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Wie die Amerikaner das Griechenland-Programm sehen

Redaktion

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am

Von Claudio Kummerfeld

Experten, Presse und Ökonomen in den USA scheinen sich einig zu sein. Deutschland will Griechenland fertig machen und demütigen. Die Sichtweise basiert auf einem grundlegend anderen Verständnis von Verschuldung. Wie die Amerikaner das Griechenland-Programm sehen…

Paul Krugman bezieht Stellung zum Thema Griechenland
Nobelpreisträger Paul Krugman.
Foto: Bild: Wikipedia/Prolineserver (GNU FDL Version 1.2)

Paul Krugman

Der bei vielen Experten anerkannte (und bei vielen auch verspottete) US-Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman schrieb am Sonntag in seinem Blog Deutschland wolle nicht nur eine Kapitulation von Griechenland, sondern einen „Regimewechsel“ in Athen, und es wolle die totale Demütigung für Griechenland erreichen. Redet so ein wirklich seriöser Ökonom? Zitat vom Sonntag:

„But substantive surrender isn’t enough for Germany, which wants regime change and total humiliation — and there’s a substantial faction that just wants to push Greece out, and would more or less welcome a failed state as a caution for the rest.“

Krugman stimmt auch dem derzeit kursierenden #ThisIsACoup zu, was bedeutet, dass in Griechenland derzeit ein Putsch im Gange ist, ein Sturz der Regierung durch die Deutschen. Auffällig ist auch, dass Krugman immer nur von „den Deutschen“ redet, und nie davon, dass noch 17 andere Staaten zusammen mit den Deutschen ein Papier gemeinschaftlich verfasst haben. „Wer wird nach diesen Vorgängen jemals wieder an die guten Absichten Deutschlands glauben“, schreibt er.

Man kann nur vermuten, was Paul Krugman zu solchen Äußerungen getrieben hat. Er gilt als strikter Verfechter des totalen Schuldenmachens. Nur durch exorbitante Neuverschuldung könne ein Wirtschaftswachstum erzeugt werden, das es einem Staat erlaube durch die neu entstandenen Steuereinnahmen seine Schulden abzutragen. Hat in den USA jedenfalls nicht funktioniert. Vielleicht ist er sauer, dass Europa nicht seiner „Ideologie“ gefolgt ist?

Tim Geithner

Der ehemalige Chef der New Yoker Notenbankfiliale und Ex-Finanzminister der USA Tim Geithner, heute Präsident (Aushängeschild) der Private Equity-Firma „WarburgPincus“, war während seiner Amtszeit der Verfechter von immer „mehr Schulden machen, alte Schulden mit neuen Schulden zudecken, kräftig neue Schulden machen“. Diese „Gesundungsempfehlung“ übermittelte er den Europäern in seiner Zeit als Finanzminister bis 2013 mehrfach. In seinen Memorien verriet er Details von einem Treffen mit Wolfgang Schäuble aus dem Jahr 2012 auf Sylt. Nur am Rande: Es ist nicht die feine englische Art vertrauliche Gespräche auszuplaudern, auch wenn man irgendwann nicht mehr im Amt ist!

Er beschreibt, dass er das Treffen verließ „mit mehr Angst als jemals zuvor“. Schäuble hätte ihm gesagt ein Grexit wäre schrecklich genug gewesen um Europa dazu zu bringen einer weiteren Integration hin zur Banken- und Fiskalunion zuzustimmen. Geithner selbst hätte dieses Argument erschreckend gefunden, weil es zu einer spektakulären Vertrauenskrise für Europa als Institution geführt hätte. Geithners Sichtweise ist zwar nicht brandaktuell, wird sich aber kaum geändert haben. Ob seine Aussagen zum Treffen mit Schäuble wirklich stimmen, kann man nicht nachprüfen, aber irgendwas muss er ja schreiben.

Obama hat nur ein Interesse

US-Präsident hatte und hat rund um das ganze Thema Griechenland nur ein einziges klarer und nachvollziehbares Interesse. Probleme in Europa sollen gefälligst konjunkturell nicht auf die USA abfärben, daher will er einfach nur, dass das Problem irgendwie gelöst wird, so dass am Ende kein wirtschaftliches Desaster dabei rauskommt. Denn geht´s Europa schlecht, geht´s auch US-Konzernen schlecht, deren Produkte von europäischen Konsumenten weniger gekauft werden. Jubelnd oder abfällig geäußert hat er sich nicht zur Einigung zwischen der Eurogruppe und Griechenland. Zuletzt drängte er aber immer wieder die wichtigsten europäischen Akteure dazu eine Einigung mit Griechenland zu erzielen, was im Zweifel heißt „gebt doch den Forderungen der Griechen nach“. Die USA als Staat werden wohl erst mal froh sein, dass es irgendwie weitergeht mit Griechenland im Euro.

David Einhorn

Der anerkannte Hedgefondsmanager David Einhorn geht immer öfter in die Rolle des Kommentators für Wirtschaft und Politik über. In einer gestern veröffentlichten Kolumne schreibt er Europa wolle Syriza absichtlich keinen Kompromiss zugestehen, der es der Partei erlaubt hätte ihr Gesicht zu wahren. Syriza hätte kapituliert (hat es ja auch) und wäre gezwungen gewesen einen Vorschlag zu machen, der Griechenland noch mehr Austerität (Sparen) bringt und dem Land keinen Schuldenschnitt. Das große Ziel der Hardliner in der Eurogruppe sei es gewesen die Wähler in anderen hoch verschuldeten Mitgliedsländern abzuschrecken, so dass sie keine Populisten wählen (damit meiner wohl zu allererst Podemos in Spanien). Zitat:

„The European leaders fear that if Syriza can claim even a moral victory, it will inspire other European countries to oust their current leaders in favor of populist governments who campaign on the promise of debt repudiation.“

Diese finale Schlussfolgerung kann man durchaus teilen, aber es wird wohl kaum das übergeordnete Ziel des 3. Hilfsprogramms gewesen sein, sondern wohl eher ein politischer „Mitnahmeeffekt“, der aus der Rettung resultiert. Aber da kann man wirklich unterschiedlicher Meinung sein.

Brookings

Der ThinkTank „Brookings“ sieht durch die Einigung mit Griechenland das Problem eines wiedererstarkten Deutschland, dem Frankreich stärker gegenübertreten muss. Man zieht hier Vergleiche mit Bismarck etc aus der Reserve, Zitat:

„There is also a growing sentiment in France that Germany is becoming again too powerful. This is what some are calling the return of the “German question”—the problem of integrating a powerful Germany into Europe that preoccupied statesmen from the time of Bismarck until the end of the Second World War.“

Die Presse über Griechenland

Die „USA Today„, sozusagen die Bild-Zeitung Nordamerikas, beschreibt die Lage so: Deutschland hat dem Rest Europas klar gemacht, dass Europa nach Regeln agieren soll, die in Berlin und Frankfurt festgelegt werden. Die Wähler in anderen europäischen Ländern hätten zu entscheiden, ob das die Zukunft für ihre Länder sein soll, Zitat:

„Germany has made it clear that Europe will operate strictly on terms set in Berlin and Frankfurt. Voters in France, Spain, Italy and other eurozone countries have to decide if that’s the future they want for their countries.“

In ihrem Leitartikel schreibt die „New York Times“ mit der Überschrift „The Eurozone’s Damaging Deal for Greece“ mit dem Deal habe sich Europa nur weitere Zeit gekauft, aber die eigentlichen Probleme der Eurozone nicht gelöst. „New York Times“-Kolumnist Roger Cohen spricht von einer „Wiederbelebung der deutschen Frage“. Er ergießt sich in einer geschichtlichen Rückschau ab 1945 über das Ende der deutsch-französischen Feindschaft, Wiedervereinigung und die Aufgabe der D-Mark. Zu guter Letzt kommt er zu dem Fazit, dass die deutschen Methoden (Sparprogramm etc) gut für Deutschland seien, aber eben nicht für Südeuropa. Er spielt damit wohl auf die nicht zu vergleichende Produktivität und die geringe Industrieproduktion im Süden an.

