mach 4 – das ist die Inflation durch Gier! Diese Collateral Chains kreieren sehr starke Abhängigkeiten: Einerseits der Banken untereinander, andererseits von der Werthaltigkeit der Sicherheiten. Das Vertrauen der Banken untereinander sowie die gemeinsamen Ansichten darüber, welche Sicherheiten auch wirklich sicher sind, führt zu mehr neuem Geld – oder eben zu weniger, so wie seit 2008.

Also wenn das stimmen sollte – wurde mir erwidert- dann sollte das Überangebot von Geld auf den Märkten doch Inflation erzeugen, der Wert langlebiger Wirtschaftsgüter sollte daher tendenziell steigen und nicht wie wir es derzeit erleben fallen. Die Zentralbanken der Welt versuchen ja gerade durch das Gelddrucken deflationäre Tendenzen zu bekämpfen. Außerdem hat doch der Staat das alleinige und unveräußerliche Souveränitätsrecht die Geldmenge festzulegen. Oder etwa nicht?

In der Tat hat sich die Politik durch die geduldete Kreditinflation – die nur dem einem Ziel dient, nämlich Ressourcen von bisherigen Zielen (Sparen /Altersvorsorge) abzuziehen um sie neuen Männern und neuen Zielen zur Verfügung zu stellen – damit ihr eigenes Betätigungsfeld geschaffen und propagiert unter dem Schlagwort „soziale Gerechtigkeit“ Lösungen wie die Deckelung von Mieten oder den Mindestlohn, die ohne eine Kreditmengenausweitung nicht nötig gewesen wäre. Denn eigentlich “müsste sich nämlich, in der ihre Produktivität ständig steigernden Ökonomie einer freiheitlichen Gesellschaft, die Erhöhung des Sozialprodukts (des „allgemeinen Vermögens“) in realen Einkommenssteigerungen für alle am gesellschaftlichen Arbeitsprozess Beteiligten niederschlagen und zwar auch durch Steigerung der „Kaufkraft“ […] Dagegen wird die wirkliche Entwicklung seit langem durch privilegierte Aneignung, strukturelle Massenarbeitslosigkeit, Staatsverschuldung zwecks sozialen Ausgleichs, aber auch durch monetäre Instabilität geprägt”, so Köhler. Dabei kassiert der deutsche Staat mittlerweile direkt oder indirekt 70% des Einkommens eines durchschnittlichen Verdienstes und kommt damit anscheinend nicht einmal aus. Dass langlebige Wirtschaftsgüter wie PCs, oder Autos nicht im Wert steigen lässt sich einerseits damit erklären, dass man seit Keynes unausgelastete Produktionspotenziale die sich aus dem Mangel an effektiver Nachfrage ergaben sofort wieder mit einer Geldmengenexpansion begegnete, was nur die Staatsschulden in die Höhe trieb und die Abhängigkeit der Wirtschaft vom Export vergrößerte. Zum anderen suchten die Unternehmen durch technischen Fortschritt sowie durch logistische und personelle Effizienz (s.h. durch Leiharbeit und Entlassungen) die geminderte Kaufkraft Ihrer Kunden auszugleichen. Es lässt sich also festhalten, dass nicht nur der „Geldbedarf“ die zur Versorgung der Wirtschaft erforderliche Geldschöpfung bestimmt, sondern das expansive Angebot schafft sich auch selbst die ausgedehnte Nachfrage, z.B. nach Investitions-, Immobilien-, Konsumkrediten”. (1)

Die Inflation bei Vermögensgütern ist dagegen unübersehbar und wird von den Zentralbanken befeuert. Man gibt zwar vor, die reale Wirtschaft fördern zu wollen, hat aber vielmehr die Aktienkurse und den aufgeblähten Immobilienmarkt im Blick. Das ungedeckte Papiergeldsystem scheint daher überdehnter denn je. Sein Überleben hängt davon ab, dass es nicht vollends entzaubert wird, dass nicht alle sehen: Der Kaiser hat keine Kleider an. Nur indem die Notenbanken weltweit die Vorschriften für die Werthaltigkeit der Sicherheiten, die sie angedient bekommen, immer weiter herunterfahren, lassen sich die nackten Tatsachen noch verschleiern. “Und die „Wertpapiere“, die das Schattenbankensystem angewidert ausspuckt, saugen die Notenbanken über Programme wie ELA gierig auf. […] Die Notenbanken werden praktisch selbst zu Hedgefonds. Allerdings mit absichtlich schlechtem Portfolio. Das geht nur, solange man weiß, dass der Steuerzahler die Rechnung übernimmt. Was er mit Blick auf z.B. die deutschen Wahlergebnisse offensichtlich auch gerne macht. [… Doch] Es kommt noch wilder: Durch den Einbruch der Kreditvergabe per Schattenbankensystem [seit der Finanzkrise] – während zugleich die Großbanken durch den ständigen, nahezu kostenfreien Geldfluss sogar davon abgehalten werden, sich mit der lästigen Kreditvergabe zu beschäftigen – entsteht ein heftiger Deflationsdruck in der Realwirtschaft.” (2)

