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Bloomberg-Analyse Wie Bullen auf die Aktienmärkte in 2026 blicken

Weiter Euphorie für die Aktienmärkte in 2026? Es könnte aber eine Verlagerung weg von KI stattfinden? Eine Analyse.

New York Stock Exchange
Foto: Michael Nagle/Bloomberg

Derzeit sind die Aktienmärkte mal wieder auf Optimismus umgeschwenkt. Gute Laune rund um KI-Aktien! Aber das kann sich bei der nächsten negativen Meldung schon wieder ändern. Grundsätzlich hilft der Rüstungs- und Schuldenschub in Europa. Auch sind in Europa die Bewertungen deutlich günstiger als in den USA. In New York sehen Analysten und Anleger auch weiterhin gutes Wachstum bei den Unternehmensgewinnen, und man toleriert hohe KGV-Bewertungen bei KI-Aktien, weil man in dem Segment das große Wachstum sieht. Nachfolgend zeigen wir mit einer Bloomberg-Analyse einen Ausblick für 2026.

Bullischer Blick auf Aktienmärkte in 2026

Es war ein starkes Jahr für die Aktienmärkte, und die Anleger scheinen diese optimistische Stimmung auch 2026 beibehalten zu wollen, da sie übereinstimmend davon ausgehen, dass weitere Gewinne zu erwarten sind. Die Positionierung in Aktien nimmt zu, und Fondsmanager halten weiterhin Rekordtiefstände an Barmitteln. Ihre Erwartungen einer weiteren Rallye der Aktienmärkte überwiegen die Bedenken hinsichtlich hoher Aktienbewertungen, Zweifel an hohen Investitionen in künstliche Intelligenz und optimistische Gewinnerwartungen.

Im Hintergrund besteht jedoch die Gefahr, dass der Optimismus hinsichtlich der Wirtschaft infrage gestellt wird, insbesondere angesichts der jüngsten Abschwächung des US-Arbeitsmarktes. Die weitere Entwicklung der Zinssätze dürfte wieder in den Vordergrund der Sorgen der Anleger rücken, da für das nächste Jahr nur zwei Zinssenkungen in den USA eingepreist sind.

„Auch 2026 bleibt das globale Wachstum intakt, aber weniger sicher“, sagte Seema Shah, Chefstrategin bei Principal Asset Management. „Während die US-Wirtschaft weiterhin von KI-getriebenen Investitionen, soliden Verbraucherbilanzien und gezielten fiskalischen Unterstützungsmaßnahmen profitiert, nehmen die strukturellen Risiken zu. Die Inflation erweist sich als hartnäckig, die Arbeitsmarktdynamik verändert sich und die Federal Reserve steht vor einer schwierigen Gratwanderung.“

Hohe Bewertungen

Hier sind einige der wichtigsten Themen, die Anleger im Jahr 2026 berücksichtigen sollten: Getragen von der Technologiebranche befindet sich das langfristige Bewertungsverhältnis des S&P 500 derzeit auf einem Allzeithoch. Dieser Wert hat frühere Höchststände überschritten, die großen Einbrüchen vorausgingen, wie beispielsweise im Sommer 2000 vor dem Dotcom-Crash oder im Januar 2022, als der Markt begann, einen Anstieg der Zinssätze einzupreisen.

„Da wir nun in das vierte Jahr dieser aktuellen Haussephase eintreten, ist mit anhaltenden Volatilitätsschüben zu rechnen, die angesichts der impliziten Wachstumserwartungen möglicherweise noch stärker ausfallen werden“, so die Strategen von Citigroup Inc. unter der Leitung von Scott Chronert. „Um es klar zu sagen: Ein hoher Bewertungsausgangspunkt ist eine Hürde für die Aktienmärkte, aber keine unüberwindbare. Vielmehr erhöht er den Druck auf die Fundamentaldaten, die Kursentwicklung zu stützen.“

Chart zeigt Verlauf der Aktienmärkte und KGV im Vergleich

Angesichts der steigenden Bewertungen wird zunehmend von einer Blase gesprochen. Im Vordergrund der Sorgen stehen der Technologiesektor und der KI-Handel. Hyperscaler haben ihre Investitionsausgaben auf ein Niveau erhöht, das ihre Bilanzen belasten könnte. Auch wenn dies derzeit kein Problem für den gesamten Markt darstellt, sind die Bond Vigilantes bereit zuzuschlagen. Ein Beweis dafür war der Anstieg der Credit Default Swaps von Oracle auf Rekordniveau, als die Aktien des Unternehmens nach enttäuschenden Ergebnissen einbrachen.

Grafik zeigt Kreditausfallversicherungen bei Oracle

Optimismus hinsichtlich der Gewinne

Unternehmen müssen Gewinne erzielen, um die positive Marktstimmung aufrechtzuerhalten – und diesmal liegt die Messlatte hoch. Die Konsenserwartungen gehen von einem zweistelligen Wachstum in allen Regionen aus, wobei die Schwellenländer die treibende Kraft sind. Diese Einschätzung könnte zu optimistisch sein. Asien muss die Wirtschaftswachstumsprognosen erfüllen, die fiskalischen Anreize in Europa müssen sich in den Unternehmensgewinnen niederschlagen, während das Wachstum in den USA von der fortschreitenden KI-Revolution und einem robusten Arbeitsmarkt abhängt.

