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Wer Staatsanleihen und Bankanleihen kauft, kann sich nicht mehr auf dem heiligen Versprechen ausruhen!

Redaktion

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FMW-Redaktion

Jahrzehntelang galt das heilige Versprechen: Staatsanleihen und Bankanleihen sind sicher. Den Profi-Anlegern ist inzwischen längst klar, dass das nicht mehr gilt. Es gibt diesen sicheren Hafen nicht mehr. Einige Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit, und was das auch für den braven deutschen Kleinsparer und Inhaber von Lebensversicherungen bedeuten kann…

Frankfurt Staatsanleihen
Die Frankfurter Bankenszene stellt sich auf das neue Risiko ein. Foto: Christian Wolf / Wikipedia (CC BY-SA 3.0 de)

Staatsanleihen

Die Zeiten haben sich endgültig geändert. Bis vor wenigen Jahren galt das eiserne Gesetz, dass die Anleihen von Industrieländern und zumindest von namhaften Emerging Markets-Ländern eine sichere Bank waren – vom Empfinden her wie ein Sparbuch bei der Sparkasse. Immer mehr handfeste Beispiele zeigen, dass auf Staaten als Schuldner kein Verlass mehr ist.

Argentinien gilt als Klassiker. Man war pleite, konnte nicht zahlen, und vereinbarte mit fast allen Anleihe-Gläubigern eine Umschuldung, was zu Teilverlusten für die Anleiheinhaber führte. Die Gläubiger, die nicht zustimmten, bangen noch heute in gerichtlichen Scharmützeln darum, ob sie alles zurückerhalten oder alles verlieren.

Puerto Rico, ein US-Außengebiet in der Karibik, dass weder eigener Staat noch regulärer US-Bundesstaat ist, darf aber in Eigenregie Schulden machen, was direkt und indirekt zu insg. 73 Milliarden Dollar Schulden führte. Seit wenigen Wochen ist die Staatspleite auf der 3,5 Mio Einwohner-Insel eingetreten. Man zahlt jetzt nur noch die wichtigsten Anleihen zurück, die offiziell den höchsten Schutz-Status genießen – aber auch für die wird das Eis immer dünner. Die Möglichkeit ist durchaus gegeben, dass in den nächsten Monaten ein Weg gefunden wird, durch den Puerto Rico Zugang zu einer Art staatlicher Insolvenzordnung erhält. Dann verlieren die Anleihe-Besitzer (in dem Fall Fonds und Hedgefonds) große Teile ihrer Investitionen. Falls es nicht zu so einer Insolvenz kommt, kann es ein jahrelanges Ringen um einzelne Anleihe-Rückzahlungen geben.

Die Ukraine ist ebenfalls seit Ende Dezember 2015 de facto in der Staatspleite, weil man eine 3 Milliarden US-Dollar-Anleihe an Russland nicht zurückgezahlt hat. Die Kassen chronisch leer, Streit in der Regierung und im Parlament, Korruption, Wirtschaftseinbruch usw. Private Gläubiger, wozu als größter Einzelposten Templeton Investments zählt, hatten sich letzten Herbst mit der Ukraine auf eine Umschuldung mit Schuldenschnitt (20% Verlust für die Gläubiger) geeinigt, damit zumindest die Möglichkeit besteht, dass durch kleinere Rückzahlungstranchen die Ukraine mehr Luft zum Atmen hat, und die Gläubiger an ihr Geld kommen.

Der große Schuldenschnitt von 2012 in Griechenland ist der sogenannte Präzedenzfall, und das innerhalb der EU. Griechische Staatsanleihen im Wert von gut 200 Milliarden Euro wurden umgetauscht in neue Anleihen, wobei die Gläubiger auf 53,5% des Nennwerts verzichteten. In diesem Fall waren es größtenteils französische und deutsche Banken, die aus Angst vor noch mehr Verlusten diesem Schnitt zustimmten. Von der breiten Öffentlichkeit wurde dieser große Schritt schnell vergessen, aber gerade indirekte Investoren, Privatkunden, die einem normalen Fonds, einem Dachfonds oder einer Lebensversicherungsgesellschaft Geld geben ohne genau zu wissen wo es investiert wird, werden mit großer Wahrscheinlichkeit die zukünftigen Leidtragenden sein, wenn ihre angelegten Gelder vielleicht sogar Verluste aufweisen.