Dennoch: Begründen die vermeintliche Wohltäter ihre Maßnahmen mit einem Problem, das ohne sie gar nicht bestanden hätte?
Eine lange Pause folgte … Aber die Kreditausweitung regt doch die Ökonomie an, so kann der Export gesteigert werden und mit der Rückzahlung der Darlehen würde das zusätzlich Kreditgeld ohnehin wieder vernichtet. Und wenn man vom System beispielsweise als Aktionär profitiere, dann ist es so gesehen vielleicht doch alles gut so?

Diese Frage klingt ein wenig nach dem Stockholm Syndrom: ein psychologisches Phänomen, bei dem Opfer von Gewalt eine emotionale Bindung zu dem oder den Tätern aufbauen (meist taucht der Begriff in Zusammenhang mit Geiselnahmen auf, bei der die Geiseln mit den Geiselnehmern sympathisieren). Anscheinend missverstehen Sie die Geldflut als gewinnbringend weil sie sich ihr nicht entziehen können, dennoch gibt es bei diesem Spiel hauptsächlich Verlierer. Eine klassische „lose-lose“-Situation für Investoren und Verbraucher. Denn entweder die Zentralbanken beendeten ihre Ankäufe was zu einem Liquiditätsschock und heftigen Kursausschlägen führen sollte wenn die schlechten Schulden keinen Abnehmer mehr finden, oder aber die Flucht in Vermögensgüter trocknet die Wirtschaft aus, während sich die Bewertung der Aktien immer weiter von der wirtschaftlichen Realität entfernt. Denn mittlerweile ist der Mangel an Anleihen guter Bonität dermaßen stark, dass Banken sich diese Wertpapiere gegen Gebühr leihen, um sie dann wiederum für Kredite zu verpfänden oder alternativ auf Wertpapiere zurückgreifen, die die eigenen Kunden in ihre Depots gekauft haben. Dies erhöht wiederum die Gefahr einer Blasenbildung – und da Finanzblasen im Prinzip subtile sozialpsychologische Phänomene sind, lassen sie sich gerade aufgrund ihres Charakters nur schwer kontrollieren. Hier lohnt ein Blick auf die Märkte.

Am 13.April schrieb ich bei einem DAX-stand von über 12.000 Punkten auf finanzmarktwelt.de: „Obwohl es möglich ist, das Ziel jenseits der 13.000 Punkte festzulegen, ist es doch wahrscheinlicher, dass der Kurs sich wie bisher zwischen den rot gekennzeichneten Linien aufhält Eine Korrektur bis auf 10.800 Punkten scheint somit im Bereich des Möglichen [siehe Abb.1 Wochenchart].“ Tritt man charttechnisch noch einen Schritt zurück, so erkennt man das Gesamtbild noch besser und es wird klar, dass der DAX – obwohl er nun unter 11.000 Punkte steht – immer noch ein hohes Fallrisiko in sich birgt [Abb.2 Wochenchart].