Fazit

Natürlich ist diese Auswahl an Stimmen nicht repräsentativ für alle wichtigen Meinungsmacher in den USA. Aber betrachtet man die Reaktionen von US-Presse, Experten und Ökonomen, so fällt auf, dass ein allgemeines Unverständnis über das Detailgefeilsche der Europäer vorherrscht. Auch hört und liest man immer nur von den „bösen Deutschen“, die etwas durchgedrückt haben. Von noch stärker drängenden Finnen und Balten war gar nichts zu lesen. Die Amerikaner verstehen gar nicht, warum man nicht einfach den „American way of economic life“ wählt, nämlich ohne große Auflagen alte Schulden mit unbegrenzt vielen neuen Schulden zu bezahlen. Die „Party“ muss schließlich weitergehen, auch in Griechenland!

Aber man muss fair bleiben: Es ist eine Frage des Blickwinkels. Die Amerikaner haben eine gänzlich andere Sichtweise, die da nämlich lautet „nicht jahrelang rumdebattieren, sondern einfach ratz fatz Probleme mit neuem Geld überfluten, vorher vielleicht Bankrott gehen – danach aber alles immer wieder mit neuen Schulden fluten, solange bis sich irgendwie ein Wachstum abzeichnet“. Warum die Europäer das nicht einfach nachmachen, können die Amerikaner nicht verstehen.

18 Kommentare

18 Comments

  1. Avatar

    joah

    14. Juli 2015 16:37 at 16:37

    jetzt sind wir (das gesamte deutsche Volk) wieder die brutalen Weltbeherrscher und Demütiger – aber wer arbeitet denn da eigentlich im Hintergrund – spinne ich, oder sind das die Amerikaner selbst? Was für eine Heuchlerbande! – aber letztendlich typisch: die Amerkaner haben keine Freunde, sondern nur „Interessen“. Der Rest muss vollkommen und mutwillig vertuscht und verdreht werden.

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      adolf stumpf

      14. Juli 2015 17:10 at 17:10

      Well, my friend, in the last few weeks, I have read the German Press (Bild, FAZ, Spiegel, Kurier,…) and listened to the Deutsche Welle and other TV programmes, and what I heard and read was replete of hatred and prejudices against the Greeks not unlike the kind of nonsenses one would hear from the mouths of German leaders four scores ago. Like it or not, what you see as your virtues (Tugend) are perceived – and for good historical reasons – as a real danger for many peoples elsewhere. It may be unfair to label all Germans as former Jew-bashers and Jew-Killers and today as Greek-bashers, but the German language, the German righteousness, the German legalism, the German make-or-break style and the idea that your qualities give you the right to deliver good and bad marks to others peoples are evocating bad memories. And German are the least of all morally entitled to lecture other European peoples. Sorry to say. But your indignation should be better reserved to your behaviour and you should develop some understanding about what historical heritage really means. It is not bookish, it is about flesh, blood, tears, emotions, memories that are very alive among people you, the German people, have left among other peoples. If you think that people will just forget and forgive just because you claim no responsibility about the past, your past, and our past as you made it for us.

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        Weltbürger

        14. Juli 2015 20:37 at 20:37

        Bin kein Deutscher, lebe aber in D.

        Danke für diese Worte!

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        Fritz Huber

        14. Juli 2015 21:08 at 21:08

        da benutzt wieder einmal einer eine Geschichtsschreibung, die von den Alliierten geschrieben wurde. Nun, die deutsche Geschichtsschreibung zum ersten Weltkrieg wurde bereits revidiert, obwohl man im Versailler Vertrag die Alleinschuld Deutschlands festschrieb, enorme Reparationszahlungen verhängte und deutsche Gebiete annektierte.

        Die Schuldfrage zum 2. Weltkrieg wird heute schon viel differenzierter gesehen, und wenn mal die Archive geöffnet werden, wird man die wahren Schuldigen erkennen.

        Fingerpointing auf Deutschland oder den Deutschen ist fehl am Platz, insbesondere von Anglo-Amerikanern, denn hier sind die wahren Schuldigen zu suchen. Die damaligen Vertreter wollten einen vollständigen Genozid an dem deutschen Volke verüben!

        Und die Anglo-Amerikaner morden weiter, Afghanistan, Libyen, Syrien, Irak und die US-Regierung mit ihren Think Thanks planen einen dritten Weltkrieg gegen Russland. Und man sollte mal hinter den Kulissen blicken wer hier die Strippen zieht

        Also, erstmal Original-Dokumente lesen, bevor so ein Unsinn geschrieben wird!

        Und was die hier zitierten sogenannten Experten angeht: Amerika ist ist der größte Schuldenstaat und kann sich nur dadurch halten, dass er den Rest der Welt mit der sogenannten Weltleitwährung ausbeutet, seine Schulden, auch die an Deutschland niemals zurückzahlen wird.

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        joah

        14. Juli 2015 23:25 at 23:25

        Dear my friend, in response to your statement:
        Thinks can change, thinkings can change and we are changing it by our will to the good – me too. I’m also very interested in history and, for shure, (very) bad things had happend in the past. And yes, even when ‚we‘ (previous generations) where the executing actors in this bad game, the current generations didn’t do it – hopefully you respect that. I – and many others too – also never want it happen to other human beeings on this planet again. The real problem is that we (current generation/s) are again made responsible for decitions made by our really bad politicians we don’t want: we also think that this is real terror to the greek people and should be stoppt immediately. The greek folks are basically screaming for help, but getting financial terrorism at its ‚best‘ (= worst), which is a complete disaster. It is hurting us too to see that!
        A major threat also is, that the mainstream media does not represent the thinking and opinion of the folks any more: they are completely manipulated and presenting a mischievous false view on basically everything (high level demagoguery). So its no wonder that you think about us this way: please don’t trust the mainstream german media because they lie every single day. Please believe me.
        At the present time many people from our folks are really working hard against our ‚lying press‘ (german: Lügenpresse) to enlight the readers so they can recognize these subversive and psychological attacs. But this is abolute hard work and it seems not to be enough, yet.
        I think it should also be said that we are occupied by the Allies (USA): they force to make that our politicians do this – they do not got much scope of action to act. This is the bitter truth but shouldn’t be any excuse. And by now the germans (all) are seen as the bad guys again. Every bad thing which is happening in these days is artificial made from different sources in the background so that you should see it as a german fault.
        Hopefully you read this and do no see us as ‚criminals‘, ‚terrorists‘ or ‚world dominators‘ any more – we also want peace for everyone; no war anymore.

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          joah

          15. Juli 2015 08:10 at 08:10

          On the other hand: did you ever thought about the bad things your folks did to others (even nowadays and in the past)? Did you ever feel responsible for all of that? I don’t think so. I think you need to be confronted with these questions because you surpress them to your self due to the ongoing media tell „every thing is okay – dont think about, it’s the others fault“ or „take a look at germany – they are nazis again and comming up, look, look closely!“ and also bad thinks that happend to yourself. That’s why I told it to you the hard way: bunch of hypocrites (german: Heuchlerbande). You don’t want to think about the things happend in your history – thinking (about) is the difference!

          It be assured to you that more than 90% of the german folks are not nazis even when the media is telling it to you – its a lie. No one has the will to do this devastating thing again, really. But you should think about something else: every time one big or the world reserve currency has been in trouble or in the process of dying it did build up stress as in the current days (again). Basically this stress released in a war to cover the real problem: the monetary system itself – its a complete fraud. The most of your (and our politicians too) knows that but instead of releasing the truth which would blame themself for, they even more pass(ed) it to others via fingerpointing. I beg you to inform yourself critically about the monetary system and you will know what I mean. There is much information about it on the internet.

          The dollar is losing its status again in the world and you will see the bad results in the upcomming 5 to 10 years – belive me. But this is not the chinese, russians or the germans fault: its the monetary system and your own government. Your country has been systematically deindustrialized and unemployment is on a high scale. In our country the same thing is happening too even when your media is telling you the opposite („german economic paradise“).This also will hit us in germany very hard in terms of economy and will bring us down, too. So you don’t have to axious about us, be anxious the false stress which is build up and may there’ll be even more of it. Everyone has to resist to it because its wrong.