Bankanleihen

Wir nutzen an dieser Stelle mal den Oberbegriff „Bankanleihen“. Es gibt viele Begriffe, die in die selbe Kategorie fallen. Bringt ein Kunde Geld zu seiner Bank und deponiert es dort als Sparbuch, Termingeld, auf dem Girokonto, kauft Sparkassenbriefe, Bankobligationen oder Zertifikate, wird er in allen Fällen zum Gläubiger der Bank. Ja, auch bei Zertifikaten, denn die sind trotz des schön klingenden Namens nichts anderes als ein Schuldschein der Bank. Nach den neuen Richtlinien der EU werden bei der Sanierung von Banken zukünftig zuerst die Eigentümer (Aktionäre) und die Gläubiger der Banken in Haftung genommen, damit die Steuerzahler nicht einspringen müssen.

Ausgenommen davon sind sogenannte Sichteinlagen, also Girokonto, Sparbuch und Termingelder bis zu 100.000 Euro europaweit. Die meisten deutschen Banken sind auch noch zusätzlich für Sichteinlagen abgesichert, aber beim Crash einer wirklich großen Bank in Deutschland hilft das am Ende auch wenig. Wer auf jeden Fall voll zur Kasse gebeten wird bei einem zukünftigen Bankendebakel, sind die Kunden, die Bankanleihen und Zertifikate kaufen, oder hohe Sichteinlagen ab 100.000 Euro bei einer Bank haben. Sie sind Gläubiger, deren Forderung gegen die Bank entwertet wird um die Bank zu entschulden.

Bei der im Jahr 2012 stattgefundenen Bankenpleite auf Zypern wurde dieses Muster zum ersten Mal in der Realität in der EU angewandt. Also ist dies kein Märchen oder theoretisches Szenario mehr! EU-Institutionen und IWF schossen zwar Milliardensummen zu, aber große Teile von Bankguthaben über 100.000 Euro wurden entwertet – betroffen waren in diesem Fall viele reiche Russen, die auf Zypern ihr Geld geparkt hatten.

Was heißt das für den deutschen Privatanleger?

Sie sind Kunde bei einer ganz normalen deutschen Bank oder Sparkasse? Sie besitzen Sparkassenbriefe, Bankobligationen, Zertifikate? Oder zahlen Sie vielleicht fleißig in eine Lebensversicherung ein? Wenig Rendite, ist schon klar, aber egal, LV ist LV, nicht wahr? Was haben Staatspleiten, Schuldenschnitte usw am Arsch der Welt mit mir zu tun? Mein Geld liegt doch bei der ABC Bank bei mir um die Ecke oder bei der XYZ-Versicherung in Frankfurt. Ist doch alles in Ordnung, richtig? Falsch.

Lebensversicherungen können ihren Kunden überhaupt nur Renditen ermöglichen, wenn sie die eingezahlten Kundengelder am Kapitalmarkt arbeiten lassen. Damit diese Geldanlagen trotzdem relativ risikoarm bleiben, werden große Teile der investierten Gelder in sogenannte „mündelsichere Geldanlagen“ investiert, also z.B. in Staatsanleihen, die als sicher gelten. Der deutsche Staat emittiert aktuell sogar Anleihen mit einer Minusverzinsung – de facto müsste also das Versicherungsunternehmen Geld drauf legen, wenn es diese Anleihen kauft. Also bleibt überhaupt nur die Möglichketi auszuweichen auf risikoreichere Anleihen, die besser verzinst sind.

Das Risiko steigt. Die LV muss für die Kunden Rendite erwirtschaften, deutsche Staatsanleihen bringen aber jetzt sogar Verluste ein. Also muss Risiko her, und nur auf französische Anleihen auszuweichen würde für die Rendite auch kaum etwas bringen. Die Gefahr wird also zunehmend größer, dass man bereit ist für überhaupt irgendeine Art von Verzinsung auf noch risikoreichere Staaten als Emittenten auszuweichen. Gehen die pleite oder kommt es zu Umschuldungen/Schuldenschnitten, wird es sehr schmerzhaft, letztlich für den Kunden, der in die LV einzahlt.