Im selben Artikel habe ich auch dargelegt, warum ich einen Goldkurs von 1500 USD für realistisch halte. Kurz darauf am 19.Mai erfuhr ich dann, dass auch Steen Jakobsen von der Saxo Bank (http://finanzmarktwelt.de/china-aendert-die-richtung-des-geldflusses-was-das-fuer-gold-und-andere-maerkte-bedeuten-wird-12435/) den Goldpreis bis Ende des Jahres bei 1425 Dollar sieht [Abb.3, Tageschart, MACD aber auf Wochenbasis]. Aber auch der Dow Jones gibt zu denken [Abb.4, Wochenchart mit Transportation Average rot]. Denn nach der Dow Theorie sollten der Kursverlauf des Dow Jones Industrial Average und des Dow Jones Transportation Average bei einem gesunden Trend uniform verlaufen. Denn solange die Konjunktur freundlich ist, müsste sich sowohl die Industrie als auch das Transportwesen ungefähr im Gleichschritt entwickeln. Güter, die produziert werden, müssen zum Verkauf auch transportiert werden. Laufen die beiden Sektoren bzw. die sie repräsentierenden Aktienindizes aber auseinander, dann geben sie damit das Signal, dass die Konjunktur in schwere Fahrwasser gerät, was gleichzeitig ein Warnsignal für die Börsen darstellt. Mit der hier gezeigten negativen Divergenz reiht sich die Dow Theorie damit nahtlos in eine bereits sehr lange Reihe von Warnzeichen und Verkaufssignalen ein. Und während die Zeichen an den Aktienmärkten auf Sturm stehen, stellt sich die Lage bei den Edelmetallen ganz anders dar. Fundamentalanalytisch spricht alles für die Sicherheit des Goldes, und inzwischen mehren sich auch die technischen Signale, die für eine neue Goldhausse sprechen, die in Euro oder Yen gerechnet ja ohnehin längst begonnen hat.

Es mag zwar sein, dass durch die Kreditsxpansion mehr Exportgüter produziert werden können. Aber wohin sollen die Exporte gehen, wenn die Absatzmärkte durch Kriege (Irak, Syrien, Ukraine), Staatspleiten (Argentinien, Grieschenland), Handelshemmnisse (Russland), Seuchen (Westafrika) oder eben Rezessionen (Südeuropa, Japan) ausgedünnt werden? Letztlich muss man sich auch fragen ob ein Handelsbilanzüberschuss für fremdes Papiergeld (dessen zukünftigen Wert wir nicht kennen und auch nicht beeinflussen können) überhaupt einen Mehrwert für uns hat.

Und was soll nun geschehen?
Wenn du mich als gläubigen Christen fragst so sage ich dir: lies das Thomas-Evangelium.
“Jesus Sprach: „Wer sucht, soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet; und wenn er findet, wird er erschrocken sein; und wenn er erschrocken ist, wird er verwundert sein, und er wird über das All herrschen.[…] Ich stand in der Mitte der Welt und erschien ihnen im Fleisch. Ich fand sie alle trunken, ich fand keinen unter ihnen durstig. Und meine Seele war betrübt über die Söhne der Menschen, da sie blind in ihrem Herzen sind und nicht sehen; dann leer sind sie in diese Welt gekommen und leer suchen sie, die Welt zu verlassen. Nun aber sind sie trunken. Wenn sie Ihren Wein abschütteln, werden sie bereuen. […] Wer die Welt erkannt hat, hat einen Leichnam gefunden; und wer einen Leichnam gefunden hat, ist der Welt überlegen. [… Darum] Gebt nicht, was heilig ist, den Hunden, damit sie es nicht auf den Misthaufen werfen. Werft die Perlen nicht vor die Schweine, damit sie sie nicht zu Dreck machen”. (3)
Quellen:
(1)https://www.kreditopferhilfe.net/docs/Michael_Koehler__Geldschoepfung_der_Banken_als_Vermoegensrechtsverletzung.pdf
(2) http://www.rottmeyer.de/collateralschaden/
(3) http://www-theol.uni-graz.at/~heil/lvws0506/evth.pdf

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Ein Kommentar

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    Michael Leist

    8. Juli 2015 11:51 at 11:51

    Hier noch ein Nachtrag. Am Beispiel einer aktuellen Studie wird die Vorgehensweise der organisierten Staatsverschuldung deutliche.
    http://finanzmarktwelt.de/kritik-zum-bericht-ueber-die-ursachen-der-staatschulden-13456/

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USA: Fed-Bilanz, Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung im Vergleich

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Die Zentrale der Fed in Washington DC

Wie auch in Europa, so wird in den USA in gigantischem Ausmaß gedruckt, gepumpt und verschuldet. Hier schauen wir uns die Orgie des frischen Geldes mal in Form von Charts an, alle seit dem Jahr 2002. Im ersten Chart sehen wir die Bilanz der Federal Reserve. Sie musste in gigantischem Ausmaß jüngst Geld drucken, um damit Staatsanleihen und viele andere Instrumente aufkaufen zu können. Die Bilanz stieg seit 2002 von gerade mal 719 Milliarden Dollar auf aktuell über 7 Billionen US-Dollar! Noch Ende Februar, kurz vor dem Start der ganzen Rettungsorgien, waren es noch 4,1 Billionen US-Dollar.

