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Wirecard-Skandal: Das Fazit wird lauten „Ich war nicht zuständig“

Claudio Kummerfeld

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am

Die drei Affen der Ignoranz - perfektes Sinnbild für den Wirecard-Skandal

Der folgende Text ist eine rein persönliche Meinung. Es ist auch keine rechtliche Bewertung. Aber basierend auf allgemeinen Erfahrungswerten wie sich gewisse Sachverhalte entwickeln, dem gesunden Menschenverstand und dem, was die letzten Wochen schon gesagt wurde, kann man jetzt schon vorhersagen, wie der Wirecard-Skandal für die Politik und die Finanzaufseher und EY ausgehen wird. Der Standard-Spruch lautet schon jetzt „Ich war nicht zuständig“. Und so wird die Affäre auch politisch abgewickelt werden.

Politiker sind keine Polizisten oder Staatsanwälte, fertig aus

Wer das folgende Video zwischen den Minuten 23 und 38 anschaut (Bundespressekonferenz von vorgestern), der erahnt schon mal recht konkret, was auf politischer Ebene dabei rauskommt. Nämlich nichts. Es gab mehrere Lobbyisten-Vorsprech-Termine im Kanzleramt. Aber alles normal, im Rahmen normaler Abläufe. Nichts besonderes. Und von irgendwelchen Unregelmäßigkeiten wusste man auch nichts. Die Kanzlerin erfuhr auch erst Ende Juni von der Insolvenz von Wirecard (Anmeldung am 25. Juni). Was soll man der Kanzlerin oder Herrn Scholz auch vorwerfen?

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Sind die beiden Bilanzprüfer oder Kriminalpolizisten, oder gar Staatsanwälte? Nein, sind sie nicht! Ein Dax-Konzern geht pleite, den man gerne hofiert hat. Warum hat man ihn hofiert? Wir alle wissen es. Endlich mal wieder ein Tech-Konzern aus Deutschland, der (abgesehen von SAP) global Beachtung findet. Auch schon Helmut Kohl sonnte sich damals mit dem dynamischen Jungspund und späteren Pleite-Unternehmer Lars Windhorst, der heute bei Hertha BSC den großen Investor gibt. Nicht anders wird es bei Wirecard gewesen sein. Deutschland hat kein Facebook, kein Google, kein Amazon, kein gar nichts. Und SAP arbeitet schon seit Menschengedenken als erfolgreicher Softwarehersteller. Danach gab es aber wirklich gar nichts von Weltrang. Da kam Wirecard gerade recht, um sich gut zu fühlen, dass am Technologiestandort Deutschland was tut. Dabei bot das Unternehmen gar keine Technologie, sondern Zahlungsabwicklung, verpackt als Tech-Konzern.

Die BaFin war nicht zuständig für Wirecard

Tja, aber da ist ja die BaFin, der große oberste Finanzaufseher für Banken, Versicherungen und Wertpapiergeschäfte. Ein zahnloser Papiertiger, wie man es in Frankfurt hinter vorgehaltener Hand sagt. So sagte BaFin-Präsident Felix Hufeld unlängst, das man nicht zuständig gewesen sei in Sachen Wirecard-Skandal. Auch wenn sein Chef Olaf Scholz offenkundig die BaFin aufmotzen und ihr „mehr Macht“ geben will. Dem Wirecard-Anleger bringt das nichts mehr. Und für die Zukunft? Solange an der Spitze so einer Behörde oder von derem Chef (Olaf Scholz und seinen Staatssekretären) keine Ermittler-Mentalität vorgelebt wird, bleibt die BaFin eine Verwaltungsanstalt. Die BaFin hat es sich bei Wirecard recht einfach gemacht. Da die Buzze ja ein „Technologie-Anbieter“ war, und nur die Wirecard-Bank als Tochtergesellschaft in die BaFin-Zuständigkeit fiel, konnte man ja auch „nur“ diese Tochter prüfen. Aber so hatte man eben keinen Gesamtüberblick über alle Vorgänge. Und man wollte nicht so genau hinschauen? Schließlich gab es endlich mal einen neuen Tech-Konzern im Dax! Wer lässt sich da nicht gerne berauschen?

