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Giovannie Cicivelli Tradingchancen

Anleihen

Wirkung der EZB-Anleihekäufe „nicht bewiesen“ – Chefvolkswirt warnt vor Teufelskreis

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Die Ökonomen Adam Elbourne und Kan Ji arbeiten für das niederländische Wirtschaftsministerium. Sie haben gestern eine Studie veröffentlicht. Demnach soll es bis dato keinen Beweis dafür geben, dass das gigantische Anleihekaufprogramm der EZB „QE“ (immerhin 2,6 Billionen Euro Volumen) einen nachweisbaren Effekt auf die Volkswirtschaft der Eurozone hatte.

Tja, Mario Draghi behauptet (wie sollte es bei der Summe auch anders sein) natürlich seit Monaten und Jahren das Gegenteil. Die beiden Autoren der Studie sagen, dass vorige Schlussfolgerungen anderer Experten über eine Stabilisierung der Eurozone dank des QE bisher nicht bewiesen seien. In bisherigen Studien sei als eine der Datengrößen immer die stark gewachsene Bilanzsumme der EZB genutzt worden.

Die Autoren haben die Bilanzsumme durch andere zufällig ausgesuchte Datengrößen ersetzt, um zu schauen, ob die Bilanzsumme etwas taugt um die Wirksamkeit des QE zu belegen. Obwohl sie falsche Zahlen eingetragen hatten, seien die Ergebnisse ziemlich ähnlich gewesen, als wenn sie weiterhin die Bilanzsumme der EZB verwendet hätten. Daraus schlussfolgerten sie, dass bisherige Berechnungen keinen Effekt des QE nachweisen konnten. Sie betonen dabei, dass es nur darum gehe, dass bisherige Rechenmodelle keinen Nachweis für einen Effekt erbringen konnten. Das heiße aber nicht, dass es nicht doch einen Effekt geben könne.

EZB-Chefvolkswirt Praet zur aktuellen wirtschaftlichen Lage in der Eurozone

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet spricht heute davon, dass die Wirtschaft in der Eurozone nicht weit entfernt von einem Teufelskreis sei. Damit meint er, dass sich die momentan schlechter gewordene Stimmung immer mehr auf die Realwirtschaft auswirke. Denn zuletzt seien vor allem Industriedaten deutlich schlechter ausgefallen (wir verweisen da nur auf die desaströsen Daten aus Italien). Das wirtschaftliche Klima verändere sich nicht vorübergehend, sondern fundamental.

Dazu würden der Brexit, der Handelskrieg und andere Unsicherheiten beitragen. Man sei jetzt noch nicht im Teufelskreis, aber kurz davor. Also, so möchten wir fragen: Lasst uns alle für bessere Laune sorgen, damit aus der schlechten Stimmung kein echtes Problem entsteht? Soll es das im Klartext bedeuten? Auf jeden Fall klingt das nicht so, als hätte es die EZB besonders eilig mit der Zinswende in Euroland. Darauf hatte Praet schon vorgestern hingewiesen, als er sagte dieses Jahr werde es wohl nichts mehr mit höheren Zinsen.

EZB-Zentrale
EZB-Zentrale in Frankfurt. Foto: Kiefer CC BY-SA 2.0

2 Kommentare

2 Comments

  1. Beobachter

    20. Februar 2019 17:04 at 17:04

    Wie gut diese Anleihenkäufe waren oder nicht kann man ja streiten. Eines ist sicher ,dieses Medikament hat
    langfristig tödliche Nebenwirkungen. Dies sollte man klar u.öfter kommunizieren.
    Der bejubelte Gewinn des Staates mit Geldaufnahme mit Negativzinsen u.Millionengewinnen wird auf der andern Seite einem Anleger ( Rentenkasse u.s.w.) fehlen.

  2. Bundessuperminister für Optimismus uns Schönfärberei

    20. Februar 2019 17:56 at 17:56

    Wieso spricht die Redaktion in ihren Artikeln ständig von einem gigantischen Anleihekaufprogramm der EZB „QE“? Will hier keiner verstehen, dass es keine Geldfluten und Liquidiätsspritzen in ungewöhnlichem Ausmaß gab? Wurde uns das nicht ausführlich und sachlich von unseren besten Fachleuten, Wissenschaftlern, Volkswirten und Statistikern in den letzten Tagen dargelegt und bewiesen?