Bilanz der Fed seit dem Jahr 2002

Im Vergleich zum Wachstum der Fed-Bilanz sehen wir im folgenden Chart seit dem Jahr 2002 die Entwicklung der offiziellen Arbeitslosenquote in den USA. Damals noch bei 5,7 Prozent, stieg sie in der Spitze der Finanzkrise bis auf 10 Prozent an. Dann in den Boomjahren danach die Erholung bis auf nur noch 3,5 Prozent im Februar 2020. Was für eine Vollbeschäftigung! Ein Paradies in jeder Hinsicht? Und dann der große Knall durch die Coronakrise. Binnen weniger Wochen die Explosion der Arbeitslosigkeit auf 14,7 Prozent.

Offizielle Arbeitslosenquote in den USA seit 2002

Die US-Staatsverschuldung, die entwickelt sich völlig unabhängig von Konjunkturzyklen oder Notenbank-Bilanzen! Dies sieht man im folgenden Chart, auch seit dem Jahr 2002. Egal ob während der Finanzkrise oder danach in einem jahrelangen Konjunkturboom, wo der Staat eigentlich Gelegenheit hätte Schulden abzubauen. Die Verschuldung der US-Regierung wächst konstant weiter an, von 6 Billionen US-Dollar im Jahr 2002 auf aktuell über 25 Billionen Dollar, was hier im Chart noch nicht final aktualisiert wurde. Die nächsten Monate wird diese Zahl wohl deutlich anwachsen, aufgrund der Rettungsmaßnahmen in Folge der Coronakrise.

US-Staatsverschuldung seit 2002 wächst kontinuierlich an

Aber zum Schluss nochmal zurück zur Arbeitslosigkeit in den USA. Der folgende Chart zeigt die Entwicklung seit den 1950er-Jahren. So erkennt man besser die aktuelle dramatische Lage!

Arbeitslosigkeit in den USA seit den 1950er Jahren
Charts: St. Louis Fed

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Anleihen

Deutschland verkauft Schulden – Investoren mit Nachfrage-Explosion!

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Geldmünzen und Scheine

Ja, so was sieht man nicht oft. Deutschland hat heute neue Schulden verkauft, und die Nachfrage… die war so hoch wie seit 13 Jahren nicht mehr. Fast schon unfassbar. Der deutsche Staat hat heute zwei Jahre laufende Bundesschatzanweisungen mit einem Zinskupon von 0,00 Prozent verkauft. Die Negativrendite der Emission lag bei -0,66 Prozent (vorher -0,68 Prozent). Angeboten hatte der Bund ein Emissionsvolumen von 5 Milliarden Euro. Die Finanzagentur Deutschland GmbH, die für Bundesfinanzminister Olaf Scholz das Anleihemanagement durchführt, zeigt in ihren frisch veröffentlichten Details zu dieser Emission, dass die Nachfrage bei unglaublichen 13,26 Milliarden Euro lag!

Tja, wenn man eh weiß, dass die EZB sowieso den ganzen Markt aufkauft (vereinfacht ausgedrückt), wo ist da noch das Risiko für Investoren? Außerdem ist Deutschland eh der solventeste Schuldner? Aber halt. Mit -0,66 Prozent Rendite macht der institutionelle Anleger mehr Verlust, als wenn er sein überschüssiges Geld auf einem Bankkonto parken würde, wo er zwar auch Negativzinsen auf große Einlagen zahlt, aber noch nicht -0,66 Prozent. Also warum dieser Ansturm auf diese Bundesschatzanweisungen?

Die Anleger könnten darauf spekulieren, dass in Zeiten von Gelddrucken, Coronakrise und Staatsschulden-Orgien die Rendite-Niveaus der Anleihen jetzt weiter, weiter, und noch weiter ins Negative rutschen. Weiter sinkende Renditen bedeuten automatisch immer weiter steigende Anleihekurse. Wer also jetzt in die Auktion stürmt, hofft auf einen höheren Verkaufskurs seiner Anleihe in einigen Tage, Wochen, oder Monaten.