Und die Wirtschaftsprüfer

Und dann wären da ja noch die Wirtschaftsprüfer von EY. Wozu gibt es Wirtschaftsprüfer eigentlich, kann man sich immer wieder fragen. Denn im Wirecard-Skandal schlägt man erst Alarm, obwohl das Kind schon vor Jahren in den Brunnen gefallen ist. EY gab zwar für 2019 kein Testat, sehr wohl aber für die Vorjahre, wo es offenbar auch schon Bilanzfälschungen gab. Tja, und wie sieht es mit der Haftung aus? Kann sich der geschädigte Wirecard-Anleger vielleicht von EY seine Kursverluste erstatten lassen? Denn wer das Testat gibt, und die Fälschungen nicht sieht, ist zuständig? Wir vermuten: Wenn man gefälschte Unterlagen erhält, kann man auch nur die gefälschten Dokumente testieren, und ist als Wirtschaftsprüfer somit auch nur ein Opfer? Aber egal wie man es sieht. Zu holen ist bei EY für den deutschen Aktien-Michel wohl eh nichts. Denn EY Vorsatz nachzuweisen, also ein wissentliches Falsch-Testat, wird wohl vor einem deutschen Gericht kaum gelingen. Aber da bliebe ja noch die Fahrlässigkeit? Zu früh gefreut. Denn bei Fahrlässigkeit eines Wirtschaftsprüfers ist seine Haftung nach § 323 des Handelsgesetzbuch (HGB) auf maximal vier Millionen Euro begrenzt. Prost Mahlzeit!

Und was lernen wir daraus?

Am Ende wird dem geschädigten Wirecard-Aktionär nur bleiben: In den Keller gehen, die Tür hinter sich schließen, und 10 Minuten lang laut schreien. Und für die Zukunft, was lernt man daraus? Für den Anleger ist kein Verlass auf BaFin, Wirtschaftsprüfer, Hochglanzprospekte, angeblich engagierte Politiker etc. Denn im Schadensfall haftet niemand. Denn niemand ist wirklich zuständig. Was bleibt? Einfach den gesunden Menschenverstand einschalten. Zum Beispiel, bei solchen Erfolgsstories: Warum kann ein Anbieter mit dem exakt selben Geschäftsmodell deutlich erfolgreicher sein als seine Konkurrenten? Kann diese Frage nicht transparent geklärt werden, Hände weg von der Aktie, von der Nachranganleihe, von dem Investment.

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Hesterbär

    24. Juli 2020 18:36 at 18:36

    Gut, dass Sie das mal so deutlich zu Papier bringen! Genauso ist es nämlich.

  2. Avatar

    asyoulike

    24. Juli 2020 18:41 at 18:41

    Moin, moin,

    es ist, wie es schon immer war. Der Anleger ist der Dumme, der Politiker und Verwaltungsbeamte wie gewohnt nicht zuständig. Aber hat der Anleger nicht selbst schuld? Wer hat die Regierung gewählt? Wer ist für den Einsatz der Verwaltungsbeamten zuständig? Ist es nicht der Anleger, der auch mit seiner Wahlstimme zu den bekannten Problemen beiträgt?

    Die Story um Wirecard wird die Story der BRD und EU in naher Zukunft werden. Alles nach Wirecard Vorlage. Niemand hat Fehler gemacht, von nichts gewußt oder die entscheidenenden Herrschaften sind nicht mehr auf dieser Welt. So einfach geht es. Überrascht?

    Fazit: Man muss bzw. sollte m.E. als Aktionär (nicht Trader) von den Dingen, in die man investiert Ahnung haben und sich nicht auf Politiker, BaFin, Wirtschaftsprüfer etc. verlassen. Jeder ist sich selbst der Nächste. Vorallem der Mix macht es. Bischen hiervon, bischen davon. Nicht anders als Leute, die Vermieter sind. Nicht alle Eier in einen Korb. Ein Restrisiko wird immer bleiben, aber das reale Leben ist auch ein Risikio. That’s it.

  3. Avatar

    Lausi

    24. Juli 2020 20:12 at 20:12

    Dieses ganze Schmierentheater erinnert irgendwie an den Hauptmann von Köpenick… ;-)

  4. Avatar

    Tricksi

    25. Juli 2020 06:49 at 06:49

    Es kommt mir vor wie die Dopingaffären beim Sport. Die Trickser u.Sportärzte sind den Kontrolleuren immer überlegen u. oft greift der Staat zuwenig ein weil man den Erfolg um jeden Preis will.Leider ist das Tricksen mit Bilanzen u.das Manipulieren der Börsenkurse mit Optionen im Moment das erfolgreichste Geschäftsmodell. Neben der Kritik an den überforderten Kontrolleuren könnte man auch fragen wie ein Jim Cramer mit gefühlten 100 Jahren Börsenerfahrung letzte Woche eine Tesla zum Kauf empfehlen konnte?
    Fazit: Die Leute wollen belogen u.beschissen werden. Realistische Warner u.Mahner werden nicht geliebt.

