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Wie unterscheidet sich eigentlich der innere Wert von Bitcoins gegenüber Notenbank-Währungen? Kann man ruhigen Gewissens kaufen?

Was ist eigentlich der innere (tatsächliche) Wert einer Euro-Banknote, oder einer Dollar-Banknote? Eigentlich gibt es den gar nicht. Ein virtueller Wert entsteht nur, weil ein dahinter stehendes Gebilder wie die USA mit ihrer Notenbank oder die…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Was ist eigentlich der innere (tatsächliche) Wert einer Euro-Banknote, oder einer Dollar-Banknote? Eigentlich gibt es den gar nicht. Ein virtueller Wert entsteht nur, weil ein dahinter stehendes Gebilde wie die USA mit ihrer Notenbank oder die Eurozone mit ihrer Notenbank quasi als staatliche Institution verkünden, dass diese bedruckten Papierschnipsel einen ganz bestimmten Wert haben. In der Realität wird dieses Versprechen nur deswegen werthaltig, weil die Bürger daran glauben, dass diese staatliche Aussage zur Werthaltigkeit erst zu nehmen ist.

Es geht also um Glaubwürdigkeit. Und genau die scheint Kryptowährungen wie Bitcoins oder Ethereum zu fehlen. Irgendeine Person, dessen Existenz nicht mal bewiesen ist, hat einfach so eine Datenreihe geschaffen und eine Onlinewährung kreiert. Das wirkt für die breite Masse der Konsumenten sicher nicht vertrauenserweckend. Aber vom Ding her ist der virtuelle Bitcoin genau so wertlos oder werthaltig wie eine Dollar- oder Euro-Note. Es liegt im Auge des Betrachters, ob er/sie darin wirklich einen verlässlichen Wert sieht.

Anders ist es bei Gold, Silber, Öl, Reis, Getreide etc. Diese Güter sind zwar keine klassischen Zahlungsmittel, stellen aber einen handfesten Wert dar, der auch ganz real zu wichtigen Zwecken verwendet werden kann. Howards Marks, seines Zeichens Direktor des Hedgefonds Oaktree, sagte erst vor Kurzem Kryptowährungen wie Bictoins seien nicht real, und wohl eher Pyramidensysteme. Jetzt aktuell rudert er da etwas zurück. Nachdem er gesagt hatte, sie seien nicht real, weil der dahinterliegende Wert fehle, müsse er nun feststellen, dass dies ja genau so auf die ganzen FIAT-Währungen zutreffe.

Der Begriff kursiert in den letzten Monaten immer öfters als Abgrenzung von „normalen“ Notenbankwährungen gegenüber Kryptowährungen. Der Begriff FIAT kann aus dem Lateinischen so ins Deutsche Übersetzt werden: „Er, sie, es geschehe, entstehe, finde statt, werde bzw. ereigne sich“ oder auch “ Es werde Licht“. Man kann also sagen, dass FIAT-Währung bedeuten soll, dass die Notenbanker quasi gottgleich in der Lage sind Werte aus dem Nichts zu erschaffen, in dem sie einfach Geld drucken. Und die Notenbank wie auch der Staat versichern dem Bürger, dass dieses Geld wirklich einen Wert hat.

Wo ist da noch der große Unterschied zu Kryptowährungen? Sollte man deswegen nun genau so in Krypto´s herumzocken wie in Euro, Dollar und Co? Marks jedenfalls verweist darauf, dass zum Beispiel der Bitcoin-Preis in diesem Jahr schon 350% und in den letzten drei Jahren um 3900% gestiegen ist. Man müsse sich überlegen, ob eine „normale“ Währung das schaffen könne, oder ob spekulatives Kaufen den Bitcoin-Preis bestimme.

Und was ist das Fazit von Marks? Die Elemente, die in früheren wahnsinnigen Marktphasen vorhanden waren, gäbe es eben jetzt in den Kryptowährungen. Er werde seine Gelder dort nicht investieren, weil es sich um eine Blase handele. Was lernen wir daraus? Krypto´s müssen in der breiten Masse der Bevölkerung eine wirkliche Akzeptanz finden in Sachen Seriosität und Transparenz, was natürlich in gewisser Weise dem Wesen dieser „Währungen“ widerspricht. Und die Handelbarkeit muss breiter aufgestellt sein, technisch stabiler laufen – und Trader müssen die Möglichkeit zum Shorten haben, als Regulativ gegen Long-Blasen! Bei vielen Handelsplattformen ist das noch nicht gegeben.

