Folgen Sie uns

Devisen

Wie Hans-Werner Sinn Griechenland retten will: Unsinn aus dem Elfenbeinturm

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Von Markus Fugmann

Kaum ist der Abschied vom ifo Institut verkündet, schreitet Hans-Werner Sinn, in Insider-Kreisen auch als „Käpt´n Ahab“ oder als „Grööaz“ (größter Ökonom aller Zeiten) bezeichnet, zur nächsten Großtat. Diesmal geht es um die Rettung Griechenlands – und Hans-Werner Sinn weiß genau, wie das zu bewerkstelligen ist: so solle an einem Wochenende die Umstellung von Euro auf Drachme erfolgen:

„Die Zahlen in den Verträgen bleiben gleich, nur die Währung ändert sich von Euro in Drachme“, so Sinn.

Da es noch keine Drachmen gebe, würde der Euro weiterhin Zahlungsmittel bleiben, bis genug Drachmen gedruckt seien. An den Finanzmärkten werde es dann zu einer raschen Abwertung der Drachme kommen, nimmt Sinn an. Da bleibt jedoch die Frage: wer soll seine Euros in Drachme tauschen, wenn er wohl zurecht erwartet, dass die Drachme weiter fallen wird? Aber das ficht den Hans-Werner nicht an, entscheidend sei, dass Importe teurer würden durch die Abwertung der Drachme, während die günstig in Drachme produzierende einheimische Wirtschaft Wettbewerbsvorteile habe und so die den Konsum in Griechenland ankurbele. Das würde vor allem der griechischen Landwirtschaft einen Schub verleihen, glaubt Sinn. Aber auch das überzeugt nicht wirklich: die Bevölkerung konsumiert ohnehin schon vorwiegend billigere einheimische Produkte der Landwirtschaft und wenig Importe, die man sich nicht mehr leisten kann. Der erhoffte Schub für die griechische Landwirtschaft dürfte also ausbleiben.

Sinns Argumentation krankt grudsätzlich daran, dass er nicht erkennt, dass niemand, solange es den Euro gibt, die Drachme haben will. Sinn geht davon aus, dass mit Einführung der Drachme die ins Ausland geschafften Euros wieder nach Griechenland zurück kehren würden (er schätzt die Gesamtsumme der ins Ausland gebrachten Gelder auf 104 Milliarden Euro). Aber auch hier die Frage: wer will Euros in Drachme tauschen, wenn er keine Aufwertungsperspektive für die Drachme sieht? Und wenn niemand in Drachme tauschen will, macht die Einführung derselben eben keinen Sinn!

Sinn konzediert, dass die ersten ein oder zwei Jahre hart würden, eben weil die Importe deutlich teurer würden – aber auch hier ist die Argumentation nicht schlüssig: da es den Euro ja in Sinns Szenario nach wie vor geben würde in Griechenland, würden die Importe nach wie vor eben auch in Euro bezahlt.

Aber wie auch immer: weil die Lage nach Einführung der Drachme schwierig sei, müssten die Euro-Länder weiter Gelder für Hilfsmaßnahmen schicken, um die schlimmsten sozialen Verwerfungen abzumildern, meint der Ökonom. Aber das sei besser, als wenn man weiter mache wie bisher:

„Man kann nie alles ausschließen und die Welt ist voller Risiken, aber sie bleibt voller Risiken, auch wenn Griechenland in der Euro-Zone bleibt.“

Das ist der erste Satz von Sinn, dem man zustimmen kann. Ebenfalls richtig ist folgende Festestellung des scheidenden ifo-Chefs:

„Griechenland kann seine Kredite nicht zurückzahlen, weil der Staat zahlungsunfähig ist, und je früher man diese Verluste ehrlich verbucht, desto besser ist es für alle Beteiligten.“

