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Wird Wells Fargo zum VW der Finanzbranche?

Anfangs nur eine kleine harmlose Meldung. 185 Millionen Dollar Strafzahlung an den US-Verbraucherschutz, weil ein paar Konten (2 Millionen) ohne Genehmigung von Kunden eröffnet wurden…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Anfangs nur eine kleine harmlose Meldung. 185 Millionen Dollar Strafzahlung an den US-Verbraucherschutz, weil ein paar Konten (2 Millionen) ohne Genehmigung von Kunden eröffnet wurden um Vertriebsziele erreichen zu können. Nach und nach wurde daraus immer mehr. Boni ehemaliger Vorstände wurden eingefroren, der Chef selbst trat vor Kurzem zurück. Nach zwei großen Kongressanhörungen geht man jetzt langsam zum Strafrecht über, und auch die Börsenaufsicht SEC ermittelt. Und nun kommt auch ans Licht, dass neben den normalen Geschäft mit Konten und Kreditkarten auch das Brokerage-Geschäft von Wells Fargo vom Skandal betroffen sein soll.

Die hochengagierte Senatorin Elizabeth Warren prangert aktuell an, dass Wells Fargo offensichtlich Mitarbeiter bedrohte und entließ, die sich vor Bekanntwerden des Skandals über die Praktiken der Bank beschwerten. Wobei all die Praktiken natürlich offiziell nie von oben ausgingen, sondern nur das kriminelle Werk einiger Weniger Mitarbeiter an der Basis waren (5.000 Mitarbeiter wurden entlassen). Auch wurde nun bekannt, dass die Bank mehrere hundert Mitarbeiter im Brokerage-Geschäft entlassen hat aufgrund unangemessener Verkaufspraktiken.

Die US-Aufsichtsbehörde FINRA hat dem US-Kongress über 600 Entlassen aus dem Bereich „Wells Fargo Advisers“ berichtet, wobei es bei 207 Entlassungen um Vorgänge bezüglich gefälschter Konten gehen soll. Auch gab es in den letzten Tagen öfters Gerüchte, dass in der normalen Banksparte neben Privatkunden auch kleine und mittelgroße Firmenkunden betroffen sein sollen. Aber vor allem das Brokerage-Geschäft könnte sehr interessant werden, denn dort noch viel mehr als im normalen Filialgeschäft geht es darum Produkte zu verkaufen und hohe Vertriebsziele zu erfüllen.

Eigentlich weiß das jeder, und auch ist eigentlich jedem klar, dass es hier eine gigantische Grauzone gibt. Wie die Mitarbeiter (bei allen Banken) extrem hohe Vertriebsziele erreichen sollen, die auch noch jedes Jahr erhöht werden um die Eigentümer glücklich zu machen – das dürfte ganz oben relativ egal sein. Hauptsache die Ziele werden erreicht. Das Resultat sieht man ja jetzt bei Wells Fargo. Der Vorstand wusste von Nichts. Man habe zwar Ziele für die Mitarbeiter ausgegeben. Aber das „einige“ dann so was Schlimmes machen, das sei kriminelles Handeln, damit habe man im Vorstand nichts zu tun, so sagte es immer wieder der zurückgetretene Bankchef John Stumpf.

Wells Fargo ist anscheinend schon dabei nach und nach immer mehr zum VW der Finanzbranche zu werden, so hat es zumindest den Eindruck. Anfangs nur eine winzige halbwegs kleine Meldung, die immer mehr zum großen allumfassenden Skandal wird. Noch ist die Bank in keinster Weise in ihrer Substanz bedroht. Aber was, wenn der Kurs abrutscht, und die ersten Aktionäre klagen mit der Begründung die Bank hätte zum Beispiel die Aktionäre nicht rechtzeitig über diese Machenschaften informiert? (Nur so eine Frage) Und noch viel interessanter ist die Frage: Wie erreichen denn all die anderen Banken ihre Jahr für Jahr anwachsenden Zahlen? Und wir meinen das nicht nur auf die USA bezogen, sondern genau so für Europa, und vor allem für Deutschland. Hat sich jemals schon ein Staatsanwalt oder eine Kripo für dieses Thema interessiert?

Wir alle kennen die Antwort. Gerade in Deutschland tut der Staat (in Person Wolfgang Schäuble als oberster Bankenaufseher) alles dafür die finanzielle „Staatsraison“ aufrecht zu erhalten. Das deutsche Bankensystem ist eine heilige Kuh, alles ist solide, alles in Ordnung. Der Kleinsparer soll bloß nicht auf die Idee kommen irgendwas könnte nicht stimmen. Dabei ist es ein offenes Geheimnis in der Bankenbranche. De facto hat jede Bank und jede Sparkasse in Deutschland Vertriebsziele für ihre Berater und Schaltermitarbeiter. Vielleicht gibt es Ausnahmen, aber im Großen und Ganzen hat sie jede Bank. Und auch in Deutschland will jede Bank doch jedes Jahr ein stetiges Wachstum präsentieren. Wie das immer wieder erreicht wird bei einem nicht wachsenden Markt – es wäre mal interessant, wie Banken das hierzulande erreichen, wenn sie nicht vorgehen wie Wells Fargo.

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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