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Wie das Coronavirus wirtschaftliche Wunden wieder aufreißt

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Coronavirus Beispielbild

Die allgemeine Erwartung einer V-förmigen Erholung der Weltwirtschaft nach der Eindämmung des Coronavirus könnte ein Trugschluss sein. Die Nebenwirkungen der Epidemie sind erheblich. Die schwächsten Glieder der globalen Wirtschaftskette drohen zu reißen.

Warum das Coronavirus der Auslöser eines Dominoeffekts werden könnte

Bislang fehlen noch harte Daten zur Beurteilung der tatsächlichen Schäden, den das Coronavirus im Welthandel sowie der gesamten Weltwirtschaft verursacht. Doch neben plausiblen Vermutungen und einigen ersten Indizien für einen signifikanten konjunkturellen Rückschlag gibt es bereits Kollateralschäden, die momentan noch kaum Beachtung finden. Der Einbruch der Ölpreise beispielsweise belastet die Haushalte der arabischen Staaten und die Bilanzen der noch preissensibleren Fracking-Konkurrenz aus den USA. Die Petro-Dollar fehlen aber nicht nur in den Produktionsländern selbst, sondern auch in den Staaten, in denen die Dollars in Form von Investitionen „recycelt“ werden.

Die bereits am Boden liegende Ölindustrie in Venezuela, die gerade erst dank finanzieller und technischer Unterstützung aus China und Russland ihre Fördermenge leicht ausweiten konnte, erlebt ebenfalls einen erneuten Rückschlag. Zwar entlasten rückläufige Preise für fossile Energieträger die gewerblichen und privaten Verbraucher. Doch auf die könnte im Zuge der Lieferkettenunterbrechung mit China noch eine spürbare Knappheits-Teuerung bei bestimmten Gütern zukommen, die den Effekt günstigerer Treibstoffpreise egalisiert.

Deutlich ernster ist die Lage in den Ländern, die sich bereits seit geraumer Zeit mit zu hohen Dollar-Schulden herumschlagen und wie Argentinien kurz vor dem wirtschaftlichen Kollaps stehen. Aber auch Brasilien, Chile und die Türkei erleben gerade ein Déjà-vu: das Wiederaufflammen ihrer Krisen aus dem Jahr 2019. Schuld daran ist zum einen der Einbruch der Exporte nach China und der krisenbedingt wieder deutlich aufwertende US-Dollar.

US Dollar Index Chart - Coronavirus drängt Markt in den Dollar

Wenn „Schwarze Schwäne“ Junge kriegen

Diese Entwicklung am Devisenmarkt verstärkt die ohnehin schon hohe Inflation in Ländern wie Argentinien und der Türkei. Zusätzlich steigt der in US-Dollar angehäufte Schuldenberg in heimischer Währung weiter an. Das Gleiche gilt für die Zinslasten, die in der schwindsüchtigen heimischen Währung erwirtschaftet und in dem teuren US-Dollar an die Gläubiger überwiesen werden müssen.

Im Zuge der Neuwahlen in Argentinien hat sich die Krise dort weiter verschärft. Der jetzige China-Schock drückt den Argentinischen Peso noch mehr gen Süden. Und dass, obwohl der IWF das Land mit der größten Hilfszahlung seiner Geschichte unterstützt und die Regierung in Buenos Aires den Devisenmarkt strengen Auflagen unterzogen hat. Die aktuellen Verhandlungen mit den Gläubigern über ein Schuldenmoratorium laufen ohnehin schlecht, da das Vertrauen in die neue Führung des südamerikanischen Landes zusehends schwindet, die wirtschaftliche Krise lösen zu können. Ein Staatsbankrott Argentiniens mit einem Schaden von über 100 Mrd. US-Dollar wäre ein weiterer „Schwarzer Schwan“ für die schwächelnde Weltwirtschaft.

Argentinischer Peso vs US-Dollar

Ebenso wie in die politische Führung in Argentinien schwindet auch das Vertrauen in die türkische Regierung unter Recep Tayyip Erdoğan. Seine militärischen Abenteuer, die denen in Sachen irrationaler Geldpolitik in nichts nachstehen, gefährden die zwischenzeitliche Beruhigung der Lira-Krise. Die Türkische Lira befindet sich erneut im Sinkflug und diese Schwäche droht die Inflations- und Schuldenproblematik des Landes wieder anzuheizen. Die Türkei ist für Europa ein wichtiger Handelspartner. Auf der Liste der größten Volkswirtschaften der Welt steht das Land am Bosporus nach Saudi Arabien auf Platz 19.

