Konjunkturdaten

Wirtschaftskrise oder Übertreibung? Steingart gegen Stelter

Haben wir bereis eine Wirtschaftskrise und stehen ökonomisch vor dem Abgrund? Wie schlimm steht es wirklich um die Wirtschaft in Deutschland und um die Weltwirtschaft? Klar ist: die Daten vor allem der Industrie in Deutschland sind derzeit, nach langem Boom, geradezu deprimierend.

Was kommt da auf uns zu – eine Art Wiederholung der Großen Depression, also der Wirtschaftskrise ab Ende der 1920er-Jahre? Daniel Stelter hat dazu gestern einen Artikel im „Manager Magazin“ veröffentlicht – er sieht deutliche Parallen zur damaligen Wirtschaftskrise:

„Alles ähnelt den Zutaten der Großen Depression der 1930er-Jahre, nur dass wir es deutlich wilder getrieben haben als unsere Vorfahren. Auch die Große Depression war die Folge von zu hohen Schulden und unproduktiver Verwendung des neuen Geldes.“

Die Notenbanken seien mit ihrem Latein am Ende, so Stelter, der von „Notenbankensozialisms“ spricht, der nun an das Ende seiner Wirkung komme:

„Die Geldpolitik verliert ihre Wirksamkeit und damit fehlt der entscheidende Treibstoff für die Vermögenswerte weltweit. Kommen die Märkte ins Rutschen, könnte es diesmal sein, dass die Medizin nicht mehr wirkt. Deshalb – und wohl wirklich nur deshalb – fordern anerkannte Branchengrößen wie BlackRock, dass die Notenbanken dazu übergehen sollen, Aktien zu kaufen.“

Ganz anders sieht das der ehemalige Chefredakteur des Handelsblatts, Gabor Steingart, in seinem heute erschienenen „Morning Briefing“. Dort formuliert Steingart:

„die mediale Apokalypse-Industrie macht seit Wochen Überstunden. Täglich beliefert sie die Frühstückstische mit ihren Angstprodukten, bestehend aus den Halbfertigwaren Rezession und Handelskrieg. Die „Süddeutsche Zeitung“ weiß, wo wir stehen: „Einen Schritt näher am Abgrund“. Doch es gibt gute Gründe, der seriellen Panikproduktion zu misstrauen. Die Weltwirtschaft kühlt zwar ab, aber sie gefriert nicht. Fünf Argumente für begründete Zuversicht“.

So recht überzeugen uns die Argumente von Steingart nicht – so etwa wenn die Rede ist vom „produktiven Kern der Volkswirtschaften“ – also den Volkswirtschaften, die derzeit durch die Abschaffung der Zinsen und Negativzinsen dabei sind, zu zombifizieren. Oder wenn die Firmen angeblich so robust seien, weil sie „Schockabsorber, beispielsweise durch die weltweit verlegten Wertschöpfungsketten“ besäßen (was in Zeiten des Handelskriegs wohl wenig Schockabsorbierend wirkt).

Oder auch die Aussage Steingarts:

„Die Digitalisierung der Weltwirtschaft ist das größte Zukunftsprojekt der Menschheitsgeschichte, das schon deshalb keiner stoppen kann, weil es kein Einzelner gestartet hat. Investitionsgelder in Billionenhöhe warten auf ihren Einsatz.“

Schön – aber warum steigt trotz der Digitalisierung der Weltwirtschaft die Produktivität nicht wirklich? Vielleicht, weil diese Digitalisierung doch nicht „das größte Zukunftsprojekt der Menschheitsgeschichte“ ist – zumal immer mehr Menschen ihre Zeit unproduktiv mit ihren Facebook-Accounts verplempern, statt wirklich produktiv zu werden?

Aber bilden Sie sich Ihre eigene Meinung!

Den Artikel von Daniel Stelter mit dem Titel „Notenbanksozialismus – so führt die EZB-Politik ins Desaster“ finden Sie hier..
Und Steingarts „Morning Briefing“ finden Sie hier..

Steht die Welt vor einer Wirtschaftskrise?



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1 Kommentar

  1. Hallo @Markus Fugmann, auch an dieser Stelle nochmals:
    Es geht doch NICHT darum was IST.
    Es geht darum schöne Theaterkulissen aufzubauen!
    Im Spielplan: „Heile Welt“ vom Bob-The-Builder.
    Inhalt: Verschuldet euch, es ist umsonst!
    Und die Leute tun es, 1.2 Bio Immokredite.
    Klar ist Rezession längst…
    Doch bei steigenden Kursen (Algomaten) ist diese Nachricht nur halb so wild!
    Ihr thematisiert das hier aber erst wenns übern Ticker kommt (dpa) oder Stanzl dies sagt… Leider

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