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    Jörg

    14. Juli 2015 19:16 at 19:16

    Es ist völliger Quatsch, die Stimmen aus den USA zu Schäubles-Merkels-Gabriels Griechenland-Deal damit herunterzuputzen, daß diese eben nicht ernst zu nehmende „American way of economic life“-Idioten seien. Der von mir auf diesem blog schon erwähnte Webster Tarpley (http://tarpley.net/) – und viele andere – passen doch gar nicht in dieses Klischee des Verfassers. Mit seinem primitiven Erklärungsmuster (oder soll man sagen: „Weg-Erklärungsmuster“) begibt er sich auf BILD-Niveau!

    Es ist diese typisch deutsche Verlogenheit, die deutsches Unrecht stets begleitet.
    Nehmen wir nur mal das heute auch auf diesem blog zu lesende Wort „Sparen“: Schäuble wolle doch nur, daß Griechenland das „Sparen“ lerne.
    Es geht aber nicht um Sparen. es geht darum, daß eine Zwangsvollstreckung durch den Gerichtsvollzieher Schäuble (+Merkle-Gabriel) derart erfolgen soll, daß alles Werthaltige im griechischen Staatsvermögen versteigert wird. Derjenige, dessen Tafelsilber versteigert wird, „spart“ aber doch nicht!! Wenn der Gerichtsvollzieher na der Tür klingelt, sagt er doch auch nicht, er käme um dem Schuldner das Sparen zu lehren!
    Genauso daß verlogene Wort „Reformen“. Dieses Wort wird immer dann gebraucht, wenn die Neoliberalen Staatsvermögen enteignen und irgendwelchen Oligarchen oder Konzernen zuschieben wollen.
    Auch die Treuhand Nr. 1 (da waren Schäuble und Merkel auch schon am Werk) hat doch die DDR nicht saniert oder den „verschwenderischen “ DDR-Bürgern endlich das „Sparen“ beigebracht . Vielmehr wurde die Industrie, Immobilien und sonstiges Vermögen der DDR-Bürger unter kriminellen Umständen an Kohl & Schäubles reiche Paten verschleudert. Erst vor ein paar Tagen im Fernsehen: Ein ostdeutscher Gestütsbetreiber beklagte sich darüber, wie in den 1990er Jahren die „Treuhand“ das Gestüt zwang etwa 20 Zuchtpferde für nur 2.500 DM abzugeben. Diese nur, damit diese kostbaren Pferde bereits 14 Tage später zum richtigen Preis von ca. 30.000 DM pro Stück vom neuen Eigentümer (der diese von der „Treuhand“ zugeschanzt bekommen hatte) verkauft werden konnten.

    Diese deutsche Verlogenheit mußte ich auch vor kurzem hier beobachten, als der „Versailler Vertrag“ erwähnt wurde …. und das große Unrecht!
    Ja, ja, riesige Landesteile der Verlierers wurde einfach weggenommen – und dies auch noch ohne Abstimmung der dortigen Bevölkerung! Welche ein Unrecht!. Und dann wurde dem Kriegsverlierer auch noch erdrückende Reparationszahlungen aufgehalst. Welches Unrecht!
    Ja, ja. Aber das Land dem das geschah, hieß FRANKREICH – und nicht Deutschland! Denn ich rede hier vom „Versailler Vertrag“ Nr. 1. Dem von 1871. Ganz Elsaß-Lothringen wurde einfach weggenommen und die Bevölkerung durfte nicht abstimmen! Und Frankreich mußte erdrückende Reparationszahlungen leisten!
    Und der „Versailler Vertrag“ Nr. 2, der von 1918, war doch nur ein Replik! Und was machen diese verlogenen Deutschen? Ihren eigenen verbrecherischen „Versailler Vertrag“ von 1871 kennen sie plötzlich gar nicht mehr – gejammert wird nur noch über die Strafe des „Versailler Vertrages“ von 1918.

    Oder dieses „Unrecht der Vertreibung“! Ja, ja .. .ein Unrecht. Aber mit der Vertreibung hatten doch die Nazi-deutschen angefangen. Im Warthegau und auch im restlichen Polen („Himmlerland“) wurden polnische Landeigner systematisch vertrieben und ihr Land geraubt, um „Deutsche“ anzusiedeln. Aber nicht nur Land wurde geraubt, sondern auch die polnischen Industriebetriebe wurden enteignet. Nach dem Krieg ist nie auch nur ein einziger dieser deutschen Verbrecher dafür bestraft worden.
    Diese deutsche Verlogenheit! Zum Kotzen!

    Oder erinnert ihr euch noch, daß diese Gaddafi und dieser Assad ganz böseböse sind/waren? Weil sei angeblich „ihre eigene Bürger bombardieren“? Das war natürlich gelogen. Den selbstverständlich konnte man schon vor Jahren wissen, daß aus dem Ausland bestbewaffnete Söldnerarmeen in diese Länder geschickt wurden – und diese wurden „bombardiert“.
    Aber dieser Diktator in Kiew bombardiert und ermordet ja nun wirklich „seine eigenen Bürger“. Denn selbstverständlich sind die Ostukrainer – auch wenn sie aus geschichtlichen Gründen das Russische als Muttersprache haben – BÜRGER DER UKRAINE. Aber DIESER Diktator wird plötzlich mit Milliarden und Milliarden von Euros zugeschüttet – gerade von den Deutschen! Und daß er Teile der Bevölkerung bombardieren läßt, ist plötzlich irgendwie egal. Hallo! Hallohallo!
    Um diese Lüge runterwürgen zu können, wurde der Lügen-Begriff „pro-russische Rebellen“ geprägt. Es sind aber lediglich russisch-sprachige UKRAINER (auch wenn sie sich jetzt verzweifelt tatsächlich an Rußland wenden).
    Diese deutsche Verlogenheit! Zum Kotzen!

    Oder das deutsche Gejammere über die vielen Flüchtlinge! Ja, wenn ihr Somalia (Volker Rühe ließ die Bundeswehr Anfang der 1990er Jahre dort einmarschieren und das Land zerstören) kaputtmacht, gehen die natürlich zunächst nach Libyen. Und wenn man dann auch noch Libyen zerstört, kommen die eben hierher. Unter haarsträubendem Vorwand greift und griff die Bundeswehr Afghanistan an. Schon 2009 fand man zahlreiche afghanische Kinder in den Abwässerkanälen von Rom (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,617528,00.html ).
    Und verzweifelten und verhungernden Syrer fliehen (auch) nach Deutschland, weil Deutschland Syrien vernichtet – und nach UNO-Definition – einen Angriffskrieg(!) gegen Syrien führt: http://antikrieg.com/aktuell/2012_11_29_derstaat.htm

    Zum Abschluß – auch aus den USA – ein netter Schäuble-Film: „Greece ‘austerity deal’ explained in 1-minute video“ – http://www.washingtonsblog.com/2015/07/greece-austerity-deal-explained-in-1-minute-video.html.

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      Fritz Huber

      14. Juli 2015 21:13 at 21:13

      wieder einer von der Linksfraktion: Bomber Harris do it gain

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      Ulrich Johann Heinrich

      15. Juli 2015 13:05 at 13:05

      Ihre Argumentation ist, entschuldigen Sie, ein solches Durcheinander, dass ein Aufräumen viel Zeit und viel Text erforderte. Ich bin auch nicht sicher, ob Sie an Ihre Darbietung selbst glauben. Sollte dies aber so sein, würde ich Ihnen zumindest jene typisch deutsche Anständigkeit konzedieren, die Deutsche mit Entsetzen und Empörung auf Vergehen und Verbrechen reagieren lässt, von denen ihnen die Feinde Deutschlands (Brecht: „Immer doch schreibt der Sieger die Geschichte des Besiegten, dem Erschlagenen entstellt der Schläger die Züge.“) sagen, dass sie von Deutschen begangen worden seien. Ein Verhalten, dass die Deutschen wohl einmalig unter den Völkern macht.

