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Konjunkturdaten

Wirtschaftskrise oder Übertreibung? Steingart gegen Stelter

Markus Fugmann

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Haben wir bereis eine Wirtschaftskrise und stehen ökonomisch vor dem Abgrund? Wie schlimm steht es wirklich um die Wirtschaft in Deutschland und um die Weltwirtschaft? Klar ist: die Daten vor allem der Industrie in Deutschland sind derzeit, nach langem Boom, geradezu deprimierend.

Was kommt da auf uns zu – eine Art Wiederholung der Großen Depression, also der Wirtschaftskrise ab Ende der 1920er-Jahre? Daniel Stelter hat dazu gestern einen Artikel im „Manager Magazin“ veröffentlicht – er sieht deutliche Parallen zur damaligen Wirtschaftskrise:

„Alles ähnelt den Zutaten der Großen Depression der 1930er-Jahre, nur dass wir es deutlich wilder getrieben haben als unsere Vorfahren. Auch die Große Depression war die Folge von zu hohen Schulden und unproduktiver Verwendung des neuen Geldes.“

Die Notenbanken seien mit ihrem Latein am Ende, so Stelter, der von „Notenbankensozialisms“ spricht, der nun an das Ende seiner Wirkung komme:

„Die Geldpolitik verliert ihre Wirksamkeit und damit fehlt der entscheidende Treibstoff für die Vermögenswerte weltweit. Kommen die Märkte ins Rutschen, könnte es diesmal sein, dass die Medizin nicht mehr wirkt. Deshalb – und wohl wirklich nur deshalb – fordern anerkannte Branchengrößen wie BlackRock, dass die Notenbanken dazu übergehen sollen, Aktien zu kaufen.“

Ganz anders sieht das der ehemalige Chefredakteur des Handelsblatts, Gabor Steingart, in seinem heute erschienenen „Morning Briefing“. Dort formuliert Steingart:

„die mediale Apokalypse-Industrie macht seit Wochen Überstunden. Täglich beliefert sie die Frühstückstische mit ihren Angstprodukten, bestehend aus den Halbfertigwaren Rezession und Handelskrieg. Die „Süddeutsche Zeitung“ weiß, wo wir stehen: „Einen Schritt näher am Abgrund“. Doch es gibt gute Gründe, der seriellen Panikproduktion zu misstrauen. Die Weltwirtschaft kühlt zwar ab, aber sie gefriert nicht. Fünf Argumente für begründete Zuversicht“.

So recht überzeugen uns die Argumente von Steingart nicht – so etwa wenn die Rede ist vom „produktiven Kern der Volkswirtschaften“ – also den Volkswirtschaften, die derzeit durch die Abschaffung der Zinsen und Negativzinsen dabei sind, zu zombifizieren. Oder wenn die Firmen angeblich so robust seien, weil sie „Schockabsorber, beispielsweise durch die weltweit verlegten Wertschöpfungsketten“ besäßen (was in Zeiten des Handelskriegs wohl wenig Schockabsorbierend wirkt).

Oder auch die Aussage Steingarts:

„Die Digitalisierung der Weltwirtschaft ist das größte Zukunftsprojekt der Menschheitsgeschichte, das schon deshalb keiner stoppen kann, weil es kein Einzelner gestartet hat. Investitionsgelder in Billionenhöhe warten auf ihren Einsatz.“

Schön – aber warum steigt trotz der Digitalisierung der Weltwirtschaft die Produktivität nicht wirklich? Vielleicht, weil diese Digitalisierung doch nicht „das größte Zukunftsprojekt der Menschheitsgeschichte“ ist – zumal immer mehr Menschen ihre Zeit unproduktiv mit ihren Facebook-Accounts verplempern, statt wirklich produktiv zu werden?

Aber bilden Sie sich Ihre eigene Meinung!

Den Artikel von Daniel Stelter mit dem Titel „Notenbanksozialismus – so führt die EZB-Politik ins Desaster“ finden Sie hier..
Und Steingarts „Morning Briefing“ finden Sie hier..

Steht die Welt vor einer Wirtschaftskrise?