Man nehme eine Landkarte und markiert überall auf dem Planeten Fälle, in denen namhafte Länder Schulden nicht mehr so richtig zurückzahlen oder umschulden. Von den Pleiten mehrerer US-Kommunen sprechen wir jetzt mal gar nicht. Auch in der EU wurden Bankkunden schon zur Kasse gebeten, und in Griechenland gab es schon einen großen Schuldenschnitt. Die Tabus sind alle gefallen, die alten unausgesprochenen Versprechen gegenüber dem Käufer von Schulden sind nichts mehr wert.

Es ist wie beim Autokauf. Niemand rennt ohne vorher zu überlegen in einen Autosalon und sagt zum Verkäufer „ich will ein Auto haben, ich vertraue ihnen, machen sie mal, irgendein Auto, egal…“. Nein, der deutsche Autokäufer überlegt, vergleicht, informiert sich, wochen- und monatelang. Schon seit der Finanzkrise, aber jetzt an erst recht seit den jüngsten Vorkommnissen bei Staatsschulden, die das Vertrauen in Anleihen endgültig zerstört haben, muss sich der Privatanleger genau überlegen, worin er investieren will. Das kostet nun mal Zeit! Auch von Hochglanzprospekten und vorgegaukelter Sicherheit wie „Mischfonds“, „Dachfonds“, „Zertifikat“ oder „Lebensversicherung“ sollte man sich nicht blenden lassen, sondern das Kleingedruckte lesen und sich in Ruhe informieren, wessen Schulden man da kauft und wie groß das Ausfallrisiko ist. Wohin fließt mein Geld letztlich? Das ist die Frage, die man seinem „Berater“ stellen sollte. Die Finanzkrise 2008 und marode Staatsfinanzen zeigen: Ratingagenturen ducken sich weg, wenn es um Haftung geht, Bankberater und alle anderen ebenso. Der Verlust bleibt ganz am Ende der Kette hängen, bei Ihnen!


3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Emm wie Meikel

    7. Januar 2016 15:10 at 15:10

    Sehr schöne Zusammenfassung. Ich fürchte auch, daß am Ende wieder alles auf die Kleinsparer abgewälzt wird. Entweder direkt über Bailins oder indirekt über Verluste bei publikumsstarken Anlagevehikeln, wie Renten- und Lebensversicherungen oder verschiedenen Fonds, die allesamt auf einem riesigen Berg an Staatsanleihen sitzen. Sollte die Regierung erneut die Banken retten (man weiß ja nie), schlägt sich das außerdem in höheren Steuern, Sozialabgaben und Leistungskürzungen im Bereich Soziales nieder. Da bleibt nur zu hoffen, daß die Nahe-Null-Zinsphase noch ewig anhält, sonst brennt die Hütte.

  2. Avatar

    joah

    7. Januar 2016 22:54 at 22:54

    „Nach den neuen Richtlinien der EU werden bei der Sanierung von Banken zukünftig zuerst die Eigentümer (Aktionäre) und die Gläubiger der Banken in Haftung genommen, damit die Steuerzahler nicht einspringen müssen.“

    Ich glaube, das wird noch von der Position heraus etwas zu sehr unterschätzt: was glaube man, warum man lediglich Depotinhaber und nicht -eigentümer ist? Aktien in jedem Bankdepot sind nur Schuldscheine nach außen, da nur eine Inhaberschaft für den Käufer besteht – gute Frage: wer ist dann der Besitzer/Eigentümer? Viel Spass beim Nachdenken…

    (PS.: „Geld“ muss vernichtet werden – Aktien sind überschüssiges Spielkapital)

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US-Häusermarkt kurz vor Katastrophe – einen Hoffnungsschimmer gibt es

Claudio Kummerfeld

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Typische Bauweise am US-Häusermarkt

Am US-Häusermarkt könnte in den nächsten Wochen und Monaten eine Katastrophe eintreten. Millionen Amerikanern droht Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung. Denn zum einen endet im März eine Frist von maximal 12 Monaten, die es Hausbesitzern erlaubte ihre Hypothekenzahlungen auszusetzen, wenn sie durch die Corona-Pandemie in Not geraten. Kreditnehmer, die sich zu Beginn des Programms angemeldet hatten, könnten ab März 2021 von einer Zwangsvollstreckung bedroht sein.

