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Wie die Faust aufs Auge: ehemalige LTCM-Manager geben Chinas Investoren Zugang zu Hedgefonds

FMW-Redaktion

Das paßt ja wie die Faust aufs Auge: ehemalige Manager des Hedgefonds Long-Term Capital Management (LTCM) wollen es nun chinesischen Investoren ermöglichen, Zugang zu westlichen Hedgefonds zu bekommen. Dazu gründeten sie die in Shanghai ansässige Firma Sycamore Investment Services, die Ende des Monats starten will.

LTCM löste mit seinem Untergang bekanntlich 1998 eine schwere Krisen an den Finanzmärkten aus: der Hedgefond hatte damals massiv in den Rubel und in russische Staatsanleihen investiert. Als Russland dann bankrott ging und seine Währung abwertete, verlor LTCM 90% seines Kapitals, das damals knapp fünf Milliarden Dollar betrug. Die Märkte reagierten damals geschockt und crashten, der neue Fed-Chef Greenspan aber pumpte in Reaktion auf die LTCM-Pleite 3,6 Milliarden Dollar in 14 US-Banken – und konnte damit einen Totalabsturz der Finanzmärkte verhindern.

LTCM hatte sich damals vor allem aus Mitarbeitern von Salomon Brothers zusammen gesetzt – viele Beteiligte erhielten für ihren theoretischen Ansatz, der sich im Nachhinein als katastrophal falsch heraus gestellt hatte, einen Nobelpreis. Kopf von LTCM war John Meriwether, der für seinen ehmaligen Arbeitgeber Salomon Brothers zuvor Milliarden verdient hatte. Der Ansatz von Meriwether und seinen Partnern galt als unwiderlegbar, die Firma war der Star unter den Investoren.

Die neue Idee von John Meriwether und seinen ehemaligen Gefährten, die nun Sycamore Investment Services für Chinas Investoren gegründet haben, macht jedoch durchaus Sinn. Dahinter steht der Gedanke, dass Chinas Investoren aufgrund des Yuan-Verfalls und dem extrem volatilen Markt in Shanghai einen starken Bedarf an Investments im Ausland haben, so etwa an Investments in westliche Hedgefonds. Die Wette der ehemaligen LTCM-Gründer ist aber auch, dass China seine Kapitalmärkte weiter öffnen wird und so Sycamore Investment Services auch am chinesischen Markt interessante Trading-Perspektiven anbieten könne. Geht der Crash im Reich der MItte weiter, dürfte Peking jedoch es nicht mehr so genau nehmen mit der Öffnung und Flexibilisierung seiner Märkte.

Meriwether und seine Partner kehren damit aus dem Ruhestand zurück – Meriwether ist immerhin schon 68 Jahre alt. Und vermutlich denkt er sich, dass es für ihn noch einmal Zeit ist, ein ähnlich geniales Geschäftsmodell wie damals mit LTCM aufzubauen. Und so paßt das LTCM-Team und China natürlich wunderbar zusammen: hier die Crash-Piloten, die den Crash schon hinter sich haben, dort ein Markt, der seinen echten Crash (Platzen der Kredit-Blase) noch vor sich hat. Das paßt also sprichwörtlich wie die Faust aufs Auge..



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