      Weil Sie also vielleicht tatsächlich zu diesen anständigen, wenn auch furchtbar leichtgläubigen typischen Deutschen gehören, will ich Ihnen ein paar Hinweise geben:

      Zu Griechenland:
      Deutschland ist faktisch nicht souverän, und die deutschen Politiker, gerade auch Schäuble und Merkel, arbeiten auf vielen Feldern (EU, Transatlantik-Netze, Nato, TTIP, TISA, CETA etc.) mit Eifer daran, den Deutschen die letzten Reste an Souveränität zu nehmen. Die verantwortlichen deutschen Politiker sind willige oder gezwungene Komplizen fremder Mächte, welche die Deutschen – und freilich auch andere Völker und Staaten – entrechten wollen. Sie betreiben eine zweifellos antigriechische, aber in erster Linie antideutsche Politik.

      Die jetzt gerade aufdrehende Propaganda, die der deutschen Regierung und „Deutschland“ die Schuld gibt an der Not der Griechen, die Deutschen als Befehlshaber der Aggression, ja als „Nazis“ darstellt, ist absurd. Die Griechen werden vom EU-Regime, dem IWF, globalistischen Großbanken erpresst und unterdrückt.
      Die Deutschen, das Volk, haben hier vor allem zu zahlen – nicht den Griechen, sondern denen, die die Griechen berauben, vor allem den Banken. Die Deutschen tragen, neben den Griechen, die Hauptlast des üblen Spiels.
      Dass ausgerechnet sie nun mit irren Parolen angegriffen werden, soll von den tatsächlich Verantwortlichen ablenken. Mitschuldig freilich sind die deutschen Politiker sehr wohl – als willige Vollstrecker einer antigriechischen und antideutschen Politik.

      Was aber bedeutet die bösartige, irrwitzige Propaganda im deutschen Politzirkus und in deutschen Medien gegen „die Griechen“ und speziell die derzeitige griechische Regierung? Auch diese entstellende Propaganda soll von den tatsächlich Verantwortlichen ablenken. Das deutsche Volk soll den harten Kurs gegen die Griechen als gerechtfertigt sehen. Die Deutschen, die Haupteinzahler, die selbst beraubt und entrechtet werden, sollen der weiteren Verarmung und Entrechtung der Griechen zustimmen. Es sind die selben Mächte am Werk, welche die irre Die-Deutschen-sind-schuld-Kampagne betreiben!

      Zu Versailles:
      Der Krieg 1870-71 war ein Angriffskrieg Frankreichs, dessen herrschende Klasse schon seit Jahrhunderten Deutschland bedrohte und immer wieder angriff. Elsass-Lothringen war geraubtes deutsches Land. Dennoch hatten viele in Deutschland Bedenken gegen eine Wiedereingliederung des alten Reichslandes, auch Bismarck, der jedoch, um weitere französische Überfälle und Angriffskriege zu erschweren, der Landabtretung zustimmte. Wie sich die Bevölkerung in Elsass-Lothringen, ganz überwiegend Deutsche, bei einer Abstimmung entschieden hätte, ist unsicher. Freigestellt war ihnen die Wahl der Staatsangehörigkeit, und immerhin 10 Prozent wählten die französische.
      Was die für damalige Verhältnisse nicht geringen Reparationen angeht, so waren diese nicht im Entferntesten so ungeheuerlich wie die des Versailler Vertrags.

      Zu den Vertreibungen:
      Haben Sie je wirklich hingesehen, was dort mit den, zumeist völlig unschuldigen, Deutschen geschah? Das Unsägliche? Die Vergewaltigungen von Millionen Frauen und Kindern? Das kaum Begreifbare?

      Ehrenvoll ist es, und in einmaliger Weise haben Deutsche dies getan, das Leid der Anderen, auch von Gegnern und Feinden, zu betrauern, nach eigener Schuld zu fragen, und gar, obwohl selbst unschuldig, sich für die Schuld anderer Deutscher verantwortlich zu fühlen.
      Aber dem Leid der Deutschen gegenüber abgestumpft und blind zu sein oder gar, Gipfel der Perversion, es als gerechtfertigt zu sehen, offenbart den Psychopathen, und dessen Mitgefühl mit dem Leid von Menschen auch der anderen Völker ist nicht wirklich aufrichtig. Echtes Mitgefühl ist nicht selektiv.

      Zu Gaddafi, Assad, Ukraine:
      Da kann ich Ihnen großenteils zustimmen. Die wahrlich fast unerträgliche Verlogenheit deutscher Politiker und Medien ist aber keine spezifisch „deutsche Verlogenheit“. Sie sollten doch wissen, dass die Hauptverantwortlichen nicht Deutsche sind, und dass deutsche Politiker/innen lediglich als willfährige und zum Teil genötigte Vasallen agieren – zum Schaden, in Bezug auf Russland allergrößten Schaden Deutschlands.

      Flüchtlinge:
      Hier müsste ausführlicher argumentiert werden als es an dieser Stelle möglich ist. Nur soviel: Es ehrt jeden, Verfolgten und zur Flucht Getriebenen helfen zu wollen. Und auch hier haben Deutsche offenbar eine besondere Bereitschaft.
      Aber natürlich ist es unmöglich, selbst für Deutschland, alle Elenden der Welt und dazu noch eine große Zahl keineswegs Elender aufzunehmen und zu versorgen. Das würde die noch einigermaßen wohlhabenden Länder und Völker, ihre sozialen Systeme und den inneren Frieden zerrütten. Und genau das dürfte auch das Ziel sein derer, welche die Flüchtlingsströme initiieren und steuern.
      Die wichtigste Hilfe wäre naturgemäß, den Menschen ein gutes Leben in ihren Heimaten zu ermöglichen, und denen entgegenzutreten, welche die Lebensgrundlagen von Millionen und Abermillionen vernichten durch Kriege, zerstörte Staaten, ökonomische Verelendung.
      Sie wissen doch wohl, wer die hauptverantwortlichen Zerstörer sind. Das sind nicht Deutsche.

      Dass Sie schreiben, Deutschland habe Somalia, Afghanistan, Syrien angegriffen, ist befremdlich und stellt meine Vermutung, Sie meinten es ehrlich, auf eine harte Probe. Denn dass dort vor allem andere Mächte wirken und Deutsche nur in Nebenrollen, ist unübersehbar.

      Sollten Sie es jedoch ehrlich meinen, wird dies Ihren weiteren Recherchen eine gute Richtung geben. Sie sollten allerdings weniger leichtgläubig sein und daran arbeiten, Manipulations- und Desorientierungsmethoden zu durchschauen. Ich nehme an, Sie sind noch sehr jung.

      Eine generelle Abschlussbemerkung: Als ordentlich umerzogener Deutscher kenne ich die, wie dem Pawlowschen Hund der Speichelfluss, ankonditionierte Neigung, die Schuld stets bei den Deutschen zu suchen, und dabei ergriffen den schlimmsten uns berichteten Geschichten zu lauschen und sie zu glauben. Diese Konditionierung konnte ansetzen an der jahrhundertelang sprichwörtlichen deutschen Redlichkeit, der fast instinktiven Parteinahme für alle, die sie als Opfer von unmenschlicher und unrechtmäßiger Gewalt sehen, ihrem tief verankerten – vielleicht auch im kollektiven Trauma des Dreißigjährigen Krieges wurzelnden – Friedenswillen. Die Konditionierer mussten die Deutschen nur überzeugen, dass es Deutsche waren, Führung wie Volk, die gegen Menschlichkeit und Rechtschaffenheit schwerst verstießen. Und so haben die, in deren Wesen die Rechtschaffenheit so tief verankert war und, trotz so mancher mentalen Verschmutzung in jüngerer Zeit, überwiegend wohl auch noch ist, das eigene Volk in ein schlechtes Licht gerückt, das Volk, das für die Evolution des menschlichen Geistes so Herausragendes geleistet hat, „das Volk, das für die Welt gesungen und gedacht hat“, wie Walter Rathenau schrieb, das Volk, dem anzugehören Sie, ich nehme an, dass Sie Deutscher sind, die Ehre haben und dessen großes, aus der Geschichte leuchtendes Erbe sich anzueignen und verantwortlich weiterzuentwickeln Sie eigentlich die Aufgabe und den Auftrag – den Auftrag der Menschheit – haben.

