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Widerstand in Katalonien: Aufruf zum Bank run!

Der Banken-Sturm als ultimative Form des Widerstands: es wird klar, dass die Menschen durchaus Macht haben, indem sie die Banken dort treffen, wo sie am Emfindlichsten sind! Denn bekanntlich basiert das Banken-System darauf, dass nicht alle zur gleichen Zeit ihr Geld abheben!

FMW-Redaktion

Derzeit scheint alles auf eine Eskalation hin zu deuten in der Beziehung zwischen Katalonien (bzw. der katalonischen Regional-Regierung) und Madrid. Bekanntlich will das spanische Kabinett am Samstag die Aktivierung des Artikels 155 der spanischen Verfassung beschließen und damit dann der katalonischen Regierung alle Befugnisse entziehen. Die Frage ist, was dann passiert – wird es Widerstand geben?

Es wird wohl – darauf deutet eine Aktion hin, die aktuell gerade schon ablaufen dürfte: ein Bank run, also die massenhafte Abhebung von Geld durch Katalanen von spanischen Banken! Dazu haben mehrere katalanische Organisationen aufgerufen:

Gesteuert wird die Aktion von der Catalan National Assembly (ANC) und Òmnium Cultural – also jenen Organisationen, deren Präsidenten, Jordi Sánchez und Jordi Cuixart, von Madrid verhaftet worden waren. Insofern versteht sich die Aktion auch als Widerstand und Protest gegen die Verhaftung der beiden separatistischen Aktivisten.

Betroffen von dem „Banken-Strum“ sind alle großen spanischen Banken, die in Katalonien aktiv sind: Caixa Bank, Sabadell, Bankia, BBVA und Santander. Dabei dürften vor allem jene beiden Banken betroffen sein, die kürzlich ihren Hauptsitz weg aus Katalonien verlegt hatten (mit der freundlichen Unterstützung Madrids): Caixa Bank und Banco Sabadell.

Innerhalb kürzester Zeit wurden die per Twitter kommuniziertenn Aufforderungen zum Banken-Sturm tausendfach retweetet – und man kann davon ausgehen, dass bei der Aktion jene Katalanen mitmachen werden, die entweder für die Unabhängigkeit sind oder zumindest von dem Vorgehen Madrids gegen Katalonien (besonders bei dem brutalen Polizei-Einsatz während der Unabhängigkeits-Abstimmung am 01.Oktober) enttäuscht sind!


Die vier katalonischen Provinzen
Bild: FurfurComarques de Catalunya.svg: Rwxrwxrwx – Diese Datei wurde von diesem Werk abgeleitet:  Comarques de Catalunya.svg, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40423905

Damit wird also der Banken-Sturm zur ultimativen Form des Widerstands: die Aufrufe machen klar, dass die Menschen durchaus Macht haben, indem sie die Banken dort treffen, wo sie am Emfindlichsten sind! Denn bekanntlich basiert das Banken-System darauf, dass nicht alle zur gleichen Zeit ihr Geld abheben!

Kann das die spanischen Banken in Schwierigkeiten bringen? Durchaus! Je mehr Katalanen bei dieser Aktion mitmachen, umso gefährlicher für die betroffenen Banken. Vielleicht muß dann sogar die spanische Zentralbank einspringen, um die Liquiditätsprobleme zu beheben!

Unterdessen strahlt der Konflikt auf die Preise für Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) aus – wer sich gegen Zahlungsausfälle Spaniens mit diesen Credit Default Swaps absichern will, muß inzwischen tiefer in die Tasche greifen:



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15 Kommentare

  1. Die reichsten Regionen Italiens, die Lombardei und Venetien halten am Sonntag ein Referendum ab. Nicht über die Unabhängigkeit, das verbietet die italienische Verfassung, aber für mehr Autonomie, damit mehr Geld in den Regionen bleibt. Sie machen es schlauer als die Katalanen, denn im Grunde kommt es auf dasselbe hinaus. Ein Sieg erzeugt starken Druck auf Rom, zumal bald Wahlen anstehen.

    1. Lässt sich heute eigentlich schon sagen wie die „Wette“ ausgegangen ist?
      Ich erinnere mich an die genauen Bedingungen nicht mehr.

      1. @Gerd, @Columbo schwitzt schon..

        1. @Markus@Gerd,
          Ich denke die Wette hab ich verloren (gewonnen), wenn Madrid art.155 (nicht) anwendet, oder Markus?

  2. Und sind schon Ergebnisse bekannt?

  3. Was soll die Aktion bringen, am Freitag sind die Automaten voll, jeder holt Geld für das Wochenende. Wenn die am Abend leer sind wird am Montag wieder aufgefüllt, das war’s. Aktion verpufft!

