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Wird die anhaltende Maskenpflicht der große Konjunktur-Killer?

Claudio Kummerfeld

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Dank Maskenpflicht Umsatzeinbußen in der Gastronomie

Wir alle kennen die lästige Maskenpflicht beim Bäcker, im Supermarkt, in Bus und Bahn. Es ist lästig. Aber aus gesundheitlicher Sicht scheint es nun mal wichtig zu sein um Infektionsketten im Keim zu ersticken. Die gesundheitliche Komponente will ich hier mal außen vor lassen. Es geht mir hier und jetzt um ein kleines Gedankenspiel, ob denn wirklich von jetzt an die konjunkturelle Erholung einsetzt. Heute früh gab es von den staatlichen Statistikern die offiziellen Daten für die Industrieproduktion im April, die im Jahresvergleich um 25,3 Prozent eingebrochen ist. Bundeswirtschaftsminister Altmaier lässt nach Veröffentlichung dieser Daten heute verkünden, dass Zitat „der konjunkturelle Tiefpunkt damit erreicht ist. Mit der schrittweisen Lockerung der Schutzmaßnahmen und der Wiederaufnahme der Produktion in der Automobilindustrie setzt nun die wirtschaftliche Erholung ein“, so Altmaier.

Maskenpflicht killt die Konsumlaune

Tja, kommt es so? Addiert man Restaurants, Bars, Clubs, Reiseindustrie, Freizeitindustrie, Cafes uvm zusammen, kommt man auf einen verdammt großen Anteil an der Wirtschaftsleistung in Deutschland. Schaut man nur auf die Industrie, könnte man sagen: Ja, vielleicht erholt man sich jetzt vom Tief, und es geht wieder bergauf. Aber bei allen Segmenten der deutschen Volkswirtschaft, wo die Maskenpflicht herrscht, was ist damit? Wolfgang Müller hatte sich dazu letzte Woche schon Gedanken gemacht. Auch meine Gedanken, wenn ich über eine ernsthafte konjunkturelle Erholung nachdenke, kreisen um die Maskenpflicht. Einerseits kennt es jeder von uns aus dem Alltag. Es ist fast schon ein erstickendes, nerviges Gefühl. Man will den Supermarkt und den Bäcker so schnell wie möglich wieder verlassen, und die Maske abziehen. Es nervt einfach!

Da kommt kein Shopping-Spaß auf, erst recht nicht wenn man jetzt in wieder offene Bekleidungsgeschäfte in den Innenstädten geht. In Restaurants, wo man selbst keine Maske tragen muss, serviert der Kellner mit einer Haube aus Kunststoff vor seinem Gesicht die Getränke, und als Gast muss man seine persönlichen Daten in eine Liste eintragen. Und an vielen Orten bilden sich vor Geschäften Schlangen. Man liest es derzeit in vielen Beiträgen in sozialen Netzwerken. Die Menschen sind zunehmend genervt, dass sie selbst bei normalen Versuchen Klamotten zu kaufen, lange vor den Geschäften in der Schlange stehen müssen. Und drinnen herrscht Maskenpflicht. Da hat wirklich niemand Lust zu konsumieren!

Probleme werden immer größer

Und man kennt ja die deutsche Mentalität im Verwaltungsapparat. Lieber zu vorsichtig, und bloß kein Risiko. Man darf also annehmen, dass die Maskenpflicht in Deutschland wohl noch einige Zeit anhalten wird? Das, genau das kann meiner Meinung nach ein ernsthaftes Problem werden. Der Lust am Konsumieren (egal ob Restaurant, Cafe oder Klamottengeschäft) geht verloren, man ist nur noch genervt, auch von den Schlagen vor den Läden. Da verzichtet man lieber auf Konsum, und kauft nur noch das Nötigste. So kann nun zum Beispiel für Bekleidungsgeschäfte ein guter Teil der Umsätze des Sommergeschäfts verloren gehen!

Profitieren tut der Pizza Service und die Onlinehändler wie Amazon, Zalando und Co. Aber die große Masse der stationären Läden und Gastronomiebetriebe, wo Millionen von Menschen beschäftigt sind, die verlieren. Je länger die Maskenpflicht die Konsumlaune regelrecht abtötet, desto schlimmer wird die Lage, so meine These! Sehr viele Betriebe haben sich natürlich versorgt mit Staatskrediten bei der KfW, mit Kurzarbeitergeld etc. Aber das waren nur Maßnahmen um den Schmerz kurzfristig zu lindern. Wenn jetzt Tag für Tag, Woche für Woche gute Teile der Umsätze fehlen, potenzieren sich die Insolvenzen im Einzelhandel und der Gastronomie später um so mehr. Wir berichteten schon darüber.

