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Wird der KI-Boom dramatisch unterschätzt?

Von 725 Milliarden in 2026 sollen KI-Investitionen in 2027 sogar auf 1,4 Billionen Dollar ansteigen. Wird der Boom noch völlig unterschätzt?

Gasturbinen von Siemens Energy. Foto: Marilen Martin/Bloomberg

Sind die Pessimisten (mal wieder?) viel zu negativ eingestellt für das derzeitige Hype-Thema KI? Auf den KI-Boom kann man auf zweierlei Arten schauen. Die eine Sichtweise wäre: Wir befinden uns gerade in einem großen Schub, wo die Hyperscaler wie Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft für hunderte Milliarden Dollar (725 allein in 2026) KI-Rechenzentren hochziehen. Wenn dieser große Aufbauschub vorbei ist, flacht die Euphorie ab, die Nachfrage nach mehr Energieversorgung, nach Beschleuniger-Chips und Speicherchips bricht ein, und viele gehypte Aktien erleben ein Ende der massiven Kursanstiege.


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KI-Wachstum: Auf die Nutzer kommt es an

Aber man kann dies auch anders sehen. Alles hängt natürlich an der Nachfrage der Konsumenten. Werden Unternehmen und Privatkunden ihre Nutzung von KI auf Jahre hinaus immer weiter steigern, werden auch die Kapazitäten auf Jahre hinaus immer weiter ausgebaut werden müssen. Wie stark das Nutzungsvolumen von KI in den nächsten Jahren zunehmen wird – das ist die große Unbekannte, die niemand vorhersehen kann.

SpaceX wird heute mit seinem Börsengang 75 Milliarden Dollar Eigenkapital aufnehmen. Alphabet hatte erst vor wenigen Tagen über 80 Milliarden Dollar aufgenommen. Anthropic und OpenAI werden im Laufe dieses Jahres auch an die Börse gehen, und damit zusammen weit mehr als 100 Milliarden Dollar Eigenkapital einwerben. Man darf davon ausgehen, dass diese Börsengänge reibungslos laufen werden, weil die Euphorie der Anleger so groß ist. An genug Kapital zur Expansion werden die KI-Giganten also nicht scheitern. Entscheidend ist, wie das Nutzerwachstum in den nächsten Jahren zulegen wird.

KI-Investitionen wachsen auf weit über 1 Billion Dollar in 2027?


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Wie gesagt: Nach vormals 650 Milliarden Dollar zum Jahresanfang hatten die vier Hyperscaler in der jüngsten Quartalssaison verkündet, dass man für 2026 nun mit insgesamt 725 Milliarden KI-Investitionsausgaben (Capex) plant. Aber jetzt gibt es Analystenstimmen, die für 2027 fast eine Verdoppelung dieser Summe erwarten. Weil man erwartet, dass das Nutzerwachstum derart massiv weiter ansteigt? Denn es muss ja stets genug Kapazität geben, damit jeder KI-Nutzer in Sekundenschnelle seine Antworten aus der KI ziehen kann! Laut Goldman Sachs sind Analysten in ihrem Ausblick für die Ausgaben für künstliche Intelligenz im kommenden Jahr viel zu konservativ.

Das Goldman-Team um Ryan Hammond erwartet laut Bloomberg News, dass die Ausgaben der Hyperscaler im nächsten Jahr auf bis zu 1,4 Billionen Dollar steigen. Gestützt werde dies durch starke Cashflows und zusätzliche Finanzierung über Investment-Grade-Anleihen. Dem stehen aktuelle Analystenschätzungen von rund 920 Milliarden Dollar gegenüber (auch das wäre ein satter Anstieg nach 725 Milliarden Dollar in diesem Jahr). Höhere Investitionen würden ein weiteres Gewinnwachstum bei Unternehmen der KI-Infrastruktur stützen, erklärten die Strategen. Zwar seien die Aktien des Sektors bereits deutlich gestiegen. Die Zuwächse seien jedoch durch verbesserte Gewinnerwartungen getrieben worden, argumentierte das Team.

Die Bewertungssorgen nehmen zu, stellte das Goldman-Team fest. Das mittlere Kurs-Gewinn-Verhältnis von KI-Infrastruktur-Unternehmen sei auf das 26-Fache gestiegen und liege damit so hoch wie seit dem Start von OpenAIs ChatGPT Ende 2022 nicht mehr. Die jüngste Neubewertung habe sich jedoch auf Halbleiter- und strombezogene Unternehmen außerhalb der Versorger konzentriert, nicht auf Hyperscaler oder Speicherhersteller, hieß es weiter.