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Anleihen

Türkei: Warum der Druck auf Lira, Aktien und Anleihen bald enorm steigen könnte

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Aktuell schwächelt der türkische Kapitalmarkt bereits. Nach den jüngsten Vorgängen (Präsident Erdogan lässt die Wahl in Istanbul wiederholen) war das Vertrauen ausländischer Investoren in die Rechtsstaatlichkeit in der Türkei erneut geschwächt worden.

Die türkische Lira befindet sich seit Monaten in einem langsamen schleichenden Abwärtstrend. Die Aktienkurse in der Türkei befinden sich im Absturz. Heute notiert der türkische Leitindex BIST100 mit -1,5%, und ist nun seit sechs Tagen hintereinander am Fallen. Mit einem Tiefststand seit Anfang 2017 hat er aktuell auch den Zustand eines Bärenmarktes erreicht. Die Rendite für zehnjährige türkische Staatsanleihen steigt alleine heute um fast einen ganzen Prozentpunkt (Wahnsinn) auf aktuell 19,26%. Im Februar waren es noch 14%.

Und jetzt Achtung! In den nächsten Tagen könnte sich die Lage dramatisch verschärfen. Denn die Türkei will von Russland Raketensysteme kaufen. Laut einem offenbar auf Insiderquellen in US-Militärkreisen beruhenden Bericht von CNBC habe die Türkei noch zwei Wochen Zeit diesen Deal mit Russland zu stornieren. Die US-Regierung übt also massiven Druck aus. Man solle doch lieber Patriot-Raketen vom US-Hersteller Raytheon kaufen. Würde die Türkei ihre Bestellung nicht „umbuchen“, würden die USA der Türkei die Lieferung von F35-Flugzeugen aus US-Produktion verweigern, und womöglich würden die USA Sanktionen gegen die Türkei einführen. Man bedenke abseits von Donald Trumps „launigem“ Gemüt: Die Türkei ist NATO-Mitglied, und die Mitgliedsstaaten sollen Waffensysteme kaufen, die innerhalb der Gruppe kompatibel sind. Und das wird auf russische Raketen wohl kaum zutreffen.

Geht man davon aus, dass die Reporterin von CNBC richtig recherchiert hat (der Bericht klingt doch recht glaubwürdig), könnte es bald hoch her gehen zwischen der Türkei und den USA. Es ist kaum vorstellbar, dass Präsident Erdogan den Russen-Deal jetzt noch absagt. Dies wäre ein Gesichtsverlust in der Öffentlichkeit, weil er sich von den USA hätte diktieren lassen, wo er seine Waffen einkaufen darf.

Man bedenke, welche Turbulenzen die winzigen US-Sanktionen am Kapitalmarkt verursachten, als die Türkei einen US-Pastor freilassen sollte. Was wäre erst los bei dieser Verweigerung der Türken in Sachen Raketen-Einkauf? Es dürfte die US-Rüstungshersteller verdammt hart treffen solch große Aufträge nicht zu erhalten, also Raketen und 100 Kampfjets. Die Reaktion aus dem Weißen Haus könnte also heftig ausfallen, und damit auch die Turbulenzen am türkischen Kapitalmarkt.

Noch sind wir in dieser Sache im „Wenn-Modus“. Wenn dies passiert, könnte danach dies und jenes passieren. Aber wer in türkischen Aktien, der Lira oder in Anleihen unterwegs ist, sollte dieses Szenario für die nächsten Tage im Hinterkopf behalten!

Türkei Istanbul
Die Hagia Sophia in Instanbul. Foto: Julian Nitzsche CC BY-SA 4.0

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Anleihen

Das BBB-Anleiherisiko in den USA – es ist nicht vom Tisch

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Auch wenn man derzeit sein Augenmerk an den Märkten hauptsächlich auf den US-Handelsstreit mit China richtet und seine möglichen Auswirkungen auf die weltweite Konjunktur, so ist ein anderes Risiko ebenso virulent, das BBB-Risiko. Gemeint ist der unglaublich gestiegene Anteil an US-Unternehmensanleihen, die nur eine Stufe über Junk-Status notieren. Und damit wird der unmittelbare Zusammenhang zwischen dem Anleiherisiko und der Konjunktur deutlich.

