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Wirecard: Rohrkrepierer oder zündet jetzt die Rakete?

Stefan Jäger

Veröffentlicht

am

Wirecard galt lange Zeit als die Lieblings-Aktie der deutschen Privatanleger. Verständlich nach dem furiosen Anstieg, bis auf nahezu 200€, den die Aktie bis September 2018 hingelegt hat. Aber seitdem ging es nur noch bergab. Auch der anschließende Aufstieg vom MDax in den Dax konnte die Aktie von Wirecard nicht mehr beflügeln. Ganz im Gegenteil, seit längerer Zeit muss man sich mit Attacken der Financial Times rumschlagen, die den Kurs jedes Mal hart getroffen haben. In diesem Frühjahr haben dann die Ereignisse ihren Höhepunkt erreicht. Wirecard wurde nicht nur durch den Corona-Crash getroffen, sondern musste zeitgleich einen hausgemachten Vertrauensverlust hinnehmen. Viel ist nicht mehr übrig geblieben von dem einstigen Highflyer. Wenn es ein Dax-Unternehmen gibt, dass so gut wie gar nicht von der Corona-Rally profitieren konnte, dann ist es Wirecard.

Zusammenfassung der Ereignisse

Wie gesagt, alles begann mit den Attacken der Financial Times. Diese hat Wirecard bezichtigt Bilanzmanipulation zu betreiben. Angeblich soll es Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen von 2017 und 2018 geben. Trotz der Aufklärungsversuche seitens Wirecard, konnten die Vorwürfe nicht vollends aus der Welt geschafft werden. Insbesondere das Drittpartnergeschäft sorgt immer wieder für negative Schlagzeilen. Auch der KPMG-Bericht konnte nicht dazu beitragen, Wirecard zu entlasten. Im Gegenteil, viele Investoren haben aufgrund des Berichts die Segel gestrichen und ihre Anteile veräußert. Anschließend wurde bekannt, dass der Hedgefonds “TCI Fund Management” eine Strafanzeige gegen die Verantwortlichen des Unternehmens eingereicht hat.

All diese Ereignisse haben dazu geführt, dass Wirecard seither mit einem erheblichen Vertrauensverlust zu kämpfen hat. Letztendlich mündeten die Ereignisse in der Strafanzeige der BaFin. Der Zahlungsdienstleister steht unter Verdacht der Marktmanipulation. Man muss zugeben, dass Wirecard zurzeit kein gutes Bild abgibt. Allerdings sprechen auch einige Dinge für ein Investment in Wirecard. Trotz aller Probleme ist es ein Unternehmen mit einem zukunftsträchtigen Geschäftsmodell. Jetzt muss der Vorstand und die Geschäftsleitung beweisen, dass es sich um ein würdiges Dax-Unternehmen handelt.

Was spricht für die Wirecard Aktie?

Die fundamentale Bewertung spricht eindeutig für die Aktie. Im Vergleich zu anderen Zahlungsabwicklern wie z.B. PayPal, Square oder Adyen, ist Wirecard günstig bewertet. Die Bewertungsniveaus der Konkurrenten werden nicht ansatzweise erreicht. Das derzeitige KGV liegt bei etwas über 16. Für ein Unternehmen aus dem Sektor der Informationstechnologie, mit jährlichen Wachstumsraten von 25% und mehr, ist das definitiv sehr gering. Der Konkurrent Adyen aus den Niederlanden – mit einem sehr ähnlichen Geschäftsmodell – kommt zumVergleich auf ein KGV von circa 140.

