Anleihen

Wer profitiert am meisten von der EZB-Politik?

Von Markus Fugmann

Gestern hatten wir berichtet, dass vor allem US-Unternehmen Nutznießer der EZB-Politik sind: sie nehmen deutlich günstiger Gelder am europäischen Anleihemarkt auf als in den USA, wo das Zinsniveau generell deutloch höher ist.

Aber es sind natürlich auch die Staaten der Eurozone, die von den Anleihekäufen der EZB (QE) profitieren. Wie stark, zeigt folgende Grafik, die den Rückgang der Renditen von europäischen Staatsanleihen in Basispunkten zeigt (100 Basispunkten entsprechen 1%), seit die EZB ihr QE begonnen hat:

Renditen Eurozone

Frankreich mit einem Rückgang von fast 25 Basispunkten ist also der Hauptprofiteur – vor Deutschland. Am wenigsten profitiert interessanterweise Italien, was sich durch den Kapitalschlüssel der EZB erklärt: das Land hat proportional mehr Schulden als Deutschland, gleichwohl werden aufgrund des Kapitalschlüssels weniger italienische Staatsanleihen durch die EZB bzw. die italienische Notenbank gekauft.

Die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe hat heute mit 0,15% wieder einmal einen neuen historischen Tiefstwert erreicht. Das Kieler Institut IfW hat nun errechnet, dass Deutschland angesichts der niedrigen Zinsen in den nächsten 30 Jahren 160 Milliarden Euro einsparen wird. Dabei vergleicht das KfW die aktuellen Marktzinsen mit den Zinsen der Jahre 1999 bis 2008 – und rechnet erst ab 2017 wieder mit steigenden Zinsen, bevor eine „Normalisierung“ der Zinspolitik in einem Zeitraum zwischen fünf und acht Jahren eintrete. Ein Sprecher der Deutschen Finanzagentur (die die Anleihen Deutschlands emitiert), nannte die Summe „hypothetisch“ und negierte die Beobachtung des IfW, dass Deutschland vorwiegend derzeit längerlaufende Staatsanleihen emitiere, um die Niedrigzinsen zu konservieren.



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