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Märkte

Doch kein weiter steigender Ölpreis nach dem US-Ausstieg aus dem Iran-Deal?

Redaktion

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Donald Trump hat Fakten geschaffen. Von so einem glasklaren Ausstieg aus dem Atomabkommen kann er schwerlich abrücken. Das bedeutet nach Ablauf einer Übergangsfrist von 180 Tagen, dass der Absatz iranischen Öls auf dem Weltmarkt zu großen oder sehr großen Teilen unterbunden wird. Man schätzt grob gesagt, dass bis zu 1 Million Barrels pro Tag an iranischen Öl fehlen könnten. Trumps Worte und auch die offiziellen Texte des US-Finanzministeriums machen deutlich, dass die USA auch knallhart hinterher sein wollen bei der Durchsetzung der Sanktionen.

Ölpreis kann weiter steigen

In den letzten Tagen hatten Terminmarkt-Händler schon auf dieses Szenario spekuliert, und eine bevorstehende Öl-Knappheit vorweg genommen. Dementsprechend stieg der Ölpreis (WTI) in den letzten vier Wochen von 67 auf jetzt 71 Dollar. Damit notiert er aktuell knapp über dem Stand, wo er vor der Verkündung von Donald Trump lag. Die Long-Spekulation kann also charttechnisch weitergehen, da nach oben auch charttechnisch richtig viel Platz ist.

Was dem entgegenwirken könnte

Aber warum explodiert der Ölpreis jetzt nicht weiter, wo doch so eine Angebotsknappheit ins Haus steht? Da wäre zum einen die 180 Tage-Übergangsfrist. Erst dann treten die Sanktionen nämlich wieder in Kraft. Zum Beispiel sagte der hoch angesehene Hedgefonds-Manager John Kilduff gestern Abend bei CNBC, dass Trump nun 180 Tage Zeit habe mit dem Iran eine „andere Art von Deal“ zu vereinbaren. Also doch kein richtiges neues Öl-Embargo? Irgendein Kompromiss, mit dem beide Seiten ihr Gesicht wahren können?

Und da wären noch die Saudis. Sie haben nach dem Ausstieg Trumps aus dem Atomabkommen verkündet, dass sie bereit stünden als Ersatzlieferant für den Iran einzusteigen, wenn dessen Verkaufsmenge sinke. Das heißt: Wenn dank US-Sanktionen der Iran weniger am Weltmarkt verkauft, wollen die Saudis ihre eigene Fördermenge stark anheben. So soll am Weltmarkt keine Angebotslücke entstehen. Das würde natürlich preisdämpfend wirken!

Kurzfristig könnte es in den nächsten 180 Tagen dazu noch dazu kommen, dass der Iran zügig seine Pumpen brutal hochfährt. So könnte man versuchen „noch schnell“ so viel Öl auf den Markt zu werfen wie irgend möglich. Das wäre eine Möglichkeit vor den neuen Sanktionen nochmal kräftig Kasse zu machen. Und da wäre noch die US-Innenpolitik. Trump kann im Sinne seiner Wählerschaft keine weiter steigenden Benzinpreise in den USA tolerieren.

Also könnte er mit noch stärker aufgeweichten Umweltgesetzen dafür sorgen, dass die heimischen Fracker ihre Fördermenge noch brutaler raufdrücken dürfen als ohnehin schon. Auch das könnte den Ölpreis in seinem Anstieg dämpfen. Und Abnehmer wie China könnten auf US-Sanktionen gegen Drittstaaten pfeifen, und dem Iran trotzdem das Öl abkaufen. Daran hat beim gerade beginnenden Handelskrieg USA vs China auch noch niemand gedacht!

Also, letztlich könnten die neuen Sanktionen der USA gegen den Iran doch nicht so bullisch für den Ölpreis sein. Kurzfristig könnte er weiter profitieren. Aber wenn sich die Anzeichen für die hier aufgführten Argumente mehren, könnte sich das Bild drehen. Heute um 16:30 Uhr kommen die wöchentliche US-Lagerbestände für Rohöl, die wohl nur kurzfristig einen Einfluss haben werden. Das beherrschende Thema der nächsten Wochen dürfte wohl sein, wie genau mit dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen in Sachen Iran-Öl umgegangen wird.