Bei den internen Prozessen, insbesondere was das Drittpartnergeschäfts im Ausland angeht, kam es mehrfach zu negativen Schlagzeilen. Aber hier hat Wirecard angesetzt und einen Compliance-Ressort im Vorstand geschaffen. Dafür wurde der angesehene ehemalige Compliance-Manager der Deutschen Börse, James H. Freis, engagiert. Dieser soll die interne Transparenz des Unternehmens auf Vordermann bringen. Gleichwohl wäre es wichtig, wenn der Abschlussbericht der KPMG Wirecard hier entlasten könnte und dadurch die Zweifel ausräumt. Zum endgültigen Glück fehlt dann nur noch die Bescheinigung vom derzeitigen Wirtschaftsprüfer Ernest & Young im Jahresabschluss 2019.

Bisher haben all die Vorwürfe keine Auswirkung auf das operative Geschäft. Trotz Coronakirse wurde im ersten Quartal ein Umsatzwachstum von 24 % erzielt. Das ist zwar etwas weniger, als man von Wirecard gewohnt ist, das hat zum Teil mit der Pandemie zu tun. Ungeachtet dessen bestätigte das Unternehmen seine Jahresprognose. Eine Erholung der Konjunktur würde sich zudem positiv auf Wirecard auswirken.

Was man als Anleger natürlich sehr gerne sieht, wenn der CEO des Unternehmens selbst investiert ist. Wirecards CEO Markus Braun ist mit knapp 7,1 % größter Wirecard-Aktionär und nutzte zuletzt sogar die niedrigen Kurse, um für 2,5 Mio. Aktien nachzukaufen. Ein überzeugter CEO ist ein gutes Indiz dafür, dass es hoffentlich bald wieder mit dem Kurs aufwärts geht.

Fazit

Die Wirecard-Aktie hat für viele negative Schlagzeilen gesorgt – abschreiben sollte man die Aktie aber noch lange nicht. Für risikobewusste Anleger gibt es gute Gründe einzusteigen. Entscheidend wird sein, inwieweit Wirecard es schafft, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Mit Spannung blicken wir auf die morgige Veröffentlichung der Quartalszahlen.

Disclaimer

Die hier angewandte Analyse stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstigen Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

Wirecard: Rohrkrepierer oder Rakete?

 

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Lieber Börsianer,

da stimmen Sie mir sicherlich zu. Die Stimmung an den Börsen hat sich im Oktober eingetrübt. Vor allem das europäische Infektionsgeschehen schlägt uns aufs Gemüt. Auch im Alltag werden wir die Folgen nächstens wieder alle ganz gegenständlich spüren, wenn Deutschland in den Lockdown light geht. Das nämliche Bild bei unseren Nachbarn. In Wien werden derzeit ähnliche Maßnahmen vorbereitet, um die zweite Covid-Welle zu brechen. In Frankreich gelten sogar wieder harte Ausgangssperren. Man darf dort zur Arbeit und zum Einkauf fahren. Ansonsten gilt: Rien ne va plus.

Da überrascht es nicht, dass der DAX südwärts läuft und derweil auf Wochensicht über 8 % eingebüßt hat. Ähnlich wie im vergangenen Februar und März sind auch die Ölpreise wieder massiv rückläufig und verlieren zur Vorwoche rund 9 %. US-Aktien halten sich noch recht wacker, aber auch hier sehe ich Gefahr im Verzug.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich mache jetzt hier nicht den Pessimisten. Gleichwohl halte ich es für ratsam, kurzfristig in unseren Depots die Cashquoten zu erhöhen und den ein oder anderen Titeln zu veräußern, um dann am Ende zu günstigeren Kursen wieder in den Markt zurückzukommen.

Diese Taktik dürfte etwa bei dem Wasserstoff-Titel Ballard Power reizvoll sein, denn hier kündigt sich ein scharfer Ausverkauf an. Schauen wir uns zunächst einmal die letzten Zahlen aus dem zweiten Quartal an. Das kanadische Unternehmen meldete einen Umsatz in Höhe von 25,8 Millionen USD. Das entspricht einem recht vernünftigem Wachstum im Vergleich zum Vorjahresquartal in Höhe von 9 %. Den Verlust konnte man spürbar eingrenzen, gleichwohl hat das…..

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