    • Avatar

      asisi1

      26. Juli 2020 08:38 at 08:38

      Sie verlangen zu viel. Die Mehrzahl der Politiker hat doch noch nie im wahren Wirtschaftsleben ihr Geld verdienen müssen. Viele sind Abbrecher von irgendetwas und die anderen sind Beamte oder Angestellte im öffentlichen Dienst gewesen. Haben also noch nie Verantwortung für ihr Handeln und Tun tragen müssen! Da die Verblödung des Volkes mittlerweile fast zu 100% abgeschlossen ist, habe ich da keine Hoffnung mehr!

    • Avatar

      Wolfgang M.

      26. Juli 2020 15:18 at 15:18

      @ Tricksi. Sie sagen es, der immerwährende Kampf zwischen Hase und Igel.
      Leider ist das Thema keine Erfindung der Neuzeit, auch wenn manch Junger den Eindruck hat.
      Im Vorwort zum bereits 1991 erschienenen Buch von Brigitte Berendonk (Doping Dokumente: Von der Forschung zum Betrug) einer ehemaligen Diskuswerferin, verheiratet mit Professor Werner Franke, einem Professor für Zell- und Molekularbiologie, zugleich international anerkannten Dopinggegner, heißt es im Vorwort:
      „Mundus vult decipi, ergo decipiatur“ – ein altes lateinisches Sprichwort – „Die Welt will betrogen sein, also soll sie betrogen sein!“
      Grüße

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    Marcus

    25. Juli 2020 15:01 at 15:01

    Ich kann dass durchaus alles nachvollziehen und auch Verständnis dafür aufbringen, aber nach meiner Auffassung kann die BaFin nicht belangt werden, auch wenn einige Anwälte und Anleger das gerne hätten. Wie im Artikel richtig ausgeführt, der entscheidende Punkt ist die Einstufung von Wirecard als Technologieunternehmen. Ein Technologieunternehmen ist formal rechtlich keine Bank und allein schon deswegen ist die BaFin fachlich gar nicht zuständig. Bei der Wirecard Bank ist das eine andere Geschichte, aber die ist ja nicht Gegenstand der Betrügereien.
    Das mit dem Leerverkaufsverbot ist aber auch eine andere Baustelle als die Bilanzfälschungen, was vielen nicht wirklich klar ist.

    Für EY könnte die ganze Sache schon schlimmer ausgehen, denn die müssen sich fragen lassen was sie da eigentlich getan haben. Zudem wirft das natürlich die Frage auf, ob die vorangegangen Abschlüsse auch alle gefälscht sind, und ob EY absichtlich darüber hinweg gesehen hat. Aber die Klagen gegen die BaFin sind aus meiner Sicht aussichtslos.

    Der Wirecard Skandal hat auch offengelegt das die Thematik Fintech und Regulierung wieder angegangen werden muss. Dann muss man die Gesetze so abändern, dass Fintech Unternehmen grundsätzlich eine Banklizenz brauchen, dann fallen sie auch unter die entsprechende Aufsicht.

  6. Avatar

    joah

    31. Juli 2020 13:35 at 13:35

    »In den Keller gehen, die Tür hinter sich schließen, und 10 Minuten lang laut schreien.«
    Jetzt weiß ich wenigstens, das ich doch nicht verrückt (und alleine damit) bin. :-D

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Thanksgiving-Party

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die steigenden Corona-Zahlen in den USA werden an der Börse derzeit ignoriert. Die Kurse kennen aktuell nur eine Richtung. Positiv zu werten ist auch, dass vermutlich die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen neue US-Finanzministerin werden sollte.

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Aktienmärkte: Warum einige aktive Fonds 2020 den Markt schlagen

Wolfgang Müller

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am

Die Aktienmärkte sind Schauplatz eines Kampfes, der von Jahr zu Jahr härter wird: Der Wettstreit zwischen den aktiven Fonds und den preisgünstigen, passiven Indexfonds (ETFs). In diesem Jahr haben einige der aktiv gemanagten Investmentfonds die Nase vorn. Ein Grund dafür ist die auch die ungewöhnliche Konzentration der Anleger allgemein auf marktschwere Titel.