 

Die Warnungen von Jeff Gundlach

Auch wenn ich bereits mehrere Kommentare über das Risiko von US-Anleihen auf diesem Niveau geschrieben habe, brachte mir ein Video mit dem Bondkönig Jeff Gundlach das große Gefahrenpotenzial dieser Schuldenproblematik wieder ins Bewusstsein. Seine Kernaussagen:

„Die Fed achtet derzeit mehr auf die Kreditmärkte als auf die Aktienmärkte. Die Verschuldung weltweit beträgt 243 Billionen Dollar und wir haben so viele Anleihen mit BBB-Rating, nur eine Stufe von Junk entfernt. Fed-Chef Powell achtet nicht so sehr auf Verluste an den Aktienmärkten, sondern auf die Bewertung der High Yield Bonds, die sich im letzten Jahrzehnt im Volumen verdreifacht haben.“

Das Problem ist, dass bei einer Rezession diese Problembonds ausfallen können, denn: Wenn sie in den Junk Bond-Status fallen, verlieren sie den Investmentgrade-Status und müssen von den großen Kapitalsammelstellen abgestoßen werden. Davor fürchtet sich die Fed. Da sind wir wieder bei dem großen Zusammenhang. Die Konjunktur muss von der Fed am Laufen gehalten werden und es darf aus Sicht der Anleihemärkte zu keinem größeren Zinsanstieg kommen.

Deshalb sollte es sich lohnen, den Chart der High Yield Bonds ständig im Auge zu haben.

 

Hier ein paar Fakten zu den Dimensionen

im Jahr 2008 gab es in der USA zahlreiche Unternehmen, die von den Ratingagenturen mit Triple A bewertet wurden. Heute gibt es nur noch acht Unternehmen, die von Standard&Poors mit dreimal A, von allen drei Agenturen zusammen, wird nur noch eine einzige Firma mit dem Toplabel versehen, der Pharmakonzern Johnson&Johnson. Den größten Absturz verzeichnete General Electric (GE), die über ein halbes Jahrhundert das Toprating besaßen und jetzt bei BBB+ gelandet sind, unweit des Junkstatus.

Die OECD warnt in einer Studie, dass in den Industriestaaten der Unternehmensanleihemarkt von 2009 um 70 Prozent auf 10,2 Billionen Dollar gestiegen ist. Für die USA bedeutet dies eine Steigerung auf 45 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt, dem zweithöchsten Wert seit dem zweiten Weltkrieg. Mit den steigenden Schulden sank das Rating, so dass bereits 54 Prozent aller US-Papiere mit Investmentgrade im schwachen BBB -Bereich angesiedelt sind. Eigentlich hätten sich das Rating in einem Wirtschaftsaufschwung verbessern müssen und nicht umgekehrt.

Nach Ansicht von Dr. Daniel Stelter (Beyond the Obvious) könnten Anleihen im Wert von 1000 Milliarden Dollar bei einer Rezession in den Junk-Bond -Bereich rutschen. Hinzu kommt, dass in den kommenden drei Jahren weltweit Anleihen in Höhe von vier Billionen Dollar zurückgezahlt oder neu finanziert werden müssen.

 

Schlussfolgerung

Der entscheidende Punkt sind die Anlagerichtlinien der großen Kapitalanlagestellen. Diese dürfen in ihrem Portfolio keine Anleihen halten, die den Investmentgrade-Status verloren haben. Das wird aber in großem Stile passieren, bei einer Eintrübung der Konjunktur. Dann müssen diese Papiere auf den Markt geworfen werden, die Zinsen für Käufer steigen und die zu ersetzenden Papiere können nicht mehr zu niedrigen Konditionen erworben werden – ein massives Ausfallrisiko. Vielleicht eine Finanzkrise 2.0 und da schlösse sich der Kausalzusammenhang zwischen Konjunktur und Asset-Märkten. Wie sagte Jeff Gundlach sinngemäß: das System ist bankrott, man will diesen nur möglichst lange hinauszögern.

