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EZB in "prekärer Lage" „Wieviel ist das nach Inflation?“: Bert Flossbach über den „Krisen-Cocktail“

Wie ein Profi die aktuelle Lage sieht

Inflation Bert Flossbach

„Wieviel ist das nach Inflation“ – diese Frage bei der Beurteilung von Renditen habe man in den 1970er-Jahren immer gestellt, sagt der renommierte Vermögensverwalter Bert Flossbach. Das werde für die nächsten Jahre wohl auch gelten angesichts der hohen Inflation – daher haben wir einen „heimlichen Crash“ an den Anleihemärkten gesehen, denn die Märkte haben sich nun darauf eingestellt, dass die deflationären Zeiten vorerst vorbei sind.

Für Profi-Investoren ist das ein echtes Dilemma: die Aktienmärkte in einem Bärenmarkt – gleichzeitig der Crash am Bondmarkt: es gab im zweiten Quartal keine Fluchtmöglichkeit, weil die beiden wichtigsten Anlageklassen gleichzeitig gefallen sind. Sind Anleihen nun wieder interessant? Was machen die Aktienmärkte, wenn die Rezession kommt?

Bert Flossbach über den „Krisencocktail“: Inflation, Ukraine-Krieg, China, Zinssorgen

Bekommen wir eine Rezession? Vieles deutet darauf hin. Derzeit sehen wir eine deutliche Abschwächung der Weltkonjunktur, und das bei einer extrem hohen Inflation (in den USA aktuell 9,1%). Darauf reagiert vor allem die Fed, die als erste der großen Notenbanken erkannt hat, dass diese Inflation wohl doch nicht vorübergehend ist.

Die EZB aber wird, so Bert Flossbach, die Notenbank sein, die es nicht schaffen werde, die Zinsen so anzuheben, dass damit die Inflation eingedämmt werden könne. Madame Lagarde sei mit der EZB daher in einer „prekären Situation“. Dazu kommt in der Eurozone die Energie-Krise, auf die, so Bert Flossbach, die Politik nach wie vor ideologisch reagiere, statt die notwenigen Schritte pragmatisch einzuleiten.

Wie derartige „politische Verrücktheiten“ ausgehen, sagt Bert Flossbach, sehe man vor allem derzeit in der Türkei, wo Erdogan dafür sorgt, dass bei einer Inflation von 78% dennoch die Zinsen gesenkt werden.

Sehenswertes Interview – die folgende Timeline erleichtert die Orientierung beim Rundumschlag über die Lage an den Märkten von Bert Flossbach:

00:00 Begrüßung und Vorstellung
00:30 Crash am Bond-Markt
01:57 Sind Anleihen wieder interessant?
04:18 Krisen-Cocktail als Ursache
06:30 Bekommen wir eine Rezession?
07:56 Powell vs Volcker: Drohen Leitzinsen von 20 Prozent?
10:06 Welche Möglichkeiten hat Christine Lagarde?
12:10 Lassen sich ökonomische Rahmenbedingungen politisch übersteuern?
13:37 Inflationsraten in der Türkei
14:17 Enormer Innovationsschub nötig
16:44 Gewinnerwartungen US-Aktien zu optimistisch?
19:22 Wie steht es um die Preissetzungsmacht der Unternehmen?
21:18 Sind Aktien ein Inflationsschutz?
23:05 Goldpreis
24:14 Wie optimistisch ist der Blick in die Zukunft?
26:32 Gold als Zusatzversicherung
27:01 Langfristige Perspektive für den Aktien- und Anleihemarkt
29:51 Ausblick und Abschluss



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9 Kommentare

  1. Da haben sich wohl einige verzockt. Die Inflation war ja angeblich nur vorübergehend.

    Neben Frankreich und anderen Staaten wird die hohe Inflation auch für Deutschland eine Herausforderung im Haushalt werden. Wenn die Inflation in Europa weiter steigt, dann wird das nicht billig in einer Zeit, in der vom Staat eigentlich lieber Geldgeschenke in Form von unsinnigen Bahntickets oder vorübergehender Sprittpreissubventionen verteilt.

    https://www.focus.de/finanzen/boerse/inflation-macht-plan-zunichte-scholz-und-schaeuble-verzocken-sich-bei-staatsanleihen-fehler-kostet-milliarden_id_116492555.html

    1. In Italien gab/gibt es einige schlaue Anleger :-)

      https://www.faz.net/aktuell/finanzen/staatsanleihen-die-italiener-kaufen-die-schulden-ihres-staates-18117486.html#:~:text=Seit%202012%20hat%20Italien%20durch,Milliarden%20Euro%20in%20die%20Kasse.

      Aber des einen Freud ist des anderen Leid ;-)

      Für die EZB wird es so nicht leichter, einen gesunden Mittelweg zwischen Inflationsbekämpfung (die ja nicht stattfindet, auch nicht mit der 0,25 Prozent Anhebung, die wohl ehr ein Witz ist) und günstigen Finanzierungsbedingungen zu schaffen.

      Viel Glück EZB. Nur noch Glück kann denen (bzw. ungewollt uns) helfen ;-)

  2. Auf den einfachsten Nenner gebracht: Aktien und Gold.
    Und die Finanzpornographie ausblenden.

    1. Oder inflationsgeschützte italienische Anleihen ;-) (naja, zumindest wer das Ausfallrisiko verkraftet)

      https://www.finanzen100.de/finanznachrichten/boerse/italien-schenkt-anlegern-zinsen-deutsche-sparer-gucken-in-die-roehre_H1220986989_12057097/

      1. @Richie

        1,6%+Inflation klingt im ersten Moment gut. Man muß aber genau hinschauen, wie der Emittent die Inflation berechnet, ansonsten könnte es lange Gesichter geben.

        1. Aktuell sind das 1,4 % plus 7,3 Prozent Inflation (in Italien) laut Statista.

          https://de.statista.com/statistik/daten/studie/217052/umfrage/inflationsraten-in-den-laendern-der-eu-monatswerte/

          Als zeichnungsberechtigter Italiener kann man sich aktuell über einen Zins von 8,7 Prozent erfreuen!!!!

          Dem der Emittenten würde ich aber auch nicht zu 100 Prozent trauen;-)

          Weder bei der Inflationsbestimmung, noch bei der Bonität (wobei es ja solvente Deppen gibt, die dafür haften).

          1. @Richie

            Die Bonität des Emittenten ist kein Problem. Die EU haftet.
            (Ironie oder doch nicht…)

  3. https://www.inflation.eu/de/inflationsraten/italien/inflation-italien.aspx

    Zugegeben, ich weiß nicht ob HVPI (ca. 7,3 Prozent) oder VPI Italien (ca. 6,8 Prozent) als Zinsberechnungsgrundlage dient.

    Daten stammen aus Mai und sind nicht ganz aktuell.

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