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Wer hat Angst vor dem Schwarzen Schwan? Mysteriöser Käufer von VIX-Call-Optionen

Gestern stürzte der maßgebliche Future für Volatilität an den US-Märkten, der VIX (Future auf die Volatilität im S&P500) nach den starken US-Konjunkturdaten kurz unter die Marke von 10 - einer der niedrigsten Stände der letzten Jahrzehnte! Wenn man Volatilität mit "Angst" übersetzt, bedeutet das: die (Aktien-)Märkte haben keine Angst. Einer aber offensichtlich schon..

FMW-Redaktion

Gestern stürzte der maßgebliche Future für Volatilität an den US-Märkten, der VIX (Future auf die Volatilität im S&P500) nach den starken US-Konjunkturdaten kurz unter die Marke von 10 – einer der niedrigsten Stände der letzten Jahrzehnte! Wenn man Volatilität mit „Angst“ übersetzt, bedeutet das: die (Aktien-)Märkte haben keine Angst, so wenig Angst, wie praktisch nie in den letzten Jahrzehnten. Und das ist angesichts der massiven geopolitischen Unsicherheiten, die mit der Trump-Regierung durchaus eskalieren könnten (siehe hierzu unseren Artikel „Trump-Berater Steve Bannon: „Es wird Krieg mit China geben“!) entweder sehr mutig – oder eben saudumm! Das Risiko des Auftauchens eines Schwaren Schwans ist also nicht ganz gering..


Ein „Tauerschwan“. Das Bild vom „schwarzen Schwan“ als gänzlich unerwartetes Ereignis stammt übrigens vom antiken Satiriker Juvenal, Nassim Taleb hat es dann vor ein paar Jahren allgemein salonfähig gemacht..
Foto: Looking Glass – http://www.flickr.com/photos/fernando/48601074/, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1768062

Letzeres scheint sich ein bislang anonymer Käufer von Call-Optionen zu denken, der unter anderem gestern massiv VIX-Calls gekauft hat, also auf einen Anstieg der Volatilität beim S&P wettet, mithin also von fallenden Kursen ausgeht. Und das unter erstaunlichen Volumina – insgesamt kaufte der mysteriöse Käufer gestern 689.477 Optionen. Und die Käufe folgen einem klaren Muster: alle Optionen kosten um die 50 Cents, daher wird dieser Käufer auch bei Insidern, die das Geschehen beobachteten (von der Firma „Macro Risk Advisors“), als „50Cents“ bezeichnet (wie der bekannte Rapper). Und nicht nur der Preis ist fast immer gleich, auch die Laufzeiten weisen eine Struktur auf: sie liegen ausnahmslos Richtung Monatsende, entweder Ende Februar oder Ende März.

Mit dieser Methode hat der mysteriöse Käufer nun seit Jahresbeginn gut 33 Millionen Dollar in die VIX-Call-Optionen investiert. Diese Optionen sind „aus dem Geld“, würden aber werthaltig, wenn der VIX auf Niveaus zwischen 19 und 24 steigen würde – am Montag hatte der VIX kurzzeitig die Marke von 18 erreicht, als die US-Indizes schwer unter Druck geraten waren.

Wer aber ist der Käufer dieser VIX-Calls? Insider vermuten, dass dieser Trader oder diese Institution eher nicht isoliert auf eine steigende Volatilität setzt, sondern die Käufe als Absicherung tätigt für bereits bestehende Positionen. Welche Positionen ist unbekannt – Anleihen, Aktien oder was auch immer.

So oder so: das inzwischen enorme Volumen hat die den mysteriösen Käufer beobachtenden Insider an den „Wal von London“ erinnert – das waren Trader von JP Morgan, die mit Swaps am Markt agierten und deren Positionen schließlich in einem ansonsten eher dünnvolumigen Markt so groß wurden wie bei einem Wal in der Badewanne. Als JP Morgan dann im Jahr 2012 beschloß, ihre Risiken zu reduzieren, versuchte man diese Positionen abzuwickeln – allerdings hatten Hedgefunds davon Wind bekommen und wetteten gegen die Positionen von JP Morgan, und die Bank verlor dadurch sehr viel Geld.



