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„Will that be a november to remember?“ Oder kriegen die Börsen vor dem Jahresende nochmals Beine?

Was für Schwankungen an den Aktienmärkten seit dem 3. Oktober!

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Eine Kolumne von Wolfgang Müller

Was für Schwankungen an den Aktienmärkten seit dem 3. Oktober! Weltweit tauchten viele Märkte in das Bärenmarkt-Territorium ein, initiiert, bzw. verstärkt durch die billionenschwere Korrektur der Hightech-Werte in West und Ost.

Dann kam der 28. November mit der Rede von Jerome Powell, die in wenigen Minuten Bullenherzen höher schlagen ließ. Ein kurzer Blick auf mein großes Bild.

 

Aktienmärkte

Seit Langem sinnieren viele Skeptiker. Befinden sich die US-Aktienmärkte in einer Bubble? Eigentlich nicht, wenn man sich die aktuellen Bewertungen ansieht. Der überverkaufte S&P 500 wies Ende November (vor dem fulminanten Return) gerade noch ein KGV von 16 für 2019 auf, der Dow Jones 14,5, auch die europäischen Märkte lagen und liegen in ihrer Bewertung unter ihrem 5-Jahresdurchschnitt

Damit wird auch deutlich, dass der allgemeine Vergleich zu der Internet-Blase im Jahr 2000 unsinnig ist. Damals lag das KGV des Nasdaq bei 80, gerade war es von 22 auf 18 gefallen.

Außerdem haben sich die Aussichten/Wirtschaftszahlen in den 8 Wochen nicht so stark verschlechtert, wie es manche Aktienkurse andeuteten. Die Frühindikatoren fallen zwar seit Monaten, befinden sich aber noch zum Teil deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

Ein Warnzeichen: Japan und Deutschland hatten in Q3 ein negatives Wachstum und China das schwächste Wachstum seit einer Dekade.

Aber: Das KGV beim Dax liegt mit unter 12 deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. In der letzten tiefen Rezession 2009 hatte es um die 8 betragen, deshalb dürften die Aktienmarktbewertungen aus meiner Sicht nicht Ursache für die kommende Marktbereinigung sein. Es geht eher um die Ursachen, die für den Anstieg der Märkte verantwortlich sind. Aktienrückkäufe zur Senkung des KGVs, Schuldenaufnahme auch für Übernahmen (Stichwort Goodwill) sind die großen Treiber. Dazu mehr im unteren Abschnitt.

Die charttechnische Verfassung der Märkte mit gebrochenen Aufwärtstrends,fallenden 200-Tagesdurchschnitten, abnehmenden Advance/Decline-Linien haben die Spezialisten in der FMW ausführlich beleuchtet.

 

Zinsen / Anleihemärkte

Is the Fed killing the rally? Diese Frage hat seit Mittwoch erstmal an Brisanz verloren. Auch wenn weiter gilt: Der große monetäre Faktor, die Versorgung mit billigem Geld, gerät mehr und mehr ins Stocken. Die QE-Programme der Notenbanken sind beendet, man versucht die NB-Bilanzen zu reduzieren und die wichtigste Notenbank der Welt, die Fed, steht vor ihrer 9. Zinsanhebung. Über die Belastung der Kreditmärkte (Unternehmen, US-Verbraucher, Emerging Markets, Dollaraufwertung u.v.m.) wurde hier schon ausführlich berichtet. Allein im kurzfristigen Bereich haben sich die Zinsen im Jahr 2018 fast verdoppelt.

