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Wie drastisch Preise kollabieren können, wenn keine Nachfrage mehr vorhanden ist

An der Börse ist es wie im normalen Leben auch. Wenn niemand ein Produkt kaufen möchte, senkt der Verkäufer die Preise dramatisch – in der Hoffnung, dass ab irgendeinem tieferen Preisniveau die Käufer doch zuschlagen. Die Coronakrise hat viel in Bewegung gebracht. Aktuell sind uns die Preise für Flugturbinenkraftstoffe ins Auge gefallen, die heute als Teil der Erzeugerpreise für den Monat Oktober vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht wurden.

Die Erzeugerpreise für Flugturbinenkraftstoffe sind von Oktober 2019 bis Oktober 2020 um satte 52,8 Prozent gefallen! Und das, während im selben Zeitraum der Rohölpreis am Terminmarkt lediglich etwas mehr als 10 Prozent gefallen ist. Vor allem im März und April sank die weltweit Flugaktivität praktisch auf Null, so auch in Deutschland. Und im Herbst kam nach und nach die zweite Corona-Welle auf, und die Flugaktivität sinkt wieder. Wer braucht da noch Kraftstoffe für Flugzeuge? Eigentlich wäre es für Airlines ja gerade jetzt schlau zu günstigen Preisen große Mengen auf Vorrat einzukaufen? Aber welche Airline hat dafür jetzt Geld übrig, wenn man ums nackte finanzielle Überleben kämpft?

Grafik zeigt Details der Erzeugerpreise im Oktober

Die deutschen Erzeugerpreise insgesamt fielen im Oktober im Jahresvergleich nur um 0,7 Prozent zum Vorjahresmonat. Hauptverantwortlich für den Rückgang der gewerblichen Erzeugerpreise gegenüber Oktober 2019 war die Preisentwicklung bei Energie: Die Energiepreise waren im Durchschnitt 2,9 % niedriger als im Oktober 2019. Gegenüber September 2020 stiegen diese Preise jedoch um 0,3 %. Starke Preisrückgänge gegenüber dem Vorjahresmonat waren für Mineralölerzeugnisse (-16,0 %) und Erdgas in der Verteilung (-5,2 %) zu verzeichnen. Dagegen war Strom 0,7 % teurer als ein Jahr zuvor.

Chart zeigt Verlauf der Erzeugerpreise

Hier weitere Details der Statistiker im Wortlaut:

Vorleistungsgüter waren im Oktober 2020 um 0,4 % billiger als im Oktober 2019. Gegenüber September 2020 stiegen diese Preise um 0,3 %. Billiger als ein Jahr zuvor waren vor allem Zeitungsdruckpapier (-11,0 %), chemische Grundstoffe (-5,9 %), aber auch Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen sowie Papier und Pappe (jeweils -5,8 %). Dagegen waren metallische Sekundärrohstoffe 11,6 % teurer als im Oktober 2019. Edelmetalle und Halbzeug daraus kosteten sogar 20,1 % mehr.

Die Preise für Verbrauchsgüter waren im Oktober 2020 um 0,5 % niedriger als im Oktober 2019. Nahrungsmittel waren 1,3 % günstiger als im Vorjahr, Schweinefleisch kostete 19,5 % weniger. Dies dürfte neben der Corona-bedingt geringeren Nachfrage aus der Gastronomie auch in dem im September 2020 aufgrund der Afrikanischen Schweinepest verhängten Importstopp Chinas und anderer asiatischer Staaten für deutsches Schweinefleisch begründet sein. Allein gegenüber dem Vormonat September 2020 sanken die Preise für Schweinefleisch im Oktober 2020 um 4,0 %.
Demgegenüber war Zucker 14,6 % teurer als im Oktober 2019. Allein gegenüber September 2020 stiegen die Preise um 3,8 %. Kaffee kostete 4,4 % mehr als im Vorjahresmonat.

Die Preise für Investitionsgüter, wie beispielsweise Maschinen und Fahrzeuge, waren 0,9 % höher als im Oktober 2019, Gebrauchsgüter kosteten 1,4 % mehr.



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