Hintergrund

„Wir sind viel mehr. Wir sind das Volk“

In diesem Kurzinterview mit den Bestseller-Autoren Marc Friedrich und Matthias Weik erklären die beiden, was angesichts der Zustände getan werden kann. Getan werden muss!

Raubzug geht weiter

finanzmarktwelt.de: Herr Friedrich, Herr Weik, in Deutschland hat die erste Bank Negativ-Zinsen auf Bankeinlagen (ab 500.000 Euro) erhoben. Kommt das, trotz zuletzt gegenteiliger Vericherungen aus der Bankbranche, früher oder später für alle Bankguthaben?

Friedrich/Weik: Ja, davon gehen wir aus. Wir alle werden zur Kasse gebeten über kurz oder lang. Wie immer wird so etwas mit der Salamitaktik angegangen. Erst wird ein Testballon gestartet um die Reaktionen abzuwarten.
Durch die Niedrigzinsphase und die Minuszinsen, die die Banken bei der EZB für ihre Einlagen zahlen müssen, haben die Banken keine andere Chance, als die Kosten an die Kunden weiterzugeben.
Das ist das Ziel der finanziellen Repression. Die Kosten der Krise an die Allgemeinheit abzuwälzen ohne all zu große Kollateralschäden für die Politik durch einen Aufschrei der Bürger.

finanzmarktwelt.de: Aber die Frage ist, welche Alternative gibt es? Versucht die EZB nicht eher, den Abstieg des überalterten und überschuldeten Europa durch ihre Geldpolitik hinauszuzögern? Und zwar indem sie den Finanzsektor rettet, der wiederum die günstige Finanzierung der überschuldeten Staaten ermöglicht?

Friedrich/Weik: Absolut. Das ist das Ziel. Es geht lediglich um einen teuer erkauften, aber im Endeffekt doch sinnlosen Zeitgewinn. Würde es eine wirkliche Alternative geben, hätte uns diese Herr Schäuble, Herr Flunker oder Frau Merkel schon längst werbewirksam präsentiert. Wie wir bei der Recherche für unser aktuelles Buch feststellen mußten, gibt es im bestehenden System keine Lösung. Das Problem ist unser falsch gestricktes Geldsystem. Rein mathematisch führt es immer wieder zu Blasen- und Krisenbildungen.

Zudem sind die Profiteure des jetzigen Systems neben der Politik und der Notenbanken die Finanzmärkte. Und die haben wahrlich kein Interesse, etwas am lukrativen Umverteilungssystem, das momentan besteht, zu ändern. Keiner will an dem Ast sägen, auf dem er sich ein gemütliches und sehr weiches Nest gebaut hat.
Die ungesunde Abhängigkeit zwischen der Politik/den Staaten und der Finanzindustrie ist der eigentliche Hauptgrund, warum sich nichts verändern wird. Warum? Ganz einfach!
Wie finanziert sich der Staat?
Über Steuereinnahmen auf der einen Seite und über Schulden (Staatsanleihenverkäufe) auf der anderen Seite. Wer kauft diese Schulden zu 99% auf? Banken und Versicherungen. Was denken Sie: wer bestimmt, wo es lang geht? Der Gläubiger oder der Schuldner? Natürlich der Gläubiger. Ganz nach Napoleon: Die Hand, die gibt, ist immer über der Hand, die nimmt. Aus diesem Grund hat sich seit 2008 nichts verändert, sind die Krisenverursacher die eigentlichen Krisengewinner und können sich aus noch jeder so kriminellen Machenschaft herauskaufen ohne wirkliche Konsequenzen befürchten zu müssen. Deshalb wird es von „oben“ keinerlei Veränderung oder wirklichen Wandel geben. Sie werden alles versuchen um weiterhin auf Zeit zu spielen, um den Status Quo aufrecht zu erhalten, mögen die Aktionen auch noch so irrsinnig und sinnlos sein. Die Kollateralschäden für uns alle werden mit jeder Zeitverzögerung exponentiell steigen. Der Wandel kann nur von uns allen kommen, von unten, von uns Bürgern. Ansonsten werden „die“ das System ausreizen bis zur Grenze und dann wird leider ein verheerender Crash die Lösung bringen. Das sollten wir verhindern und vorab aktiv werden.

finanzmarktwelt.de: Wie kann dieser „Wandel“ aussehen? Was können die Bürger wirklich tun? In Deutschland sitzt die Große Koalition fest im Sattel, den meisten Menschen in diesem Land geht es relativ gut – wie soll da ein organisierter Protest entstehen?