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    Jörg

    15. Juli 2015 10:32 at 10:32

    @Fritz Huber („wieder einer von der Linksfraktion: Bomber Harris do it again“)

    Gerade diese Ihre Antwort. user Fritz Huber, belegt doch haargenau das, was ich an den ‚weg-lüge-Deutschen‘ angreife: Dieses ‚deutsche weg-Lügen‘ – nur um sich den Tatsachen nicht stellen, und eine überfälligen selbstkritische Kurskorrektur nicht vornehmen zu müssen!

    1.) Zitat: „Linksfraktion“
    Antwort: Was sollte denn darauf hinweisen, daß ich „links“ wäre??!!
    Politisch denke ich fritzisch-preußisch.
    Das ist doch das glatte Gegenteil von links!
    Was die Frage der Staatswirtschaft angeht, bin ich moderner Merkantilist: Ich hatte schon darauf verwiesen: http://www.imagenetz.de/f901692b1/Welche-Staatswirtschaft.pdf.html .
    Das ist doch das glatte Gegenteil von links!
    Und als Buddhist lehne ich den kommunistischen „Materialismus“ als völlig wahnhaft ab.
    Das ist doch das glatte Gegenteil von links!

    Was soll ich überhaupt vorgetragen haben, daß sie auf die Idee kommen könnten, ich könnte auch nur annähernd irgendwie „links“ sein?

    Ihr (völlig argumentationsloser) Reflex weist nur eine Denkungsart nach, die man dem deutschen rechtsradikalen Sumpf zuordnen muß.

    2.) Zitat: „Bomber Harris do it again“
    Antwort: Ihre Denke, daß wer, wie ich, Kritik am heutigen und am geschichtlichen ‚Deutschland‘ übt, gleich für das Plattmachen a la „Bomber Harris“ sein müsse, belegt nur, daß Sie ganz offensichtlich aus dem rechtsradikalen deutschen Sumpf stammen.
    Denn wenn ich ‚die Deutschen‘ kritisiere, daß Sie mir dann gleich von mir annehmen, daß ich die Deutschen (unausgesprochen) für ‚minderwertig‘ halten müsse und der Vernichtung (Bomber Harris) anheimgeben wolle, zeigt doch allein IHRE rechtsradikale Denke.
    Auch Ihre Schlußfolgerung wenn schon ‚minderwertig‘ dann auch AUSRADIEREN/VERNICHTEN (Bomber Harris) verrät doch wiederum nur IHRE rechtslastige Denke.

    Mir ist eine solche rechtsradikale Denkungsart völlig fremd! Daß Sie, user Fritz Huber, daraus schlußfolgern, wer nicht rechtsradikal denke, müsse „links“ sein, zeigt erneut typisch rechtsradikale Denkungsart.

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      joah

      15. Juli 2015 23:42 at 23:42

      Bitte hört auf euch zu belegen – das bringt nichts. Ich erkenne an beider Darstellungen Übereinstimmungen und auch Korrelationen zu meinen Erkenntnissen. Lasst es darauf beruhen, denn jeder darf und sollte die Ideologie für sein eigenes Streben wählen und ausüben dürfen.

      Ansonsten: ich selbst bin kein Freund dieser „links“ oder „rechts“ Bezeichnungen – ich habe einen linken und einen rechten Arm, welche mir Richtungen definieren, anderes kann ich daraus nicht ableiten. Ich bin auch nicht antisemitisch, denn ich kenne das Volk der Semiten ja nicht einmal. Die gibt es wirklich, hat aber mit der Wort(be)deutung im eigentlichen Sinne nichts gemein und ist vollkommen sinnentstellt. (nur mal so zum Nachdenken)

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    michael

    15. Juli 2015 13:21 at 13:21

    Wenn sich die Amerikaner um ihre eigenen Defizite kuemmern wuerden, duerften sie mitreden. Vorher hat Europa und Deutschland diese klugen Ratschlaege nicht noetig. Schon garnicht von Leuten die Europa seit Jahren ausspionieren. Wenn Amerika aus dem Dollar monetaeren Sondermuell macht, ist es eine schlechte Idee (von Draghi) das nachzuaeffen. Im Endeffekt ist bisher JEDE Finanzblase, auch bei Anleihen, geplatzt. Das Spielchen mit der finanziellen Repression wird wie die frueheren im Debakel enden.

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      joah

      15. Juli 2015 23:30 at 23:30

      Im grundsätzlichen richtig, jedoch ist es dennoch genau wiue sie sagen: immer erstr vor der eigenen Tür kehren. Wir haben auch einen Schuldenberg, der nur durch (heftige) Inflation rückzahlbar wird – und so wird es auch kommen bis zum bitteren Ende. Es war historisch betrachtet schon immer so – seit mittlerweile 4000 Jahren ab jetzt rückwärts und wahrscheinlich sogar noch länger – Nachweise dafür habe ich dann nur nicht mehr. Viele verstehen das nur nicht.

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    Jörg

    15. Juli 2015 19:06 at 19:06

    @Ulrich Johann Heinrich (15. Juli 2015 13:05 um 13:05 )
    Doch, doch ich bin schon der Überzeugung („Darbietung“), die ich vortrage. Und ja …Brecht mag ich nur als Stückeschreiber – aber sonst (Philosophie, Politik) nicht so besonders.

    1.) Zu Griechenland
    Deutschland ist faktisch nicht souverän, und die deutschen Politiker, gerade auch Schäuble und Merkel, arbeiten auf vielen Feldern (EU, Transatlantik-Netze, Nato, TTIP, TISA, CETA etc.) mit Eifer daran, den Deutschen die letzten Reste an Souveränität zu nehmen. Die verantwortlichen deutschen Politiker sind willige oder gezwungene Komplizen fremder Mächte, welche die Deutschen – und freilich auch andere Völker und Staaten – entrechten wollen. Sie betreiben eine zweifellos antigriechische, aber in erster Linie antideutsche Politik„.
    Dem stimme ich zu! Schachtschneiders Position hierzu gefällt mir gut: http://www.wissensmanufaktur.net/griechenland-staatsschulden .

    Aber ihre nachfolgenden Ausführungen verfehlen den entscheidenden Punkt. Es geht nicht um „die Deutschen“. Daß Ihr „Deutschen“ immer nur Nabelschau betreibt! Es geht um das Prinzip „Staat“ schlechthin und dessen Bürger, die vom Neoliberalismus ausgeraubt und versklavt werden. Und bei uns betreiben dieses miese Geschäft Merkel-Schäuble-Gabriel-Steinmeier; in Frankreich Sarkozy-Hollande, in GB Cameron & Co usw.
    Nicht „die“ Deutschen sind an der Verelendung Griechenlands schuld – aber Merkel und Schäuble schon! Denn die Verelendung Griechenlands beginnt ja nicht erst jetzt, sondern begann schon 2009/2010 als gerade auch Merkel/Schäuble die Griechen zu einer liberalistischen Demontage und zum nationalen Ausverkauf zwangen. Hier ein Cartoon aus dem Jahr 2011, der mehr sagt als Worte: – http://www.stuttmann-karikaturen.de/karikaturarchiv_4055.html . Die katastrophale wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Griechenland haben gerade Merkel und Schäuble verschuldet – und sie sollten endlich gezwungen werden, die persönlichen Konsequenzen ziehen!