Ölpreis
Der Ölpreis (WTI) seit November 2017.

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Märkte

Ölpreis im Fokus – OPEC+ mit Entscheidung über Fördermenge

Claudio Kummerfeld

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Öl-Pumpe vor Sonnenuntergang

Diese ganze Woche war der Ölpreis besonders stark im Fokus der Börsianer. Am Montag sollte sich die OPEC (Kartell für Erdölproduktion) eigentlich schon auf ihre Meinung für eine neue Öl-Fördermenge ab Januar einigen. Dann sollte die sogenannte Gruppe OPEC+ (Mitglieder der OPEC und externe Länder wie Russland etc) am Dienstag eine Gesamtentscheidung treffen. Aber die OPEC kam am Montag zu keiner Entscheidung, und das große Meeting der OPEC+ wurde auf heute vertagt. Seitdem weiß der Ölpreis nicht so wirklich, ob er steigen oder fallen soll. Aber jetzt haben wir endlich eine Entscheidung.

OPEC+ entscheidet sich für mehr Fördermenge

Eigentlich hoffte der Markt, dass OPEC+ ab Januar die Fördermenge für Öl nicht ausweiten würde. Das hätte dem Ölpreis womöglich mehr geholfen. Aber man hat sich ganz aktuell auf einen Kompromiss zwischen zwei Lagern geeinigt. Ab Januar werden die bisherigen Mengenkürzungen von insgesamt 7,7 Millionen Barrels pro Tag um 500.000 Barrels pro Tag auf 7,2 Mio reduziert. Es fließen also ab Januar offiziell 500.000 Barrels pro Tag mehr auf den Weltmarkt – eigentlich ist das eine Belastung für den Ölpreis.

Ab Januar sollen von OPEC und OPEC+ monatliche Treffen abgehalten werden, um die aktuelle Marktlage und eventuell weitere Anpassungen der Fördermenge zu prüfen. Bei diesen Treffen können weitere Reduzierungen der Kürzungen (also Produktionsausweitungen) um jeweils bis zu 500.000 Barrels pro Tag je Monat vorgenommen werden. Also könnte man ab Januar bis April maximal 2 Millionen Barrels pro Tag mehr Öl fördern.

Auch hat man heute beschlossen, dass diejenigen Teilnehmer dieser Vereinbarung bis Ende März 2021 die Fördermengen zusätzlich zu kürzen haben, die bisher zu viel Öl produziert hatten. Frage: Ob das wirklich funktioniert? Bisher gelang das nie so richtig, und weiterer Ärger bei OPEC und OPEC+ ist vorprogrammiert. Ehrlich gesagt (kleines FMW-Fazit): Das wirkt wie ein fauler Kompromiss, bei den Saudis und VAE ihre Zähne mit Pattex zusammenbeißen mussten. Man darf vermuten, dass Länder wie der Irak und einige andere munter drauf los fördern, und dass die Produktionssteigerung im Januar höher als 500.000 Barrels pro Tag ausfällt.

Szenarien für den Ölpreis

Das Szenario des großen Crash im Ölpreis, welches ich gestern erläutert hatte (siehe hier), scheint erstmal abgewendet zu sein. Aber man sollte nie vergessen: Es bleibt eine Möglichkeit in den nächsten Monaten, dass die Saudis über die vermutliche Disziplinlosigkeit anderer Förderländer so sauer sind, dass man seinen letzten Joker zieht, den Markt brutal mit viel zusätzlicher Fördermenge flutet und damit den Ölpreis zum Kollabieren bringt, wie man es schon im März tat. Dann würden die anderen Förderländer an den Verhandlungstisch kommen und wohl wieder zugänglicher für echte verbindliche Mengenkürzungen sein?

Aktuell notiert der WTI-Ölpreis mit 45,76 Dollar gut 50 Cents höher als noch vor ein paar Stunden. Diese jetzige Einigung auf mehr Fördermenge bewirkt also erstaunlicherweise keinen Abrutsch im Ölpreis. Abwarten, wie der Markt die Lage morgen einschätzt. Im Chart sehen wir den Ölpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen.