Erst einmal ist die Pflicht Insolvenz anmelden zu müssen ausgesetzt. Aber die Überschuldung der Unternehmen und ihre wirtschaftliche Schieflage, die verschwinden ja nicht. Es ist nur eine optische Verschiebung der katastrophalen Lage um mehrere Monate in die Zukunft. Ab Oktober könnte es so richtig zur Sache gehen. Auch wenn es weitere optische Maßnahmen der Regierung geben sollte, oder weitere Hilfspakete für Gastronomie und Hotels. Das Grundproblem ändert sich dadurch nicht. Auch wenn zahlreiche Betriebe bis Jahresende vielleicht noch nicht vor der Insolvenz stehen. Die Maskenpflicht entzieht Ihnen (so meine Meinung) derzeit einen guten Teil der Umsätze. Welche Mitarbeiter/innen eines Restaurants, die diese Misere tagtäglich beobachten, werden Lust verspüren jetzt vielleicht zu Ramschpreisen bei VW ein Auto kaufen zu wollen? Egal wie günstig, man hat Angst um seine Job, und kauft erstmal gar nichts. Das ist nur menschlich.

Wer sieht, wie schlecht es seinem Arbeitgeber geht, denkt ständig an den möglichen eigenen Jobverlust, und wird selbst auch nicht mehr konsumieren. Nach meiner Meinung beginnt derzeit das Problem dieser Ereigniskette (zumindest bei Restaurants, Bars, Cafes, Klamottengeschäften etc) bei der Maskenpflicht. Sie hält viele, sehr viele Menschen davon ab, wie vor der Krise „normal“ zu konsumieren, weil es einfach nervtötend ist und keinen Spaß macht 30 Minuten lang vor einem Geschäft zu warten, und drinnen dann mit Maske rumzulaufen. Natürlich muss die Regierung den Gesundheitsschutz über alles andere stellen, das kann man verstehen. Aber Österreich beispielsweise wird schon Mitte Juni die Maskenpflicht beenden. Wird Mutti übervorsichtig sein, und die Länderchefs dazu drängen doch bitte, bitte, bitte noch ein paar Monate die Maskenpflicht aufrecht zu erhalten? Das wäre konjunkturell für Einzelhandel und Gastronomie (so meine Meinung) eine schleichende Katastrophe!

18 Kommentare

18 Comments

  1. Avatar

    Marcus

    8. Juni 2020 14:00 at 14:00

    Da sprechen Sie einen sehr wichtigen Punkt an Herr Kummerfeld! Ich habe ähnliches auch schon gehört, und kann das bestätigen das man da eigentlich keine Lust auf einkaufen hat, sondern nur schnellstmöglich wieder raus will. Zudem soll man vor Geschäften wie bei einer billigen Disco anstehen und hoffen dass einem Einlass gewährt wird. Wer hat da Lust auf Shopping oder auf anprobieren wenn man draußen schon 10 Leute sieht die darauf warten hereingelassen zu werden?

    Ich gebe das ganz offen zu ich bestelle mir Sachen wo immer es geht im Internet, weil ich keine Lust auf dieses „Einkaufen mit Masken“ habe und auch nicht anstehen will, und dann wenn die Zeit abgelaufen ist faktisch rausgeworfen werde. Ich war seit Wiedereröffnung weder in einem Restaurant noch in einem stationären Geschäft (Lebensmittel mal ausgenommen).

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      berti001

      8. Juni 2020 14:35 at 14:35

      ich genau jeweils 1x mit dem Fazit: So nicht mehr! Dann lass ich es lieber!

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    Hesterbär

    8. Juni 2020 14:32 at 14:32

    Ja, eine schleichende Katastrophe! Politik, Staatsmedien und Wirtschaftsinstitute lügen uns an oder erzählen uns Märchen, an die der eine oder andere Märchenerzähler sicher auch selbst glaubt oder zumindest glauben will.

    Wir waren mit Freunden am Samstag in einer unserer Lieblingsgastronomien, einem beliebten Ausflugsziel, zum Mittagessen. Es war erschreckend. Wir waren die einzigen Gäste. In Vor-Corona-Zeiten waren zur Mittagszeit immer alle Tische besetzt. Eigentlich hatte ich selbst geglaubt, nach dem Ende des Lockdowns strömen alle in ihre Lieblingslokale und genießen die neue Freiheit. Nein, sie tun es nicht. Das wird böse enden.

    Die Katastrophe, die auf uns zurollt, ist noch weitgehend unsichtbar, was sie umso gefährlicher macht. Insbesondere, weil viele die Wellen von Kettenreaktionen nicht erkennen können.

