Allgemein

Wir müssen die geltende Theorie des Geldes auf den Kopf stellen

Von Michael Leist

Ich bin sehr gespannt auf das neue Buch von Thomas Mayer zur Neuordnung des Geldsystems (siehe das Interview auf www.finanzmarktwelt.de). In der Tat ist es ein Unding, dass wir Geld produzieren dem kein Einkommenszuwachs gegenübersteht. So verstehe ich jedenfalls den Begriff „Passivgeld“ – deren Entstehung sieht die Quantitätstheorie, also die Theorie wonach die Geldmenge(nentwicklung) und Preis(entwicklung) im Zusammenhang stehen, gar nicht vor. Sie kann aber mit der Portfoliotheorie erklärt werden. Wie man daraus aber auf kreditwürdige Schuldner bzw. auf die Kreditvergabemenge an sich schließen soll, hat mir zumindest noch keiner erklären können. Dies ist aber anscheinend gängige Praxis.

Generell lesen wir die Quantitätstheorie immer in der Form, dass eine Erhörung der Geldmenge (M) über den „liquiden Bedarf (L)“ hinaus, zu einer Steigerung der Preise(P) – also Inflation – führen sollte. Darüber hinaus wird vergessen, dass die Gleichung der Quantitätstheorie auch eine Funktion des Einkommens Y ist:
(1) M =kPY

Sollten wir also feststellen müssen, dass unser volkswirtschaftliches Gesamteinkommen schrumpft, so müssten wir eigentlich die Geldmenge absenken um die Preise stabil zu halten [kP(Y-y) < L => M – m]. Wir tun allerdings das Gegenteil und wundern uns, dass es kein Effekt auf die Preise hat, was wiederum damit erklärt werden kann, dass dieses zusätzliche Geld, eben als Passivgeld gelten muss, d.h. nicht an der Geldzirkulation im klassischen Sinne teilnimmt.

Wie könnte also eine bessere Geldsystem aussehen?

Die Geldmengenregelung sollte der Markt übernehmen – so wie er auch die Preise regelt. Im Grunde ist das auch einleuchtend, denn einen freien und vor allem fairen Markt, der in Abhängigkeit zur politisch geregelten Geldmenge steht, kann es nicht geben.
Ist der Markt allerdings auf Dauer unfair konzipiert, so wird er seine Teilnehmer verlieren! Zur Not durch Investitions- und/oder Konsumverzicht.

Wie soll der Markt aber die Geldmenge regeln?

Hierauf hat bisher keiner eine Antwort, allenfalls wird eine Rückkehr zum Vollgeld, also Geld als Anrechtsschein für einen Sachwert, z.B. Gold, angeführt. Dies hat aber den Nachteil, dass man nicht mehr Kredit aufnehmen kann als Goldgegenwert vorhanden ist. Ein Nachteil im Wettbewerb der Geldsysteme.

Geld muss also gleich dreierlei Bedingungen erfüllen:

1. Ich muss für bereits geleistete Arbeit damit etwas kaufen können.
(Kapitalanteil des Geldes)
2. Ich muss damit für noch nicht geleistete Arbeit etwas kaufen können.
(Kreditanteil des Geldes)
3. Ich muss mir sicher darüber sein, dass das Verhältnis von geleisteter und noch nicht geleisteter Arbeit konstant ist, damit sich der Wertmaßstab des Geldes nicht verschiebt. (Dieses bezeichnen wir im herkömmlichen Sinne als Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes).

Hier kommen die Erkenntnisse von Guido Lingnau ins Spiel (siehe Interview auf www.finanzmarktwelt.de): In seinem aktuellen Buch beschreibt er den Einfluss der Demografie auf die Finanzmärkte. Und unterstellt indirekt, dass eine steigende Anzahl junger (arbeitender) Menschen, mehr Nachfrage erzeugen würde, was wiederum zu fundamental begründeteren Haussen an der Börse führen soll. Man könnte daher schlussfolgern, dass hierdurch mehr Wohlstand bzw. eine Vergrößerung des Gesamteinkommens erzielt würde. Daher würden die Preise steigen! Wir wissen aber von der Quantitätstheorie, dass dafür die Geldmenge gleichbleiben müsste. Das ist wiederum die Krux bei dieser Herangehensweise.

Wenn wir aber einmal die Richtigkeit von Lingnaus Hypothese annehmen wollen, so wäre mein Lösungsansatz, dass wir die Geldmengenerzeugung an die Geburten koppeln sollten!
Und zwar in der Form, dass bei jeder Geburt ein relativ kleines aber definiertes Kapital-und Kreditvolumen dem bestehenden hinzugefügt würde. Bei jedem Versterben würde hingegen dasselbe Kredit- und Kapitalvolumen abgezogen. Geld würde damit ebenfalls ein Wert entgegenstehen wie dem des Vollgeldes: nämlich die Notwendigkeit des Menschen für seinen Unterhalt zu arbeiten und Dienstleistungen zu erbringen. Der Markt würde dann die Geldmenge in der Form regeln, dass wenn durch Güterknappheit die Preise steigen, die Geldmenge abnimmt. Die Quantitätstheorie müsste umgeschrieben und um einen Faktor D wie Demografie erweitert werden.
(2) M*kPY = D <=> M = D/kPY

Damit stellen wir die geltende Theorie sprichwörtlich auf den Kopf :-)



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