Die Nervosität an den Kreditmärkten steigt rasant: Während Oracle mit immer neuen Anleihen den Finanzmarkt flutet und Investoren sich zunehmend über eine mögliche KI-Blase sorgen, schnellen die CDS-Kosten des Tech-Konzerns auf das höchste Niveau seit der Finanzkrise. Die ungewöhnliche Kombination aus gigantischen KI-Investitionen, wachsender Verschuldung und historischen Risikoaufschlägen sorgt dafür, dass Händler und Analysten gleichermaßen Alarm schlagen.
Oracle-Risiko steigt deutlich
Die Kreditrisiko-Indikatoren für Anleihen von Oracle haben ihren höchsten Stand seit der Finanzkrise erreicht – ein Signal, das Investoren zunehmend über eine mögliche KI-Blase verunsichert. Wie Bloomberg berichtet, zeigt sich der Markt nach einem massiven Zufluss neuer Bond-Emissionen großer Tech-Konzerne besorgt, dass sich in der künstlichen Intelligenz ein spekulativer Überschwang aufbaut.
Laut ICE Data Services kletterten die Kosten zur Absicherung von Oracle-Schuldtiteln gegen Zahlungsausfälle am Dienstag auf etwa 1,28 Prozentpunkte pro Jahr – der höchste Wert seit März 2009. Damit hat sich der Preis seit Juni fast vervierfacht, nachdem er damals noch bei lediglich 0,36 Prozentpunkten gelegen hatte. Allein im Vergleich zum Vortag stieg der Wert um weitere 0,03 Prozentpunkte.
Der Hintergrund: Oracle hat in den vergangenen Monaten faktisch Staatsobligationen-ähnliche Volumina platziert – direkt über eigene Anleihen und indirekt über Projekte, die das Unternehmen finanziert oder unterstützt. Diese aggressive Refinanzierung trifft auf ein Umfeld, in dem die Kreditratings von Oracle im Vergleich zu anderen Cloud-Schwergewichten schwächer sind. Dadurch avancieren die Credit Default Swaps (CDS) des Unternehmens zu einem bevorzugten Instrument, um sich gegen eine mögliche KI-Blase abzusichern.
KI-Blase: Angst vor Übertreibungen
Die steigenden Kosten für Ausfallversicherungen spiegeln eine tiefergehende Nervosität wider: Investoren fürchten eine wachsende Diskrepanz zwischen den gigantischen Summen, die in künstliche Intelligenz investiert werden, und den noch unklaren Zeitpunkten, zu denen daraus Produktivitätsgewinne und tatsächliche Unternehmensgewinne entstehen. Hans Mikkelsen von TD Securities warnt davor, dass der aktuelle KI-Boom Ähnlichkeiten mit historischen Marktmanien zeige, die in Übertreibungen und abrupten Korrekturen endeten.
„Wir haben diese Art von Zyklen schon erlebt“, sagt der Stratege. „Ich kann nicht beweisen, dass es dasselbe ist, aber es scheint dem zu ähneln, was wir zum Beispiel während der Dotcom-Blase gesehen haben.“
Bereits Ende November warnte Morgan Stanley, dass der anwachsende Schuldenberg von Oracle die CDS-Spreads weiter in Richtung der Marke von 2 Prozentpunkten treiben könnte – ein Niveau, das knapp über dem Rekordstand aus dem Jahr 2008 liegt. Der aktuelle Wert ist der höchste seit März 2009.

Massive Anleiheverkäufe entfachen Druck
Der in Austin ansässige Konzern gilt unter den führenden Hyperscalern als der am niedrigsten geratete. Im September platzierte Oracle rund 18 Milliarden US-Dollar an US-Investment-Grade-Anleihen. Zudem ist das Unternehmen eng mit einer der größten bisher strukturierten KI-Infrastruktur-Finanzierungen verbunden. Die KI-Ambitionen des Konzerns hängen erheblich mit OpenAI zusammen – und Oracle rechnet eigenen Angaben zufolge über die nächsten Jahre mit Einnahmen in Höhe von mehreren Hundert Milliarden US-Dollar aus dieser Partnerschaft.
Zum Ende des August belief sich der Schuldenstand von Oracle einschließlich Leasingverbindlichkeiten auf rund 105 Milliarden US-Dollar, wovon etwa 95 Milliarden Dollar als US-Bonds im Bloomberg US Corporate Index enthalten sind. Damit ist das Unternehmen der größte Emittent außerhalb des Bankensektors.
Investoren haben sich zuletzt verstärkt mit Absicherungen eingedeckt: Das Handelsvolumen von Oracle-CDS stieg laut Analyse von Barclays-Stratege Jigar Patel in den sieben Wochen bis zum 14. November auf etwa 5 Milliarden Dollar – ein massiver Sprung gegenüber rund 200 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum.
Anleiheflut und ihre Risiken
Parallel dazu wird erwartet, dass der enorme Investitionsdruck zum Aufbau von KI-Infrastruktur und Stromkapazitäten auch im kommenden Jahr anhält. Mikkelsen prognostiziert, dass die Emissionen des US-Investment-Grade-Marktes im Jahr 2026 ein Rekordniveau von 2,1 Billionen Dollar erreichen könnten. Schon 2024 liegt das Volumen bei mehr als 1,57 Billionen Dollar.
Ein weiteres Überangebot an Unternehmensanleihen könnte die Nachfrage überlasten. Unternehmen müssten in diesem Fall deutlich höhere Renditen bieten, um Investoren anzulocken. Mikkelsen rechnet damit, dass sich die Risikoaufschläge im kommenden Jahr auf eine „Basisbandbreite von 100 bis 110 Basispunkten“ ausweiten – nach 75 bis 85 Basispunkten im Jahr 2025.
Zwar gab es schon frühere Schuldenexzesse, die nicht in eine Krise mündeten. Citigroup-Strategen Daniel Sorid und Mathew Jacob verweisen etwa auf die Gesundheitsbranche der vergangenen Dekade, die trotz hoher Verschuldung enge Spreads gehalten habe. Doch im aktuellen KI-Kontext sehen sie strukturelle Risiken: Bondholder könnten an einem potenziellen KI-Upside kaum teilhaben, während gleichzeitig die Kreditqualität belastet würde.
„Investoren sind zunehmend besorgt darüber, wie viel mehr Angebot am Horizont auftauchen könnte“, schreiben die Citigroup-Analysten. „Die Auswirkungen dieser Zurückhaltung auf die Spreads im Sektor waren ziemlich bemerkenswert.“
FMW/Bloomberg
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Die meisten der Anleihen werden aber mit Renditen gehandelt ,die für Oracle noch beherrschbar sind…
Würde Panik ausbrechen… wie in Griechenland 2010 ….bei den Staatsanleihen…dann müssten wir jetzt ganz andere Renditen sehen…
In Griechenland waren damals mindestens 15 bis 25 Prozent fällig…weil die Staatsanleihen so schnell an Wert verloren…
PS: Als die 35 Prozent erreicht waren schritt die „Troika“ ein…