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Wer hat Recht: US-Anleihemärkte oder US-Aktienmärkte?

Blickt man auf die US-Aktienmärkte und die US-Anleihemärkte, dann sieht man zwei offenkundig verschiedene Welten. Die US-Aktienmärkte sagen sich: Trump wird die Inflation anheizen und die Steuern senken, das ist gut für US-Unternehmen, also kaufen wir US-Aktien. Blickt man jedoch auf die US-Anleihemärkte, ist dort eine ganz andere Botschaft eingepreist..

FMW-Redaktion

Blickt man auf die US-Aktienmärkte und die US-Anleihemärkte, dann sieht man zwei offenkundig verschiedene Welten. Die US-Aktienmärkte sagen sich: Trump wird die Inflation anheizen und die Steuern senken, das ist gut für US-Unternehmen, also kaufen wir US-Aktien. Blickt man jedoch auf die US-Anleihemärkte, ist dort eine ganz andere Botschaft eingepreist. Und diese Botschaft lautet: die Inflation wird nicht anziehen, und daher wird die Fed auch nicht so stark die Zinsen anheben, wie sie es angekündigt hat. Die Rendite der 10-jährigen US-Anleihe liegt derzeit bei 2,33% und damit deutlich tiefer als noch vor einigen Wochen. Und so sind die Kurse der US-Aktienmärkte gestiegen, die Kurse der US-Anleihemärkte aber eben auch (damit einhergehend fällt die Rendite), weil dier Anleihemärkte eben nicht den „phänomeanlen“ Versprechen glauben!


(S&P500 schwarz, 5-jährige US-Anleihe als continous-Future orange)

Und das bedeutet: einer von beiden hat Recht, und einer liegt falsch. Nur wer? In der Vergangenheit war es fast immer so, dass die Anleihemärkte den besseren Riecher hatten. Man sagt daher, dass an den Anleihemärkten, an denen ungleich größere Summen als an den Aktienmärkten bewegt werden, agiere das „smarte“ Geld, an den Aktienmärkten das eher weniger „smarte“.

Und die Anleihemärkte sagen: im März wird es keine Zinsanhebung geben. Einer der Gründe ist, dass die US-Arbeitsmarktdaten für den Februar augfrund des Feiertags letzten Montag (Washington´s Birthday) erst am 10.März veröffentlicht werden, also kurz vor der Fed-Sitzung am 14. und 15. März. Davor noch einmal Reden von Janet Yellen und Fed-Vize Stanley Fischer am 03.März, danach beginnt die sogenannte „blackout period“, also eine Zeit, in der Fed-Offizielle sich nicht äussern dürfen im Vorfeld der nächsten Fed-Sitzung.

Und da die Fed die Märkte nicht überraschen will, eine März-Anhebung jedoch eine Überraschung wäre (die Fed Fund Futures preisen dafüreine Wahrscheinlichkeit knapp unter 40% ein) und die Zeit zur Vorbereitung der Märkte sehr knapp ist, dürfte also der März schon fast nicht mehr in Frage kommen – bei den letzten Zinsanhebungen lagen die eingepreisten Wahrscheinlichkeiten für einen Schritt der Notenbank bei 74% (Dezember 2015) und 100% (Dezember 2016).

Gut möglich, dass auch auf der dann folgenden Sitzung am 05.Mai keine Zinsanhebung kommt, schließlich findet am 07.Mai die Stichwahl in Frankreich statt – sehr wahrscheinlich, dass Marine Le Pen eine Kandidatin sein wird bei dieser Stichwahl. In der Vergangenheit hat die Fed stets vor politischen Großereignissen wie dem Brexit-Votum die Füsse still gehalten, und ein möglicher Le Pen-Sieg wäre ein absolutes Großereignis mit dann vermutlich imlodierender Eurozone.

Die Anleihemärkte glauben also nicht an schnelle und häufige Zinsanhebungen einerseits, und sie glauben auch nicht an den großen Aufschwung durch Donald Trumps Wirtschaftspolitik andererseits, sonst wären die Renditen der US-Anleihen nicht so niedrig und die Anleihekurse nicht so gestiegen. Dabei ist der Future-Markt, wie jüngste COT-Daten zeigen, massiv short in US-Anleihen positioniert, etwa bei der 5-jährigen US-Anleihe mit gut 200.000 Long-Kontrakten, aber fast 1,1 Millionen Short-Kontrakten. Hedgefonds sind also investiert in Richtung steigende Renditen und bekommen große Schwierigkeiten, wenn die derzeit zu beobachtende Entwicklung fallender Renditen so weiter geht. Dann droht gewissermaßen ein Blutbad, müssen Short-Kontrakte eingedeckt werden, könnte so eine impulsive Bond-Rally durch einen heftigen Short-Squeeze entstehen. Entscheidender als Hedgefonds aber sind für den US-Anleihemarkt Großinvestoren wie Notenbanken – und die haben zuletzt wider beherzt zugegriffen bei amerikanischen Staatsanleihen.

Wer Recht hat – der Anleihemarkt oder der Aktienmarkt – weiß man immer erst hinterher. Aber auf wen würden Sie wetten: auf denjenigen, der in der Vergangenheit eine sehr gute Trefferquote hatte, oder auf denjenigen, dessen Trefferquote eher nicht so gut war?



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