Der deutsche Staat macht wie seit Jahren so richtig kräftig Kasse mit seinen Emissionen. Von wegen Haushaltsdisziplin oder sparsame Finanzminister Schäuble und Scholz. Die guten Herren verdienen ihr Geld durch den Verkauf neuer Schulden. Geld im Schlaf verdienen sozusagen – das kann jeder! In diesem Fall, bei dieser einzelnen Transaktion, ist mal wieder eine beträchtliche Gewinnsumme angefallen. Bei 5 Milliarden Euro Angebot hat der Bund tatsächlich 4,07 Milliarden Euro verkauft. 930 Millionen Euro gingen in die Marktpflegequote – damit wird der laufende Anleihehandel nach der Emission liquide gehalten.

Bei 4,07 Milliarden Euro Nominalwert muss exakt diese Summe in zwei Jahren an die Inhaber der Papiere zurückgezahlt werden. Zu einem heutigen Emissionskurs von 101,35 Prozent wurden sie aber heute über Nominalwert verkauft, wodurch die Negativrendite für die Anleger entsteht. Daher hat der Bund heute tatsächlich 4,125 Milliarden Euro eingenommen, und per sofort einen Gewinn in Höhe von 55 Millionen Euro eingestrichen. Summiert man alle Emissionen der letzten Jahre mit Negativrenditen zusammen, entstehen da Milliarden-Gewinne, nur durch den Verkauf neuer Anleihen! Die Zeche zahlen tun diejenigen, die solche Anleihen nicht zum Zweck der Kursgewinne halten, sondern weil sie es zum Beispiel als Fonds oder Pensionskasse oder Rentenversicherung per Satzung tun müssen, nämlich “sichere Anleihen” im Portfolio halten.

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Warum Ihnen bei der privaten Altersvorsorge schwere Verluste drohen!

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Die Private Altersvorsorge steht vor Problemen

Die OECD hat eine interessante Studie zum Thema Unternehmensanleihen herausgegeben. Ein Thema, das fast alle Menschen angeht, vor allem wegen der privaten Altersvorsorge. Aber merken tun es kaum jemand. Denn schließlich investieren alle Versicherungen und Pensionsfonds in Anleihen. Diese Anlagegattung ist nicht nur das Fundament der privaten Altersvorsorge – es IST die private Altersvorsorge. Leider beginnt das gesamte Gebäude morsch zu werden. Die Qualität der am Markt verfügbaren Anleihen nahm im Laufe der vergangenen Jahre signifikant ab und sie dürfte im Angesicht der Coronakrise die größten Einbußen noch vor sich haben. Mit abnehmender Qualität steigt jedoch das Verlustrisiko, womit die Altersvorsorge der Sparer in Gefahr ist.

Die Studie bezieht sich auf einen Teilmarkt der Anleihen, nämlich Unternehmensanleihen außerhalb des Finanzsektors. Dieser Markt umfasste Ende 2019 immerhin 13,5 Billionen US-Dollar weltweit. Der größte Teil dieses Schuldenbergs entstand erst nach 2008. Allein 2019 nahmen die Unternehmen 2,1 Billionen US-Dollar zusätzliche Schulden auf.

Schlechtere Bonität, längere Laufzeit, mehr Schulden – so startet die Unternehmenswelt in die Krise

Im Gegensatz zu früheren Kreditzyklen weist der Markt dieses Mal einige Besonderheiten auf. Die Bonität der Unternehmen ist schlechter, es gibt größere Zahlungsverpflichtungen denn je, längere Laufzeiten und weniger Schutz für die Anleger als in früheren Zyklen. Mehr Schulden längerer Laufzeit bei geringer Bonität und weniger Schutz bedeutet, dass Verluste für Anleger in der größten Wirtschaftskrise seit mindestens 90 Jahren nicht nur wahrscheinlich sind, sondern sicher. Und sie werden vermutlich größer ausfallen als während der Finanzkrise 2008. Untersucht wurden dabei mehr als 92.000 verschiedene Wertpapiere aus 114 Ländern.