Noch wichtiger für den US-Häusermarkt ist: Die landesweit gültige vorübergehende Aussetzung der Zwangsräumungen (mit dem Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen) endet am 31. Dezember. Der Zeitpunkt ist fast schon dramatisch, da gut 12 Millionen Amerikaner zu diesem Zeitpunkt Ansprüche auf Arbeitslosenunterstützung verlieren dürften.

Der US-Kongress könnte eigentlich für eine Verlängerung von Nothilfen sorgen. Aber zum Jahreswechsel befindet sich Washington DC mitten in einer toten Phase, wo Joe Biden zwar schon gewählt, aber eben noch nicht im Amt ist. Alles hängt in der Schwebe. Erst vor Kurzem wurden vom staatlichen „US Census Bureau“ Umfragedaten veröffentlicht aus dem Befragungszeitraum 28. Oktober bis 9. November, welche die Dramatik am US-Häusermarkt aufzeigen.

Etwa 5,8 Millionen Personen gaben demnach an, dass ihnen in den nächsten zwei Monaten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung droht. Das macht ein Drittel der 17,8 Millionen Erwachsenen in Haushalten aus, die mit Miet- oder Hypothekenzahlungen in den USA im Rückstand sind.

Gut die Hälfe der Haushalte in Staaten wie Nevada oder Florida, welche derzeit mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für ihre Zwangsräumung im Januar. Florida ist am Schlimmsten betroffen mit 51,2 Prozent (bei der vorigen Umfrage nur 32 Prozent). Das bedeutet de facto, das gut 3,5 Prozent aller Haushalte in Florida glauben, dass sie in den nächsten zwei Monaten von einer Zwangsräumung betroffen sein könnten.

Hoffnung für US-Häusermarkt dank Joe Biden?

Joe Biden wird am 20. Januar als US-Präsident seine Arbeit aufnehmen. Vorher kann er nichts machen. Er kann eine Last-Minute-Rettung für den US-Häusermarkt sein – kann, aber nicht muss. Die Demokraten möchten die US-Bevölkerung richtig kräftig unterstützen mit neuen Staatshilfen. Aber die Republikaner, die in den letzten Monaten ebenfalls schon gigantischen Rettungssummen zustimmten, zeigten sich zuletzt eher ablehnend. Und jetzt wo ihr Kandidat Donald Trump die Präsidentschaftswahl verloren hat, können sie sich im Kongress in die Blockierer-Haltung begeben. Aber kann Joe Biden mit einer auch von den Republikanern akzeptierten neuen Finanzministerin Janet Yellen (ehemalige Notenbankchefin) doch noch neue Rettungs-Billionen aus dem Kongress rausklopfen?

Kann Joe Biden auf den allerletzten Drücker Ende Januar Millionen Amerikaner und den US-Häusermarkt vor einem Kollaps retten? Oder kommt alles ganz anders, und dank im Dezember beginnenden Impfungen erholt sich die Konjunktur in den USA derart schnell, dass viele Amerikaner neue Jobs erhalten? Die Banken verzichten auf Zwangsräumungen, und die überschuldeten Hausbesitzer, die auf dem letzten Loch pfeifen, dürfen in ihren Häusern bleiben? Das wäre auch möglich. Aber es wird eine verdammt enge Kiste!