Aktienmärkte: Das Dauerduell aktiv gegen passiv

Was hatte sich der in diesem Jahr verstorbene Gründer des passiven Investierens, John Bogle, anfangs für Feinde gemacht, zumeist wurde er milde belächelt! Mitte der Siebziger war Mittelmaß als Ziel eines Investments absolut verpönt, alle wollten noch die Aktienmärkte schlagen.

Doch Bogle hatte seine Mitarbeiter beauftragt, alle im S&P 500 enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung zu kaufen und damit den bekannten Börsenindex einfach nachzubilden.

Damit schuf Bogle den ersten Indexfonds (Vanguard 500), mit einem aus heutiger Sicht mickrigen Volumen von 11,3 Millionen Dollar.

Doch von Jahr zu Jahr steigt die Anlagesumme in die passiven Anlagevehikel, vor gut zehn Jahren wurde die Billionen-Grenze überschritten, mittlerweile ist die von BlackRock, Vanguard, State Street dominierte Branche bei weit über sechs Billionen Dollar angelangt.

Natürlich lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass es kaum einem aktiven Anlagevehikel jenseits der 10-Jahresfrist gelingt, den Index und damit auch den entsprechenden Exchange Traded Fund zu schlagen. Am allerwenigsten den Leitindex der Aktienmärkte, den S&P 500 als Benchmark – insgesamt liegt die Underperformance bei über 90 Prozent in den großen Märkten.

Ich habe es vor kurzem in einem Artikel dargelegt, welche Folgen es hat, wenn man in einem Jahrzehnt auch nur die zehn besten Handelstage der Aktienmärkte versäumt.

2020 und die extreme Outperformance von Growth

Blicken wir nun auf den heimischen Markt, wo die Entwicklung natürlich einmal mehr den amerikanischen Vorbildern folgt. Hier gibt auch BlackRock den Ton an mit seinen iShares, gefolgt von Lyxor und den XTrackers von DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Gefolgt von UBS, Amundi, Invesco und Deka Investments und damit sind auch die deutschen Sparkassen im Geschäft.

Wie eine Auswertung des Fondsverbands BVI zeigt, haben in den Privatanleger-Depots es einige der alten Namen aus der aktiven Branche geschafft, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Produkte der DWS, der Deka oder der Allianz Group und aus dem Kreise derer, die schon über ein Jahrzehnt am Markt sind. Und dies gilt auch schon für ein paar Jahre, obwohl für diese Produkte die teuren Konditionen mit dem Ausgabeaufschlag und der jährlichen Jahresgebühr von deutlich über ein Prozent p.a. gelten. Wie ist diese Performance zu erklären?

Es waren zum Teil die internen Vorschriften, die den aktiven Fondsmanagern geholfen haben – und nicht die besondere Aktienauswahl.

Man hatte innerhalb der Aktienmärkte auf Aktien gesetzt, die eine hohe Marktkapitalisierung aufwiesen, so genannte Blue Chips – und was lief in den letzten Jahren besonders gut?

Klar, der Tech-Bereich mit Titeln wie Amazon, Apple oder Microsoft, Aktien, die in den Fonds zum Teil noch stärker gewichtet waren, als zum Beispiel im S&P 500 oder im MSCI World. Aber bereits seit Anfang September ist so etwas wie eine Branchenrotation feststellbar, verstärkt durch das Ergebnis des Wahlausgangs in den USA sowie den letzten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung.

Anders ausgedrückt: Was passiert, wenn die Big Player wieder auf ein „normales“ Wachstumstempo zurückfallen, um nur eine milde Kursentwicklung zu prognostizieren?

Fazit

Aus den letzen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig es in Zukunft bleiben wird, mit spezieller Aktien-Einzelauswahl die Aktienmärkte zu schlagen. Wird es zu einer bleibenden Branchenrotation von Growth zu Value kommen, oder hält sich das Wachstum der Big Seven, oder auch der FAANG-Aktien noch eine Weile?