Türkische Lira vs US-Dollar

Das Coronavirus verkürzt die Zündschnur der BBB-Schuldenbombe

Erst gestern läutete die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Alarmglocken in Sachen weltweiter Unternehmensverschuldung. Dabei bereitet der supranationalen Organisation vor allem die schlechte Qualität der Schulden große Sorgen: Über die Hälfte der Unternehmen, die sich im letzten Jahr auf dem Rekordniveau des Jahres 2016 neu verschuldet hatten, sind mit dem schlechtesten “Investmentgrade“-Rating „BBB“ bewertet.

Hier droht ein Dominoeffekt, wenn im Zuge der Krise, ausgelöst durch den Coronavirus, die Ratings weiter abgestuft werden. Dann müssten sich große institutionelle Investoren zwangsweise aus diesen Schuldpapieren zurückziehen und dürften von den betroffenen Unternehmen auch keine neuen Schulden mehr erwerben. Eine globale Pleitewelle bereits jetzt angeschlagener Unternehmen könnte ein weiterer neuer „Schwarzer Schwan“ für die Weltwirtschaft werden. Auch dieser müsste wiederum mit „unkonventioneller“ Geldpolitik bekämpft werden. Dies würde die Notenbanken noch schneller an ein unkontrollierbares Inflationsszenario heranführen.

Fazit und Ausblick

Das immer wieder vorgebrachte Mantra: „Der Markt handelt die Zukunft“ ist erwiesener Maßen Quatsch. Hätten die Märkte im Spätsommer letzten Jahres neben der sich damals unerwartet zuspitzenden Handels-Fehde zwischen den USA und China bereits erahnt, was zum Jahresauftakt 2020 mit dem Coronavirus noch auf die Weltwirtschaft zukommt, wären viele Marktteilnehmer vielleicht nicht so in Vorfreude einer Lösung des Handelsstreits in Euphorie verfallen. Wer kann also absehen, was in drei oder sechs Monaten passiert. Zumal die Weltwirtschaft bereits vor der Virus-Epidemie signifikante Dynamikverluste verzeichnete und die Schulden weiter fröhlich explodierten.

Vielleicht sollten sich die Marktteilnehmer nicht allzu unbekümmert auf die Zukunft freuen und auf eine V-förmige Erholung der Konjunktur, wie sie ja bereits für die Zeit nach einem Deal im Handelskrieg fest eingepreist wird. Wie hieß es in dem Film Forrest Gump mit Tom Hanks so treffen: „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man bekommt. “. Und so könnte das Coronavirus für die Märkte noch so manche Überraschung bereithalten. In diesem Sinne sollte man weiterhin auf alles vorbereitet sein. Auch darauf, dass die ökonomischen Spätfolgen durch das Coronavirus noch für längere Zeit spürbar bleiben werden.

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    j

    19. Februar 2020 15:50 at 15:50

    Ja, es könnten so langsam mal Panikverkäufe ihren Anfang nehmen…dann rette sich wer kann. Ist ja irre wie der Markt hochgehalten wird, völlig von der Realität entkoppelt.

  2. Avatar

    pigeon

    19. Februar 2020 15:55 at 15:55

    Der Markt handelt nicht die Zukunft der Konjunktur, sondern die der Geldpolitik und die ist nach allen Regeln der Kunst bullish und wird es immer mehr so, je mehr die Schuldentragfähigkeit der Wirtschaft sinkt. Das sollten wir nach mittlerweile 10 Jahren Krisenmodus endlich begreifen (ich tue mich immer noch schwer damit…).

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    Columbo

    19. Februar 2020 16:01 at 16:01

    Wieso V-förmige Erholung? Es ist ja noch nicht einmal V-förmig nach unten gegangen.

    • Avatar

      leftutti

      19. Februar 2020 18:15 at 18:15

      @Columbo, genau das wollte ich vor ein paar Stunden auch posten ;)
      Dann habe ich allerdings noch rechtzeitig gesehen, dass Herr Zipfel von einer Erholung der Weltwirtschaft und nicht der Aktienkurse schreibt. Und da hat er natürlich völlig recht…

      • Avatar

        Columbo

        19. Februar 2020 19:33 at 19:33

        @Leftutti, Du hast Recht. Ich sollte genauer hinsehen, bevor ich einen Käse schreibe🙈.