Reservierungsgebühren für Gasturbinen

An anderer Stelle sieht man derzeit, wie gigantisch der Drang der Infrastruktur-Branche beim Ausbau von KI-Kapazitäten ist. Neben Beschleunigerchips und Speicherchips ist das wichtigste: Eine unabhängige und konstant laufende Energieversorgung der KI-Rechenzentren. Und nun hört man, dass Kunden bei Herstellern von Gasturbinen sogar bereit sind, Reservierungsgebühren zu bezahlen! Siemens Energy bestätigt dies inzwischen laut Bloomberg News. Man zahlt eine Extragebühr, um sich Produktionskapazitäten für Gasturbinen zu sichern.

Kunden, die sich Produktionsslots für etwa sechs Monate sichern wollen, zahlen laut Karim Amin, Leiter des Gasgeschäfts von Siemens Energy, in der Regel zwischen 10% und 15% des Kaufpreises einer Turbine. Die Fertigung kann mehrere Monate oder sogar Jahre dauern. Da die Auftragsbücher der Hersteller bis zum Ende des Jahrzehnts weitgehend gefüllt sind, dienen diese Zahlungen als Mittel, sich bei dringenden Projekten einen Platz in der Warteschlange zu sichern. Die Umwandlungsquote bei Siemens Energy liegt bei über 90%, die meisten Reservierungen werden also später zu festen Aufträgen.

Der Fertigungsengpass gewinnt vor allem für Länder an Bedeutung, die Gaskraftwerke als Absicherung für Stromnetze mit wachsendem Anteil erneuerbarer Energien benötigen. In Deutschland plant die Regierung, ab September lange verzögerte Ausschreibungen für den Bau von 9 Gigawatt neuer Gaskraftwerke zu starten. Ein Gesetzentwurf des Wirtschaftsministeriums dazu soll am Donnerstag im Parlament beraten werden.

Siemens Energy führt mit mehreren potenziellen Bietern dieser Ausschreibungen Gespräche, machte jedoch keine Angaben dazu, wie stark die Preise für mittelgroße und große Gasturbinen in den vergangenen Jahren gestiegen sind. Das Unternehmen hätte mehr Produktionskapazität an Rechenzentrumsbetreiber vergeben können, die für schnellere Lieferungen höhere Preise zahlen. Stattdessen hielt Siemens Energy bewusst Kapazitäten für Versorger und nationale Stromprogramme zurück, um nicht zu abhängig von einer einzelnen Nachfragequelle zu werden.

Derzeit entfallen etwa 25% der Turbinennachfrage von Siemens Energy auf Rechenzentren, rund 60% stammen aus klassischen Anwendungen wie Energieversorgern. Diese Balance will das Unternehmen beibehalten und sicherstellen, dass aktuelle Aufträge über Jahrzehnte hinweg Einnahmen generieren. Die jüngsten Bestellungen im Umfang von rund 87 Gigawatt sollen laut Amin über mehr als 20 Jahre hinweg etwa 35 Milliarden Euro an Serviceerlösen einbringen.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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4 Kommentare

  1. mit dem Produktionsort bringe eigentlich nur Sondermüll in Verbindung ….

    aber die die Turbinen haben bestimmt nen Notabschalter wenn sie russisches Gas detektieren …

  2. Si. Energy soll doch einfach die 25% für KI Anwender versteigern….die Rechenzentren, werden auch mal zurückgehen….wenn 1 geplantes Center mehr Strom verbraucht als New York, und das mal 120 geplant…
    da werden die Mega Caps die Sonne direkt anzapfen müssen…..Elölö fragen der macht das mit SpaceX

    1. @PeterX
      Soweit ich weiß, liegt die Leistungsaufnahme geplanter Rechenzentren auf unbestimmte Zeit bei Null – und Energieversorger kalkulieren aus nachvollziehbaren Gründen lieber auf Basis realer Gegebenheiten und plausibler Wahrscheinlichkeiten statt nach großmundigen PR-Ankündigungen 😘

      Der Strombedarf von New York City liegt im Durchschnitt bei etwa 5 bis 6 GW. Ein typisches, großes Rechenzentrum verbraucht aktuell meist zwischen 0,1 und 0,5 GW – die größten heutigen KI-Rechenzentren der sogenannten Hyperscaler kratzen gerade erst an der Marke von 1 GW.

      Auf seinen Reisen in unendliche Weiten wird der unendlich breite und spaciXe Elon 👽 sicher Spezies begegnen, die ihm den Heiligen Gral unendlicher Energiequellen eröffnen.

  3. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Am letzten Dienstag waren’s um die 76 000 Milliarden US Dollar in der Marktkapitalisierung in den USA…

    Ein Aufschlag von 500 Prozent im Vergleich zur Jahrtausendwende ( Dot Com Blase)…

    Natürlich ist es die Aufgabe der Bullen die Blase zu züchten….

    Sie sollten aber darauf nicht hereinfallen…

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