Die große Angst der Kapitalanleger „war“ die zu rasche Zinsanhebung in den USA und hier liegt meines Erachtens auch ein Schlüssel für das Ende des Konjunkturzyklus. Am 28. November relativierte erwartungsgemäß, weil in der Vorwoche vorbereitet (Fed-Vize Clarida), die Fed die Zinserwartungen (just below neutral) mit der Ankündigung auf Basis der Daten reagieren zu wollen. Den Märkten wurde klar, dass die Fed die Wirtschaft unterstützen wird – der Fed-Put war wieder in Kraft. Viele hatten die Ansicht geäußert, dass der US-Notenbank die Aktienmärkte bis zum Dow-Stand von 18 000 egal wären, obwohl ich schon mehrfach den zweiten Auftrag der Fed erwähnt habe – die Stabilisierung der Wirtschaft – und nicht nur die Beachtung der Inflation.

Nach dem 3. Oktober waren die Märkte von vier Zinsanhebungen 2019 ausgegangen, ein (Mit)Grund warum die Börsen im Oktober so korrigierten. Jetzt spricht man von gerade noch zwei weiteren Anhebungen, ein ganz erheblicher Rückenwindfaktor für die Späthausse. Die Fed hat in ihrem Protokoll am Donnerstag noch einmal klar gemacht, dass es ab sofort keinen festen Plan für weitere Zinsanhebungen gibt. Zusätzlich ein Signal an die Märkte, dass man nicht Schuld am Ende des Bullenmarkts haben will – siehe „Ende des Goldilocks-Szenarios..“ vom Samstag.

Bemerkenswert: Die Fed hat in drei Jahren die Zinsen gerade mal um 200 Basispunkte angehoben, Alan Greenspan hatte in zwei Jahren 400 BP geschafft. Dies ist der langsamste Zinsanhebungszyklus seit Jahrzehnten und Donald Trump macht so einen Hype.

Etwas sehr Verblüffendes gab es dieser Tage zu lesen. Laut einer Studie der Deutschen Bank könnte das Jahr 2018 in seiner Breite als eines der schlechtesten seit 1901 in die Geschichte eingehen – in Dollar gerechnet lagen Ende November 90% aller Anlageklassen im Minus.

So weit so gut oder so schlecht – je nach Interesse des Anlegers. Es gibt aber noch eine Entwicklung, die das positive Zinsszenario rasch Makulatur werden lassen kann.

 

Das globale Wirtschaftswachstum

Über allen Krisenszenarien ragt eine große Sorge hervor – die mögliche Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China.

Derzeit sind weltweit die Frühindikatoren auf dem Rückmarsch. In Europa und Deutschland fällt der viel beachtete Ifo-Index, in China signalisierte der Einkaufsmanagerindex zuletzt an diesem Freitag mit 50 Punkten Wachstumsstillstand.

Selbst in den boomenden USA zeigen die Zölle von beiden Seiten erste Bremsspuren (siehe GM). Der „Baltic Dry Index“, das Maß für den Seehandel hat stark nachgegeben – ein Seismograf für den Zustand der Weltwirtschaft. Dazu der Dow Jones Transportindex und der US-Railroad-Index – alles deutet auf eine abflauende Konjunktur hin. Der fallende Ölpreis spricht Bände.

Es darf keine Verschärfung der Handelssituation geben, die Weltwirtschaft (und ganz besonders Deutschland) verkraftet aus meiner Sicht keine weiteren Störungen in den Handelsketten – kurz skizziert durch: Verteuerung der Produkte, Anstieg der Inflation, Kaufkraftverluste der Konsumenten und Verschlechterung der Marge von hochverschuldeten Unternehmen diesseits und jenseits der Seidenstraße.

Ein wesentlicher Beweis für diese Kausalkette ist die Reaktion der Börsen – weltweit -, wenn der US-Präsident eine Verschärfung der Zölle hinaustwittert. Jedes Mal fallen die Kurse in Erwartung der möglichen gerade genannten Auswirkungen.

 

Fazit:

Vor wenigen Wochen habe ich schon einmal versucht die Faktoren aufzulisten, die für eine Verlängerung des Börsenaufschwungs essentiell sein sollten. Einer davon war ein moderater Zinsausblick der Fed. Die Fed hat den Abwärtstrend mit ihren Zinsaussichten gewaltig gebremst – aus monetärer Sicht ist ein Einbruch nicht abzuleiten. Die „Great Rotation “, der Umstieg von Aktien in Anleihen ist bei einer 3%-Rate im 10-jährigen Bereich und einer 2% Inflation nicht überaus lukrativ. Außer es käme zu einem rezessiven Umfeld.