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    Marcus

    19. Februar 2020 17:07 at 17:07

    Es gibt Gerüchte das China angeblich die HNA Group verstaatlichen will und die Flugzeug-Sparte verkauft werden soll um ein umkippen des Konzerns zu verhindern. Ankündigung soll laut Berichten morgen früh erfolgen. Ursächlich ist hier wohl neben der immens hohen Verschuldung auch das Coronavirus.

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    Lausi

    19. Februar 2020 19:28 at 19:28

    Hier ein Interview mit Finanzguru Mohamed El-Erian über die Folgen der Corona-Epidemie. Auch er scheint nicht allzu optimistisch in die Zukunft zu sehen:

    https://www.spiegel.de/wirtschaft/coronavirus-und-die-finanzmaerkte-ein-ploetzlicher-stopp-der-sich-stufenweise-durch-die-wirtschaft-frisst-a-8d0e0731-f264-4ac9-aeb9-ec9a766f01dd

    Nicht zu vergessen auch folgendes mögliches Szenario: China schickt seine Arbeiter wieder an die Werkbank mit der Folge das die Infektionsraten dadurch erneut in die Höhe schießen. Dann wäre die K… aber wirklich am dampfen! Das könnte nicht nur wirtschaftliche Folgen haben, sondern auch massive Proteste der chinesischen Bevölkerung heraufbeschwören. Eine Krise (Umsturz?) des chinesischen Systems ist vielleicht näher als man denkt.

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Kurzarbeit: 650.000 Unternehmen machen Antrag, plus 40 Prozent binnen 1 Woche!

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Bundesagentur für Arbeit meldet drastischen Anstieg bei der Kurzarbeit

Von 650.000 Unternehmen hat die Bundesagentur für Arbeit laut heutiger Veröffentlichung bis zum 6. April Anmeldungen zur Kurzarbeit erhalten. Damit ist diese Zahl binnen einer Woche um 40 Prozent gestiegen. Am 27. März waren es noch 470.000 Unternehmen. Für wie viele Personen insgesamt die Betriebe eine Anmeldung gemacht haben, lasse sich anhand der Daten derzeit nicht ermitteln, so die Agentur. Man gehe aber davon aus, dass die Zahl der Kurzarbeiter deutlich über dem Niveau der Finanzkrise 2008 liegen werde. Damals waren bis zu 1,4 Millionen Beschäftigte. Wir meinen: Bei 650.000 Unternehmen (!), die sich jetzt angemeldet haben, dürften es mehrere Millionen Kurzarbeiter sein!

Schwerpunkte sind aktuell unter anderem der Einzelhandel und das Gastgewerbe. Wichtig ist: Nicht alle Unternehmen, die jetzt Kurzarbeit anmelden, werden dann auch tatsächlich dieses Instrument für ihre Mitarbeiter nutzen und für sie Geld beantragen. Wie viele Unternehmen am Ende tatsächlich dieses Instrument nutzen, und in welchem Umfang sie das tun, können man erst genau sagen, wenn abgerechnet werde, so die Agentur. Die Listen dafür würden die Arbeitgeber zum großen Teil erst in einigen Wochen einreichen. Hierzu noch einige erklärende Aussagen der Arbeitsagentur im Wortlaut:

Betriebe müssen in jedem Fall Kurzarbeit anmelden – selbst, wenn sie später nicht realisiert wird. Damit ein Betrieb Anspruch auf Kurzarbeitergeld hat, muss er in jedem Fall zuerst Kurzarbeit anzeigen. Damit signalisiert der Betrieb, dass er Kurzarbeit plant. Nicht immer wird Kurzarbeit auch realisiert: Wenn sich zum Beispiel die Auftragslage kurzfristig verbessert oder behördliche Maßnahmen aufgehoben werden, kann der Betrieb möglicherweise wieder normal arbeiten. Dann wurde zwar Kurzarbeit angezeigt, aber nie realisiert.

Beim Klick an dieser Stelle können Sie einen Blick auf die generelle Lage in der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg werfen. Nicht nur der Ist-Zustand, auch die Aussicht ist erstmal nicht rosig.