Ölpreis im Verlauf der letzten 30 Tage

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Finanznews

Aktienmärkte: Wall Street mit Allzeithochs, Dax dümpelt – warum? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

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Die Aktienmärkte der Wall Street (S&P 500 und Nasdaq 100) erreichen heute neue Allzeithochs, aber der Dax dümpelt weiter vor sich hin mit heute leichten Verlusten. Warum? Ist es der starke Euro (bzw. der schwache Dollar)? Dabei sind heute die eher „Value“-lastigen US-Indizes Dow Jones und Russell 2000 stark, also jene Indizes, die wie der Dax sehr wenig Tech-lastig sind und viele einstige „Corona-Verlierer“ enthalten, die doch besonders von der Impfstoff-Hoffnung profitieren. Unterdessen überhitzen die Aktienmärkte in den USA ungebremst weiter, es werden historische Extreme überboten. Aber die Anleihemärkte senden eine andere Botschaft: die Renditen der US-Staatsanleihen fallen – ungewöhnlich, wenn wirklich die von den Aktienmärkten erhoffte riesengroße Erholung der Wirtschaft wirklich kommen sollte..

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Aktien

Aktienmärkte: „Die Coronakrise ist vorbei“ – wirklich?

Markus Fugmann

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„Die Coronakrise ist für die Aktienmärkte vorbei“, sagt der Mathematiker und Vermögensverwalter Andreas Beck. Diese Aussage überrascht, schließlich stecken wir mitten im zweiten, diesmal „differenzierten Lockdown“ (O-Ton Markus Söder) mit enormen wirtschaftlichen Folgeschäden. Andreas Beck rechnet aber dennoch mit einem guten Jahrzehnt für die Aktienmärkte – schon mangels Alternative angesichts der von den Notenbanken manipulierten Anleihemärkte. Die Nullzinsen, so Beck, hätten sich bereist bei Immobilien niedergeschlagen, es sei nur eine Frage der Zeit, bis das auch die Aktienmärkte vollständig einpreisen.

Aktienmärkte und Coronakrise: Das Jahrzehnt der Aktie?

Seit dem 09.November – der Meldung von BioNTech/Pfizer – haben die Aktienmärkte einen Paradigmenwechsel vollzogen: Man kauft die „Corona-Verlierer“. Für Andreas Beck bedeutet das: die Aktienmärkte blicken schon auf die Zeit nach der Coronakrise (auch die Rohstoff-Märkte, siehe etwa die Rally bei Kupfer, das für die Industrie sehr wichtig ist). Man preist also eine vollständige Erholung der Wirtschaft ein, eben weil die Coronakrise vorbei doch vorbei sei. Der Wirtschaft sei der zweite Lockdown faktisch „egal“ – sie habe sich an die neuen Umstände angepaßt.

Nun ist Andreas Beck Vermögensverwalter und Mathematiker, kein Epidemologe. Nun hat kürzlich der britische Epidemologe und Berater des britischen Premiers Boris Johnson, Jonathan Van-Tam, kürzlich davon gesprochen, dass die Coronakrise „niemals“ vorbei gehen werde (hier seine Aussage im Video). Ist es vielleicht doch so, dass Andreas Beck und mit ihm die Aktienmärkte die Coronakrise zu früh abhaken, also das Fell des Bären schon verteilen, bevor er erlegt ist?

Eines ist für Andreas Beck klar: die Schulden der Staaten werden niemals zurück gezahlt werden können – daher weredn sich die Staaten am Privatvermögen sener Bürger bedienen (müssen). Auch klar für Beck ist weiterhin: die demokratischen Länder werden sich die Dominanz der US-Tech-Unternehmen nicht mehr lange gefallen lassen. Er geht daher davon aus, dass in diesem Jahrzehnt daher dann „value“ besser laufen sollte als „growth“ und erklärt, wie er selbst investiert ist:

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Für die Aktienmärkte ist die Coronakrise vorbei, sagt Vermögensverwalter Andreas Beck

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