Friedrich/Weik: Ein jeder kann und muß aktiv werden. Wir alle sind Teil des Systems und damit Teil des Problems. Wir alle können aber auch Teil der Lösung sein, wenn wir denn nur wollen und endlich aufstehen!

Darum: Raus aus der Lethargie, Sportschau abschalten, Aldi, iPhone, Whatsapp ignorieren und der Konsum-Welt den Rücken zeigen und aktiv werden. Es wird sonst nicht besser. Wie erwähnt, dürfen wir von oben nichts erwarten. „Die“ haben keinerlei Interesse grundlegend etwas zu ändern. Der wahre Wandel kommt von unten. Leider zeigt die Erfahrung, daß erst eine gewisse Schmerzgrenze erreicht werden muß, damit die Menschen aktiv werden und etwas machen. Meistens benötigt es sogar erst ein katastrophales Ereignis. Doch ein jeder weiß: Vorsorge ist immer besser als Nachsorge. Wir alle haben einen sehr mächtigen Wahlschein: Unser Geld und unsere Zeit! Wir können darüber entscheiden, ob und bei welcher Bank wir unser Geld lassen, welche Unternehmen wir mit unseren Einkäufen unterstützen und welche nicht – und vielleicht sollten wir alle mal in einen Generalstreik treten und das Hamsterrad einen Tag lang nicht betreten und somit den Eliten aus Politik und Finanzwelt die Rote Karte zeigen. Wir sind viel mehr. Wir sind viel mächtiger und wir sind das Volk! Mehr denn je! Wir sind Systemrelevant!

Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben 2012 zusammen den Bestseller „Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden„. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2013. Seit April 2014 gibt es eine aktualisierte und überarbeitete Taschenbuchausgabe. Mit ihrem zweiten Buch, „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“ , haben sie es bis auf Rang 2 der 10 Spiegel Bestsellerliste geschafft sowie auf Rang 1 im Manager Magazin und Handelsblatt. In ihm haben sie u.a. die EZB Leitzinssenkung und Minuszinsen für die Banken, die Absenkung des Garantiezins bei den Lebensversicherungen sowie den Ausgang der EU-Wahl richtig prognostiziert. Auch einen heftigen Börsencrash haben sie darin in Aussicht gestellt. Am 14. November 2014 erscheint das Hörbuch zu „Der Crash ist die Lösung“.
www.friedrich-weik.de



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13 Kommentare

  1. Das ist gewaltig!!!
    Ein kräftiges und sehr deutliches Interview wie man es leider viel zu selten liest.
    Die beiden haben zu 100% recht.

    1000 Dank!

  2. Es ist so wie beschrieben, Banken und Politik sind das Problem und können keine Lösungen bringen. Die Diktatur des Geldes hat jedem im Griff, lasst uns was Neues machen 111

  3. Gut gebrüllt, Ihr Herren Löwen …

    Aber leider gibt es da ein gewaltiges Problem: Uns geht es noch viel zu gut – und bis der verschlafene deutsche Michel endlich aufwacht, das dauert eine Ewigkeit. Dafür müsste man nämlich endlich den Hintern heben und etwas tun. Doch in diesem unseren Lande hört man es täglich: „Als Einzelner kann man da eh nichts machen“ oder „Da kann man nichts machen, das war schon immer so“ …

    Man kann deshalb nichts machen und es war schon immer so, weil wir, das Volk, von dem alle Macht ausgeht, es so wollten. Wir wollten es so, egal, ob es sich um Aldi, die Deutsche Bank oder auch um den Euro handelt. Wir wollten es so – und das sollten wir uns einmal bewusst machen.