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Free Lunch-Sozialismus in der Coronakrise auf dem Vormarsch

Claudio Kummerfeld

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Im Sozialismus der Moderne soll das Geld vom Himmel regnen

In den USA gibt es das Sprichwort, dass es keinen Free Lunch gibt. Sinngemäß übersetzt: Für alles muss irgendwie letztlich doch von irgendwem bezahlt werden. Wer ideologisch voll auf Sozialismus getrimmt ist, sieht das aber wohl grundsätzlich anders. Ökonomisch glauben zum Beispiel die Verfechter der Modern Money Theorie (MMT – hier dazu ein interessanter Text), dass man einfach als Staat unbegrenzt Geld druckt beziehungsweise immer weiter Schulden aufnimmt, und damit alle Probleme lösen kann. Da könnte man glatt auf die Idee kommen, dass die derzeitigen Staatenlenker und Notenbanker in Europa auch MMT-Verfechter sind?

Sozialismus: MMT und das Wunder-Märchenland

Wer eh schon an MMT als Wundermittel zur Lösung aller Probleme denkt, und dem Sozialismus zugeneigt ist, der kann auf folgende Idee kommen. Hey, die Europäische Zentralbank (EZB) kauft doch seit Jahren mit Billionen selbst gedruckter Euros die Staatsanleihen von Euro-Mitgliedsstaaten auf. Und die Mitgliedsstaaten als Eigentümer der EZB könnten doch dafür sorgen, dass die EZB einfach als Gläubiger auf die Rückzahlung der Schulden verzichtet. Man druck Geld, kauft die eigenen Schulden, und erlässt sich dann selbst die Schulden. Ein in sich geschlossener Kreislauf von Geld, das vom Himmel regnet und alle Probleme löst.

Was für ein Märchen-Wunderland. Aber halt. Wenn die EZB die Schulden der Länder erlässt, hat sie selbst ja Verluste in ihren Büchern. Und die Verluste würden buchhalterisch auf die Mitgliedsstaaten umgelegt, womit sie nach gerade erst erlassenen Schulden wieder neue Schulden hätten. Tja, eben doch kein Free Lunch? Außerdem können die Staaten der EZB dank ihrer Unabhängigkeit keine Anweisungen erteilen. Aber halt, war da nicht gerade erst was in Sachen EZB und Schuldenerlass?

EZB soll auf Rückzahlungen von Anleihen verzichten

Erst letzte Woche berichteten wir über die Forderung der in der italienischen Regierung sitzenden Fünf-Sterne-Bewegung Richtung EZB. Sie solle doch bitte gegenüber Italien auf die Rückzahlung der gehaltenen Anleihen verzichten, die im Zuge der Coronakrise aufgenommen wurden. Mal ehrlich: Selbst wenn die EZB das machen würde, müsste man das für alle Euro-Länder tun, und gleich danach wäre der Ruf laut nach Erlass aller gehaltenen Forderungen in den Büchern der EZB. Heute nun fordert Riccardo Fraccaro, ein Staatssekretär und enger Berater des italienischen Minsterpräsidenten Conte laut Berichten das selbe.

Auch er ist von der Fünf-Sterne-Bewegung. Die EZB könne so viel Geld drucken wie sie wolle. Die Geldpolitik müsse die expansive Fiskalpolitik der Mitgliedstaaten in jeder möglichen Weise unterstützen, zum Beispiel per Schuldenerlass, oder über eine ewige Laufzeitverlängerung. Tja, Sozialismus pur, möchte man sagen. Erst Schulden machen, dann nicht zurückzahlen wollen. Woher das Geld kommt, dass es keinen Free Lunch gibt? Dass irgendwann bei maßlosem Gelddrucken Inflation und Hyperinflation anstehen, und dass man Schulden auch zurückzahlen muss – egal.

Der „plan“-mäßige Weg in den Sozialismus

Bernd Riexinger als Parteichef der Linken verkündet eine klare, ganz offene Forderung, die letztlich nichts anders ist als der direkte Weg in den Sozialismus. Das Wort Enteignung klingt natürlich verführerisch für alle Menschen, die kein Wohneigentum besitzen, sondern mieten. Wer würde sich nicht gerne vom „Joch“ des bösen Vermieters lösen, an den man jeden Monat einen beträchtlichen Teil seines Einkommens abführen muss? Dass der Vermieter für die Erstellung der Immobilie vielleicht einen Kredit aufgenommen hat, und dass laufende Kreditraten, Instandhaltungen, städtische Leitungsverlegungen an der Straße uvm sehr viel Geld kosten, das erwähnt Bernd Riexinger nicht.