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      Columbo

      8. Juni 2020 17:22 at 17:22

      @Hesterbär

      „…Die Katastrophe, die auf uns zurollt, ist noch weitgehend unsichtbar…viele die Wellen…nicht erkennen konnen…

      Sie malen immer so schöne, etwas zum Kitsch neigende „Indipendence Day“ oder „Jurassic Park“ Stimmungen. Meisterhaft.

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    Robert Schröder

    8. Juni 2020 14:58 at 14:58

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    Robert Schröder

    8. Juni 2020 15:02 at 15:02

    Maskenpflicht in Deutschland: Der große Verlierer steht jetzt schon fest (26.04.2020)

    https://www.nachrichten-fabrik.de/news/maskenpflicht-in-deutschland-der-grosse-verlierer-steht-jetzt-schon-fest-156314

    Verlierer Einzelhandel: Viele Regeln, kein Einkaufserlebnis

    Man muss kein Konsumpsychologe sein, um zu erahnen, dass die ganzen Maßnahmen dem Konsumerlebnis erheblich im Wege stehen werden. Über Jahre und Jahrzehnte hinweg wurde das Verkaufserlebnis optimiert, kontinuierlich verbessert und auf Umsatz getrimmt. Das alles hat jetzt so gut wie keinen Wert mehr. Die Folgen sind absehbar. Der Umsatz im stationären Einzelhandel wird trotz Öffnung aber eben wegen der vielen Maßregelungen deutlich einbrechen.

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      Lausi

      8. Juni 2020 20:29 at 20:29

      Schön, dass der Konsumwahn etwas eingeschränkt wird!

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    Tino Gruchmann

    8. Juni 2020 15:21 at 15:21

    Laut Merkel gibt es die Maskenpflicht bis es einen Impfstoff gibt und ein Medikament. Hat sie letzte Woche gesagt.

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    Robert Schröder

    8. Juni 2020 15:24 at 15:24

    Das Schlimmste finde ich das Warten bis man überhaupt einen Laden betreten und konsumieren DARF. Man steht da und wartet wie ein Depp.

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    Pessi-Mist

    8. Juni 2020 16:23 at 16:23

    Die Euphoristen ,die die Lockerung an der Börse schon gefeiert haben , sind Träumer. Ein Gastwirt in der Schweiz hat wieder geschlossen u.sagte.: Bei geschlossenem Restaurant verliere er 100.- Fr pro Tag, bei offenem Betrieb seien es 500.-
    Die Jammeri die jahrelang den Fachkräftemangel ausriefen werden noch ein neues Phänomen kennenlernen. Soeben gehört viele Piloten die die Stelle verlieren. Auch sonst werden viele qualifizierte Leute stellenlos werden ,was teuer wird. Und zudem Corona ist noch nicht vorbei.Es gibt Länder mit steigenden Fallzahlen ,die auch bei uns wieder wirken könnten.

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    Übelkeit

    8. Juni 2020 16:36 at 16:36

    Man sägt den Ast ab auf dem man sitzt. Das System ist kaputt, ein Neustart unausweichlich und der Schuldige steht bereits fest.

    Zombieunternehmen, ein bischen Pausemodus (alle bleiben zu Hause), eine Prise Angst (Maskenpflicht) und fertig ist die Depression.

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    Tom

    8. Juni 2020 16:40 at 16:40

    Thüringen schafft nächste Woche alle starren Pflichten ab.
    Ich sehe das durchaus als Großversuch für ganz Deutschland. Denn klar ist: wenn die dunklen Vorahnungen der Panikmacher sich dann eben nicht befürworten, dann dauert es 2-3 Wochen und die Masken fallen wie Dominosteine im ganzen Bundesgebiet.

    Forscher sind sich zunehmend sicher, dass es maßgeblich auf Großveranstaltungen ankommt und mit dem Restrisiko muss man dann halt leben, wie schon bisher auch. Die meisten Leute sind dazu auch bereits und wollen nicht auf Schritt und Tritt an Corona erinnert werden.

    In der Schweiz sind die Masken übrigens schon gefallen, ohne die böse zweite Welle auszulösen, der Konsum hat inzwischen wieder das Niveau von vor der Krise erreicht. Die Menschen meiden Handel und Gastro nicht aus Angst, sondern weil es so keinen Spaß macht. Dann besorgt man lieber nur das Nötigste und bestellt den Rest online.

    • Avatar

      Huckleberry

      8. Juni 2020 20:24 at 20:24

      @Tom, hoffentlich wird Thüringen kein Großversuch für Deutschland. Das ging rückblickend schon mehrfach in die Hose, kurz-, mittel- und langfristig betrachtet. Wer nicht auf Schritt und Tritt der Wirklichkeit ins Auge sehen will, kann die Wissenschaft verdrängen, Dummmacher-Drogen nehmen, Saufen oder Höcke hören.

      Einen Freifahrtschein für verrückte und verantwortungslose High-Lives und oberflächliche Feier-Clowns sollte man allerdings auch nicht ohne fundierte Grundlagen einführen.

  10. Avatar

    thinkSelf

    8. Juni 2020 16:52 at 16:52

    Ich habe seit drei Monaten z.B. keinen Bäcker mehr betreten und werde das bis zur vollständigen Aufhebung dieses Unsinns auch nicht tun.
    Bin inzwischen auf reine Discounter Versorgung plus einen großen Laden mit möglichst großem Angebot bei höherwertigen Produkten umgestiegen. Da sich selbst Frischware bei vernünftiger Lagerung locker zwei Wochen hält kann man mit vorheriger Einkaufsplanung den Aufenthalt im Laden schon sehr starkt minimieren. Wobei ich nur ncoh Zeiten ohne Warteschlange und Kassengedränge nutze.

    Alles andere habe ich vollständig auf Versandhandel umgestellt. Für die Tanke reicht der Nachtschalter. Urlaub nur noch in Nichtspinner Ländern mit dem eigenen PKW.

    Biergarten machen wir inzwischen zu Hause mit unseren Freunden. Wobei wir das Glück haben das wir und auch fast alle Freunde über einen großen Garten verfügen (worüber wir auch die Freunde in den Arbeiterschließfächern mitversorgen können). Und gegenüber den Kochkünsten meiner Frau ist die Masse der deutschen Gastronomie ohnehin Körperverletzung.

    Firmenseitig haben wir alle Veranstaltungen, Firmenbesuche etc. bis Jahresende gestrichen und soweit möglich auf Video umgestellt.
    Womit weitere erhebliche Mittel für die Dienstleister weg fallen. Wer nicht reist, benötigt auch keine Reisedienstleistungen (vom Hotel bis zum belegten Brötchen).

    • Avatar

      johansson

      13. Juni 2020 16:45 at 16:45

      @Thinkself: Sehr gute Einstellung und Reaktion. Ich halte es von Anfang an ganz ähnlich – und irritiere nebenbei bemerkt mit meinem abenteuerlichen Piratenschal sogar viele Zeitgenossen. Solange in Bahn, Flughäfen und Fliegern die Maskenpflicht gilt, reise ich ausschließlich mit den PKW, was ich mit Rücksicht auf Umweltbelange ungern mache.
      Biergärten und Außenbereiche von Restaurants betreten meine Freunde und ich schon (wieder), allerdings nur die, wo man den Tisch ohne die nicht in die mitteleuropäische Kultur passende Maske aufsuchen kann. Einerseits tun mir die Gastronomiebranche und der Handel leid, andererseits machen ihre Repräsentanten Richtung der Politik im Hinblick auf die Einschränkungen auch zu wenig Rabatz.
      Was mich speziell ärgert: 1. Beim Bund-Ländertreffen seinerzeit in Berlin hatten sich alle Ländervertreter darauf geeinigt, dass Maskentragen in Geschäften freiwillig bleiben sollte. Bereits einen Tag später führten in Bayern besonders ehrgeizige Politiker die Maske verpflichtend ein und… sämtliche Bundesländer folgten. Einfach unglaublich diese feige Haltung. 2. Die Bürger akzeptieren diese schäbigen Masken mehrheitlich. Noch! Wie obrigkeitsdevot! Nicht wenige finden sie sogar gut, obwohl sie selbst unter Medizinern umstritten sind. Sollen diese Zeitgenossen die Dinger doch bis ins Grab tragen, aber die Übrigen damit nicht länger belästigen. Wie formulieren es viele Freunde so viel versprechend: wir wissen, welche Parteien bei den Wahlen 2021 unsere Stimme gewiss nicht erhalten

  11. Avatar

    Columbo

    8. Juni 2020 17:12 at 17:12

    @Ohje
    Mutatiert hat bis jetzt noch kein Virus🤣.

    • Avatar

      leftutti

      8. Juni 2020 22:57 at 22:57

      @Columbo, du mis-vir-stehst:
      Das Virenweibchen virakuliert, während das Virenmännchen Viren ins Nest legt. Der virre Virt irrt völlig virr durch virtuelle Viralitäten, vihrend er nach Freivirr und Virenfreiheit mutatiert.

    • Avatar

      Kurti

      14. Juni 2020 14:08 at 14:08

      @Columbo, auch nicht am „Indipendence Day“??🤣🤣🤦‍♂️

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Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

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am

„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

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Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

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