    Die beiden Autoren haben durchaus recht: Eine Veränderung geht immer nur von unten nach oben. das ist historisch durchaus belegt (ansonsten wäre die Französische Revolution für die Katz‘ gewesen …)

    Das Deutsche Volk ist in gewisser Weise ein Volk von Masochisten, will sagen: Es ist unheimlich leidensfähig. Auch das ist historisch sicher belegt.

    Solange das so ist, wird alles so bleiben, wie es ist …

  4. Mit der Aussage „der Konsum-Welt den Rücken zeigen“ geben die Jungs selbst das „beste“ Beispiel ab. Besonders mit der Vorliebe von Matthias Weik mit seinen kompletten Kollektionen an Pullovern und Hemden von Ralph Lauren…

  5. Ein erster Schritt zur Besserung: zu einer der „alternativen“ Banken wechseln, die nicht ganz so unappetitlich sind…
    http://martin-ebner.net/topics/money/alternative-banken/

  6. Dies ist ein wichtiges Interview! Chapeau an die beiden Vordenker!

  7. Ich versteh das nicht so recht, bei jedem FLASHMOP ist es problemlos möglich eine grössere Masse Menschen zu aktivieren und vollkommen verrückte Dinge zu machen. Aber eine Masse von Menschen mit einem sinnvollen Flashmop zu aktvieren soll nicht möglich sein? Ein paar konstatierte Aktionen an den richtigen stellen und dann würden sich schon Dinge bewegen.

  8. Ich sehe es wie G.: Es sollte doch möglich sein tausende oder sogar mehr Menschen dafür zu gewinnen. Aber wie es J. Sprenzinger auch schreibt, geht es uns noch zu gut.

    Für mich sind die beiden Ökonomen und Realisten Friedrich und Weik die wichtigsten Vordenker, Querdenker und menschlich, intellektuelle Spitze in diesem Land. Ihre Bücher sind wegweisend. Hinzu kommt, daß sie mit so vielem richtig lagen. Erschreckend!

  9. die einzige Lösung für wäre die direkt Demokratie!

  10. 80% der Wähler haben im September 2013 für die WEITERE Ausplünderung Deutschlands gestimmt. Wo ist also das Problem?
    Zum anderen sind wir immer noch ein besetztes Land, wo die Medien vom CIA zensiert werden. Der beste Beweis dafür, dass man durch immer wiederkehrende Suggestion ein ganzes Volk, zumindest 80%, einlullen kann. Seit 2008 ist unser Finanzbetrugssystem bereits ein halbes Dutzend mal mit immer neuen Billionen der Zentralbanken „gerettet“ worden.
    Ein Umwälzung und Neuordnung des Finanzbetrugssystems wird m.M. nach von den Bürgern in den USA ausgehen. Dort leben bereits 50 Mio. von der Suppenküche, viele andere benötigen einen Zweit- und Drittjob, um über die Runden zu kommen. Und das Wichtigste: Die Amis sind bewaffnet! Was lange gärt wird endlich Wut.
    Nicht umsonst wandern jedes Jahr über 200.000 Hochqualifizierte aus der BRD Finanzagentur GmbH aus. Nächstes Jahr bin ich auch dabei.

    1. In Amerika wird die Polizei inzwischen militärisch ausgerüstet.
      Die wissen genau was auf sie zukommt wenn es zu Aufständen oder einem Bürgerkrieg kommt.
      In Europa werden im übrigen auch Schutztruppen aufgebaut und Frau Merkel hat es durchgesetzt bei inneneren Unruhen die BW einsetzen zu dürfen.
      Da gab es kaum Widerstand der anderen Partein. Warum wohl? Weil die allesamt letztendlich an einem Band hängen und sich ihre Position im Lande sichern wollen

  11. Das sollten alle lesen!
    Bitte verbreiten! Genau das brauchen wir – einen Generalstreik!

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