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Aktien

Wirecard: Das Desaster zeigt das Risiko der Einzelaktienanlage

Es gibt keine „sichere“ Aktie. Dies ist einmal mehr das vorzeitige Fazit bei der Betrachtung der Vorgänge um Wirecard!

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Es war (und ist) das Thema in den Nachrichten:  Mit Wirecard stürzte ein Aktienwert aus dem DAX, dem streng kontrollierten Prime Standard, an einem Tag um 62 Prozent in die Tiefe. Für viele Kleinanleger, aber auch Institutionelle, war es ein kleines Blutbad und man betrachtet das Ganze auch noch Tage danach mit Unglauben. Es ist ein Absturz ohnegleichen, aber nicht einmalig, denn im Jahr der Finanzkrise 2008 stürzte der Blue Chip Hypo Real Estate an einem Tag um 73,9 Prozent in den Keller. Aber es zeigt einmal mehr das Risiko bei der Anlage in Einzelaktien. Es gibt keine sichere Aktienanlage.

Wirecard: Wie konnte so etwas passieren?

Dies werden sich viele immer wieder fragen, die die letzten Monate in den Finanzdienstleister Wirecard investiert hatten. Ein Wert aus dem Dax 30 Universum stürzt in nicht einmal 30 Stunden um über 80 Prozent in die Tiefe, weil man nicht erklären kann, wo 1,9 Milliarden Euro und damit ein Viertel der gesamten Bilanzsumme des Unternehmens verblieben sind. Haben denn Dutzende von Prüfern bei KPMG nicht über ein halbes Jahr die Bilanzen des Unternehmens auf Herz und Nieren geprüft, ebenso wie Ernst & Young – um dann am letzten Tag, in den letzten Stunden, die Bombe platzen zu lassen? Hätte man nicht schon früher eine Ad-hoc-Meldung bei dieser großen Summe absetzen müssen? Wie kann Unternehmenschef Markus Braun noch Ende Mai davon sprechen, dass mit der Bilanz alles in Ordnung sei, wohl wissend, dass er mit Bilanzbetrug im Gefängnis landen kann?

Wieso haben die Dickschiffe wie Goldman Sachs, Bank of America oder auch die Deutsche Bank-Tochter DWS und viele andere, die mit Summen (bis zu 10 Prozent der Gesamtaktien) investiert waren, bis zuletzt nichts geahnt, obwohl sie mit ihren Häusern und Analysten in der Investmentszene auch in Asien zuhause sind?

Wieso fand die deutsche Bankenaufsicht Bafin, die Steuerbehörden sowie die deutsche Staatsanwaltschaft in Monaten keine konkreten Hinweise auf diesen vermeintlichen Betrugstatbestand?

Alles unglaublich merkwürdig und es verdeutlicht einmal mehr:

Die Unsicherheit bei der Anlage in Einzelaktien

Sicher hat sich jeder Anleger schon bei Investments in Einzelaktien speziell bei kleineren Titeln und natürlich bei der Anlage in Hebelprodukten gewaltig geirrt. Aber selbst bei erzkonservativen Dickschiffen aus dem Prime Standard geschieht dies immer wieder. Zur Erinnerung:

  • Der Absturz der Versicherungsgesellschaften Allianz und Münchener Rück nach der Ditcomblase nach dem Jahr 2000 bis 2003 im Zuge der Entflechtung der Deutschland AG von 400 beziehungsweise 350 Euro bis auf 50/40 Euro
  • Der Einbruch der über ein halbes Jahrhundert sicheren Witwe- und Waisenpapiere Eon und RWE nach Fukushima und dem staatlich verordneten Ausstieg aus der Atomernergie
  • Der Einbruch der Banken-Dickschiffe Deutsche Bank und Commerzbank, allerdings über einen sehr viel längeren Zeitraum – alles Kurseinbrüche von 80 Prozent und mehr
  • Natürlich gibt es Aktien, die sich nach gewaltigen Einbrüchen erholen und erst dann richtig durchstarten. Ein Beispiel ist Amazon, die nach ihrem Börsengang mit 18 Dollar im Jahr 1997 (bei zwei anschließenden Aktiensplits) bis 2000 auf über 100 Dollar stiegen, anschließend im Zuge des Einbruchs nach der Internet-Bubble bis 2001 um 94 Prozent einbrachen – auf unter 10 Dollar – um dann bis heute auf über 2600 Dollar zu steigen.

Wer wäre in dem Titel geblieben oder ist rechtzeitig ausgestiegen und rechtzeitig wieder eingestiegen? Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt im Bereich eines Lottogewinns, auch wenn der Langfristchart im Nachhinein eine unglaubliche Gewinnchance suggeriert.

Ähnliches ist selbst bei der Superaktie Apple festzustellen, die seit ihrem Börsengang 1980 in jedem Jahrzehnt bis 2010 um mindestens 70 Prozent korrigiert hatte. Nur in der letzten Dekade haben die gewaltigen Aktienrückkäufe noch größere Rückschläge über 40 Prozent verhindert.

Zurück zu Wirecard:

Es wird im Nachhinein immer wieder gerne kritisiert: Wie hat man so etwas übersehen können? Rendite ist eben mit Risiko korreliert und wenn man bei Werten wie Wirecard mit einem Kursplus von 100 Prozent rechnet, so ist auch ein entsprechendes Kursrisiko vorhanden. Aber leider macht man diese Erfahrung erst bei Eintritt des Negativereignisses. Aber die Anerikaner brauchen mit Blick auf den deutschen DAX-Wert nicht überheblich werden, haben sie nicht auch zahlreiche „Tenbagger“ in ihrem großen Index?

Ergo: Es gibt kaum eine Möglichkeit mit vertretbaren Risiko die Anlage in 1650 Aktien zu schlagen (MSCI World), die Allokation in Anleihen und Gold ausgenommen. Man muss in der Krise nur die richtigen Aktien haben, sagt Mr. Dax – und danach?

Fazit

Es gibt keine „sichere“ Aktie. Dies ist einmal mehr das vorzeitige Fazit bei der Betrachtung der Vorgänge um Wirecard, nicht einmal das Vorzeigeunternehmen der Welt – Apple. Wer erinnert sich nicht an das Schicksal des Vorgängers Nokia, mit seinem gnadenlosen Absturz. Irgendwann gibt es immer wieder kleine schwarze Schwäne, die Abstürze von 90 Prozent verursachen können. Dazu braucht es nicht einmal den vorsätzlichen Betrug einzelner wie bei Enron in den 2000-ern. Denn es gibt da auch so Überraschungen wie Covid-19 und seine Auswirkungen auf Fluggesellschaften und Kreuzfahrtunternehmen. An eine solche Entwicklung hätte selbst ein kompetenter Risikoforscher vor einem halben Jahr nicht gedacht und auch kein Warren Buffett.

Wirecard zeigt, dass Einzelaktien riskant sind

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Ranzentier

    22. Juni 2020 10:53 at 10:53

    …interessant ist auch, dass die knapp 2 Milliarden Dollar von Wirecard gar nie gebraucht wurden…was stört es denn da jetzt auf einmal das sie nicht da sind???…Geld ist doch in heutigen Zeiten eh nur etwas was gedruckt wird…die FED hätte bestimmt mitgeholfen da ein paar Scheinchen für Wirecard zu drucken…aber jetzt wo der neue Vorstand am Werk ist, der sich auch in den USA gut auskennt, wird alles wieder gut…der findet die Milliarden bestimmt unter dem Sofa vom ehemaligen Vorstand und alles wird gut…Hauptsache die Dickfische sind preiswert reingekommen in den Markt…

  2. Avatar

    Stratege

    22. Juni 2020 12:05 at 12:05

    Dass auch bei den besten Aktien immer wieder grosse Rückschläge erfolgen, würde heissen:
    Die Strategie kaufen u.liegenlassen ( Früheres Rezept von Buffett ) ist nicht mehr erfolgreich.
    Auch Anlagepläne nicht.Nur Zukäufe nach grossen Rückschlägen wären interessant.
    Diese Rückschläge werden umso eher auftreten ,je höher die Kurse hinaufbeschissen
    werden.

  3. Avatar

    joah

    23. Juni 2020 00:25 at 00:25

    Ein Einzelschicksal ist nicht entscheidend. Viel stechender dürfte die Frage sein: Wer alles noch?

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Aktienmärkte: „Die Coronakrise ist vorbei“ – wirklich?

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„Die Coronakrise ist für die Aktienmärkte vorbei“, sagt der Mathematiker und Vermögensverwalter Andreas Beck. Diese Aussage überrascht, schließlich stecken wir mitten im zweiten, diesmal „differenzierten Lockdown“ (O-Ton Markus Söder) mit enormen wirtschaftlichen Folgeschäden. Andreas Beck rechnet aber dennoch mit einem guten Jahrzehnt für die Aktienmärkte – schon mangels Alternative angesichts der von den Notenbanken manipulierten Anleihemärkte. Die Nullzinsen, so Beck, hätten sich bereist bei Immobilien niedergeschlagen, es sei nur eine Frage der Zeit, bis das auch die Aktienmärkte vollständig einpreisen.

Aktienmärkte und Coronakrise: Das Jahrzehnt der Aktie?

Seit dem 09.November – der Meldung von BioNTech/Pfizer – haben die Aktienmärkte einen Paradigmenwechsel vollzogen: Man kauft die „Corona-Verlierer“. Für Andreas Beck bedeutet das: die Aktienmärkte blicken schon auf die Zeit nach der Coronakrise (auch die Rohstoff-Märkte, siehe etwa die Rally bei Kupfer, das für die Industrie sehr wichtig ist). Man preist also eine vollständige Erholung der Wirtschaft ein, eben weil die Coronakrise vorbei doch vorbei sei. Der Wirtschaft sei der zweite Lockdown faktisch „egal“ – sie habe sich an die neuen Umstände angepaßt.

Nun ist Andreas Beck Vermögensverwalter und Mathematiker, kein Epidemologe. Nun hat kürzlich der britische Epidemologe und Berater des britischen Premiers Boris Johnson, Jonathan Van-Tam, kürzlich davon gesprochen, dass die Coronakrise „niemals“ vorbei gehen werde (hier seine Aussage im Video). Ist es vielleicht doch so, dass Andreas Beck und mit ihm die Aktienmärkte die Coronakrise zu früh abhaken, also das Fell des Bären schon verteilen, bevor er erlegt ist?

Eines ist für Andreas Beck klar: die Schulden der Staaten werden niemals zurück gezahlt werden können – daher weredn sich die Staaten am Privatvermögen sener Bürger bedienen (müssen). Auch klar für Beck ist weiterhin: die demokratischen Länder werden sich die Dominanz der US-Tech-Unternehmen nicht mehr lange gefallen lassen. Er geht daher davon aus, dass in diesem Jahrzehnt daher dann „value“ besser laufen sollte als „growth“ und erklärt, wie er selbst investiert ist:

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Für die Aktienmärkte ist die Coronakrise vorbei, sagt Vermögensverwalter Andreas Beck

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