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Macwoiferl

    6. September 2019 13:09 at 13:09

    Hallo @Markus Fugmann, auch an dieser Stelle nochmals:
    Es geht doch NICHT darum was IST.
    Es geht darum schöne Theaterkulissen aufzubauen!
    Im Spielplan: „Heile Welt“ vom Bob-The-Builder.
    Inhalt: Verschuldet euch, es ist umsonst!
    Und die Leute tun es, 1.2 Bio Immokredite.
    Klar ist Rezession längst…
    Doch bei steigenden Kursen (Algomaten) ist diese Nachricht nur halb so wild!
    Ihr thematisiert das hier aber erst wenns übern Ticker kommt (dpa) oder Stanzl dies sagt… Leider

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Aktuell: US-Immobiliendaten durchwachsen

Redaktion

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Die US-Baubeginne (September) sind mit +1,9% und einer Jahresrate von 1,415 Millionen schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war eine Jahresrate von 1,457 Millionen; Vormonat war 1,416 Millionen, nun auf 1,388 Millionen nach unten revidiert).

Die US-Baugenehmigungen (ebenfalls September) sind mit +5,2% und einer Jahresrate von 1,533 Millionen besser ausgefallen als erwartet (Prognose war eine Jahresrate von 1,520 Millionen; Vormonat war 1,476 Millionen).

Der Boom am US-Immobilienmarkt hatte sich gestern auch im Allzeithoch des NAHB Index gezeigt – die amerikanischen Immobilien-Käufer sind derzeit euphorisch wie noch nie..

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Aktuell: Verbrauchervertrauen Uni Michigan – Sieg von Biden erwartet

Markus Fugmann

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Das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan (1.Veröffentlichung für Oktober) ist mit 81,2 etwas besser ausgefallen als erwartet (Prognose 80,5; Vormonat war 80,4).

Die Einschätzung der aktuellen Lage dagegen schwächer als erwartet, sie liegt bei 84,9  (Vormonat war 87,9)

Die Konsumentenerwartung liegt bei 78,8  (Vormonat war 73,3)

 

Dazu schreibt Richard Curtin, der die Umfrage verantwortet:

„Slowing employment growth, the resurgence in covid-19 infections, and the absence of additional federal relief payments prompted consumers to become more concerned about the current economic conditions. Those concerns were largely offset by continued small gains in economic prospects for the year ahead. The Current Conditions Index recorded its second small reversal, the first being in June, but even at its best, it has never come close to its December peak, being still down by 26.5%. The Expectations Index, despite the recent gain, is still down by 14.4% from its February peak. How much has the presidential electioneering influenced this twist in consumer sentiment? Consumers were not asked whom they will or had voted for or their preference, but who they expected to win the election to determine the election’s potential influence on economic expectations. Among all consumers, Biden’s advantage in early October grew to 7 from 1 percentage point in the July to September surveys (see the chart). While self-identified Democrats and Republicans heavily favored the candidate from their own party, that proportion grew by 8 points among Democrats and shrunk by 5 percentage points among Republicans. Most elections are decided by those who are non-aligned with either party; the views of Independents remained unchanged and nearly equal, giving Trump a slight advantage of 2 or 3 points. When the difference in the Expectations Index was calculated by party identification, Trump still held an advantage over Biden with some interesting twists: Trump’s advantage on the Expectations Index greatly narrowed among Republicans (from 31.1 in July to September to 13.9 in October) and only a slight narrowing among Democrats (from 4.0 to 1.6), but it widened among Independents (from 20.9 to 24.4).“

 

 

 

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Aktuell: US-Einzelhandelsumsätze stark

Redaktion

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Die US-Einzelhandelsumsätze (September) sind mit +1,9% besser ausgefallen als erwartet (Prognose war +0,7%; Vormonat war +0,6%). Ohne Autos liegen die Umsätze bei +1,5% (Prognose war +0,4%).

Die control group (also der Teil der US-Einzelhandelsumsätze, der direkt in die Berechnung des US-BIP einfließt) liegt bei +1,4% (Prognose war +0,2%; Vormonat war -0,1%, nun auf -0,3% nach unten revidiert).

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