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12 Kommentare

  1. sehr interessante Story. Kann man den „VIX“ traden, also als Kleinaleger? Gibt es ggfls. Knock-Outs oder ähnliche Derivate auf den VIX? Wenn der VIX auf einem Tiefstand steht, wäre das durchaus eine Überlegung wert.

    1. Das können Sie auch als Kleinanleger! Ich mache es über CFD’s.

    2. Es gibt Zertifikate aber soweit ich mich da informiert habe (allerdings Ende 2015) sind die alle nicht besonders empfehlenswert weil sie sehr verschachtelt konstruiert sind und nicht 1:1 die VIX-Entwicklung spiegeln. Kann natürlich sein dass es neuere Produkte gibt die besser funktionieren.

  2. Wer jetzt nicht bereits auf steigende Kurse im Volatilitätsindex investiert ist, ist selber schuld! Wenn nicht jetzt, wann dann?

    1. @Walter Schmid
      können Sie mir bitte entsprechende Derivate nennen – WKN?

      1. Es gibt bestimmt eine Menge „Instrumente“, mit denen man auf steigende Volatilitätskurse setzen kann. Ich nutze hier ausschließlich CFD’s und kann leider zu anderen Möglichkeiten keine Informationen beisteuern.

      2. Einfach bei onvista mal ins Suchfeld „Vix“ eingeben – da findet sich einiges…

  3. Hab so was noch nie gemacht. Will ich auch nicht.
    Aber interessehalber:
    Warum investiert der Anonymus nicht
    direkt in Puts? Ist das nicht lukrativer, wenn er doch aufgrund der „schlechten“ Weltlage glaubt, dass die Börsen absaufen?

    1. Ein Volatilitätsindex misst die Schwankungsbreite und nicht ob die Märkte fallen oder steigen. Ein niedriger Stand bedeutet dass es keine große Ausschläge gibt. Die Weltlage und Trump lassen jedoch erwarten dass die Kurse bald wieder stark schwanken, aber wer weiß das schon…

      1. O.k., das wollte ich eigentlich sogar hören. Danke.
        Denn das bedeutet ja, dass dieser Anonymus ebenso gut der Meinung sein könnte, der Markt würde extrem nach oben schießen, z.Bsp. weil die Lage eben doch nicht so schlecht ist, wie sie oft dargestellt wird.

        Somit könnte es also sein, dass er sogar einen extrem wunderschönen w e i ß e n Schwan kommen sieht – und sei es, dass sich Trump märchenhaft in einen solchen verwandelt.

      2. @frank, das stimmt und stimmt doch nicht; wenn die Märkte fallen, steigt fast immer die Vola; das war auch am Montag so, als die US-Indizes unter Druck kamen. Wenn ein Markt stark fällt, schnellt die Vola fast in 100% der Fälle nach oben. Dagegen sinkt die Vola zuverlässig, wenn ein Markt steigt, es sei denn, er steigt wegen eines Ereignisses explosiv und unter dynamischen Bewegungen, die zwischenzeitlich auch gegen den Trend nach unten gehen..

  4. Da hat der Markus Recht. Die Vola steigt bei fallenden Kursen fast immer.
    Allerdings ist es auch hier wie mit dem Gesamtmarkt. Die Phasen der Anstiege (also Vola fällt oder bleibt gleich) sind deutlich länger als die der Crashs (also Vola Anstieg). Dementsprechend muss man genau den Punkt treffen, der den Beginn des Crashs markiert. Das traue ich mir (dank leider schmerzlicher Erfahrung) nicht zu. Sonst ist es so wie sonst, Option aus dem Geld, Zeitablauf und das Geld ist futsch.
    Dann doch lieber Vola Short spielen und solange nix passiert die Rollgewinne kassieren…

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