Allgemein

Aktuelle Zahlen für das zweite Quartal Wie der Staatsfonds aus Norwegen phantastische Renditen erzielt

Der Staatsfonds in Norwegen erzielt derzeit richtig gute Renditen. Eigentlich ein Vorbild, wie es auch hierzulande laufen könnte!

Nicolai Tangen, in Arendal, Norway, on Aug. 12. Photographer: Carina Johansen/Bloomberg

Der Staatsfonds in Norwegen ist der beste Beleg dafür, dass Geld für die Altersvorsorge wirklich investiert und nicht über ein Umlagesystem sofort wieder ausgeschüttet werden sollte. Durch eingezahlte Gelder, Dividenden und Zinsen, die wieder angelegt werden, entsteht Vermögen. Gleichzeitig hat die Deutsche Rentenversicherung gar kein Vermögen für zukünftige Rentner angespart – heutige Beiträge werden sofort an heutige Rentner ausgeschüttet, mehr nicht. Heute hat der norwegische Staatsfonds – der größte der Welt – seine Zahlen für das erste Halbjahr veröffentlicht. Und man sieht richtig gute Renditen!


Werbung
Rohstoff Webinar

Norwegen-Staatsfonds mit richtig guten Renditen

Und auch, wenn es in schlechten Marktphasen mal bergab geht: Die Historie beweist, dass dieser Staatsfonds für die Bürger in Norwegen ein wirklich großer Gewinn ist! Norwegens Staatsfonds verzeichnete sein bestes Quartal seit Ende 2023 und erzielte im zweiten Quartal eine Rendite von 6,4 %, angetrieben von den Gewinnen an den Aktienmärkten. Bloomberg berichtet über den Halbjahresbericht: Aktien trugen mit 8,45 % zum Ergebnis des 1,9 Billionen Dollar schweren Staatsfonds bei, während nicht börsennotierte Infrastrukturinvestitionen 8,1 % erzielten. Festverzinsliche Wertpapiere und nicht börsennotierte Immobilien leisteten einen geringen positiven Beitrag.

Der norwegische Staatsfonds hält rund 1,5 % der weltweit börsennotierten Aktien. Mehr als zwei Drittel des Fonds sind in Aktien investiert, alle außerhalb Norwegens. Ein großer Teil der Bestände befindet sich in den USA, darunter Technologieunternehmen wie Apple, Microsoft, Nvidia, Alphabet, Amazon und Meta Platforms. Die Rendite des Fonds lag im ersten Halbjahr bei 5,7 % und verfehlte damit die eigene Benchmark um 5 Basispunkte. Europäische Aktien legten mit 17,8 % am stärksten zu, während nordamerikanische Aktien nur 1,4 % erzielten.

„Das Ergebnis ist auf die guten Renditen am Aktienmarkt zurückzuführen, insbesondere im Finanzsektor“, sagte Geschäftsführer Nicolai Tangen.
Finanzunternehmen erzielten in den ersten sechs Monaten des Jahres eine Rendite von 16,5 % und machten 17 % der Aktieninvestitionen aus, so NBIM. Den größten Beitrag leisteten europäische Banken, „getrieben von Erwartungen höherer öffentlicher Ausgaben und einer weiterhin soliden Rentabilität“. Weitere positive Impulse kamen von Telekommunikationsunternehmen und Versorgern, während der Gesundheitssektor laut Angaben des Fonds am schwächsten abschloss.

Eine stärkere Währung belastete den Fonds und trug dazu bei, dass sein Gesamtwert zum Ende des Berichtszeitraums gegenüber dem Jahresende um 0,8 % auf 19,6 Billionen Kronen (1,9 Billionen US-Dollar) sank. Der Staatsfonds in Norwegen (NBIM) wurde Anfang der 1990er Jahre gegründet und investiert die Öl- und Gaseinnahmen des nordischen Landes im Ausland zum Wohle künftiger Generationen. Er orientiert sich an einem vom Finanzministerium festgelegten Referenzindex und hat nur begrenzten Spielraum für aktive Investitionen.

Bei Aktien bildet er den FTSE Global All Cap Index mit Beteiligungen an rund 8.700 börsennotierten Unternehmen in 44 Ländern ab, während der festverzinsliche Teil des Fonds den Bloomberg Barclays Indizes folgt, wobei 70 % in Staatsanleihen und 30 % in Unternehmensanleihen investiert sind.

