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Wirtschaft im April: China meldet schwache Daten

Jüngst veröffentlichte Daten zeigen: Die Wirtschaft in China hat einige strukturelle Probleme. Eine Analyse wichtiger Themenfelder.

Shanghai
Skyline von Shanghai. Foto: nataliehora - Freepik.com

Die Schließung der Straße von Hormus frisst sich weiter in die ohnehin schon fragile chinesische Wirtschaft. Die Summe der gestern veröffentlichten Wirtschaftsdaten zeichnet ein Bild weiter schwindender Profite, zurückgehender Investitionen und von Konsumenten in China, die immer vorsichtiger agieren. Zudem steigt die Jugendarbeitslosigkeit bereits vor den Abschlussprüfungen an Schulen und Universitäten.

Industrieproduktion in China verfehlt Erwartungen: Tech-Sektor stützt die Zahlen

Chinas Industrieproduktion stieg im April im Vergleich zum Vorjahr um 4,1 Prozent und verlangsamte sich damit gegenüber dem Wachstum von 5,7 Prozent im März. Zugleich blieb sie unter den Erwartungen eines Anstiegs um 5,9 Prozent, die in einer Reuters-Umfrage ermittelt worden waren. Während die traditionellen Industriezweige weiter unter Druck gerieten, entwickelten sich technologieintensive Bereiche deutlich dynamischer. So legte die Fertigung von Hightech-Produkten im April um 12,8 Prozent zu. Besonders kräftig fiel das Wachstum im Bereich Computer, Kommunikation und sonstige elektronische Geräte aus, der ein Plus von 15,6 Prozent verzeichnete. Noch stärker expandierte die Produktion von integrierten Schaltkreisen in China, die um 22,1 Prozent zunahm, während auch die Produktion von Industrierobotern mit einem Anstieg von 15,1 Prozent deutlich zulegte. Eine Ausnahme bildete die Automobilindustrie, deren Gesamtproduktion um 2,6 Prozent sank, auch wenn die Fertigung von Elektrofahrzeugen noch ein Wachstum von 3,8 Prozent erreichte.

Demgegenüber standen erneut jene Branchen, die eng mit dem anhaltend schwachen Immobilienmarkt und den damit verbundenen traditionellen Industriezweigen verknüpft sind. Dort setzte sich die Abschwächung im April sichtbar fort.

Anlageinvestitionen sinken: Immobilienkrise bleibt der Belastungsfaktor

Insgesamt handelt es sich um das schwächste Wachstumstempo seit fast drei Jahren. Entsprechend schwach fielen die Anlageinvestitionen im April aus, die in den ersten vier Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,6 Prozent zurückgingen. Nach Angaben der Statistikbehörde belief sich ihr Gesamtvolumen in diesem Zeitraum auf 14,13 Billionen Yuan (rund 1,78 Billionen Euro), umgerechnet rund 2,06 Billionen US-Dollar.

Zwischen den einzelnen Bereichen zeigte sich jedoch ein differenziertes Bild. Während die Investitionen in die Infrastruktur um 4,3 Prozent zunahmen und jene im verarbeitenden Gewerbe um 1,2 Prozent stiegen, blieb der Immobiliensektor in China der zentrale Belastungsfaktor. Ohne den Bausektor ergab sich bei den Anlageinvestitionen noch ein Zuwachs von 1,3 Prozent, wohingegen die Investitionen in die Immobilienentwicklung um 13,7 Prozent einbrachen.
Vergleichsweise robust präsentierten sich erneut die technologieintensiven Branchen, in denen die Investitionen um 6,1 Prozent zulegten. Besonders deutlich fiel der Anstieg in der Luft- und Raumfahrtindustrie mit 17,9 Prozent aus, gefolgt von der Herstellung von Computern und Bürogeräten mit 13,9 Prozent sowie dem Informationsdienstleistungssektor mit 18,1 Prozent.

Bestandsimmobilien im Minus: Abwärtstrend setzt sich fort

Der Einbruch bei den Investitionen im Immobilienbereich zeigt sich auch an der Entwicklung der Neubautätigkeit. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der begonnenen Wohnungsbauprojekte um rund 60 Prozent zurückgegangen. Zwar hat sich der Preisverfall zuletzt etwas abgeschwächt, doch von einer Stabilisierung des Marktes kann weiterhin keine Rede sein. Nach Angaben des Nationalen Statistikbüros in China (NBS) sanken die Preise für neu gebaute Wohnungen in 70 Großstädten im April gegenüber dem Vormonat um 0,19 Prozent und damit so langsam wie seit einem Jahr nicht mehr.

Bei Bestandsimmobilien, die wegen des geringeren staatlichen Einflusses als aussagekräftigerer Indikator für die tatsächliche Marktverfassung gelten, betrug das Minus 0,23 Prozent und fiel damit so gering aus wie zuletzt im März 2025. Gleichwohl bleiben beide Werte negativ.