Das komplette aktuelle Memo von Howards Marks finden Sie hier.


Ein Bitcoin-Geldautomat
Foto: Martin E. Walder – Own work, CC BY-SA 3.0,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35767746

12 Kommentare

12 Comments

  1. Avatar

    Marko

    8. September 2017 18:27 at 18:27

    „Man müsse sich überlegen, ob eine „normale“ Währung das schaffen könne, oder ob spekulatives Kaufen den Bitcoin-Preis bestimme.“

    „Krypto´s müssen in der breiten Masse der Bevölkerung eine wirkliche Akzeptanz finden in Sachen Seriosität und Transparenz“

    Ich kann also in „Kryptos“ beim Aldi und Co einkaufen, mit dieser „Kriminellenwährung“ ?
    Seriösität und Tranparenz ?!? Bei den Kryptos ? Guter Witz ! Das wird niemals passieren ! Bitcoins &Co sind das wie sind, eine virtuelle (!!!) Internetwährung… Mit anderen Worten : es steht nix dahinter.

    Beim EUR ist es die EZB, bei den Amis die FED usw, was ist mit den Internetwährungen ? Nix !

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      Emm wie Meikel

      8. September 2017 23:26 at 23:26

      Hinter Kryptowährungen steht die Lösung eines mathematischen Problem,s um seiner selbst Willen (weitergehende Teil-Lösungen werden immer rechenaufwendiger, was eine Beschränkung der Anzahl der Einheiten einer spezifischen Kryptowährung bewirkt).

      Hinter Fiatmoney steht eine Regierung, die für die eingegangenen Schulden haftet (ein Versprechen), oder genauer: ihre Steuersklaven dafür haften lässt (mit den Zentralbanken als mehr oder weniger verborgener Puppenspieler im Hintergrund, während im Vordergrund die Politiker tanzen, lachen und herumplärren).

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      marvin

      9. September 2017 02:03 at 02:03

      Es ist lange her das jemand die Worte kriminell und Währung in meiner Gegenwart in den Mund genommen hat und damit nicht Euro und Dollar gemeint hat. So unterscheiden sich die Perspektiven. EZB und FED stehen über dem Gesetz und über den Regierungen, was sie für mich zu potentiell kriminellen Vereinigungen macht.

      Anfang bis Mitte der 90er Jahre haben einige Leute behauptet das Internet wäre eine Vorübergehende Erscheinung. Ein Netz welches niemandem Gehört und welches niemand wirklich kontrollieren kann, dass wird sich nicht durchsetzen. Nun ist der Geist aus der Flasche und alle Versuche ihn wieder einzufangen gelingen niemanden. Man versucht es zwar, aber der Versuch wird scheitern.

      Ähnlich wird die Entwicklungen mit Krypto Währungen sein, eine Dezentrale Währung ohne Zentralbank, wie soll das funktionieren. Es funktioniert und wir sind gerade an einem sehr frühen Punkt wo es sich beginnt durchzusetzen. Es wird im Internet Anfangen und dort vor allem von Asien her über uns hinwegrollen.

      In etwa 10 bis 15 Jahren haben Aldi und Co keine Chance mehr es nicht zu akzeptieren. Das gleiche gilt für alle anderen Unternehmen. Wer überleben will, wird früher oder später auf diesen Zug aufspringen.

      Wir haben derzeit ein Problem und das besteht darin, dass es mittlerweile zu viele Krypto Währungen gibt, die sich gegenseitig das Leben schwer machen. Das wird noch mal eine richtige Krise in diesem Bereich auslösen. Aber die welche dies überleben, die werden dann auch bleiben und Bitcoin gehört aller Voraussicht nach dazu.

      Dollar und Euro sowie alle der anderen FIAT Geldsysteme überleben keine 10 Jahre mehr. Das zeigt die Geschichte das alles FIAT Geld eine eingebaute Selbstzerstörung besitzt und danach werden auch die Zentralbanken versuchen ihr eigenes Krypto Währungen unter die Leute zu bringen. Dann bitte lieber Bitcoin.