Denn diese Kosten trägt der Vermieter, welche letztlich durch die monatlichen Mietzahlungen finanziert werden. Im Sozialismus sagt man sich wohl: Der böse Vermieter kassiert pro Monat 800 Euro Miete, und hat also auch 800 Euro Gewinn für sich selbst. Dass nach Kreditkosten, Instandhaltung, Müllabfuhr, Gärtner, Hausmeister uvm bei vielen Vermietern kaum oder nur wenig übrig bleibt, passt da natürlich nicht ins Bild. Dass Ersteller von Immobilien teuer erkaufte Grundstücke über höhere Wohnungsmieten refinanzieren müssen – egal. Für Bernd Riexinger ist es ganz einfach. Alles verstaatlichen, so scheint die Devise zu sein.

Am besten alle Wohnungen und auch alle Grundstücke in Staatseigentum überführen, dann hat man alle Probleme Wohnungsmarkt gelöst? Die tatsächliche und nachhaltige Lösung des Problems wäre es, dass Staat und vor allem private Vermieter die Zahl neuer Wohnungen so derart stark erhöhen, dass mehr Angebot als Nachfrage vorhanden ist. Dann fallen die Wohnungsmieten von ganz alleine – Angebot und Nachfrage! Berlin (man lebt eh auf Kosten der anderen Bundesländer über den Länderfinanzausgleich) müsste deutlich mehr Bauland zur Verfügung stellen, und das möglichst günstig, mit möglichst wenig Bürokratie. Aber nein, man bestraft lieber die bestehenden Vermieter.

Vermieter enteignen, weil sie nicht so agieren wie gewünscht

Diese Woche trat beim Berliner Mietendeckel die zweite Stufe in Kraft. Daraufhin kündigten große Vermieter in Berlin an neue Investitionen auf dem Berliner Wohnungsmarkt stoppen zu wollen. Die Lösung im Sozialismus lautet bei so etwas: Funktioniert unsere Maßnahme nicht wie gewünscht, setzen wir eben eine noch größere Maßnahme oben drauf. So fordert Bernd Riexinger daher eindeutig die Enteignung der Vermieter. Natürlich ist das verfassungsrechtlich ein noch weiterer Weg als der Mietendeckel.

Aber hey, der wurde ja auch bereits umgesetzt in Berlin. Der Staat soll es halt selbst richten. Selbst bei einer Enteignung (spielen wir das Szenario mal durch) müsste die Stadt Berlin die Wohnungseigentümer entschädigen. Dadurch würde die Verschuldung der Stadt Berlin deutlich ansteigen. Aber halt… wenn wir eh schon beim Thema EZB sind… die EZB könnte doch diese neuen Berliner Anleihen einfach aufkaufen, und auf ihre Rückzahlung verzichten? Wäre doch echt super? Ein Free Lunch im Märchenland des Sozialismus.

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Dass sich die Wohnungskrise in Berlin durch den Mietendeckel eher noch verschärft hat, das darf man als Verfechter des Sozialismus natürlich sofort den bösen Vermietern anlasten? Denn die wollen bei sinkenden Mieteinnahmen und staatlichem Eingriff in die Vertragsfreiheit keine neuen Wohnungen mehr in Berlin bauen? Welch ein Wunder, wer hätte damit rechnen können? Das ist ja gleich noch ein Argument für die Verstaatlichung der gesamten Wohnungsindustrie. Lassen wir einfach alles den Staat machen. Wohnungen bauen und vermieten, und das schön günstig. Aber warum macht die Stadt Berlin das nicht schon längst in großem Stil?