    Wenn Sie sagen: Die Deutschen, die Haupteinzahler, die selbst beraubt und entrechtet werden, sollen der weiteren Verarmung und Entrechtung der Griechen zustimmen. Es sind die selben Mächte am Werk, welche die irre Die-Deutschen-sind-schuld-Kampagne betreiben! “ … dann stimme ich ihnen ja durchaus zu. Nur: Es reicht nicht, lieber Ulrich Johann (ich dutze Dich jetzt mal, weil ich sicherlich doppelt so alt bin wie Du) sich auf die Bertachtung zu beschränken, wer nicht-schuld ist. Wir müssen schon die finden, die schuld sind! Und das sind die Neoliberalen – bzw. die „Liberalisten“, wie ich sei nenne.

    Und wieso das Gejammere, daß die Deutschen „zu zahlen“ haben? Wieso wurde nicht schon vorher gejammert: Bei der „Bankenrettung“ vor mehr als 5 Jahren hatten Schäuble-Merkel 80-100 Mrd. Euro an die Banken verteilt – und dieses Geld wurde bis heute nicht zurückgefordert! Auch die USA und die Schweiz hatten damals mit entsprechenden Beträgen ihre Banken „gerettet“ – aber sie haben sich das Geld inzwischen vollständig zurückzahlen lassen! Wieso verlangt kein „Deutscher“, daß auch unsere Banken die 80-100 Mrd. € zurückzahlen?
    Mit dieser 80-100 Mrd. Euro Rückzahlung der Banken könnte man den Verlust bei einem Forderungsverzicht gegenüber Griechenland mehr als nur ausgleichen. Denn das Ausfallrisiko der BRD beträgt dort ebenfalls 80 Mrd. Euro – siehe http://www.handelsblatt.com/politik/international/griechenland-krise-heute-ist-ein-schoener-tag/11919186.html (dort unter „Um wieviel Geld der deutschen Steuerzahler geht es?“).

    Zu Griechenland (auch unter der Nazi-Besatzung) sehr sehenswert: Die Anstalt – https://www.youtube.com/watch?v=_QimxVuicZU .

    2.) Zu Versailles:
    Der Krieg 1870-71 war ein Angriffskrieg Frankreichs, dessen herrschende Klasse schon seit Jahrhunderten Deutschland bedrohte und immer wieder angriff. Elsaß-Lothringen war geraubtes deutsches Land
    An dieser Ausführung ist alles unrichtig!

    a) „Angriffskrieg“..
    Du mußt Dich entscheiden. Nazi-Deutschland hatte den WK II mit einen Angriffskrieg begonnen. War deshalb die Massenvertreibung der Deutschen (und die genozide Bombardierung) rechtens? Oder sind Massenvertreibung und Genozid auch gegenüber einem unrechtmäßigem Angreifer ein Unrecht? Ich denke doch letzteres!
    Übrigens auch den WK I hatten die Achsenmächte angefangen: Durch den KuK-österreichischen Überfall auf Serbien (Webster Tarpley weist hier allerdings eine britische Intrige nach: http://tarpley.net/world-war-i-centennial-overview-for-marne-anniversary/) – oder gleich das Audio (auf Englisch): http://tarpley.net/audio/20140926-WGT_on_GB.mp3 ).
    Auch gegenüber der Bundesrepublik Jugoslawien war die BRD Angriffskrieger („Kosovo Kampagne“). Und aus dem Kosovo und aus Kroatien sind hunderttausende ethnische Serben vertrieben worden. Fall die Serben gegen die BRD mal siegen sollten, dürfen die dann hier einfach Land nehmen und uns vertreiben? Gegen Syrien führt die BRD derzeit einen Angriffskrieg (siehe: http://antikrieg.com/aktuell/2012_11_29_derstaat.htm ).Dürfen die syrischen Flüchtlinge jetzt Bayern übernehmen ….. oder wenigstens Bremen?

    b) „schon seit Jahrhunderten Deutschland bedrohte“
    „Deutschland“ gibt es erst seit 1871. Auf dem Boden, den man später „deutsch“ nannte gab es nur das „Heilige Römische Reich“. Das nationalistische Denken des 19. Jahrhundert darf man nicht einfach rückprojezieren! Die Leute gehörten mal zu dem Fürsten mal zu dem anderen. das war ihnen völlig egal. Denn Ethnik spielte keine Rolle (Religion leider bald doch) Nur wenige Ausnahmen gab es – z. B. im Verhältnis England-Schottland und England-Irland (woran weniger „die“ Engländer als diese kotzigen normannischen Adligen die Schuld trugen)..
    Die damaligen „Dänen“ haben große Teile des heutigen Norddeutschland vorzüglich verwaltet.
    Wenn die englischsprachigen „Dutch“ – etymologisch exakt dasselbe Wort wie „deutsch“ – sagen, meinen sie die Niederländer – nicht die Bundesbürger.
    Den Begriff „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“ hat es zu keinem Zeitpunkt gegeben. Mit dieser Geschichtsfälschung des nationalistischen 19. Jahrh. sollte lediglich das „Deutschtum“ gepuscht werden (Briten, Franzosen, Polen usw. begingen damals ähnliche Fälschungen) . Daß es im „Heiligen Römischen Reich“ nicht nur Deutschsprachige (falls es richtiges „Deutsch“ überhaupt schon gab!) gab, kannst du hier sehen: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a0/HRR_1400.png . Das störte aber auch erst die Nationalisten des 19. Jahrhunderts.

    Den Landraub von Elsaß-Lothringen hätte man allenfalls dann rechtfertigen können, wenn man 1871 eine Volksabstimmung dort durchgeführt hätte. Aber das hat man nicht, weil Bismarck/Deutschland diese offensichtlich nicht gewonnen hätte.

    3.) Flüchtlinge
    Dazu hatte ich auf diesem blog schon oben (Jörg sagte am 14. Juli 2015 19:16 um 19:16 ) ausgeführt: Wenn die Bundesbürger es zulassen, daß ihre Regierung ständig Angriffs- und Vernichtungskriege gegen Somalia, Afghanistan, Libyen (hier nur mit politischen Mitten), Jemen, Mali, Irak (hier bekamen die sezessionistischen Kurden unlängst deutsche Waffen – und nicht die rechtmäßige Regierung in Bagdad!), Ostukraine usw. führt, dann müssen sie auch für deren Versorgung und Wohlergehen sorgen.

  6. Avatar

    joah

    15. Juli 2015 23:51 at 23:51

    guter Kommentar, nur bei 2. a) würde ich noch mal einhaken: man sollte Schuld nicht mit anderer Schuld aufwiegen – das funktioniert nicht, genauso wenig wie die Rechtfertigung dafür. Ich weiß auch, das fremdbestimmte Ereignisse (u.A. Handelsboykott deutscher Waren durch [jüdische] Kaufleute) überhaupt zu dieser Überreaktion geführt haben. Dies entschuldigt aber dennoch nicht das letztendliche Handeln, denn man hatte immer die Chance dies (selbst) zu verhindern – tat es aber nicht. Genauso wird dies auch rechtlich betrachtet und meiner Meinung auch zu recht bestraft: der, der aktiv handelt, hat sich der (Straf-)Tat hingegeben. So ist es nun mal: besser, man mache nicht alles mit.

  7. Avatar

    Helmut W.

    16. Juli 2015 14:51 at 14:51

    Was ein SCHMARREN !!!!!
    Das immer noch besetzte Deutschland will gar nichts von Griechenland.
    Die BRD GmbH in Berlin ist nur ausführendes Organ als Verwalter für das
    US-Regime in Washington DC.
    Außerdem ist die ganze Angelegenheit SACHE der Europäischen Union!!!!!!