Aber das war es dann auch schon mit der Vernunft bei Sinn. In einem Artikel für das „Handelsblatt“ entwickelt der Ökonom dann ein Verschwörungsszenario: die Athener Regierung versuche durch Unterlassen von Kapitalkontrollen die Kosten für einen Grexit in die Höhe zu treiben, Varoufakis kümmere sich um Plan B (Grexit), während Tsipras durch seine Hinhaltetaktik bei den Verhandlungen (Plan A) die Kosten der Eurozone ständig nach oben schraube. Dadurch sei griechisches Vermögen bei einem Grexit sicher im Ausland geparkt, während die Notenbanker der Eurozone auf ihren Target-Forderungen gegenüber der griechischen Notenbank sitzen blieben, so Sinn:

„Letztere ist dann nämlich bankrott, weil ihre Aktiva auf abgewertete Drachmen lauten und der griechische Staat weder haften muss noch haften kann.“

Faktisch sei das Opfer die EZB und die Steuerzahler der Eurozone, während sich die Tsipras-Regierung an der Macht halten könne:

„Ohne die Eskalation des Streits wäre das griechische Volk nicht bereit, der Regierung während der schwierigen Zeit nach dem Austritt die Treue zu halten.“

Die sind schon raffiniert, die Griechen! Das folgt alles einem genialen Master-Plan. Aber die Verschwörer haben nicht damit gerechnet, dass wir in unseren Reihen das Genie Hans-Werner Sinn besitzen! Denn der klärt uns tumbe Melk-Kühe endlich auf. Denn wie heißt es doch im Schöpfungsbricht der Genesis: „Am Anfang schuf Gott den Hans-Werner, und er sah: es machte Sinn“.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    GN

    16. Juni 2015 13:35 at 13:35

    …..wenn ich mir die Kommentare unter dem heutigen DWN-Artikel so ansehe, dann wird „Prof. Unsinn“ sehr viele Anhänger seiner fragwürdigen „Griechenland-Lösung“ finden……das unser gesamtes Wirtschaftssystem, oder besser unsere Wirtschaftsideologie, entsorgt werden müßte, käme diesem Befürworter der neoliberalen Ausbeutung sicher nicht in den Sinn….

  2. Avatar

    Hinterfrager

    16. Juni 2015 14:30 at 14:30

    Dann möge uns der werte Autor dieser Zeilen mal bitte erklären, wie der gordische Knoten sonst zu durchschlagen wäre ?! Entweder man verstärkt die Haftungsmechanismen und versucht (wie beim deutschen Länderfinanzausgleich) per gemeinsamer Wirtschafts- und Finanzpolitik die massiven Disparitäten in Europa so gut wie möglich auszubügeln oder aber man löst den Währungsverbund in dieser Form wieder auf und führt jeweils die Währungen ein, die zur jeweiligen Leistungsfähigkeit eines Landes passen. Ein „Dazwischen“ gibt es genau soo wenig wie „nur ein bisschen schwanger“…

  3. Avatar

    khaproperty

    16. Juni 2015 17:57 at 17:57

    Wie so oft hat Sinn wieder mal völlig Recht.

    Natürlich ist Griechenland seit vielen Jahren Pleite und wird nur um der ängstlichen Verlegenheit willen von den um den Euro zitternden Nationen mitsamt Hilfe des IWF (dessen Aufgabe dies nicht wäre) sowie der EZB (deren Aufgabe dies ebensowenig ist) über Wasser gehalten.

    Ebenso klar ist, daß der Euro längst auseinander geflogen wäre, hätte man damals nicht seitens der EZB die bedingungslosen Ankäufe der notleidenden Staatsanleihen – und damit die Übernahme jeden Risikos – verkündet.
    Zwar wurden sie nicht durchgeführt, weil das BVerfG darin eine unzulässige Staatsfinanzierung sah.
    Dennoch bleibt diese Ankündigung marktdeformierend unzulässig.

    Auch die EuGH-Entscheidung dazu bleibt für Deutschland unverbindlich, denn allein das BVerfG kann unsere Verfassung auslegen und interpretieren, was sie bereits kundtat.

    Also steht nicht nur Griechenland sondern der Euro insgesamt auf der Kippe.
    Dies hat Sinn ebenso erkannt wie die faktische, rechtliche und ökonomische Notwendigkeit des Grexit. Daran ist ernsthaft nicht zu zweifeln. Kein seriöser Wissenschaftler widerspricht dem – und fast allen Politikern ist klar, daß neben dem Euro auch die für ihn unterstellte Funktion der Konvergenztheorie in der Praxis definitiv gescheitert ist.

    So geht es gegenwärtig allein darum, den schwarzen Peter wegen des Scheiterns und der Kosten des Euro von sich zu weisen. Allein darum wird noch „verhandelt“ – in einem peinlichen, durchschaubaren Schmierentheater.

  4. Avatar

    Michael Leist

    16. Juni 2015 20:13 at 20:13

    Ich glaube an den Sinn!
    Ein nebeneinander an Währungen, Euro für den Import sofern nötig und sofern Vorhanden und die Drachme für den Inlannskonsum machen sinn. So würden Grieche die jetzt aufgrund der Unsicherheit Euros forhalten diese eher ausgeben wenn die Preise in Euro gerechnet auf breiter front fallen.Dies würde sowohl die neue Drachme stärken als auch den Tourismus und daraufhin die Konjunktur fördern.
    Im vergleich zum Einkommen der Grischen sind die Preise auch für deutsche Verhältnisse sehr hoch weil eine künzliche knappheit des Euros besteht, ausgelöst durch die Maßnahmen der Institutionen.
    Ich bin auch der Meinung, dass die Gläubiger die Drachme wiederwillig akzeptieren würden. Nach dem Motto besser als nix!

  5. Avatar

    Alois

    16. Juni 2015 21:03 at 21:03

    Die Vorgangsweise der EU gegenüber Griechenland dient nur zu einen Zweck, die Gläubiger und Banken zu schützen. Frau Merkel und die EU haben schon so viel Geld hineingepumpt, der Verlust wäre für beide Seiten enorm. Glaube auch jetzt nicht daran dass sie die Griechen wie eine heisse Kartoffel fallen lassen.
    Die Griechen wären sicher besser daran den Euro zu verlassen und sich wieder selber auf die Beine zu stellen. Griechenland muss auch sein System ändern er kann nicht so weitermachen wie bisher.Vergessen wir natürlich auch nicht den Amerikaner der auch seinen desolaten Dollar im Spiel hat.

    Gruss Alois

    http://dieganzewahrheit-blog.tumblr.com
    https://youtu.be/JpMwPOAXw14

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Aber CFDs sind Termingeschäfte? Verbände für steuerliche Bevorzugung von Optionsscheinen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Aktives Trading mit CFDs und Optionsscheinen könnte problematisch werden

Was sind CFDs? Die „Contracts for Difference“ erlauben gehebelte Wetten auf steigende und fallende Kurse. Die CFDs können Anleger zeitlich unbefristet lange halten. Und Optionsscheine? Die haben einen fest definierten Ablaufzeitpunkt. Und wie definiert man Termingeschäfte? In Kurzform: Dies sind Börsengeschäfte, bei denen die Erfüllung des Vertrags (Abnahme und Lieferung der Ware) zu einem späteren Termin erfolgt. Also sind Optionsscheine doch Termingeschäfte, und CFDs irgendwie nicht so richtig?

Egal. Wenn der Gesetzgeber eine Feststellung trifft, dann ist das eben so – weil es nun mal der Gesetzgeber ist? So wurde vor Kurzem die seit Anfang Januar gültige Novellierung des Einkommensteuergesetzes beschlossen, wonach Verluste aus „Termingeschäften“ nur noch bis zu 20.000 Euro pro Jahr mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden dürfen. Dadurch wird die bizarre Realität entstehen, dass Anleger Steuern auf Gewinne zahlen müssen, obwohl sie effektiv in einem Börsenjahr im Handel keinen Gewinn erzielt haben (wir berichteten schon mehrmals). Danke Olaf Scholz, darf man da schon mal im Voraus sagen.

Klar zu sein scheint, dass die CFDs in die Kategorie der Termingeschäfte fallen im Sinne dieser Novelle des Einkommenssteuergesetzes – wohl ganz einfach, weil der Gesetzgeber es so will. Aber auch Optionsscheine, die per Definition doch viel eher Termingeschäfte sind? Wie man derzeit munkelt, wird das Bundesfinanzministerium noch eine Klarstellung für die ausführenden Steuerbehörden veröffentlichen, aus welcher hervorgehen könnte, dass auch Optionsscheine als Termingeschäfte zu betrachten wären. Das würde den Kreis der betroffenen Anleger deutlich erweitern.

Lobbyarbeit für Optionsscheine – von CFDs ist keine Rede

Aber halt. CFDs werden fast komplett von angelsächsischen und Offshore-Anbietern angeboten. Optionsscheine sind die Kinder der deutschen Bankenbranche. Und drei Mal darf man raten, wer den besseren Draht zu BaFin, Bundesfinanzministerium, Staatssekretären etc haben könnte? Diese Woche sieht man vom Deutschen Derivate-Verband, der Börse Stuttgart und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einen offiziellen Appell an das Bundesfinanzministerium (siehe hier), worin man eindringlich dazu auffordert Optionsscheine bezüglich dieser Neuregelung nicht als Termingeschäfte einzustufen. Man möchte also erreichen, dass Anleger auch weiterhin unbegrenzt Verluste aus Optionsscheinen mit Gewinnen aus Optionsscheinen verrechnen dürfen.

Gibt der Gesetzgeber dem nach, wäre dies ein glasklarer Vorteil für die Anbieter von Optionsscheinen, und ein riesiger Nachteil für die ausländischen CFD-Anbieter. Und wer ist denn Mitglied im Deutschen Derivate-Verband? Eben nicht die CFD-Anbieter, sondern so ziemlich alle deutschen Anbieter von Zertifikaten und Optionsscheinen, wie Deutsche Bank, Deka, Hypo, LBBW, DZ, Baader usw. Für CFDs bitten sie nicht um eine Ausnahme, sondern nur für Optionsscheine. Und die DSW? Hat sie die CFDs schon aufgegeben, und hofft nun noch darauf, wenigstens noch die Optionsscheine vor diesem Steuerirrsinn retten zu können? Aus dem Appell zitieren wir hier auszugsweise im Wortlaut:

Der Deutsche Derivate Verband (DDV), die Börse Stuttgart und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) appellieren an das Bundesfinanzministerium, die Linie aus dem Juni 2020 beizubehalten und Optionsscheine nicht als Termingeschäfte einzuordnen. Im Entwurf des Anwendungsschreibens des BMF vom Juni 2020 wurden Optionsscheine nicht als Termingeschäfte klassifiziert und damit eine klare, angemessene Abgrenzung erreicht. Damit wird vermieden, dass Anleger in der Depotgestaltung beeinträchtigt werden und zudem aufwendige individuelle Veranlagungen vornehmen müssen. Anderenfalls drohen schwere steuerliche Nachteile, nachträgliche Steuerzahlungen und Unsicherheiten für hunderttausende von Anlegern. Für Termingeschäfte sieht das Jahressteuergesetz, das seit Jahresbeginn gilt, eine begrenzte Verlustverrechnungsmöglichkeit nur mit anderen Termingeschäften und Erträgen aus Stillhaltegeschäften vor.

Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer: „Die steuerliche Neuregelung der Verlustverrechnung ist ein weiterer herber Schlag für Privatanleger und führt zu massiven Verunsicherungen. Vom Grundsatz her halten wir die Regelung insgesamt für verfassungswidrig. Der Entwurf des BMF-Schreibens war immerhin ein fairer Vorschlag, wie die Anwendung zumindest in Bezug auf Optionsscheine zu regeln ist, und würde betroffenen Anlegern eine Perspektive geben. Wenn das BMF jetzt von diesem ursprünglichen Entwurf abweicht, weckt das Unverständnis und offenbart einmal mehr die feindliche Gesinnung gegenüber Privatanlegern.“

Würden Optionsscheine jetzt durch das Anwendungsschreiben des BMF den Termingeschäften zugerechnet, wird die neugeschaffene Unwucht im Steuerrecht weiter dramatisch verschärft.

Es gibt gute sachliche Argumente dafür, warum Optionsscheine steuerlich als sonstige Finanzinstrumente und nicht als Termingeschäfte zu klassifizieren sind. Die Klassifizierung sollte anhand der Erfüllungsweise von Optionsgeschäften vorgenommen werden. Diese ist bei Optionsscheinen „Zug-um-Zug“, sie sind daher bei der steuerlichen Behandlung den Kassageschäften zuzurechnen, und nicht den Termingeschäften. Diese Einschätzung wird auch von Wissenschaftlern geteilt.

Eine Studie der WHU aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass hunderttausende von Privatanlegern von einer solchen Klassifizierung betroffen wären. Zudem stellt die Studie der WHU fest, dass 68,8 Prozent der Nutzer von Hebelprodukten wie Optionsscheinen diese zur Absicherung einsetzen. Die Beschränkung der Verlustverrechnung erschwert es Anlegern von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

weiterlesen

Devisen

Türkische Lira vor weiterer Aufwertung? Aktuelle Zinsentscheidung gibt Hoffnung

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Türkei Flagge

Die türkische Lira könnte noch weiter aufwerten. Warum? Nun, zuerst ein kurzer Rückblick. Seit November ist der Leitzins in der Türkei durch die türkische Zentralbank in zwei Schritten kräftig angehoben worden, von 10,25 Prozent auf zuletzt 17 Prozent. Erst der zweite Zinsschritt von 15 Prozent auf 17 Prozent an Heiligabend brachte Vertrauen in die Lira – denn die Inflationsrate liegt derzeit bei satten 14,6 Prozent. Jetzt liegt der Leitzins deutlich genug über der Inflation, damit es einen positiven Geldfluss vom Ausland in die Türkei geben kann. Dies wäre Balsam für die türkische Lira. Aber so ein hoher Leitzins muss einige Zeit beibehalten werden, damit er wirken kann.

Und nun? Heute hat die türkische Zentralbank erneut eine weitere Zinsentscheidung verkündet. Man belässt den Leitzins bei 17,0 Prozent. Dies kann vom Devisenmarkt als Signal gewertet werden, dass die Zentralbanker gewillt sind die Angelegenheit „durchzuziehen“, als eine nachhaltige Bekämpfung der hohen Inflation.

Türkische Lira reagiert leicht positiv

Auf längere Sicht hohe Zinsen in der Türkei – das könnte die türkische Lira nachhaltig aufwerten lassen. Und die letzten Wochen lief es ja schon ganz gut in diese Richtung. Und jetzt aktuell? Die Zinsentscheidung wurde um 12 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht. Da notierte US-Dollar vs türkische Lira noch bei einem Wechselkurs von 7,39. Jetzt notiert USDTRY bei 7,36. Im Chart sehen wir den Kursverlauf von Dollar vs Lira seit Februar 2020. Die türkische Währung konnte seit November einiges gut machen, und könnte womöglich nun weiter aufwerten (sicher ist das aber natürlich nicht).