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Coronavirus: Die Kehrseite der Schutzmaßnahmen

Ein Drittel der weltweit werktätigen Bevölkerung geht derzeit nicht zur Arbeit. Über die ökonomischen und psychologischen Folgen der Coronakrise

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Das Coronavirus ist zu einer Pandemie geworden, die für die meisten Menschen mit harmlosen Folgen abklingt, für eine nicht unbeträchtliche Gruppe jedoch leider mit tödlichen Konsequenzen. Würde man nichts gegen sie tun, so käme man – bei einer Bevölkerung von derzeit 7,7 Milliarden Menschen, bei einer Infektionsrate von 60-70 Prozent und davon wiederum 5 Prozent an schweren Fällen – auf eine gewaltige Anzahl von möglichen Toten in dieser Welt. Andererseits wird auch ein Stillstand der Weltwirtschaft über eine längeren Zeitraum zu unglaublichen Folgen führen – nicht nur zur Einkommenseinbußen, sondern auch zu Millionen von Toten, wie Studien von Hilfsorganisationen prognostizieren.

Coronavirus und die Folgen des Wirtschaftseinbruchs

Tag für Tag steigen die Infektionszahlen mit dem Coronavirus, man hat die Schwelle von 1,5 Millionen erreicht und die Zahl der mit oder an Corona gestorbenen Menschen hat die 88.000 überschritten. Kein Vergleich mit der Sars-Infektion von 2002/03, bei der 774 Menschen weltweit ums Leben kamen. Regierungen aus aller Welt stehen unter Schock und haben zum Teil heftigste Eindämmungsmaßnahmen angeordnet, vor allem um die Geschwindigkeit der Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen (flatten the curve) – ansonsten würde ein Mangel an Intensivbetten und Beatmungsgeräten zu einem massenhaften Tod von Menschen führen.

Eine Studie des Imperial College in London Mitte März hatte nicht nur Großbritannien, sondern auch andere Länder aufgeschreckt: Eine Herdenimmunisierung ohne Schutzmaßnahmen würde auf der Insel zu 500.000 Toten führen und auf der Welt auf bis zu 40 Millionen. Daraufhin hat die Regierung in London die vorherige Strategie geändert und Eindämmungsmaßnahmen angeordnet – wie viele andere Staaten auch.

Dies hat dazu geführt, dass wegen des Coronavirus ein Drittel der weltweit werktätigen Bevölkerung derzeit nicht zur Arbeit geht, wie in verschiedenen Studien errechnet wurde. Was dies für Folgen für die einzelnen Volkswirtschaften hat, gleicht einem Rätselraten. Ökonomen fußen ihre Rechnungen auf Modellen, die auf früheren Krisen basieren – und da gibt es kaum Vergleichsmöglichkeiten. Moderate Prognosen gehen von einer Schrumpfung von fünf Prozent für Deutschland und von zwei Prozent für die Weltökonomie aus. Wer aber kann eine seriöse Prognose über Zeitpunkt und Ausmaß der Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Aktivitäten erstellen, wenn es so viele Variable gibt?

Zuletzt kann niemand die Reaktionen der Bürger einschätzen, wie diese sich nach der Krise verhalten werden. Beginnen Sie zu sparen oder holen Sie alles nach, was Ihnen in der letzten Zeit entgangen ist, die teure Urlaubsreise, den geplanten Kauf eines Kfz und ähnliche Vorhaben?

Eines steht aber fest: Desto länger der Lockdown der Wirtschaft andauert, umso gravierender werden die Auswirkungen auf Mensch und Wirtschaft sein – und es wird einen Punkt geben, bei dem der Wirtschaftseinbruch höhere Verluste an Menschenleben hervorruft, als durch das Coronavirus selbst.

Der Hunger dieser Welt

Besonders betroffen sind wieder einmal die Armen dieser Welt. Hilfsorganisationen gehen bereits davon aus, dass durch eine Rezession in der Weltwirtschaft 35 bis 65 Millionen Menschen in die bittere Armut abrutschen werden.

Das International Food Policy Research Institute in Washinghton hat dies zu berechnen versucht, mit dem Ergebnis, dass durch jeden Prozentpunkt, um den das globale Wirtschaftswachstum zurückgeht, die Zahl der Menschen in absoluter Armut um 1,6 bis drei Prozent zunimmt. Bei einer Rezession von drei Prozent wären das 4,8 bis neun Prozent und damit diese gewaltige Zahl an Notleidenden.

Die Welthungerhilfe spricht aktuell von 820 Millionen an Hunger leidenden Menschen. Dies wird an der Summe von 1,90 Dollar festgemacht, die ein Mensch pro Tag für sein Leben zur Verfügung hat.

Besonders treffen wird es die Bevölkerung in Afrika, Südostasien und vor allem Indien. Vielen Menschen könnten dort den Hungertod erleiden.

Während in Deutschland und anderen Industrienationen Arbeits- und Sozialämter über die Krise am Arbeitsmarkt hinweghelfen, gibt es in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern dieses Sicherheitsnetz nicht.