Für Unternehmen ist das von Ratingagenturen vergebene Bonitätsrating sehr wichtig. Denn die meisten institutionellen Anleger dürfen nicht in Junkbonds investieren, also in Anleihen mit einem Bonitätsrating schlechter als BBB (hier finden Sie eine gut erklärte Tabelle mit einer Übersicht der Ratingstufen). Rutscht ein Unternehmen in den Junkbereich, also Schrott, verliert es den Zugang zu den meisten Anlegern und wird in der Folge deutlich höhere Zinsen zahlen müssen und eventuell trotzdem weniger Kredit bekommen als zuvor. Das Rating hängt weitestgehend davon ab, wie die Ratingagentur die Rückzahlungswahrscheinlichkeit einschätzt. Niedrige Zinsen bedeuten, dass ein Unternehmen mehr Schulden aufnehmen kann, ohne dass die Rückzahlungswahrscheinlichkeit sinkt. Warum das für Ihre Altersvorsorge zum Problem wird, dazu kommen wir gleich noch. Dieser Mechanismus wurde in den vergangenen Jahren ausgenutzt, um Unternehmen mit Krediten zu überladen. Sei es, um andere Unternehmen zu kaufen, sei es, um eigene Aktien zurückzukaufen, sei es, um auch einmal Investitionen ins Kerngeschäft zu tätigen.

Eine Abwertung setzt eine Abwärtsspirale für die Unternehmen in Gang

Größere Schulden werden dann zu einem Problem, wenn die Zinsen wieder steigen sollten und fällige Kredite nicht aus dem Cashflow des laufenden Geschäfts bedient werden können, sondern mit neu aufgenommenen Krediten getilgt werden müssen. Die neuen Kredite sind dann auf einmal deutlich teurer als die alten, abzuzahlenden. Im schlimmsten Fall scheitert die Refinanzierung, weil der Kapitalmarkt entweder die Schuldentragfähigkeit bei höheren Zinsen negativer einschätzt oder weil eine Refinanzierung ausgerechnet während einer Börsenkrise stattfinden muss, in der Anleger Risiko avers agieren und nur Schuldnern bester Bonität trauen. Ein weiteres Problem tut sich dadurch auf, dass die durchschnittliche Laufzeit einer Unternehmensanleihe von neun auf zwölf Jahre stieg. Die Nachfrage nach länger laufenden Anleihen ist umso geringer, je niedriger die Bonität eines Unternehmens eingeschätzt wird. Es ist in den meisten Fällen von Schuldnern schlechter Bonität wahrscheinlicher, dass eine Anleihe in einem Jahr als in zwölf getilgt wird.

Werden die Anleihen eines Unternehmens auf Junkbonds-Niveau herabgestuft, müssen die meisten institutionellen Anleger verkaufen. Das lässt die Preise für die Anleihen sinken. Da die Rendite invers mit dem Preis gekoppelt ist, geht die Rendite automatisch nach oben. Die Zinsen neu herausgegebener Anleihen orientieren sich an der Rendite bereits auf dem Markt verfügbarer Anleihen gleicher Laufzeit. Also steigt auch der Zinssatz für neue Anleihen. Da auf dem Junkbonds-Markt wenig Nachfrage nach den durchschnittlich lang laufenden Anleihen besteht, wird der Zinssatz bei einem Downgrade wahrscheinlich überproportional steigen.

Der Markt kann weitreichende Abwertungen nicht verkraften

Seit 2010 waren durchschnittlich 20% aller ausstehenden Unternehmensanleihen Junkbonds. 2019 hingen waren es bereits 25%. Und 51% aller 2019 neu herausgegebenen Anleihen hatten ein BBB-Rating, also die letzte Stufe vor einem Junkbonds. Im schlimmsten Fall, wenn aufgrund der Corona-bedingten Wirtschaftskrise weitreichende Downgrades durchgeführt werden, müsste sich also der Markt für Junkbonds (hier dazu ein Artikel über die EZB) schlagartig verdreifachen. Die Folgen wären eine akute Kreditklemme für die meisten Unternehmen und traumhafte Zinskonditionen für die wenigen verbliebenen Emittenten von Anleihen guter Bonität. Denn alle institutionellen Anleger, die gezwungen sind, in Investment-Grade Anleihen zu investieren, würden sich um die verbliebenen 25% streiten. Den Besitzern der jetzt noch mit BBB bewerteten Anleihen, also ETFs, Versicherungen, Pensionsfonds, drohen erst schwere Kursverluste bei den herabgestuften Anleihen und dann Niedrig- oder sogar Negativzinsen beim Kauf der wenigen verbliebenen Anleihen mit Investment-Grade Rating. So wirkt sich diese Gemengelage negativ auf Ihre private Altersvorsorge aus, und Sie merken es kaum, weil Details von außen nicht erkennbar sind.

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