    Gruß
    Helmut

    • Avatar

      joah

      16. Juli 2015 17:23 at 17:23

      als kleine Korrektur: die „Bundesrepublik Deutschland“ (kurz: BRD) hat nicht direkt den Rechtsstatus einer GmbH, sondern einer Treuhandverwaltung – das ist ein klitzekleiner Unterschied. Taktischer Weise wurde diese Treuhandverwaltung „BUND“ genannt, was niemand so richtig hinterfragt: jeder akzeptiert es komischer Weise. Hingegen ist sie in mehrere Institutionen untergliedert, welche zum Teil den Rechtsstatus einer GmbH inne haben, jedoch die BRD selbst nicht. „Berlin“ (die Stadt?) ist hierbei auch nicht das ausführende Organ, sondern die Regierung mit ihrem eigentlichen Sitz immer noch in Bonn – sie ist nur nach Berlin verlegt, welches als Gebiet exterretorial der BRD und dem Staat Deutschland gegenüber steht: sprich, es gehört rechtlich nicht dazu. Ja, korrekt, die BRD-Treuhandverwatung (german trust) hat ihren rechtlichen Sitz in Washington D.C. . Grundsätzlich ist es Sache der EU, jedoch spielt darin der BUND eine Rolle – und wer sitzt da mit drinnen und hat die Stimmmacht? Dürfte klar sein…

      Die Plolitiker werden werden nicht helfen und auch nichts ändern: diese (größtenteils Juristen) profitieren ja genau davon. „Ast unterm eigenen Hintern wegsägen, und so…“.

      (ansonsten: der Ton macht immer die Musik)

  8. Avatar

    Ulrich Johann Heinrich

    19. Juli 2015 23:07 at 23:07

    @Jörg am 15. Juli 2015 19:06 um 19:06 :

    Sie schreiben so manches Richtige und zur Differenzierung Beitragende. Es würde (mir) aber zu viel werden, darauf mit weiteren Differenzierungen und einigen Korrekturen zu antworten.
    Ich habe von Ihnen nun auch den Eindruck, dass Sie an den Thematiken intellektuell offen weiterarbeiten – natürlich mit den dem menschlichen Wahrnehmen und Denken, also uns allen, eigentümlichen Einschränkungen. Da bleiben, zum Missvergnügen gewisser Kreise, Entdeckungen und Neuorientierung immer möglich.

    Sie werden es nicht für ausgeschlossen halten, dass nach Jahrzehnten meiner Auseinandersetzung mit der (auch) deutschen Geschichte gewisse Detailkenntnisse nicht ausbleiben, auch wenn der Blick noch so sehr ideologisch vereinnahmt und methodologisch verengt war. (So habe ich Geschichte lange Zeit bevorzugt mit dem Instrumentarium „dialektisch-materialistischer“ Geschichtsanalyse betrachtet, auch unter Verwendung zahlreicher Bücher aus der deutschen Republik, in dem diese Geschichtsbetrachtung Staatsdoktrin war. Aber auch da war selbstverständlich viel zu lernen. Schwerst geprägt war ich natürlich zudem durch die in der BRD gesetzlich angeordnete Geschichtssicht und entsprechende Hollywood-Produktionen, und auch daraus lernte ich schließlich.)

    Aber wie gesagt, in die Details will ich nicht gehen. Nur einige allgemeine Bemerkungen möchte ich noch machen:

    Sie möchten, dass sich die Deutschen „den Tatsachen stellen“ und vermissen ausreichende Selbstkritik. Wer würde ersterem nicht zustimmen; aber wie kommt es, dass Sie die uns überall umgebenden, schier endlosen, durch alle Medien, Schulen, Kulturinstitutionen betriebenen, durch scharfe Gesetze und Strafen für Zweifler und Ungläubige sowie millionenschweren „Kampf gegen rechts“ abgesicherten wirklich tagtäglichen und nachtnächtlichen Selbstbezichtigungen, Anklagen, Bußübungen noch immer nicht als ausreichende „Selbstkritik“ betrachten?

    Ich verstehe dies, auch ich konnte früher davon nicht genug kriegen. In dieser ungesunden Eigenart, bei einigen Vertretern unseres Volkes durchaus eine Art Irresein, liegt freilich im Kern auch Gutes, ja Edles: ein tiefinnerer guter Wille oder Wille zum Guten.

    Es liegt in dieser Eigenart auch eine Art Verzweiflung – ich glaube, Sie kennen sie -, die Verzweiflung, dass allzuviele das Ungute, das Leiden in der Welt nicht genug aufrüttelt, die Verzweiflung an offensichtlicher Verleugnung und Verdrängung.
    Diese Verzweiflung drängt, vielleicht auch Sie, zu ständiger Forschung, ständigem Sich-Aussetzen dem Leiden anderer, dem Blick in das zerstörerische und bösartige Treiben auf unserem doch eigentlich so wunderbaren Planeten.

    Sie werden aber bei genauerem Hinsehen noch eine ganz eigene, eine spezifisch deutsche Art der Verdrängung und Verleugnung entdecken, welche dazu führt, jeden schauerlichen Bericht über Untaten Deutscher bei nahezu paralysiertem gesundem Menschenverstand zu glauben und solche Berichte gegen jeden Zweifel geradezu inbrünstig und jedenfalls aggressiv zu verteidigen. Eine deutsche Eigenart, die ich sehr gut kenne: sie war – und ist es als Impuls noch immer – meine eigene.

    Sie sind Buddhist, sagen Sie. Dann könnte Ihnen die Achtsamkeits- oder Gewahrseins-Meditation helfen, den inneren konditionierten Reflexen und Mechanismen auf die Spur zu kommen und die gezüchteten Dämonen der Schuld und Schande zu erlösen.

    Ich empfehle außerdem, Sichtweisen Anderer, die einem „gegen den Strich“ gehen und „kognitive Dissonanzen“ auslösen, bewusst genauer zu betrachten und zu prüfen. Damit können wir Verleugnung und Verdrängung entgegenwirken und eine fruchtbarere Gesprächs- und ggf. Streitkultur entwickeln.

    Sie bezeichnen sich in Ihrer Antwort an Fritz Huber, außer als Buddhisten, auch als „fritzisch-preußisch“ und als Merkantilisten. Das ist ja eine interessante, den Gedankenaustausch sicher sehr anregende Kombination!

    Zum Abschluss: Wie Sie sehen, blieb ich beim Sie; ich bin da etwas altmodisch, und Sie mögen das an dieser Stelle bitte als ein Ausdruck des Respekts verstehen. Dass Sie nicht so jung sind, wie ich zuerst den Einruck hatte, ist mir unterdessen klar (dass Sie wie in den Rechtschreib-Zeiten, auf die ich mit einer gewissen Wehmut zurückblicke, daß schreiben war dafür eigentlich schon ein Indiz); wenn Sie aber, wie Sie zu glauben behaupten, doppelt so alt wie ich sein sollten, dann freilich wären Sie der älteste Mensch auf Erden und hätten sich geistig erstaunlich gut gehalten.

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Autoindustrie: Das Problem ist der Standort Deutschland

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Autoindustrie in Deutschland im Wandel

Steht die deutsche Autoindustrie vor einem Niedergang wie der Standort Detroit, die ehemalige Hochburg der Autoproduktion in den USA? Die Deutsche Bank (DB) hat ein hochinteressantes Research-Dokument dazu veröffentlicht. Darin wird die Branche nicht wirklich schlecht geredet. Aber schaut man genauer hin, geht es vor allem um den Standort Deutschland, der problematisch sein soll. Die deutsche Autoindustrie selbst sei relativ gut aufgestellt, aber eben nicht der Standort Deutschland. Vorab wollen wir aus der Analyse einige Aussagen erwähnen, was denn positiv am Standort Deutschland zu bewerten ist.

Der Automobilstandort Deutschland verfüge über außergewöhnliche Vorteile. Zu nennen sei vor allem die enge technologische und räumliche Verzahnung von Herstellern, industriellen Zulieferern, Ausrüstern (z.B. Maschinenbau), Entwicklungsdienstleistern, Logistikunternehmen sowie von universitären und sonstigen Forschungseinrichtungen. Von dieser vertikal integrierten Wertschöpfungskette sowie dem über Jahrzehnte gewachsenen Know-how der Beschäftigten könne der Standort zehren. Auch der intensive brancheninterne Wettbewerb war und ist ein Motor für stetige Innovationskraft und Produktivitätsfortschritte. Fasst man aber alle in der Analyse der DB skizzierten Faktoren zusammen, dann falle es jedoch schwer, die Zukunftsaussichten für den Automobilstandort optimistisch zu sehen.