    1. Das Geld wird der Bank entzogen, mit 90% deines Giralgeldes arbeitet die Bank, d.h. mit einem Bank run kann man jede Bank sofort in den Ruin treiben.

      1. Das ist richtig, das geht aber nicht bei einer einstündigen Milk Money Aktion. Damals bei der Northern Rock haben Kunden in vier Tagen mehr als 2 Mrd. Pfund von ihren Konten abgehoben, allerdings war die Bank durch die Finanzkrise schon stark angeschlagen, wurde dann Verstaatlicht und im Jahr 2011 an Virgin Money verkauft. So schnell geht ein Bank Run auch nicht, das was die Katalanen da machen, hat eher symbolischen Charakter.

        1. Der Aufruf wird womöglich dahingehend bald verschärft werden, sämtliche Gelder von den zwei Banken, die ihre Hauptniederlassung verlagern wollen, per Überweisung woandershin zu transferieren.
          Das hätte dann schon etwas mehr Biss.

  4. Ich finde den Einwand bei Unabhängigkeitserklärungen, das verbietet die Verfassung.
    Hallloooooooh, auch die Verfassung wird damit automatisch abgewählt und neu erfunden.
    Man lösst sich nähmlich von dem vorschreibendem Staat.

    1. Egal ob ich dafür oder dagegen bin, aber so sehe ich das auch.

  5. Könnte Finanzmarktwelt vielleicht einige Spekulationen anstellen, ab wann es für die Banken gefährlich werden könnte? Wie viel Geld muss pro Bank abgehoben werden, um diese in Bredouille zu bringen?
    Wir haben 7.5 Mio Einwohner. Gehen wir davon aus dass die Hälfte pro-Unabhängigkeit ist und von dieser Hälfte wiederum die Hälfte sich an der Aktion beteiligt/beteiligen kann. Jeder etwa 1000 Euro abhebt (Ist das zu viel? Wie ist das das durchschnittliche Vermögen?): Kommen wir auf 1.5 Mio x 1000. Macht 1,5 Mrd. Das durch 5 (Banken) macht 300 Mio für jede. Ist diese Summe ein Problem für die Banken? Habe ich zu optimistisch/pessimistisch gerechnet? Würde mich über andere Rechnungen/Einschätzungen/Spekulationen freuen!

  6. Die 155 Euro sind nun mal symbolisch zu verstehen, und tun am heutigen Freitag noch nicht so weh…wird aber nächste Woche so weitergehen. Sollte sich eine Schieflage einer der Banken abzeichnen, kommts zum echten Bankrun, so wie in Griechenland damals, mit Kapitalverkehrskontrollen (ev. schon ab morgen?).
    Wenn die Katalanen jetzt noch dazu aufrufen würden, ausgewählte Steuern nicht mehr zu bezahlen (wie in Griechenland), gibts ein Mega-Problem…damals mit Griechenland stand die EU mit massig Geld zur Seite, das wird bei Katalonien nicht so sein….

  7. Katalonien hat keine Chance ! Keine !!!

    Das war hier jetzt sehen, ist schon ein wieder ein kleiner EUR-Zwist. Die Amis gewinnen, der Europäer verlieren.

    Katalonien kann nicht aus dem EUR austreten ! Die Katalanen sind ein Teil Spaniens.

    Wenn Katalonien aus dem EUR austräte, würde Katalonien im Chaos versinken, da man wirklich „unabhängig“ wäre, und zwar von allem ! EUR/EU/internatonale Handelsrechte !

    Und danach gäbe es keine Gnade mehr !

    Wenn Katalonien denkt, der EUR (eine GEMEINSACHTSWÄHRUNG) ist „unsere“ Währung, und wir Katalanen zahlen an den „spanschen Staat nix“, tja , dann… passt das nicht irgendwie zusammen ? – Oder ?

    Wenn ein Staat (Völkergruppe) denkt, mein sei was „Besseres“, so hat hat man alle Konsequenzen zu tragen, und die wären für Spnaien an sich, nebst Katalonien katastrophal !
    Wahlbeteiligung beim letzten Referundem um die 46 %??? Deswegen gibt es eine Verfassung, ich verstehe die Katalanan nicht ? Man kann doch mit Madrid verhandeln ? „Mehr „Autonmie“ ? Madrid hat natürlich falsch gehandelt, mit Ihrer
    Polizeigewalt : aber eine „Abtrennung“ von Spanien/dem EUR/ der EU ?
    Das wäre doch etwas übertrieben ?
    Eine „Autonomie Kataloniens“ ist nicht möglich, inkl dem „Luxus“ EUR ,als Bonbon ? Keinen EUR ? Das wollen nicht mal die Katalanen !!!

  8. Pingback: Die Meldungen vom 15.09.2019 | das-bewegt-die-welt.de

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