Deshalb fürchten Geldpolitiker eine Rezession so wie der Teufel das Weihwasser.

 

Von Hundsgemeini – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15697318

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Anleihen

Einfach verdientes Geld: Für 10 Jahre Geld leihen und 0,07% Gewinn machen

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Ja, die Zeiten für für den Bundeshaushalt werden demnächst wohl ungemütlicher. Die Steuereinnahmen werden vermutlich sinken, während die Kosten konstant hoch bleiben oder sogar noch weiter steigen (Soziales, Verteidigung, Rente uvm). Wie gut, dass unser aller Finanzminister Olaf Scholz wenigstens in einem Bereich verdammt einfach, sogar spielend einfach Geld verdienen kann. Wir hatten in den letzten Jahren schon öfters solche Beispiele gebracht bei zwei oder fünf Jahre laufenden Anleihen.

Spielend einfach Geld verdienen mit dem Verkauf von Anleihen

Aber heute ist die zehn Jahre laufende Bundesanleihe an der Reihe als Gewinn-Geschäft, was nicht so oft vorkommt. Aktuell verdient der deutsche Bundeshaushalt auch mit der Ausgabe von zehn Jahren laufenden Bundesanleihen Geld. Ja, man kann es nicht oft genug betonen, was für ein kaputter Kapitalmarkt das ist. Aber kommt es nur oft genug vor, setzt der Gewöhnungseffekt ein. Und so kaputt wirkt all das auf einmal nicht mehr!

Aber zur Sache. Heute hat die Finanzagentur Deutschland GmbH für Olaf Scholz den institutionellen Investoren zehn Jahre laufende Bundesanleihen mit einem Volumen von 3 Milliarden Euro zum Kauf angeboten. Die Nachfrage lag bei 4,29 Milliarden Euro. Bei der vorigen Auktion vor vier Wochen lag die Nachfrage bei gleich hohem Angebot bei 4,78 Milliarden Euro. Damals lag die Emissionsrendite bei +0,02%. Heute liegt sie bei -0,07%. Also macht Olaf Scholz heute sogar einen kleinen Gewinn mit dem Verkauf von Schulden – und das wie gesagt bei zehn Jahren Laufzeit!

Grundsätzliches

Grundsätzlich zur Thematik: Warum große Institutionelle wie Versicherungen, Banken, Fonds, Pensionskassen etc überhaupt Anleihen mit negativer Rendite kaufen? Nun, Fonds, Versicherungen etc können ihre gigantischen Cash-Bestände nicht auf Bankkonten liegen lassen. Schon bei „kleinen“ Millionen-Summen muss heutzutage jeder Kunde praktisch bei jeder Bank in der Eurozone um die 0,4% Strafzins an die Bank zahlen. Denn die Bank muss für überschüssige Liquidität ja auch 0,4% Strafzins an die EZB entrichten – also reichen Banken für große Guthaben den Strafzins an den Endkunden weiter. Von daher ist es langfristig gesehen für die großen Investoren „günstiger“ 0,07% Zinsen an den deutschen Staat zu zahlen als 0,40% Zinsen an die eigene Hausbank.

Und was ist, wenn die Negativrenditen bei Anleihen noch unter -0,40% sinken? Dies ist bei deutschen Kurzläufern ja seit geraumer Zeit der Fall. Grundsätzlich kann man sagen: Der Mechanismus ist einfach. Je mehr (Anleihekurse notieren in Prozentpunkten) der Investor für eine Anleihe zahlen muss, desto geringer ist seine Rendite, weil der Zinskupon sich ja nicht ändert. Sinkende Renditen bedeuten steigende Kurse und umgekehrt. Große Institutionelle, die nicht ans Anlegen denken, sondern ans Zocken, schielen auf die Kursgewinne bei Staatsanleihen. Und handelt man mit Milliardensummen, war da in den letzten Jahren einiges zu holen. Der Emissionskurs der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe zum Beispiel lag im Januar noch bei 99,57% (Rendite +0,29%). Jetzt liegt der Kurs schon bei 103,11% (Rendite -0,07%).

Olaf Scholz und Angela Merkel
Wenigstens mit dem Verkauf von Schulden können Olaf und Mutti wie im Schlaf Geld verdienen, dank Mario Draghi. Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

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