Berichte aus Indien zeigen, wie Millionen Wanderarbeiter in ihre Dörfer zurückgeschickt geschickt werden. In anderen Ländern, wie Indonesien, Thailand oder den Philippinen fehlen für Millionen die Einnahmen aus dem Tourismus.

Kurzum: Die ohnehin schwierige Ernährungslage wird nun durch die verhängten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus weiter verschlimmert. Zumal auch ein Anstieg der Lebensmittelpreise die Lage verschärft, nicht zuletzt durch manch Hamsterkäufe ängstlicher Bürger aus den Industriestaaten. Überall stehen Existenzen auf dem Spiel, aber Hilfsorganisationen sprechen schon davon, dass es mehr Hungertote geben könnte als Corona-Opfer.

Coronavirus: Einsamkeit, häusliche Quarantäne und die Folgen

Während es beim Lockdown in vielen Staaten um das Überleben von Menschen geht – durch eine Unterversorgung der elementaren Grundbedürfnisse –  so entstehen auch bei einem Re-Start der Wirtschaft bei gleichzeitiger Isolierung der Risikogruppen (Cocooning) weitere Probleme.

Die Isolation von Menschen vor allem der älteren Bevölkerung hat vielschichtige gesundheitliche Folgen. Das Verbot des Besuchs älterer Bürger in Altenheimen schützt diese zwar vor eine Infektion mit dem Coronavirus, löst bei vielen aber depressive Stimmungen aus. Dies schwächt wiederum deren Immunsystem mit der Folge, dass sie an den anderen Erregern sterben, die immer in Gemeinschaftseinrichtungen zirkulieren. Es gilt für alle Menschen:

Ängste und Depressionen produzieren unter anderem Cortisol, welches das Immunsystem schwächt. Das ist auch eine Kehrseite einer kontrollierten Panik, die von Behörden aufrechterhalten wird, um alle Menschen – vor allem die Leichtsinnigen – vor einem zu laschen Umgang mit den Vorsichtsmaßnahmen abhalten sollen. Psychologen bringen es so auf den Punkt:

Es ist nicht die realistische, sondern die dramatische Gefahr (z.B. ein Autounfall, im Vergleich zu einem Flugzeugabsturz), der unser limbisches System stimuliert und unsere Ängste prägt.

Wenn ich von vielen Tausend durch das Coronavirus Verstorbene lese, bekommen ich Zweifel darüber, ob ich eine Ansteckung verkraften könnte – auch wenn sich bei genauerer Analyse zeigt, dass viele Verstorbene schon vor der Infektion chronisch krank waren und im Grund nicht an, sondern mit dem Coronavirus gestorben sind.

Die Ausgehverbote der Regierung und die milden Quarantänemaßnahmen mit den Folgen für die Arbeitsplätze haben bereits zu Folgen in vielen Familien geführt. Jugendämter und Fraueneinrichtungen warnen vor Gewalt in der Familie, vor allem wenn der „Lagerkoller“ länger anhalten sollte. Psychiater fürchten sogar schon einen Anstieg der Selbstmordrate.

Das Problem mit der älteren Bevölkerung und den Altenheimen bleibt auch nach dem 20. April erhalten, wenn man mit ersten Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen beginnen sollte. Wir haben in Deutschland über 17 Millionen Menschen, die älter als 65 Jahre sind. Davon sind etwa drei Millionen pflegebedürftig und 800.000 werden in Pflegeheimen voll stationär betreut. Man wird die Risikogruppen noch eine lange Zeit besonders vor dem Cornavirus schützen müssen.

Der 80-jährige und langjährige Abgeordnete der Grünen, Christian Ströbele, drohte schon einmal mit einer Verfassungsklage, sollte es während der Corona-Krise zu einer Benachteiligung der sogenannten Risikogruppe kommen. Damit bezog er sich natürlich auf mögliche Ausgangsbeschränkungen (Cocooning) älterer Menschen, wenn man die jüngere Bevölkerung schrittweise wieder ins Berufsleben integrieren wird.

Fazit

Eindämmung, so gut es geht, um das Gesundheitssystem vor dem großen Kollaps zu bewahren und anschließend ein schrittweises baldiges Wiederhochfahren der Wirtschaft („Hammer and Dance“, lautet der internationale Fachausdruck) – das muss die Devise sein. Ein monatelanger Lockdown hätte, wenn die Prognosen der Forscher auch nur ansatzweise einträten, erheblich schrecklichere Folgen. Deshalb geht es künftig wahrscheinlich um eine baldige, wohldosierte Rückkehr ins Wirtschaftsleben mit all den Restmaßnahmen, um schlussendlich nicht die sprichwörtliche Wahl zwischen Pest und Cholera zu haben.