      So oder so, die Entwicklung lässt sich nicht aufhalten. Diejenigen die nicht daran glauben sich diejenigen die auch an das Internet nicht geglaubt haben oder diejenigen die geglaubt haben Suchmaschinen wären ein Brotloses Geschäft, damit könne man kein Geld verdienen und das gleiche gilt für Soziale Medien.

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        Gerd

        9. September 2017 13:43 at 13:43

        „In etwa 10 bis 15 Jahren haben Aldi und Co keine Chance mehr es nicht zu akzeptieren.“

        Und so richtig ins Rollen kommt der Rubel für die Bit-Coin-Jünger von dem Zeitpunkt an, wo Aldi und Co und CoCo und alle anderen Cos die Dinger nicht nur akzeptieren sondern a u s s c h l i e ß l i c h als Zahlungsmittel anerkennen.
        Oh, wie schön war Panama.

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        PK

        9. September 2017 18:59 at 18:59

        „So oder so, die Entwicklung lässt sich nicht aufhalten. “
        Natürlich läßt sich die aufhalten. Es genügen ein paar passende Gesetze und die Kryptos sind als Zahlungsmittel Geschichte.
        Es reicht die Forderung, daß Zahlungen fürs Finanzamt trackbar sein müssen. Es wird entsprechende Stories in den Medien geben wo diverse ekelhafte Geschäfte mit Bitcoin bezahlt wurden wie IS, Kinderporno, Darknet, Mafia und schon wird das ganze mit großer Zustimmung der restlichen Bevölkerung abgestellt.
        So wird es kommen, 100% sicher.
        Am naivsten finde ich die Einstellung, daß Bitcoins ja so toll für uns sind und daher würden sie sich durchsetzen. Es wird sich NIEMALS etwas durchsetzen, weil es gut für UNS ist, sondern nur, wenn es gut für die weitere staatliche Kontrolle ist.
        Fazit: Man braucht sich keine Gedanken machen, welche der aktuellen Kryptos letztendlich gewinnen wird, weil keine einzige davon in unseren Ländern als legitimes Zahlungsmittel in 10 Jahren noch erlaubt ist.

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          Wolfgang M.

          10. September 2017 08:00 at 08:00

          Vollkommen richtig PK. Neulich habe ich einen ARD-Report auf 3sat gesehen, in dem eine Reporterin recherchiert hat, wie das Darknet funktioniert. (Zugang über Browser TOR, Geschäfte, Adressaten u.s.w.). Natürlich auch im Zusammenhang mit dem Amoklauf in München, wo sich der Jugendliche Waffe und Munition über das Darknet gekauft hatte. Unglaubliche Geschäfte. Aber die Kernaussagen war: Es wird ausschließlich in Bitcoins bezahlt. Dann kann man
          den Kampf gegen Drogen- und Waffenhandel, Terrorismus u.s.w. gleich aufgeben.

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        Petkov

        10. September 2017 08:56 at 08:56

        Grundsätzlich interessante Sichtweisen, Marvin, allerdings möchte ich Sie auf einen großen Denkfehler hinweisen. Die EZB steht nicht über den Regierungen. Die EZB ist praktisch komplett politisch gesteuert. Natürlich auch von der deutschen Regierung. Wissen Sie, dass in einer der vielen, langen Griechenlandrettungs-Nachtsitzungen der Schäuble das Handtuch warf und das Land aus dem Euro entlassen wollte? Dann wurde er aber von der merkel zurückgepfiffen, weil sie wusste: mit ihrem Handlanger in der EZB schafft sie das. Zwar zerstört alles, was die merkel schafft, den Wohlstand und die Zukunft ihres Volkes, aber das ist ein anderes Thema…

    • Avatar

      Petkov

      10. September 2017 09:03 at 09:03

      Und was steht hinter den 60.000.000.000 €, die monatlich im Auftrag der EZB gedruckt werden? Denk mal drüber nach und dann weißt du, warum Bitcoin & Co. überhaupt entstanden sind.

      • Avatar

        Petkov

        10. September 2017 09:04 at 09:04

        War @Marko gemeint.

  2. Avatar

    rote_pille

    8. September 2017 21:06 at 21:06

    Hinter Fiatwährungen stehen Schulden und hinter Schulden sämtliche realen Assets, die als Sicherheit dienen. Ob jemand den Euro glaubwürdig findet, ist vollkommen wurscht, wenn er mit 100.000 in der Kreide steht. Entweder tauscht er seine Arbeit dagegen ein oder der Gerichtsvollzieher holt sich die realen Assets. Der Bitcoin hängt viel mehr von Erwartungen und den Umständen (jemand könnte ein besseres System entwickeln) ab.

