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Wie entsteht Inflation? Das System gerät jetzt in Schieflage

Inflation beginnt ab dem Moment, wo die Gläubiger die Angst beschleicht, der Wert ihrer Schuldscheine stimme mit dem Nennwert nicht länger überein

wie entsteht Inflation?

Das Wort »Inflation« leitet sich bekanntlich ab von lateinisch „inflare = aufblähen, aufblasen“ und beinhaltet zunächst lediglich ein Aufblähen der Geldmenge. Sodann beinhaltet »Inflation« die Wirkung dieser Mengenausweitung, nämlich den langsam einsetzenden Wertzerfall des Geldes. Der Geist der Inflation, einmal aus der Flasche gelassen, lässt sich schwerlich wieder einfangen. Inflation sei wie eine Ketchupflasche, beteuert Thomas Mayer, einer der führenden Finanzökonomen unserer Tage: Erst kommt gar nichts, doch haut man kräftig hinten drauf, kommt mit einem Schlag alles. Wenn das stimmt, dann kann die EZB weder die Anlageinflation noch die Konsumentenpreisinflation unmöglich steuern.

Wie entsteht Inflation?

Für Thomas Mayer beinhaltet das Rätsel um die Ursachen von Inflation eine der entscheidenden Fragen der Ökonomie. Milton Friedman zufolge, einem der führenden Ökonomen des 20. Jahrhunderts, war Inflation immer und ausschließlich ein monetäres Phänomen. Nach Peter Bernholz entstehen Hyperinflationen immer dann, wenn die Staatsausgaben höher liegen als die Steuereinnahmen und die entstandene Lücke über die Notenpresse geschlossen wird. Letztes ist zur Zeit in den USA und Europa der Fall. Und China stimuliert seine Währung zur Zeit ebenfalls kräftig. Wie aber kommt Inflation in Gang?

Geld als Maß für Schuld

Im gegenwärtigen Fiatkreditgeldsystem (Thomas Mayer) ist Geld in erster Linie ein Maß für Schuld. Papier indes ist nur ein Versprechen. Anders als Gold besitzt die Banknote praktisch keinen inneren Wert. Wird nun jede Form von Arbeit, also Lebensenergie mal Lebenszeit, mit Papiernoten entlohnt, dann ist jeder Geldschein nichts anderes als ein Schuldschein für geleistete Arbeit.

Die Deckung des nicht goldgedeckten Fiatkreditgelds erfolgt somit einzig und allein durch Arbeit. Seine Wertspeicherfunktion wird durch die Monopolstellung als Währung sichergestellt, seine Tauschfunktion durch die allgemeine Annahmepflicht umfänglich garantiert. Indem der Staat neben Exekutive, Legislative und Judikative auch noch die vierte Gewalt in Form der „Monetative“ (Joseph Huber) repräsentiert, kann er direkt oder indirekt die Emission des Schuldgelds steuern und seine Verteilung organisieren.

Der Staat als Emittent von Schuldscheinen agiert folglich als Schuldner letzter Instanz; der Bürger, der sie akzeptiert, als Gläubiger. Fangen die Schuldscheine nun an zu zirkulieren, verwischen sich nach und nach die Schuldbeziehungen der Wirtschaftssubjekte untereinander und tarieren sich immer wieder neu aus.

Der Kipppunkt

Das System ist oszillierend stabil, beginnt aber dann dauerhaft in Schieflage zu geraten, wenn der Staat unkontrolliert Geld druckt beziehungsweise digital per Knopfdruck erzeugt. Denn mit jeder zusätzlichen, aus dem Nichts geschaffenen Geldeinheit verliert das Fiatgeld ein winziges Quantum seiner Arbeitsdeckung: die Verschuldung des Staates bei seinen Bürgern beginnt zu wachsen. Dieser Vorgang ist zwingend: Helikoptergeld ist nicht durch Arbeit gedeckt.

Die Inflation beginnt ab dem Moment, wo die Gläubiger (= Bürger) die Angst beschleicht, der Wert ihrer Schuldscheine stimme mit dem Nennwert nicht länger überein. Bei immer weiter fortschreitender Geldausweitung wird jeder zusätzliche Fiatgeldschein zum subjektiv exponentiell-ansteigenden Ausfallrisiko. Das zerstört die Wertspeicherfunktion des Fiatgelds nachhaltig. Als Tauschmittel wird es mehr und mehr unbrauchbar.

In der Hyperinflation schließlich wird der Geldschein zum »Schwarzen Peter«, den man »um Himmels willen« schleunigst wieder loswerden muss! In seinen Erinnerungen hat Stefan Zweig die zerstörerische Wirkung der Inflation der 1920er Jahre eindringlich beschrieben: Der schwindende Wert des Geldes, so Zweig, habe alle anderen „Werte“ ins Rutschen gebracht und Deutschland „hitlerreif“ gemacht.

Die Deutschen sind Inflations-geschädigt

Keine große Industrienation ist in einem Maße durch die Wirkungen von Hyperinflationen geschädigt worden wie die Deutschen. Zu nennen sind die Hyperinflation von 1923, der Währungsschnitt der D-Mark 1948 und die Abwicklung der DDR-Mark 1990. Sobald inflationäre Tendenzen sich einstellen, treibt das den Deutschen Sorgenfalten auf die Stirn: Inflation ist lebendiger Teil ihres kollektiven Traumas!

Die berechtigten Sorgen um die inzwischen enorme Vermögenspreisinflation und die aktuell steigende Konsumentenpreisinflation als hysterische Panikmache abzustempeln, wird einer abwägenden, problemorientierten Gefahren- und Risikoabschätzung nicht gerecht.



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2 Kommentare

  1. Bravo! Super Einstand.

    Genau so ist es. Nur die lange Zeit, bis ehemals solides Geld zerbröckelt, und die vielen anderen Ursachen, die Preise mal nach oben, und mal nach unten verändern, verlegen den Blick auf diesen Zusammenhang. Und das bei immer mehr Menschen, je länger die letzte große Inflation zurückliegt.

  2. Wie Inflation entsteht, lernen Ss schon in der gymnasialen Studienstufe und spätestens im 2. Semester WiWi.
    All unsere politischen Kräfte, die die Euro-Politik vertreten haben und vertreten, sind ja nicht dumm. Sie haben der Öffentlichkeit, gelinde gesagt, etwas vorgemacht. Die Inflation ist der Preis für die Euro – Rettung, kurz gesagt.

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