Man braucht sich nur den explosiven Anstieg einiger Corona-Aktienopfer seit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer zu betrachten. Wie stark wird es noch zu großen Umschichtungen in den großen Depots, insbesondere zum Jahreswechsel kommen? Der 9. November könnte bedeutsamer gewesen sein, als bisher angenommen. Der Anstieg des Nasdaq 100 von seinem Tief vom 6. März 2009 bis zu seinem Hoch am 2. September 2020 mit sagenhaften 1154 Prozent sollte irgendwann korrigiert werden, Kurse (speziell von Indizes) wachsen nie in den Himmel. Der Dax brachte es in diesem Zeitraum auf bescheidene 354 Prozent.

Die Aktienmärkte und die aktiv verwalteten Fonds

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Beschlossen: Dax mit 40 Aktien und neue Qualitätskriterien – hier die Details

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Der Wirecard-Skandal hat die deutsche Börsenlandschaft erschüttert. Ein Dax-Wert geht pleite und löst sich sang und klanglos als Luftnummer in Rauch auf. Die Vorstände sind in Haft oder auf der Flucht. Was für ein Debakel für die Deutsche Börse. Die Aufnahme- und Qualitätskriterien für die Indizes wie dem Dax waren wohl mangelhaft. Nach der Konsultation von Marktteilnehmern hat die Deutsche Börse jetzt Änderungen beschlossen. Hier alle Details, im Wortlaut von der Deutschen Börse:

Ab September 2021 wird der Leitindex DAX um zehn Werte auf insgesamt 40 Werte erweitert. Damit wird er die größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland noch umfassender abbilden. Im Gegenzug verkleinert sich der MDAX-Index auf 50 statt bisher 60 Werte.

Ab Dezember 2020 müssen alle künftigen DAX-Kandidaten vor Aufnahme ein positives EBITDA in den zwei letzten Finanzberichten aufweisen.

Ab März 2021 wird es Bestandteil der Indexmethodologie, dass zukünftig alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes testierte Geschäftsberichte und vierteljährlich Quartalsmitteilungen veröffentlichen müssen. Nach einer 30-tägigen Warnfrist führt ein Verstoß gegen diese Anforderungen unmittelbar zum Indexausschluss.

Infolge dessen entfällt für alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes die Pflicht zur Notierung im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Die Notierung im Regulierten Markt ist künftig ausreichend. Diese neue Regel wird eingeführt, um dem Indexanbieter zu ermöglichen, im Falle einer Regelverletzung unabhängig und schneller reagieren zu können.

Zusätzlich müssen ab März 2021 alle Neuzugänge zur DAX-Familie den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex hinsichtlich eines Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat entsprechen. Für bestehende Mitglieder gilt eine Übergangsfrist, um Kontinuität in der DAX-Familie zu bewahren; sie müssen die Vorgabe ab September 2022 erfüllen.

Ab 2021 gibt es bei den DAX-Indizes zweimal im Jahr eine planmäßige Hauptüberprüfung (März und September). Zurzeit gibt es eine derartige Überprüfung nur im September.

Um die Regeln zu vereinfachen, ohne jedoch auf Investierbarkeit zu verzichten, werden ab der Überprüfung im September 2021 Indexmitglieder nur noch nach Marktkapitalisierung bestimmt. Der Börsenumsatz wird bei der Rangliste nicht mehr berücksichtigt; stattdessen müssen Indexmitglieder eine Mindestliquidität aufweisen.

Nicht übernommen wird der Vorschlag zum Ausschluss von Unternehmen mit Beteiligung an kontroversen Waffen. Stephan Flägel: „Wir haben ein sehr heterogenes Meinungsbild zu den Themen Nachhaltigkeit und ESG außerhalb der Vorschläge, die wir zur Governance gemacht haben, bekommen. Es wird von vielen Seiten die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob diese Kriterien bei der Auswahl der DAX-Mitglieder eine Rolle spielen sollten. Deshalb werden wir den Austausch mit den Marktteilnehmern fortführen. Nachhaltiges Investieren ist und bleibt einer der wichtigsten Trends an den Finanzmärkten und wird das Investitionsverhalten in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Das Thema ESG hat für Qontigo sehr hohe Priorität. Im März haben wir bereits den DAX 50 ESG Index gestartet und wir verfügen seit Längerem über eine breite Palette an ESG-Indizes, die wir auch künftig weiter ausbauen werden.“

Dax und MDax werden von der Deutschen Börse ermittelt
Foto: Deutsche Börse AG

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