  3. Avatar

    joah

    9. September 2017 00:35 at 00:35

    Dem Artikel stimme ich zu, ABER das kleine Latinum müssen wir noch besser üben:

    »[…] oder auch “Es werde Licht“«

    nein, das wäre „fiat lux“ gewesen

  4. Avatar

    Beobachter

    9. September 2017 18:45 at 18:45

    Wenn ein Grosshändler mit Tausenden von Leuten u.Filialen unter dem Strich einen Gewinn von 1-3% vom Umsatz macht kann er sich nicht mit einer Währung bezahlen lassen die in kurzer Zeit Schwankungen in 2- stelligem Bereich hat, sonst wird er nämlich zum Währunsspekulant, dann kann er nämlich alle Filialen schliessen u. als Devisentrader zuhause ohne Angestellte als Spekulant arbeiten.

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Hans-Werner Sinn bei Marc Friedrich – die große Krise

Claudio Kummerfeld

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Hans-Werner Sinn ist als ehemaliger Leiter des ifo-Instituts immer noch ein bundesweit hoch anerkannter und gern gesehener Gesprächspartner rund um ökonomische Themen. Seine Meinung hat Gewicht. Aktuell wurde er vom (durch große Medien als Crashprophet bezeichneten) Marc Friedrich interviewt zur aktuellen großen Krise.

Hans-Werner Sinn über zweite Corona-Welle und China

Laut Hans-Werner Sinn sei die zweite Corona-Welle längst da. Einen zweiten, echten und harten Lockdown könne Deutschland nicht verkraften – deswegen werde es ihn auch nicht geben. Man werde stattdessen versuchen Brandherde einzeln und lokal zu löschen. Besprochen werden von den beiden zahlreiche bestehende ökonomische Probleme, darunter die Südländer in Europa, für die der Euro nach wie vor zu teuer sei. Auch die Krise der Autohersteller wird angesprochen. Hier gehe es um Regulierungsprobleme.

Marc Friedrich spricht die starke Überschuldung in China an. Hans-Werner Sinn erwähnt hier aber die in wenigen Jahren stark gestiegene Bedeutung Chinas für Deutschland. Vor vier Jahren sei China noch das viert wichtigste Exportland für die deutsche Wirtschaft gewesen, heute sei es das wichtigste Land. Die dortige rasche konjunkturelle Erholung helfe derzeit auch sehr stark der deutschen Exportwirtschaft.

Schulden-Vergemeinschaftung

Auch besprechen Hans-Werner Sinn und Marc Friedrich ausführlich das Thema der neuen EU-Anleihen und der zunehmenden Staatsfinanzierung durch die EZB. Angesprochen werden auch die ursprünglichen Grundsätze zu Zeiten der Euro-Einführung, wonach die EZB die Staaten nicht direkt finanzieren dürfe. Aus der Formulierung hätte Juristen dann den Schluss gezogen, dass eine indirekte Finanzierung erlaubt sei, so wie sie jetzt laufe (Banken kaufen Staatsanleihen in der Erstauktion, verkaufen sie kurz danach an die EZB).

Auch werden von den beiden Themen angesprochen wie eine mögliche Hyperinflation, das massive Rentenproblem und die großen wirtschaftlichen Probleme, die in Deutschland schon in zehn Jahren sichtbar sein sollen. Hans-Werner Sinn formuliert es drastisch und klar. Europa gehe über in ein dauerhaftes Siechtum bestehend aus dauerhaften Transfers nach Südeuropa, und ohne ausreichende Produktivität.

Bankenkrise

Egal ob die Zinsen nun wieder steigen würden, oder ob man weiter auf der Null-Linie bleibe. Auf die Banken in Europa werden laut Hans-Werner Sinn immense Probleme zukommen, die nicht ewig mit Sondermaßnahmen (wie es derzeit passiert) kaschiert werden könnten. Ein sehenswertes Gespräch, es lohnt sich! Nehmen Sie sich die Zeit.

Finden Sie beim Klick an dieser Stelle die fünf Investment-Ideen von Marc Friedrich.

Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn. Foto: blu-news.org CC BY-SA 2.0

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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