Negative Standortfaktoren für die Autoindustrie in Deutschland

Negativ zu erwähnen hat die DB-Studie so einiges. Und dabei geht es überhaupt nicht um den Absturz während der Coronakrise, sondern um strukturelle Faktoren. Zum Beispiel würden strenge CO2-Grenzwerte für neue Pkw in der EU dazu führen, dass die Hersteller mehr Elektroautos auf den Markt bringen müssten. Der resultierende Kostenanstieg verschärfe den Strukturwandel in der Branche. Kaum jemand erwarte, dass die Netto-Bilanz dieses Strukturwandels für die Wertschöpfung und Beschäftigung der Automoindustrie in Deutschland positiv ausfallen wird.

Auch die Unsicherheiten hinsichtlich der Klima- und Energiepolitik hätten dazu beigetragen, dass der Kapitalstock in energieintensiven Branchen wie der Metallerzeugung oder der Chemieindustrie in Deutschland seit vielen Jahren sinke. Diese Sektoren zählen auch zur automobilen Wertschöpfungskette. Durch die Investitionszurückhaltung würden laut der Studie Teile dieser Kette geschwächt. Höhere Kosten kämen auf die Autoindustrie auch durch die geplante Verschärfung der europäischen Abgasnormen zu (Euro 7). Im Volumensegment dürfte der Kostenaufschlag pro Fahrzeug besonders ins Gewicht fallen. Dies setze die Produktion von „Autos für den Durchschnittsbürger“ in Hochlohnländern wie Deutschland, aber auch in Frankreich oder Italien unter Druck.

Bei klassischen Standortfaktoren wie der Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften, Lohnhöhe oder der Flexibilität bei Arbeitszeiten habe sich Deutschlands Position laut der Studie der DB im internationalen Vergleich zuletzt eher verschlechtert. Auch die anhaltenden Handelskonflikte würden die Investitionsbereitschaft hemmen. Zudem ist die Pkw-Nachfrage im wichtigen westeuropäischen Absatzmarkt gesättigt. Schließlich bedeute die demografische Entwicklung eine Herausforderung, da sie zu einem sinkenden Erwerbspersonenpotenzial führe und die Nachfrage dämpft.

Angesichts der strukturellen Herausforderungen sei es fraglich, ob die früheren Produktionshöchststände am Standort Deutschland jemals wieder erreicht werden. Die DB befürchtet, dass es immer schwerer wird, eine konkurrenzfähige Produktion von Pkw im Volumensegment in Deutschland aufrechtzuerhalten. Der Anteil Deutschlands an der globalen, aber auch an der europäischen Autoproduktion könnte in den kommenden Jahren sinken. Ähnlich sei es der Autoindustrie im US-Bundesstaat Michigan (Detroit) ergangen, wo heute deutlich weniger Fahrzeuge gefertigt werden als zu Beginn des Jahrhunderts. Die deutsche Autoindustrie sei besser für die elektromobile Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet als der Automobilstandort Deutschland.

Autoindustrie wird sich anpassen – Standort mit Problem?

Wir wollen nur kurze und interessante Auszüge der DB-Studie zitieren. Zum Beispiel gehen wir nochmal auf den Detroit-Vergleich ein. Die DB sagt, dass dieser Vergleich vielleicht zunächst schockieren möge. Aber noch immer würden in Michigan viele Light Vehicles (LV) produziert. Allerdings waren es in den letzten Jahren etwa ein Drittel weniger Fahrzeuge als zu Beginn dieses Jahrhunderts. In der Folge ist der Anteil des Bundestaates an der gesamten LV-Produktion der USA von knapp 25 Prozent im Jahr 2000 auf deutlich weniger als 20 Prozent in den letzten Jahren gesunken. Profitiert hätten dagegen einige Südstaaten der USA, in denen auch deutsche Hersteller in neue Autofabriken investiert haben. Hohe Standortkosten in Michigan (z.B. Lohn- und Pensionskosten der angestammten Belegschaft) seien ein wesentlicher Grund für diese Verschiebung innerhalb der USA gewesen. Eine ähnliche Entwicklung sei für den Automobilstandort Deutschland nicht unwahrscheinlich. Auch in Deutschland könnten die Produktionszahlen der Branche dauerhaft unterhalb der früheren Niveaus verharren. Der Anteil Deutschlands nicht nur an der globalen, sondern auch an der europäischen Automobilproduktion drohe zu sinken.

Die DB-Studie geht an das gesamte Thema durchaus differenziert heran. Man schreibt die Branche nicht einfach pauschal ab. Unter dem Strich sei man davon überzeugt, dass die deutsche Autoindustrie besser für die „elektromobile“ Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet sei als der Automobilstandort Deutschland. Die Unternehmen könnten Standortentscheidungen frei treffen und sich im Laufe der Zeit anpassen, wenn sich die Rahmenbedingungen an einem Standort verschlechtern. Bei der Beurteilung der Zukunftsperspektiven des Standorts Deutschland würden aus heutiger Sicht jedoch die negativen Faktoren überwiegen. Bedauerlich dabei sei, dass ein Teil dieser Faktoren durch eine klimapolitische Regulierung begünstigt werde, die deutlich weniger effektiv als möglich und teurer als nötig sei.

Der Vorwurf an die deutsche Autoindustrie, technologische Trends zu verschlafen, werde auch beim Übergang zu E-Mobilität stetig wiederholt. Doch auch in diesem Fall sei er laut DB nicht pauschal zutreffend. Richtig sei, dass der Anteil deutscher Hersteller an den verkauften Elektroautos in vielen Märkten unter ihrem Marktanteil bei traditionellen Fahrzeugen liegt. Gleichwohl gleicht der Übergang vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität einem Langstreckenlauf und nicht einem Sprint. Kein Anbieter liege uneinholbar vorne. Zudem sei die Produktpipeline der deutschen Hersteller gut gefüllt. Die Deutschen seien eben lediglich später dran als manche Konkurrenten, aus Sicht der Autoren der Studie jedoch nicht zu spät.

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Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

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Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

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Achtung: Korrektur voraus – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Stimmung auf dem digitalen Börsenparkett ist prächtig. Wir haben überhaupt nicht genug Geld, um alle die großartigen Titel des internationalen Kurszettels kaufen zu können, so eine verbreitete Empfindung.

Das sind einige der Zutaten dieser Euphoriewelle, die bereits seit einigen Monaten über die Aktienmärkte hinwegrollt.

Fokussierung auf wenige Trendbranchen: Die Hausse verkürzt sich zunehmend auf einige wenige Titel aus einigen Trendbranchen wie Wasserstoff oder E-Mobilität. Das waren zuletzt etwa die Favoriten auf der Privatanleger-Plattform Tradegate: NEL ASA, Plug Power, Xiaomi, Tesla und Ballard Power.

Es ist ein Warnsignal, wenn eine Hausse nur noch auf den Schultern weniger Aktien liegt. Gesund ist eine Hausse immer dann, wenn sie von möglichst vielen Aktien aus unterschiedlichen Branchen getragen wird.

Kauf zu jedem Preis: Typisch ist dabei, dass die Anleger derzeit bereit sind, für eine „geile“ Aktie jeden Preis zu bezahlen. Die Bewertung interessiert nicht mehr, solange der Titel einer Trendbranche zuzurechnen ist. Typisch ist auch, dass man diese Aktien nicht erst in einer Woche haben will, sondern jetzt sofort. Folglich verzichten immer mehr Anleger auf die Bestimmung eines Kauflimits und fassen stattdessen billigst zu.

In der Folge erleben wir immer öfter prozentual zweistellige Kursanstiege auf Tagesbasis, ohne dass eine Nachricht aus dem Unternehmen vorliegt. Zu Deutsch: Die Kursanstiege sind in der Regel nicht mehr fundamental begründet.

Am Ende entsteht ein gewaltiger Sog, dem wir uns kaum noch entziehen können. Selbst Profis fallen dann um, werfen ihre bewährten Strategien über…..

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