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Wirtschaft USA: Kommt der Einbruch beim Konsum?

Sicherlich ist der Rückgang des US-Verbrauchervertrauens auch der Federal Reserve nicht verborgen geblieben

Konsum und Wirtschaft in den USA

Der Konsum ist für die Wirtschaft in den USA von zentraler Bedeutung: zwei Drittel Bruttoinlandsprodukts hängen am Konsum – das ist es, was dazu geführt hat, dass die US-Regierung zu Beginn der Corona-Pandemie alle Geldschleusen öffnete, Rettungspakete in Billionenhöhe implementierte, mit Helikoptergeld und mit für die USA außergewöhnlich hohen Arbeitslosenhilfen.

Es gibt kaum eine (Volks-)Wirtschaft, die derart abhängig ist von den Ausgaben ihrer Verbraucher, wie die in den USA. Jetzt trocknen diese Sonderhilfen im September aus, die Unsicherheit wegen steigender Coronazahlen verunsichern die Verbraucher, der sehr beachtete Index für das Vertrauen Vertrauen der Universität Michigan ist zum Ende August regelrecht eingebrochen.

Wirtschaft: Verbraucherstimmung fast auf Rezessionsniveau

Diese Feststellung klingt fast ein wenig schizophren, schließlich hatten erst vor Kurzem die US-Unternehmen beste Quartalszahlen gemeldet, darunter auch die großen Einzelhandelsketten wie Walmart und Co. Das war jedoch ein Blick in den Rückspiegel, die zukünftige Stimmung der Verbraucher symbolisiert etwas anderes. Allerdings handelt es sich dabei um volatile Stimmungsdaten, die Zukunft wird es zeigen, ob sich dies auch im Konsumverhalten bemerkbar macht.

Hier der August-Einbruch um 13 Prozent:

Einbruch des für die Wirtschaft so wichtigen US-Konsums?

Grafik: Advisor Perspectives

Der August-Rückgang um 13,4 Prozent auf 70,3 Punkte war schon eine heftige Enttäuschung. Damit befindet man sich eigentlich auf einem Punktestand wie zu Beginn der letzten Rezessionen. Der Chefökonom für diese Erhebung, Richard Curtin, ordnete die Daten wie folgt ein:

Der Consumer Sentiment Index verzeichnet mit seinem scharfen Rückgang die ungünstigsten Konjunkturaussichten seit mehr als einem Jahrzehnt. Ein sehr ungewöhnlicher Rückgang, wie es ihn nur ein paar Mal seit 1987 gegeben hat. Besonders groß waren die Verluste im Erwartungsindex, der alle Bevölkerungsgruppen, Regionen und Konjunkturaussichten betraf. Die privaten Finanzaussichten verschlechterten sich weiter aufgrund geringerer Einkommensgewinne. Die extremen Reaktionen der Verbraucher seien auf die steigende Infektionszahlen der Delta-Variante, auf eine höhere Inflation, ein langsameres Lohnwachstum und einen geringeren Rückgang der Arbeitslosigkeit zurückzuführen. Alles in allem aber eine sehr emotionale Reaktion, die sich aber wieder ändern könnte, insbesondere durch ein Abflauen der Pandemie.

Daher müsse es durch den Vertrauenskollaps nicht gleich einen unmittelbar bevorstehenden Abschwung der Wirtschaft geben.

So habe es im September 2005 ereignet, als es einen vergleichbaren Rückgängen des Stimmungsindex (13,7 % im Jahr 2005 gegenüber 13,4 % im Jahr 2021) gegeben hatte. Ursache für den starken Rückgang damals waren die Verwüstungen durch Hurrikan Katrina und steigende Energiepreise.

Fazit

Sicherlich ist der Rückgang des US-Verbrauchervertrauens auch der Federal Reserve nicht verborgen geblieben. Ist dies vielleicht auch ein Grund, warum sich Jerome Powell so zögerlich zeigt, eine Timeline für ein Tapering zu präsentieren? Ein Anstieg bei den Kapitalmarktzinsen würde sich nahezu auf alle Kreditarten in den USA auswirken – eine Bürde für den Konsum und damit für weite Teile der Wirtschaft in den USA.

Ein abebbender Konsum, auch befördert durch höhere Verbraucherpreise, diese Kombination käme der Fed sowie der US-Regierung alles andere als gelegen.



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