Reaktion wegen Israel-Engagements

Der Fonds stand in letzter Zeit aufgrund seiner Investitionen in einige Unternehmen, die zum Krieg Israels im Gazastreifen beitragen, unter Druck. Nach öffentlichen Protesten kündigt er alle Verträge mit externen Managern in Israel und hat seit Kriegsbeginn insgesamt 21 israelische Unternehmen aus seinem Portfolio genommen. Am Dienstag erklärte Tangen gegenüber Reportern, er habe keine Pläne, als CEO zurückzutreten, räumte jedoch ein, dass der Fonds schneller hätte handeln müssen, um die Verwaltung dieser Beteiligungen zurückzunehmen.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld

Claudio Kummerfeld hat langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.

Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

3 Kommentare

  1. Die 1000 Milliarden Neuverschuldung Deutschlands sind das obere Maximum, weil man damit am Ende bei um die 100% Verschuldung liegen wird. Da dann noch weitere Schulden aufzunehmen, um die in Aktien zu investieren, würde kein Kapitalgeber mitmachen. Ich kann mir so schon nicht vorstellen, dass es bei den jetzt etwa 2,5% Zinsen für deutsche Anleihen bleiben kann – 3,5% halte ich für wahrscheinlicher.

    Also, man ist jetzt dabei die Kreditkarte voll auszuschöpfen. So wie sich die Regierung nach 100 Tagen präsentiert, wird sie keinen nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung hinbekommen. Die SPD ist heute viel linker als noch zur Zeit von Kanzler Schröder und noch sind die Arbeitslosenzahlen deutlich niedriger als damals. Die Hoffnung auf Besserung braucht man allerdings nicht verlieren, denn wenn die Regierung Deutschland in den Graben gefahren haben wird, wird die Reformbereitschaft wieder steigen und als Aktionär kann man sowieso weltweit Geld anlegen.

  2. Aus meiner Sicht steht das Ganze auf tönernen Füßen. Nicht der grundsätzlich richtige Gedanke der Kapitalanlage statt oder zusätzlich zum Umlageverfahren, sondern die Ausrichtung der Anlage ist verbesserungsfähig: Die Zuwächse resultieren vor allem aus Aktien (im digitalen und Finanzsektor) und sind entsprechend volatil.
    87% der US- Unternehmen mit Umsatz > 100 Mio USD sind aber nicht (mehr) am Aktienmarkt notiert. In Europa sind dies ca. 96%. Von 1997 bis 2023 sank die Anzahl börsengehandelter Aktien in den USA von ca. 7.850 auf 4.450 Unternehmen, also ein Minus von 43%. Im S&P-500 werden zwar ca. 80% der Marktkapitalisierung repräsentiert, aber nur ca. 18% der Arbeitsplätze. Durch die einseitige Ausrichtung auf den Aktienmarkt entgehen dem Fonds lukrative Investmentmöglichkeiten im Bereich alternativer Investments, die aufgrund der Kapitalgröße sicher umsetzbar wären (z.B. Private Markets, Private Debt, Private Equity, Infrastrukturanlagen, alternative Energien etc.). Langfristig orientierte Fonds mit starker Ausrichtung in dieser Richtung erzielen hohe konstante und schwankungsarme Renditen (z.B. Yale Endowment Fund mit 13,1% jährliche Rendite über 30 Jahre). Ich bin gespannt, wie hoch das Gejammer ausfällt, wenn die Börsen nachhaltig mal wieder konsolidieren (z.B. aufgrund der demnächst sicher explodierenden Schuldenkrise in den USA). Da braucht wieder nur eine Bank umzufallen…..

  3. Der Kanzler der 2. Wahl wird nun von der AfD gejagt.

    Zum Thema:
    Ich habe meinen eigenen Rentenfond 2000 „aufgelegt“.
    Seit 2000 hat sich das eingesetzte Kapital etwa verzehnfacht
    Seit 2019 etwa 150 % zugelegt.
    Letztes Jahr um 34 % und in diesem Jahr schon über 14 %.
    Alles in Euro.
    Nach Basel 3 bestehen aus Tier 1, legal steuerfrei und anonym.
    Wobei ja alles auch auf Rechnung gekaufte Gold nach 10 Jahre automatisch anonym wird, denn der Händler hat dann seine Belege vernichtet.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung


Meist gelesen 7 Tage

Die mobile Version verlassen
Place this code at the end of your tag:
Place this code at the end of your tag:
Capital.com CFD Handels App
Kostenfrei
Jetzt handeln Jetzt handeln

69,0% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld.