Langfristig könnte die KI-Revolution womöglich zu deflationären Tendenzen führen, wenn in den Industrieländern ganze Branchen überflüssig werden, und viele Tätigkeiten durch KI und Roboter übernommen werden. Viele neue Arbeitslose könnten den Aufwärtsdruck bei Löhnen senken, was auch den Inflationsdruck abbauen könnte. Aber kurz- und mittelfristig, mit Blick auf die nächsten Monate und Jahre, droht die KI-Revolution die Inflation in den Industrieländern anzuheizen.
KI treibt Strompreise
Bereits im September letzten Jahres gab es Berichte, dass die Strompreise in den USA um weit über 200 % im Vergleich zu fünf Jahren vorher angestiegen sind – und zwar dort, wo man KI-Rechenzentren hochgezogen hat. Ihr Stromverbrauch ist derart groß, dass die Preise nun mal anziehen. Erst letzte Woche meldete CNBC, dass Strompreise in den USA im letzten Jahr um 6,9 % gestiegen sind, gut doppelt so stark wie der Schnitt des gesamten Verbraucherpreisanstiegs. Und der starke Strombedarf der KI-Rechenzentren bedeutet, dass wohl keine Entlastung in Sicht ist.
Daraus kann man schließen: Das Thema KI bringt Inflation über die Stromrechnung überall dorthin, wo Rechenzentren hochgezogen werden. Eine logische Schlussfolgerung. Darunter leiden normale Bürger und Unternehmen, die alle die steigenden Stromkosten hinnehmen müssen. Das Problem: Die KI-Infrastruktur wächst viel schnell, als man neue Atomkraftwerke und sonstige zusätzliche Stromlieferanten hochziehen kann. Daher dürfte das Phänomen steigender Strompreise noch eine ganze Weile anhalten. Auch Europa dürfte dieses Problem zu spüren bekommen, je mehr Rechenzentren gebaut werden.
Knappheit bei Speicherchips treibt Preise bei Elektronik
Die globale Knappheit bei Speicherchips dürfte ein Thema werden für die Inflation, und zwar überall dort, wo Elektronikartikel gekauft werden. Dies ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Wir haben in den letzten Wochen mehrfach Detailanalysen veröffentlicht, die aufzeigen, dass global eine dramatische Unterversorgung bei Speicherchips vorherrscht. Denn die KI-Rechenzentren „saugen“ sozusagen alles auf, was die großen Hersteller wie SK Hynix, Samsung oder Micron produzieren. Auch wenn sie ihre Kapazitäten gerade massiv ausweiten – die Nachfrage wird das Angebot noch lange Zeit übertreffen. Für das Thema Inflation bedeutet das: Steigende Preise dürften anstehen, zum Beispiel bei Smartphones, Spielekonsolen, PCs, iPads etc. Zu Nintendo und Sony hörte man jüngst sogar, dass die Verschiebung der Einführung neuer Spielekonsolen und die Erhöhung von Preisen geplant sein soll. Wenn neue Produkte verschoben werden, sorgt das für höhere Nachfrage bei Bestandsprodukten, was die Preise noch mehr anheizen könnte.
Und gerade heute wurde aus Südkorea berichtet, dass Samsung für einen Speicherchip eine 30 % Preiserhöhung durchgesetzt hat. SK Hynix könnte folgen. Das müssten die Hersteller von Endgeräten auf ihre Endkunden abwälzen – Inflation! Und das nur, weil KI-Konzerne alles an Speicherchips aufkaufen, was man in die Hände bekommt, was letztlich steigende Preise und Knappheit bei Herstellern von Elektronikprodukten verursacht.
Mangel an Fachpersonal
Auf der einen Seite sieht man aktuell, dass Big Tech-Konzerne, aber auch Finanzdienstleister weltweit Stellen abbauen, weil KI viele menschliche Tätigkeiten überflüssig macht. Auf der anderen Seite herrscht beispielsweise in den USA Knappheit an Facharbeitern, die KI-Rechenzentren bauen und betreiben können. Handwerker, Mechaniker, Bauarbeiter sind notwendig, um KI-Rechenzentren zu bauen. Und die enorme Nachfrage in dem Bereich sorgt für einen Mangel solcher Facharbeiter. Dies wird in zahlreichen US-Medienberichten aufgezeigt. Gerade in den USA wird dieser Mangel durch einen weiteren Effekt verstärkt: Donald Trump treibt seine Abschiebepolitik weiter voran, wodurch dem US-Arbeitsmarkt auch viele Arbeiter verloren gehen, was den Mangel verstärkt. Dieser doppelte Effekt dürfte die Löhne in die Höhe treiben für Arbeiter, die sich in dem Bereich betätigen wollen. Das bedeutet: Die Firmen, die diese Arbeiter beschäftigen, müssen ihren Auftraggebern mehr Geld abverlangen, eine Lohn-Preis-Spirale droht. Explodierende Baukosten und steigende Zweifel der Börsianer an der Rentabilität der KI-Konzerne könnten diese veranlassen, die Preise für ihre Endkunden anzuheben, also für die Nutzung der KI-Anwendungen.
Wasserknappheit
Ähnlich wie beim Thema Strom, so ist auch das Thema Wasserknappheit ein Thema in den USA. KI-Rechenzentren verbrauchen viel Wasser zur Kühlung, was die Wasserpreise in betroffenen Regionen hochtreibt. Das bringt die Inflation direkt auf die Rechnungen der einfachen Menschen vor Ort. In Europa beispielsweise entstehen KI-Rechenzentren in Gegenden, wo eh schon Wasserknappheit vorherrscht. Auch für die USA ist dies ein großes Thema. Nicht nur, dass KI-Rechenzentren immens viel Wasser zur Kühlung verbrauchen, was in den umliegenden Gemeinden für Wasserknappheit sorgen könnte: Die Inflation ist auch hier ein Thema! Knappheit treibt Preise nach oben. Also könnten die Wasserrechnungen für alle Verbraucher steigen, wenn die KI-Anbieter den Verbrauch massiv steigen lassen.
Fazit
Das Thema Künstliche Intelligenz kann auch jetzt schon deflationär wirken, weil viele gut bezahlte Menschen bei Techkonzernen, in der Finanzbranche etc gerade ihre Jobs verlieren. Aber es gibt derzeit mehrere Faktoren, die gerade dort in Richtung Aufwärtsdruck bei der Inflation wirken, wo viele KI-Rechenzentren hochgezogen werden. Und die explodierenden Kosten im Chipbereich wirken global auf Verbrauchsgüter in vielen Bereichen. Gerade für Donald Trump könnte es zum Problem werden, dass Wasser, Strom und andere Waren dank KI Preisauftrieb erleben. Denn für die US-Wähler sind steigende Preise immer eines der wichtigsten Themen, die nun auch bei den Zwischenwahlen für den Kongress am 3. November wichtig werden könnten. Und Donald Trump versprach nun mal neben dem Thema Illegale Einwanderung vor allem, sich für günstigere Lebenshaltungskosten einzusetzen. Das Thema KI könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen. Aber abgesehen von Trump: Das Thema KI kann für uns alle steigende Preise bei Strom, aber vor allem bei Elektronikartikeln mit sich bringen.
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