Wer keine Immobilie kaufen will oder für sein Unternehmen keine neuen Anlagen beschafft, braucht auch keine Hypothek. Im April brachen die Kredite um 786,9 Milliarden Yuan (rund 99,23 Milliarden Euro) ein. Die Verbraucher halten ihr Geld zusammen, was sich auch darin zeigt, dass die Verschuldung der Haushalte im ersten Quartal im Jahresvergleich um 0,4 Prozent schrumpfte, was den ersten derartigen Rückgang seit 1995 darstellt. Dies spiegelt eine tiefe Verunsicherung der Verbraucher wider, die aufgrund der anhaltenden Immobilienkrise und eines langsameren Einkommenswachstums davor zurückscheuen, neue Schulden aufzunehmen.

Auch bei den Unternehmen sank die Nachfrage nach kurz- sowie mittel- und langfristigen Krediten spürbar. Das Wachstum der Unternehmensverschuldung liegt mit 7,8 Prozent nahe einem Rekordtief.

Die Zentralbank argumentiert, dass China den Pfad der rein mengenmäßigen Expansion verlasse und sich in Richtung eines „qualitativ hochwertigen Wachstums“ bewege. Da die Wirtschaft zunehmend von kapitalleichten Sektoren wie Technologie und modernen Dienstleistungen getrieben werde, sinke die Abhängigkeit von traditionellen Bankkrediten.

Die Zahlen sprechen jedoch eher gegen diese Darstellung. Die Investitionen und auch die Kredite beziehungsweise Anleihen werden von Unternehmen aufgenommen, die in den einzig verbliebenen Wachstumsmärkten tätig sind. Allerdings erfolgt bislang keine Transformation von Unternehmensgewinnen in Löhne und Gehälter privater Haushalte, die sich Konsum und neue Wohnungen somit nicht leisten können und daher immer weniger Schulden aufnehmen.

Einzelhandelsumsätze auf dem niedrigsten Stand seit der Pandemie

Dies zeigt sich besonders beim Sorgenkind der chinesischen Wirtschaft, dem Konsum. Bereits in der vergangenen Woche deuteten die eingebrochenen Autoverkäufe als Indikator für die Konsumneigung auf diese Entwicklung hin. Nun zeigt sich, dass die Einzelhandelsumsätze nur um 0,2 Prozent gewachsen sind. Das ist die niedrigste Wachstumsrate seit der Corona-Pandemie. Da die Konsumentenpreise jedoch um 1,3 Prozent gestiegen sind, ergibt sich daraus, dass der Konsum real geschrumpft ist.

Ein Faktor hinter den schwachen Zahlen des Einzelhandels dürfte die steigende Jugendarbeitslosigkeit sein. Im März kletterte sie auf ein Viermonatshoch von 16,9 Prozent. Das Beunruhigende daran ist, dass sich die Arbeitslosenquote in dieser Kohorte noch vor dem Sommer, also vor den Abschlussprüfungen an Schulen und Universitäten, erhöht. Ab Juni drängen wieder Millionen junger Absolventen auf einen Markt, der schon jetzt gesättigt ist. Für den Staat ist dies ein Problem, denn Studenten können in China weder ihr Fach noch ihren Studienort frei wählen. Bisher garantierte der Staat, dass sie mit einem höheren Einstiegsgehalt sowie wirtschaftlichen und sozialen Aufstiegschancen belohnt werden. Nun kann er dieses Versprechen nicht mehr einhalten, was zu einem Vertrauensverlust führt.

Die April-Daten setzen das konsistente Bild der vergangenen Monate einer fragilen Wirtschaftslage fort. Während zu Jahresbeginn noch Hoffnung auf eine Stabilisierung und eine graduelle Verbesserung bestand, macht sich nun wieder Ernüchterung breit. Am deutlichsten lässt sich dies an den schwachen Konsumzahlen und der nachlassenden Nachfrage nach Krediten ablesen. Der Trend geringerer Investitionen setzt sich ebenso fort wie der Umbau der Wirtschaft in Richtung Hightech und Künstliche Intelligenz. Allerdings finden nicht nur diejenigen, die in China in den traditionellen Wirtschaftszweigen ihren Arbeitsplatz verloren haben, keinen neuen mehr, sondern auch für junge Absolventen wird die Lage immer schwieriger. Hoffnung verspricht derzeit allein der Export. Mit einer Weltwirtschaftskrise, die umso wahrscheinlicher wird, je länger die Straße von Hormus geschlossen bleibt, gerät jedoch auch diese Hoffnung in Gefahr.



Dói Ennoson
Über den RedakteurDói Ennoson
Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.
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1 Kommentar

  1. …das US Handelsbilanzdefizit mit China schrumpft auch deutlich…laut Statista sind die Importe der USA aus China von 536 Mrd. (2022) auf 308 Mrd. US Dollar (2025) eingebrochen. Auch wenn die Chinesen Ihrerseits weniger empfangen haben 154 auf 106, so ist das Defizit stark rückläufig von minus 382 auf minus 202…dieser Umsatz der USA fehlt natürlich auch in den Auftragsbüchern der Chinesen…mich wundert, dass die das so lange durchhalten und nicht umkippen, bei den vielen Baustellen die da existieren…

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