Das Coronavirus und die Folgen des lockdowns

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Einblick in die Herzkammer der deutschen Industrie – die dramatische Lage

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Düstere Umfragedaten der Industrie aus Baden-Württemberg

Die Herzkammer der deutschen Industrie gewährt aktuell einen Einblick in die aktuell dramatische Lage, was Auftragseingänge, Kurzarbeit etc betrifft. „Südwestmetall“ ist der Dachverband der Metall- und Elektro-Industrie in Baden-Württemberg – der Leitbranche der baden-württembergischen Wirtschaft, wie es Südwestmetall selbst ausdrückt. Aktuell hat man eine Umfrage unter seinen Mitgliedern veröffentlicht. Man spricht von einem gravierenden Einbruch bei Aufträgen und Produktion, und auch von einem explosionsartigen Anstieg der Kurzarbeit in der Metallbranche. Noch gelinge es dem Gros der Unternehmen, durch Kurzarbeit und andere flexible Instrumente ihre Kernbelegschaften zu schützen. Je länger die aktuellen Einschränkungen aber aufrechterhalten werden, desto wahrscheinlicher würden auch Jobs verloren gehen, so der Verband. Nicht nur die aktuelle Lage ist dramatisch – vor allem auch die Aussichten der befragten Unternehmen für die nächsten Wochen sehen düster aus. Hier die wichtigsten Aussagen im Wortlaut:

Laut den Ergebnissen der Umfrage sind die Auftragseingänge zu Jahresbeginn (Januar bis März) um 14 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Die allermeisten Unternehmen (92 %) sehen ihre Produktion durch Corona-Auswirkungen eingeschränkt, 19 % verzeichnen starke, weitere 24 % sogar sehr starke Einschränkungen.

Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung liegt derzeit nur noch bei 60 %, dabei sind 9 % der Betriebe sogar komplett geschlossen. Als weitaus häufigster Grund für den Produktionseinbruch wird dabei „fehlende Nachfrage“ genannt (71 %), gefolgt von „fehlende Arbeitskräfte wegen Krankheit, Kinderbetreuung etc.“ (33 %) und „fehlende Teile/Material“ (29 %). Zahlreiche Betriebe (18 %) haben zudem ihre Produktion zurückgefahren und umorganisiert, um Ansteckungsgefahren zu verhindern. „Ausgehend von China sind unseren Unternehmen nach und nach die Märkte weggebrochen. Die Verkaufsstellen der Autobauer sind geschlossen, der Maschinenbau leidet unter der Zurückhaltung bei Investitionen“, sagte Dick.

In der Anfangsphase haben die Betriebe noch intensiv betriebliche und tarifliche Möglichkeiten ausgeschöpft, um dem abrupten Absatzeinbruch zu begegnen: Arbeitszeitkonten, Überstunden und Resturlaub wurden abgebaut, Instrumente wie die tariflichen Freistellungstage statt Auszahlung (T-ZUG) oder die Anordnung von Betriebsurlaub genutzt. 39 % der Betriebe haben zudem befristete Beschäftigungsverhältnisse beendet, 53 % die Zahl der Zeitarbeitnehmer reduziert.

Mittlerweile wird vor allem die inzwischen erleichterte Kurzarbeit genutzt, um den teilweise weitgehenden Produktionsstillstand auszugleichen. Zum Zeitpunkt der Umfrage (2.-7. April) waren schon in der Hälfte der Unternehmen Mitarbeiter in Kurzarbeit. Durchschnittlich waren dabei knapp Dreiviertel (72 %) der Beschäftigten in diesen Betrieben betroffen, die Arbeitszeit wurde im Schnitt um fast die Hälfte (47 %) reduziert. Allerdings plant derzeit auch mehr als die Hälfte dieser Betriebe (59 %) in den nächsten Wochen eine Ausweitung der Kurzarbeit. Hinzu kommt mehr als ein weiteres Drittel aller Betriebe (35 %), die in den nächsten Wochen mit Kurzarbeit beginnen will – so dass dann in Summe 85 % aller Betriebe dieses Instrument nutzen würden – sollte nicht eine Lockerung der Corona-Maßnahmen ein geringeres Ausmaß ermöglichen.

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