Niemand hindern sie daran. Man sieht, sie kann es nicht. Dabei regieren die Linken in Berlin doch, und sind nicht in einer Opposition, wo sie hilflose Zuschauer sind. Nein, man drangsaliert lieber die private Wohnungswirtschaft. Dabei könnte man parallel zu den Privaten durch ein massives Überangebot an neuen staatlich gebauten Wohnungen dafür sorgen, dass auch bei den privaten Vermietern durch freie Marktmechanismen die Mietforderungen sinken. Denn wie gesagt, wenn mehr Wohnungen als Wohnungsssuchende vorhanden sind, werden die Vermieter zwangsläufig ihre Mietforderungen senken.

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Konsumklima stürzt ab, Aussichten am Arbeitsmarkt besser – wie kann das sein?

Claudio Kummerfeld

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Menschen in Schlange mit Einkaufswagen

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat heute ihre Meldung für das Konsumklima in Deutschland (Verbraucherstimmung) veröffentlicht. Dem normalen Menschenverstand folgend sinkt das GfK-Konsumklima. Für Dezember zeigt man einen Wert von -6,7 Punkten, und damit 3,5 Punkte weniger als im November. Es ist logisch, dass die Stimmung der Konsumenten sinkt, wenn der zweite Lockdown voll in Gange ist – sei es auch nur ein sanfter Lockdown mit geschlossener Gastronomie. Der Lockdown light habe die Verbraucherstimmung im November laut GfK spürbar gedämpft. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartung wie auch die Anschaffungsneigung müssen – wie schon im Vormonat – Einbußen hinnehmen. Hier ein Auszug aus der Meldung der GfK:

„Zwar bleiben die Einzelhandelsgeschäfte geöffnet, doch die erneute Schließung von Hotellerie, Gastronomie und Veranstaltungsgewerbe treffen – ebenso wie der noch immer am Boden liegende Tourismus – das Konsumklima schwer“ erklärt Rolf Bürkl, GfK Konsumexperte. „Damit haben sich auch die Hoffnungen auf eine rasche Erholung, die noch im Frühsommer aufkamen, endgültig zerschlagen. Die als Folge der zunehmenden Verunsicherung erneut gestiegene Sparneigung hat ebenfalls zum Rückgang des Konsumklimas beigetragen.“

Stimmung am Arbeitsmarkt verbessert sich

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute sein aktuellstes Barometer für den deutschen Arbeitsmarkt veröffentlicht. Demnach verbessert sich die Stimmungslage sogar. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer (besteht aus zwei Komponenten, aktueller Beschäftigung und Entwicklung der Arbeitslosigkeit) ist im November um 0,4 Punkte auf 100,5 Punkte gestiegen. Damit verbleibt der Frühindikator im leicht positiven Bereich. Warum? Nun, dazu gibt die IAB eine klare Aussage. Die Beschäftigung werde im zweiten Lockdown nicht noch einmal einbrechen. Wichtig hierfür seien die (staatlichen) Stützungsmaßnahmen für die Betriebe und ihre jetzt bereits vorhandenen Erfahrungen mit der Corona-Krise. Die Perspektive auf einen Impfstoff mache die Unternehmen zuversichtlicher.

Das verstärke noch einmal ihre Bereitschaft, die Beschäftigten zu halten. Dennoch belaste die weltweite zweite Corona-Welle die Erholung, und die sich durch die Corona-Krise beschleunigenden Transformationsprozesse in der Wirtschaft würden große Herausforderungen darstellen. Und relativ günstige Aussichten zeigt das IAB-Arbeitsmarktbarometer für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit: Die entsprechende Komponente hielt sich auf dem Vormonatsstand von 102,1 Punkten. Zu beachten sei, dass der Befragungszeitraum schon in der ersten Novemberhälfte endete, als eine Verlängerung des Lockdowns noch nicht absehbar war.

Also: Die staatlichen Arbeitsmarkt-Forscher sehen die Stimmung deswegen verbessert, weil auf der einen Seite die Befragung schon endete, bevor eine Lockdown-Verlängerung absehbar war – und weil auf der anderen Seite die Wirtschaft vom Staat mit Rettungsgeldern geflutet wird, sodass Entlassungen nicht notwendig sind.

Arbeitsmarkt-Barometer der IAB steigt

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