Der Schlüssel liegt damit in der konjunkturellen Entwicklung und damit – es fällt mir schwer diesen Umstand zu akzeptieren – im direkten Einflussbereich des US-Präsidenten. Deshalb komme ich zu folgendem Schluss:

Eine weitere Schwächung der Konjunktur hat das Potenzial die Schuldenorgie zum Platzen zu bringen, speziell im Unternehmensbereich. Bei den Staatsschulden bleibt immer (noch) die Gelddruckerei – Japan lässt grüßen.

Aber es gibt in den USA Unternehmensanleihen mit BBB-Rating in Billionenhöhe, die keine Konjunkturabschwächung und eine Abstufung überstehen. (Über Chinas 160% Unternehmensschulden zum BIP wurde schon oft geschrieben).

Ungefähr die Hälfte des Marktes für US-Firmenbonds mit Investmentgrade ist nur eine Stufe über Ramsch geratet. Im Ernstfall stufen die Agenturen diese Bonds auf Junk ab. Das würde den Junkbond-Markt in seinem Volumen auf einen Schlag verdoppeln. Investmentfonds, Versicherungen u.a. dürfen keine Junkbonds halten und müssten diese Papiere aus den Depots werfen – der perfekte Sturm. (Künftig das Thema: The 3-B-Risk!)

Kurzfristig, also bis zum Jahreswechsel, geht es in puncto „Santa Claus-Rally“ zuerst um die Zollfragen 10 oder 25% oder welche Kombination auch immer.

Oder noch banaler, in welcher Laune setzt sich der US-Präsident mit Präsident Xi Jiping zusammen?

 

Von Richard Huber – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5112824

 

3 Kommentare

3 Comments

  1. StefanK

    1. Dezember 2018 09:55 at 09:55

    Ich beobachte die Kommentare von Herrn Müller schon längere Zeit und bin fasziniert von seinen Schlussfolgerungen. Er recherchiert offenbar höchst akribisch und ist zahlreichen Finanz- und Wirtschaftskolumnen deutlich voraus. Ich kenne kein Forum mit solchen Analysen!. Aus der Rückschau hatte der Kommentator bisher immer recht, vor allem was die große Linie angeht. Das Tagesgeschäft wird davon nicht so sehr berührt, da bedarf es wohl anderer Instrumente. Bitte weiter so … ich freue mich jedes Mal, wenn ich einen neuen Beitrag sehe. Es bleibt in Summe unglaublich spannend.

  2. Marko

    2. Dezember 2018 15:36 at 15:36

    Mag ja sein, akzeptiert.

    Was für mich nicht logisch ist , der EUR/USD – Kurs.

    Wenn die FED „etwas zu sagen hätte“ , dürfte der EUR/USD mit Sicherheit (!!!) ca. 10 cent, oder noch mehr darunter handelbar sein ?
    D.h. beim EUR/USD wären 1,04 gerechtfertigt.
    Was macht der Markt ? Gar nix !

    Soviel zum Thema : „Marktanalyse“.

  3. Marko

    2. Dezember 2018 15:47 at 15:47

    Wie hoch liegt denn das KGV der supertollen Anleihemärkte, das hier, das KGV der Anleihemärkte, „lassen wir mal unter den Tisch fallen“ ? Der Bufu bei 160 ? Das KGV der Aktienmärkte, das ist relevant ?

    QE-Programme, Marktmanipulationen ? Das ist doch alles super, beim Anleihemarkt ? Euch muss doch klar sein, dass wir beim Anleihemarkt den „Endpunkt“ erreicht haben, durch „Lehman“ usw… ?

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