Grafik zeigt Gewinnwachstum bei US-Aktien

Aktienrotation

Seit zwei Monaten rotieren Anleger ihre Allokationen, da der Handel mit KI- und Halbleiteraktien stagniert und sich anderswo attraktivere Optionen bieten. Dieses Muster ist sowohl in den USA als auch in Europa zu beobachten, auch wenn sich die Details zwischen den Regionen unterscheiden. Die Rotation trägt dazu bei, die Stärke der Aktienmärkte zu verbreitern, da Anleger eine Mischung aus Aktien suchen, die von der Konjunktur profitieren, defensiv positioniert sind und auf hinterherhinkende Sektoren setzen.

Da KI weiterhin Fragen hinsichtlich ihrer Rendite und Nachhaltigkeit aufwirft, ist es wahrscheinlich, dass Investoren die Rotation ihrer Portfoliothemen bis ins nächste Jahr hinein fortsetzen werden. Es ist wahrscheinlich, dass die nächsten zwei oder drei Gewinnsaisons weitere Umschichtungen nach sich ziehen werden, da Investoren Einblicke in die Gesundheit verschiedener Branchen gewinnen.

Grafik zeigt Detailvergleiche europäischer und amerikanischer Aktienmärkte

Saisonale Effekte zum Jahreswechsel

Die saisonale Risikobereitschaft zu Beginn eines neuen Jahres wird in der Regel als Rückenwind für Aktien angesehen. Neue Risikobudgets, eine Neufestlegung der Leistungskennzahlen und Zuflüsse in Pensionsfonds sind einige der Faktoren, die in der Regel für einen Aufschwung sorgen. Während die Aussichten für die Aktienmärkte im ersten Quartal und bis April insgesamt positiv sind, sind Januar und Februar traditionell keine Monate mit herausragenden Leistungen. Die letzten Jahre waren gemischt, mit starken Gewinnen und großen Verlusten.

Grafik zeigt Saisonalität der Aktienmärkte

Aktienauswahl

Aufgrund der starken Konzentration der Renditen im Jahr 2025, die durch die hohe Gewichtung von Megacaps in den wichtigsten Märkten verursacht wird, sind die Korrelationen zwischen den einzelnen Indexmitgliedern zusammengebrochen, was ein Paradies für Aktienauswähler geschaffen hat. Auch wenn sich das Jahr 2026 anders entwickeln könnte, dürften eine Verbreiterung der Gewinner und eine mögliche Veränderung der Führungspositionen in den einzelnen Sektoren dazu beitragen, dass diskretionäre Fondsmanager ihre Benchmarks übertreffen.

„Wir bleiben risikofreudig und sehen das Thema KI weiterhin als Haupttreiber für die US-Aktienmärkte“, schrieben die Investmentstrategen von BlackRock unter der Leitung von Jean Boivin. „Dennoch ist dieses Umfeld unserer Meinung nach reif für aktives Investieren – die Auswahl von Gewinnern und Verlierern unter den Entwicklern jetzt und später, wenn sich die Gewinne aus der KI zu verbreiten beginnen.“

Starke Positionierung

Schließlich sieht die Positionierung recht voll aus. Laut der Umfrage der Bank of America unter Fondsmanagern gehen die Anleger mit großer Zuversicht in das neue Jahr, was alles von Wirtschaftswachstum bis hin zu Aktien und Rohstoffen betrifft. Das kombinierte Engagement in diesen beiden Anlageklassen, die in der Regel bei einer expandierenden Wirtschaft gut abschneiden, hat den höchsten Stand seit Februar 2022 erreicht. Der Bargeldanteil ist auf nur noch 3,3 % des verwalteten Vermögens gesunken, ein Rekordtief.

„Das wichtigste Abwärtsrisiko ist nach wie vor die Aussicht, dass sich der US-Arbeitsmarkt so verschlechtert, dass das Risiko einer Rezession wieder auf den Tisch kommt“, schrieben die Strategen der Goldman Sachs Group unter der Leitung von Kamakshya Trivedi. Die Märkte preisen ein geringes Rezessionsrisiko ein, während die größte mikroökonomische Bedrohung für die US-Aktienmärkte laut dem Goldman-Team eine Herausforderung für das Thema KI darstellt. Sie empfehlen eine Diversifizierung des Aktienengagements sowohl international als auch branchenübergreifend, um einige eher klassisch zyklische Aktien oder günstigere defensive Bereiche wie das Gesundheitswesen einzubeziehen.

FMW/Bloomberg



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2 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Öl wird spannend…. in 2026 …weil die Saudies ihr Öl nicht länger „verschenken“ werden…

    Und das wird andere „OPEC Plus „- Staaten mitziehen…das Gleiche zu tun…nämlich die Förderung massiv zu kürzen…da kann der Trump rumschreien wie er will…

    Öl könnte der Outperformer in 2026 werden….Gemessen am energetischen Bedarf …weltweit…. ist Öl massiv unterbewertet…

  2. Das klingt alles ein wenig verzweifelt.

    Am Allzeithoch auf der Zwangssuche nach Rendite, denn die Inflation knabbert, Fed senkt gleichzeitig Zinsen und pump Liquidität.

    Dann soll es Sicheres und Wertgestützes ohne Übertreibung sein, mit guten Fundamentaldaten.
    Gibt es da noch was das nicht überbewertet ist?

    Die Trommel kann ja nur weiter drehen bis sie aus dem Halter springt.

    Da lobt man sich doch den Dotcom Crash, da war der Kreis der guten Kursbewertungen einfacher zu identifizieren.

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