Zentralbank mit guten Aussagen, Erdogan meldet sich zu Wort

Die Notenbanker in Ankara erklärten heute, dass man seinem harten geldpolitischen Kurs treu bleibe, bis sich ein nachhaltiger Rückgang der Inflation abzeichne. Falls nötig, werde man weitere Schritte zur Straffung der Geldpolitik unternehmen. Super, da freut sich der Devisenmarkt im Sinne einer festeren Lira? Achtung, Präsident Erdogan fordert seit Jahren sinkende Zinsen. Die würden (so Erdogan) die Inflation zum Sinken bringen – was aber eigentlich genau anders rum funktioniert. Seit Monaten hört man von Erdogan kaum Aussagen in dieser Hinsicht. Aber am letzten Freitag, da meldete er sich wieder zu Wort. Die aktuelle Geldpolitik (steigende Zinsen sollen Geld teuerer machen etc) diene nicht der Türkei. Die Lösung des Problems der hohen Inflation sei, die Zinsen zu senken. Bringt dies die nachhaltige Erholung der Lira wieder in Gefahr?

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira seit Februar 2020

weiterlesen

Devisen

Goldpreis steigt nach Yellen-Rede – was ist da los?

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Ein Barren Gold

Der Goldpreis reagiert recht merkwürdig auf die gestern Abend gehaltene Online-Rede der neuen US-Finanzministerin Janet Yellen vor dem US-Kongress. Wir sprachen vorgestern vorab darüber, und was ihre möglichen Aussagen für den Goldpreis bedeuten könnten. Ein stärkerer US-Dollar würde den Goldpreis schwächen. Vorab waren Redeinhalte durchgesickert. Aber ob sie auch wirklich genau das sagen würde? Nun, es kam wie erwartet. Janet Yellen (hier alle wichtigen Redeinhalte) sagte ganz eindeutig, dass man nicht wie die Trump-Regierung einen niedrigen US-Dollar sehen möchte.

Nein, man überlässt es dem freien Devisenmarkt den fairen Wert für den US-Dollar zu finden, ohne jede verbale Beeinflussung. Trump hatte auf einen billigeren US-Dollar gedrungen, damit die US-Wirtschaft wettbewerbsfähiger wäre (damit wären US-Produkte im Ausland günstiger). Janet Yellen sprach gestern von einer stabile Währung, deren Preis von den Marktkräften bestimmt werden solle. Man strebe keinen schwächeren US-Dollar an. Es sei inakzeptabel absichtlich schwächere Wechselkurse anzuvisieren um wirtschaftliche Vorteile zu erlangen, so Yellen. Und der Goldpreis, wie reagierte der auf diese Worte?

Warum steigt der Goldpreis nach der Yellen-Rede?

Nun, ihre Worte bringen ganz eindeutig Phantasie für einen höheren US-Dollar. Dann würde der Goldpreis fallen. Aber das Gegenteil passiert seit gestern Abend. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere wichtige Währungen) fiel von 90,50 auf aktuell 90,27 Indexpunkte. Der Goldpreis steigt seit gestern Abend von 1.840 auf aktuell 1.855 Dollar. Damit zeigt er Stärke, als klassische negative Korrelation zum US-Dollar.

Nun, offenbar geht der Markt kurzfristig vor nach dem Motto „Sell on good news“? Der US-Dollar war die letzten Tage vor der Yellen-Rede gestiegen (in Erwartung genau dieser Aussagen), und jetzt kam die Yellen-Rede exakt wie erwartet auf den Tisch. Also, erstmal Gewinne im Dollar machen, und der Goldpreis kann steigen? Auch kann man den aktuellen Anstieg im Gold erklären mit anderen gestrigen Aussagen von Janet Yellen. Ebenfalls wie erwartet will sie nun erstmal jede Menge neue Schulden machen um US-Bürger und Wirtschaft zu stützen in dieser Krise. Das ist tendenziell positiv für Gold. Aber, als Frage formuliert: Kommt der Drang hin zu einem stärkeren US-Dollar bald wieder zum Vorschein, und Gold schwächelt doch? Vorsicht ist also geboten im restlichen Verlauf dieser Woche.

Chart zeigt Kursverlauf von Goldpreis gegen US-Dollar
Im Chart sehen wir seit gestern früh den steigenden Goldpreis in rot-grün gegen den fallenden US-Dollar.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage