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Wirecard erhält Zwangsgeld-Androhung durch BaFin – Realsatire?

Redaktion

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Wir hatten es in früheren Berichten bereits erwähnt. Und aktuell könnte man einmal mehr auf Aussprüche verweisen, die seit Jahren in der Frankfurter Bankenszene (und nicht nur da) hinter vorgehaltener Hand gemacht werden. Nämlich dass die BaFin (oberste deutsche Aufsichtsbehörde für Banken, Versicherungen und Wertpapiermarkt) ein Verwaltungs-Papiertiger ist, mit einem verdammt stumpfen Messer, wenn es um konkrete Ermittlungen gegen aktuelle Verstöße oder Straftaten geht. Merkwürdigerweise geriet die Behörde gerade zuletzt in einen kleinen Verbotsrausch (mehr dazu hier). Und was da ganz aktuell auf den Tisch kommt, lässt die Frage aufkommen, ob es sich um Realsatire seitens der Behörde handelt.

Bußgeld-Androhung gegen Wirecard

Aber nein, es ist keine Satire, sondern eine echte BaFin-Meldung, die heute Mittag präsentiert wurde. Auch wenn ein Datum 22. Juli erwähnt wird, so wurde die Meldung heute veröffentlicht. Sie lautet, Zitat:

Wirecard AG: BaFin droht Zwangsgelder an. Die BaFin hat am 22. Juli 2020 gegen die Wirecard AG die Erfüllung der Finanzberichterstattungspflichten nach §§ 114 ff. des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) angeordnet und Zwangsgelder in Höhe von 330.000 Euro angedroht. Die Wirecard AG hat gegen die Pflichten aus § 114 Absatz 1 Sätze 2 und 3 WpHG (fehlende Hinweisbekanntmachung) in Bezug auf die Jahresfinanzinformationen für das Geschäftsjahr 2019 verstoßen. Der Bescheid ist sofort vollziehbar, aber noch nicht bestandskräftig.

Was soll man dazu noch sagen? Wirecard hat schon Ende Juni, also schon vor mehr als vier Wochen, Insolvenz angemeldet. Der große Milliarden-Betrug ist schon längst aufgeflogen, die Aktie rauschte in den Keller, und nun geht es nur noch darum die Reste des Unternehmens zu verwerten. Vorstände sind in Untersuchungshaft, der Schaden für die Aktionäre geht schon fast Richtung Totalverlust. Und jetzt im Nachhinein kommt die BaFin mit so einer Formalie? Da kann man sich doch echt fragen, was bei der Behörde intern los ist!

BaFin-Chef mit falscher Information gegenüber Bundestag

Jüngst wurde durch den SPIEGEL bekannt, dass BaFin-Chef Felix Hufeld bei seiner Aussage vor einem Bundestagsausschuss zum Wirecard-Skandal offenbar falsche Aussagen getätigt hat. Denn die Behörden in Singapur hätten nie auf BaFin-Anfragen zu Wirecard geantwortet. Jetzt bestätigt die Behörde aber eine reibungslose Zusammenarbeit mit dem asiatischen Stadtstaat.

Erste Klage gegen Bafin wegen Wirecard-Skandal

Vorgestern wurde eine erste Klage gegen die BaFin eingereicht. Die Kanzlei um den Anlegeranwalt Andreas Tilp habe die Finanzaufsicht vor dem Landgericht Frankfurt verklagt. Tilp werfe der BaFin Amtsmissbrauch im Zusammenhang mit dem Wirecard-Kollaps vor. Zudem habe die Kanzlei ein Musterverfahren beantragt, um Schadenersatz für geschädigte Anleger zu erstreiten (hier mehr Details). Betrachtet man das Gesamtbild, dann könnte man fast meinen, dass bei der BaFin Optimierungsbedarf besteht (sehr freundlich formuliert).

Eingang zum BaFin-Gebäude in Bonn
Haupteingang bei der BaFin in Bonn. Foto: © BaFin

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Mike Lohmann

    29. Juli 2020 15:47 at 15:47

    Typisch Behörde, statt fachlich kulant für Ordnung zu sorgen, nachträglich noch schnell Strafe und Bussgelder verhängen. Überhaupt sind Behörden mehrheitlich nur noch mit Sanktionen beschäftigt, statt mit weitsichtiger Lenkung frühzeitig sichtbarer Vorgänge.

    • Avatar

      joah

      29. Juli 2020 23:20 at 23:20

      Behörden sind immer reaktiv: der Tote muss erst da liegen, dann erst sind auch verwertbare Fakten geschaffen worden.

  2. Avatar

    asyoulike

    29. Juli 2020 17:36 at 17:36

    Moin, moin,

    stimmt, typisch Behörde. Wer glaubt schon alles über BRD Behörden zu wissen, der irrt. Der Wahnsinn ist kaum in Worte zu fassen, kaum nachzuvollziehen.

    Soweit kann man aber auch sagen, dass alles wie immer läuft. Jetzt wird „ausgesessen“, bis ein neues Thema „vom Himmel fällt“. Wer kennt in 2-3 Jahren noch Wirecard und BaFin? Fast niemand mehr. Wenn kritische Artikel etwas ändern könnten, dann wären sie verboten. So hat man wenigstens kurz drüber geredet.

    Für den Trader ist es aber egal. Wirecard wäre eine Supershortgelegenheit gewesen, selbst habe ich es „verpennt“, war zu sehr an Tesla.

    Fazit: Aus Tradersicht sind m.E. Emotionen wie im Fall Wirecard zu vermeiden, da sie nichts bringen und Ressourcen im Kopf blockieren.

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Indiz für die jüngste Zocker-Orgie in US-Aktien und Bitcoin – man schaue auf die Such-Trends

Claudio Kummerfeld

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Bunte Kurstafel

Markus Fugmann hatte die letzten Tage darüber berichtet, so auch heute früh (siehe hier). Vor allem über einen gigantischen großen Zocker-Blog auf Reddit (siehe hier) formiert sich quasi täglich neu eine gigantische Crowd aus gierigen Jung-Zockern, um sich auf einzelne US-Aktien zu stürzen. Besonders interessant waren die letzten Tage kräftige Kursanstiege Aktien wie „Gamestop“, bei denen es hohe Short-Volumina gab. Profi-Spekulanten wie Hedgefonds hatten große Wetten auf fallende Kurse aufgebaut. Steigt der Aktienkurs nun aber kräftig, kann der Verlust dieser Profis ins Unendliche steigen.

Und die Banken und Broker, die solchen Hedgefonds oft Kredite für ihre Spekulationen gewähren, könnten kalte Füße kriegen und mehr Sicherheiten verlangen – oder die Short-Positionen zwangsweise schließen, wodurch der Aufwärtssog der Aktien noch mehr verstärkt wird. Auf genau diese Bewegung hofften die Zocker wohl bei Gamestop und anderen Aktien. Man schaue in der folgenden Grafik, wie die Beliebtheit für den Google-Suchbegriff „Short Squeeze“ in den USA in den letzten fünf Jahren aussah. Erst in den letzten Tagen explodierte die Beliebtheit dieses Suchbegriffs extrem. Mit Short Squeeze bezeichnen Börsianer einen stark steigenden Aktienkurs, der durch das Schließen von Short-Positionen verursacht wird. Der Wert 100 in der Grafik steht für die höchste Beliebtheit des jeweiligen Suchbegriffs.

Im folgenden Chart sehen wie in den Google Trends für die letzten fünf Jahre die weltweite Beliebtheit des Suchbegriffs „Bitcoin“. Man sieht, dass bei der ersten großen Hausse Ende 2017 die maximale Beliebtheit von 100 Punkten erreicht wurde, und Anfang diesen Jahres nur ein Wert von 69 – jetzt nur noch 42 Punkte. Die Gier der Internet-Gemeinde nach dem Thema war damals also wohl noch größer als heute. Offenbar scheint sich ganz aktuell die „Meute“ auf die kleinen US-Aktien zu stürzen – weil die wohl von einer Meute Klein-Zocker leichter kräftig im Kurs zu bewegen sind?

Chart zeigt Beliebtheit der Suche nach Bitcoin

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Robuste Ergebnisse auf breiter Front

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die gemeldeten und heute Abend anstehenden Quartalszahlen sind heute ein wichtiges Thema.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

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SAP in der Krise: Ist das eine Chance für uns? – Werbung

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Lieber Börsianer,

das war ganz harte Kost, die der europäische Software-Riese SAP am 26. Oktober für seine Aktionäre hatte. Die Cloud-Sparte blieb überraschend deutlich hinter den Erwartungen zurück. Einzelne Anwendungen wie die Software Concur (Verwaltung und Organisation von Geschäftsreisen) floppten völlig. Und noch mehr: Die Walldorfer kassierten auch gleich die Gewinnschätzungen für die nächsten Jahre, wie wir aus dem Quartalsbericht entnehmen mussten.

So kam es wie es kommen musste. Die Aktie des DAX-Schwergewichts kollabierte an jenem Tag binnen weniger Sekunden und verlor 20 % ihres ursprünglichen Marktwertes. Per saldo sank die SAP-Aktie von über 140 Euro unter 100 Euro ab. Milliarden Euro waren plötzlich durch den Schornstein.

Ungefähr im gleichen Zeitraum meldete die US-Konkurrenz bestes Zahlenwerk. Oracle und Salesforce nutzten die Dollarschwäche des vergangenen Jahres und griffen den deutschen Software-Riesen in seinem europäischen Heimatmarkt an. Die Analysten hängten wie üblich ihr Mäntelchen in den Wind und urteilten vernichtend über das Software-Unternehmen. Der Tenor: Eine Wachstumsgeschichte geht zu Ende. SAP bringt es nicht mehr.

In der Tat befindet sich die Walldorfer Software-Schmiede in einer veritablen Krise. So wird der Umsatz 2021 kaum noch wachsen, der Gewinn wird großer Wahrscheinlichkeit sogar rückläufig sein.

Das sind die Stärken der SAP

Aber gemach! SAP ist unverändert ein großartiges Unternehmen, dessen Software-Anwendungen weltweit in rund 25 Branchen genutzt werden. Bei Großunternehmen sind die Deutschen immer noch das Maß aller Dinge. 9 von 10 Playern nutzen mindestens eine kleine SAP-Anwendung. Die Kundenkartei der Walldorfer liest sich imposant. Dort finden Sie typische Traditionsunternehmen wie Chevron, Ford oder AT&T. Aber auch die…..

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